Griechenland – Thessaloniki

Das späte Zusammentreffen mit der 1044

Thessaloniki: Sitz von ERT 3 | Foto:  © Jörg Wagner
Thessaloniki: Sitz von ERT 3 | Foto: © Jörg Wagner
Vor dem Funkhaus von ERT 3
Vor dem Funkhaus von ERT 3

Abgesehen davon, dass in mir schon seit meinem Theaterwissenschaftstudium eine unausgelebte Sehnsucht schlummerte, das Ur-Land der Demokratie und des Theaters kennenzulernen, gab es noch eine ganz besondere Anziehungskraft Griechenlands.

Ich gestehe, das ist ein sehr individueller und möglicherweise von anderen belächelter Impuls. Vielleicht bekomme ich mildernde Umstände, wenn es gelingt nachzuvollziehen, wie brutal es ist, als Radiomoderator nur auf einer von Störungen durchsetzten Mittelwelle senden zu dürfen.


Dieses Schicksal hatte Jugendradio DT64 vom 01.07.1992 bis 30.06.1993. Zugegeben in Sendernähe, also im Umkreis von vielleicht 20 km war das Signal akzeptabel. Aber für die meisten Hörer klang es so wie im letzten Tonbeispiel auf dieser Seite: verrauscht, mit Fading und zumeist mit einem zweiten Radioprogramm im Hintergrund: dem „Griechen“, wie wir ihn nannten.


Es war das erste Programm des staatlichen Radiosenders in Thessaloniki. Man sendet dort ebenfalls auf der 1044 KHz, was besonders in den Abendstunden zu einem Problem wird. Wenn das Tageslicht schwindet, spiegelt sich zusätzlich zur sogenannten Bodenwelle auch eine Raumwelle an der Ionosphäre. Damit erhöht sich die Reichweite, was dann notgedrungen zu Interferenzen, Überlagerungen mit anderen Programmen führen kann und in diesem Fall führte.


Diesen „Griechen“ einmal kennenzulernen, der DT64-Hörern und -Machern den Radioempfang erschwerte, das war ein verborgener Wunsch, der sich im Mai 2011, also 19 Jahre später im Umfeld der Eurokrise erfüllen sollte.

Pavlos Nerantzis
Pavlos Nerantzis

„Selbstverständlich verletzt das unsere Gefühle.“

Interview mit Pavlos Nerantzis, Radiochef des staatlichen Senders ERT3 in Thessaloniki, das aus drei Programmen besteht (Übersetzung: Eleni Klotsikas)


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Vgl.:
* ERT3
* Press in action

Panaglotis Vouras
Panaglotis Vouras

„UKW kann man in Griechenland nicht einfach so abschalten.“

Interview mit Panaglotis Vouras, Technik-Chef von ERT3 (Übersetzung: Eleni Klotsikas)


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Unter den Frequenzangaben von ERT 3 auch die 1044 KHz
Unter den Frequenzangaben von ERT 3 auch die 1044 KHz

„Aber da ist auch der vielfach erwähnte Grieche drauf.“

O-Töne: DX64Klub, 28.08.1992 und 30.10.1992 zur Interferenz auf der 1044 KHz


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4 thoughts on “Griechenland – Thessaloniki

  1. Vielleicht ein Trost: Auch andere haben schon vergeblich versucht, da dichter ranzukommen. Dort scheint wegen dem Flughafen einiges zum Sperrgebiet erklärt zu sein. Aber auf jeden Fall war es tatsächlich die richtige Anlage.

    Und hier die Fotos davon:
    http://www.panoramio.com/photo/21824084
    http://www.panoramio.com/photo/21824168
    http://www.panoramio.com/photo/46741597
    http://www.panoramio.com/photo/42379792

    Das hier ist aber schon bekannt? 😉 (beachte natürlich auch die Links im Kopf der Seite)
    http://janbalzer.gmxhome.de/wilsdruf/audio.htm

  2. @KaiLudwig Danke für das Koreferat ;-). Das ist ja schon eine eigene Seite wert. Zur Frage mit dem Besuch der Sendetürme. Leider wurde die Zeit zu knapp, da ich mich auch noch im Umfeld des Flugplatzes verfahren hatte. Dort gibt es wie auch in Deutschland Hinweisschilder, die einen geradeaus schicken, obwohl es besser wäre, nach links abzubiegen. Außerdem war es wegen des Streiks nicht klar, ob man dort auf Personal trifft. Ich war schon echt froh, dass man in der Sendezentrale so gastfreundlich war, ohne Anmeldung Interviews zu geben.

