Medienmagazin vom 22.07.2017

Gesamt-PodCast:


Download (verlinkte Audio-Quelle: rbb, radioeins)

[00:00] INTRO: Bulgarien 2013 | [03:02] BNT und “Die vierte Gewalt” | [10:31] Zu Besuch bei “Capital” | [18:23] CEM – die Medienaufsicht | [27:01] Ivo Bozhkov 2013 und 2017

Mächtige, die Medien in ihrem Sinn zu steuern versuchen, gegängelte und gedemütigte Reporter – sie gibt es nicht nur in fernen Weltgegenden, sondern auch mitten in Europa. Wie frei ist die Presse in Europa? Dieser Frage gingen die beiden Journalisten Daniel Bouhs von ZAPP und Jörg Wagner vom „Medienmagazin“ von Radioeins (rbb) mit einer vierwöchigen Rundreise nach. Sie besuchten Journalisten in fünf Ländern der Europäischen Union, die die Organisation Reporter ohne Grenzen in ihrem aktuellen internationalen Pressefreiheits-Ranking innerhalb der Europäischen Union weit hinten listet: Italien (Platz 52), Polen (54), Ungarn (71), Griechenland (88) und Bulgarien (109).

Folgende Gesprächspartner erläuterten ihre Sicht im Bulgarien-Report::

* Sevda Shishmanova, Direktorin vom nationalen, öffentlichen BNT 1, verantwortlich auch für Filmproduktion. BNT drehte ein fiktionale Serie “Die vierte Gewalt”, die investigative Journalisten bei der Arbeit im Politiker- und Geheimdienstmilieu zeigt. Die Serie löste eine öffentliche Debatte um Pressefreiheit aus. Politiker setzten durch, dass BNT mit einer Budgetkürzung um 8% bestraft wurden.
* Vesislava Antonova, Journalistin bei “Capital”, Wirtschaftsjournal, das aus den USA finanziert wird
* Maria Stoyanova, Leiterin der bulgarischen Aufsicht für elektronische Medien, CEM. Sie hält die schlechteste EU-Platzierung in der ROG-Liste für ungerecht
* Ivo Bozhkov, Mensch des Jahres 2013 (BG), ehemaliger Blogger, der Polizeieinsätze gegen Demonstranten live streamte, weil die Medien darüber nicht berichteten. Er machte gesetzloses Handeln der Sicherheitskräfte öffentlich, ging danach in die Politik, um auch hier für eine bessere Situation der Medien zu sorgen. Er hat eine eigene TV-Sendung in einem Internet-Kanal

Vgl.: #EUPressefreiheitsCheck
* Polen
* Ungarn
* Griechenland
* Italien


Video-Fassung für ZAPP:


Sevda Shishmanova | Foto © Jörg Wagner
Sevda Shishmanova | Foto © Jörg Wagner

„Wir als öffentlich-rechtlicher Sender folgen unseren internen Regeln und Standards. Seit Jahren schon führt das bulgarische Nationalfernsehen BNT das Ranking der Institutionen an, denen man am meisten vertraut. Dies steht im Widerspruch zur Liste von Reporter ohne Grenzen.“

Vesislava Antonova | Foto: © Jörg Wagner
Vesislava Antonova | Foto: © Jörg Wagner

„In Bulgarien wirst Du nicht ins Gefängnis gebracht, weil Du etwas geschrieben oder etwas gesagt hast. Du wirst auch nicht verprügelt auf der Straße. Oder es wird auch nicht das Auto angezündet. Für mich ist das wichtigere Problem, dass wenn Du eine Wahrheit veröffentlichst, dass 5 Lügen gegen Dich gestreut werden können. Und das ist das größte Problem. Das andere Problem ist die sogenannte Selbstzensur.“

Maria Stoyanova | Foto: © Jörg Wagner
Maria Stoyanova | Foto: © Jörg Wagner

„Zum ersten habe ich ein zwiespältiges Verhältnis zu dieser Liste, weil es ist mir nicht klar, nach welchen Kriterien werden die Länder auf den jeweiligen Ländern platziert. Zum zweiten ist es mir nicht transparent genug, (…) wie wurden die Kriterien erarbeitet? Wer steckt dahinter? Und wer ist derjenige, der bestimmt hat, dass Bulgarien hinter den Platz von Gabun gehört?“

Ivo Bozhkov | Foto: © Jörg Wagner
Ivo Bozhkov | Foto: © Jörg Wagner

„Natürlich haben wir in Bulgarien Redefreiheit. Ich kann sagen, was ich will und es gibt kein Problem damit. Man wird nicht groß verklagt. Das Problem ist: Die wichtigen Neuigkeiten zur Korruption erscheinen nicht, wenn sie in den großen Medien erscheinen sollten. Das zeigt, dass es ein großes Problem in den Printmedien gibt. Die Inhaber der Zeitungen manipulieren die Sichtweise in ihrem Sinne. Daher gibt es keine Meinungsvielfalt. Das ist eines der Hauptprobleme.“


Newski-Kathedrale | Foto: © Jörg Wagner
Newski-Kathedrale | Foto: © Jörg Wagner








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