Medienmagazin vom 15.07.2017

Gesamt-PodCast:


Download (verlinkte Audio-Quelle: rbb, radioeins)

[00:00] INTRO: Journalist Zsolt Bogár (2011) | [02:02] Nicht mehr Journalist Zsolt Bogár (2017) | [07:02] Klubrádió: András Arató | [14:09] Népszabadság: Marton Gergely | [20:57] Regierungssprecher: Zoltán Kovács | [25:38] Watchdog: Dr. Gábor Polyák

Mächtige, die Medien in ihrem Sinn zu steuern versuchen, gegängelte und gedemütigte Reporter – sie gibt es nicht nur in fernen Weltgegenden, sondern auch mitten in Europa. Wie frei ist die Presse in Europa? Dieser Frage gingen die beiden Journalisten Daniel Bouhs von ZAPP und Jörg Wagner vom „Medienmagazin“ von Radioeins (rbb) mit einer vierwöchigen Rundreise nach. Sie besuchten Journalisten in fünf Ländern der Europäischen Union, die die Organisation Reporter ohne Grenzen in ihrem aktuellen internationalen Pressefreiheits-Ranking innerhalb der Europäischen Union weit hinten listet: Italien (Platz 52), Polen (54), Ungarn (71), Griechenland (88) und Bulgarien (109).

Folgende Gesprächspartner erläuterten ihre Sicht im Ungarn-Report:

* Zsolt Bogár, Ex-Journalist, der unter den aktuellen Bedingungen aufgegeben hat
* András Arató, Geschäfstführer Klub Rádió, das Lizenzen verlor
* Márton Gergely, HVG (Onlineportal), früher Vize-Chef bei Népszabadság
* Zoltán Kovács, ungarischer Regierungssprecher
* Dr. Gábor Polyák, Medienrechtswissenschaftler an der Uni Pécs (Fünfkirchen), Berater des früheren Vorsitzenden der ungarischen Medienbehörde

Vgl.: #EUPressefreiheitsCheck
* Polen
* Bulgarien
* Griechenland
* Italien


Video-Fassung für ZAPP:


Zsolt Bogár | Foto: © Jörg Wagner
Zsolt Bogár | Foto: © Jörg Wagner

András Arató, Geschäftsführer von Klub Rádio in Budapest, das die meisten UKW-Frequenzen verlor | Foto: © Jörg Wagner
András Arató, Geschäftsführer von Klub Rádio in Budapest, das die meisten UKW-Frequenzen verlor | Foto: © Jörg Wagner

„Klubrádió ist ein lebendiger Radiosender. Das könnte man als Zeichen für Medien-Freiheit in Ungarn werten. Aber wenn Sie sich die Umstände ansehen, unter denen wir arbeiten, dann erkennen Sie, dass es keine Medien-Freiheit gibt. Wir mussten vor Jahren sogar für unsere Lizenz vor Gericht ziehen. Wir haben keine Werbung vom Staat und auch nicht von staatlichen Unternehmen. In Ungarn ist der Staat aber der größte Werbetreibende. Und natürlich haben viele private Unternehmen Angst vor Reaktionen, wenn sie Werbung in linken oder oppositionellen Zeitungen oder Radiosendern schalten. Wir haben in den vergangenen sieben Jahren fast den kompletten Markt verloren – 90 Prozent. Also: Wir können nicht so arbeiten wie wir es normalerweise tun würden.“

Márton Gergely | Foto: © Jörg Wagner
Márton Gergely | Foto: © Jörg Wagner

„Sie sehen, dass sie total erfolglos sind. Und deswegen sind sie immer aggressiver und immer verletzender und versuchen, den ganzen Fake-News- und Lügenpresse-Vorwurf immer stärker zu bringen. Das frustriert. Und es gibt Tage, wo ich reinkomme, und ich habe keinen Bock noch Medien zu machen, weil eine Branche von innen zerfetzt wird.“

Zoltán Kovács, ungarischer Regierungssprecher | Foto: © Daniel Bouhs
Zoltán Kovács, ungarischer Regierungssprecher | Foto: © Daniel Bouhs

„Woran ich glaube und was wir auch Tag für Tag sehen, ist: Presse-, Rede- und Meinungsfreiheit sind in Ungarn quicklebendig und in einem guten Zustand. Es gab noch nie so viele kritische Stimmen in diesem Land wie in den vergangenen Jahren. Schauen Sie sich die politische und mediale Landschaft in Ungarn an: Ich glaube nicht, dass Sie große Probleme finden.“

Dr. Gábor Polyák | Foto: © Jörg Wagner
Dr. Gábor Polyák | Foto: © Jörg Wagner

„Es gibt immer weniger Plätze, immer weniger Räume für unabhängigen Journalismus, für unabhängige Akteure auf dem Markt. Die bekommen immer weniger Werbeeinnahmen, die bekommen keine Werbung vom Staat, ganz unabhängig davon, wieviele Leute man durch diesen Medienmarkt erreichen kann. Und sie bekommen keine Information. Das ist auch ganz üblich, dass Journalisten aus dem ungarischen Parlament ausgeschlossen sind. Sie bekommen keine Möglichkeit, ins Parlament zu kommen, sich dort zu informieren.“


Blick von der Fischerbastei auf die Donau mit dem Parlamentsgebäude | Foto: © Jörg Wagner
Blick von der Fischerbastei auf die Donau mit dem Parlamentsgebäude | Foto: © Jörg Wagner








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