  3. Aber zu den Türmen gepilgert biste nicht? Die stehen neben dem kleinen Hafen unmittelbar südwestlich vom Flugplatz. Bei Google Maps / Panoramio sind einige schöne Fotos hinterlegt.

    Man beachte die letzte Zeile des Türschilds. Die ist nämlich im Prinzip nach wie vor aktuell, bis auf die Details der Wasserstände und Tauchtiefen. Aktuell sein sollten 9935 kHz von 13.00 bis 18.50 Uhr und dann 7450 kHz von 19.00 bis 0.50 Uhr. Das ist die erwähnte Ausstrahlung unter anderem auch für Gastarbeiter in Deutschland.

    Auch hier gibt es eine recht interessante Geschichte: Die Anlage entstand 1948/1949 als Gemeinschaftsprojekt mit den USA, mit einem Mittelwellensender und vier Kurzwellensendern für die Voice of America und einem Mittelwellensender für Elliniki Radiofonia, das ebenfalls einige Stunden Sendezeit auf Kurzwelle bekam.

    Ab 1972/1973 gab es dann eine eigene Kurzwellenanlage von Elliniki Radiofonia bei Athen und eine eigene, wesentlich größere Sendeanlage der VOA östlich von Kavála. Seitdem liefen aus Thessaloniki nur noch Eigenprogramme. Den alten Mittelwellensender hat man 1984 ausgetauscht, die alten Kurzwellensender liefen noch bis 2001 und ließen sich, nach mittlerweile 62 Jahren, dann wohl nicht mehr am Leben halten. Die Übertragung auf 9935/7450 kHz wechselte damals dann zu der besagten Sendeanlage im Raum Athen.

    Falls sich nun noch jemand wundert, wo hier die 95,8 MHz herkommt: Vom zweiten Programm, das auch wieder eine besondere Geschichte hat. Es gab früher in Griechenland den Militärrundfunk YENED, der auch nach dem Ende der Militärdiktatur weiterbestand und erst 1982 in den öffentlich-rechtlichen Rundfunk integriert wurde. Dazu gehörte in Thessaloniki eine eigene Mittelwellenanlage (Malgara) mit der Frequenz 1179 kHz, auf der jetzt eben dieses zweite Programm läuft. Seit 2007 gibt es dort auch die frühere VOA-Frequenz 792 kHz mit einem Sportprogramm aus Athen (ERA Spor). Den Sender dafür bekam als Geschenk von den Amerikanern, die sich 2006 aus Griechenland zurückgezogen haben und bis auf einige Gerätetechnik die Sendeanlage östlich von Kavála zurückließen. Es gab dort auch noch einen Revitalisierungsversuch, der aber – alles andere wäre natürlich auch sehr erstaunlich gewesen – im Sande verlief.

    Und falls sich weiterhin noch jemand fragt, was aus dem Sender Wilsdruff geworden ist: Die heutige Sendetechnik steht direkt am Rohrmast, mit zwei modernen Transistorsendern, auf 1044 kHz mit 20 kW (statt der 250 kW bei DT64; das ist also nicht etwa die Reichweite und Empfangsqualität wie damals) für MDR Info mit den altbekannten, von MDR 1 Radio Sachsen realisierten Übertragungen aus dem sächsischen Landtag, und auf 1431 kHz tatsächlich wieder „running a quarter million watts“ für die Stimme Rußlands (das, was früher Radio Moskau hieß; Auslandsradio auch mit größeren Sendestrecken in Deutsch). Mit den alten Gebäuden hat der Senderbetreiber Media Broadcast nichts mehr zu tun; es scheint dafür überhaupt keinen richtigen Ansprechpartner zu geben, nachdem es für die Stadt Wilsdruff offenbar eine Nummer zu groß ist, aus der grundsätzlich mit Denkmalschutz belegten Anlage ein richtiges Museum zu machen.

    Die Dreieckflächenantenne ist vor Jahren wegen Baufälligkeit abgerissen worden. Wer so etwas einmal sehen will, der müßte sich nach Wiederau bei Pegau bemühen. Dort läuft über so eine Antenne MDR Info auf der 783 kHz, die deshalb auch nicht so toll geht, wie man es bei 100 kW Sendeleistung an sich erwarten würde. Das sind übrigens keine Dipole (so etwas gibt es für Mittelwelle in Burg bei Magdeburg), sondern einfach nur sozusagen undefinierte Strahlerflächen. Billig zu bauen, spielt aber halt nicht sonderlich gut.

    Aus Wiederau und Königs Wusterhausen liefen – und damit schließt sich der Kreis – wiederum auf Kurzwelle früher auch Programme der kommunistischen Partei Griechenlands. Aber das würde jetzt wirklich zu weit führen …

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