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Aktuell - Mittwoch, 23. November 2011, 16:45 Uhr - 8 Comments
Fritzchef übernimmt Verantwortung – rbb trennt sich von Ken Jebsen

Ken Jebsen: Mikro und Kopfhörer abgegeben
Die Causa Jebsen hat nach den letzten zwei Sendungen KenFM (13.11/20.11.2011) im rbb-Programm Fritz zu neuen Konsequenzen geführt. Zunächst hatte der rbb in intensiven Gesprächen mit dem Fritz-Programm-Management und Moderator Ken Jebsen
klare Absprachen getroffen (rbb-Presseinformation, 07.11.2011)
infolge dessen u. a. die redaktionelle Unterstützung verstärkt wurde. Dabei getroffene verbindliche Vereinbarungen seien, so rbb-Programmdirektorin Claudia Nothelle jetzt,
wiederholt nicht eingehalten
worden. Zusätzlich ist die Bestandsaufnahme von vergangenen Sendungen KenFM offenbar so negativ ausgefallen, dass KenFM aufgegeben wird.
In der Sendung “KenFM” liefen in den vergangenen Monaten mehrere nicht ausreichend redaktionell geprüfte und abgenommene Beiträge. Zudem hat der Moderator ohne Abstimmung mit der Redaktion Beiträge auf der Seite “KenFM.de” online gestellt.
(rbb-Presseinformation vom 23.11.2011/16:25)
Die Konsequenz:
1. Stefan Warbeck als Programmchef übernimmt die Verantwortung für redaktionelle Versäumnisse und gibt auf eigenen Wunsch die Chefposition auf.
2. Der rbb trennt sich von Ken Jebsen.
Ken Jebsens Reaktion am Mittwochabend 23.11.2011 ca. 19:25 Uhr
Stellungnahme. Soeben erfahre ich aus der Presse, dass meine über 18jährige Tätigkeit bei Radio Fritz mit sofortiger Wirkung beendet wurde. Als Begründung wird behauptet, ich hätte mich zuletzt wiederholt nicht an verbindliche Vereinbarungen über die Gestaltung der Sendung KenFM gehalten. Dieser Vorwurf wird von mir zurück gewiesen. Auf Grund laufender Verhandlungen erfolgt derzeit keine weitere Stellungnahme. Euer Ken Jebsen.
Mehr ist leider nicht zu erfahren. So bleibt auch im Dunkeln, warum Ken Jebsen seine Audiobotschaft mit einem Foto vom chinesischen Platz des Himmlischen Friedens 1989 kombiniert, als die Parteiführung den Protest von Studenten mit Panzern niederwalzte.
Kurze Zeit später dann doch noch eine Stellungnahme. Sie ist als eine typische KenFM-Audioproduktion zu erkennen und erzählt indirekt den Fall Jebsen via Witz-Parabel aus seiner Sicht. Aus einem harmlosen Witz wird todernstes Spiel.
Das kann Sie Ihren Job kosten. Aus der Nummer kommen Sie nie wieder raus!
Am Ende Schüsse. Als dieser Audiokommentar nach dem 06.11.2011, dem Aussetzen seiner Sendung wegen der Antisemitismus-Vorwürfe, produziert wurde, hatte Ken Jebsen noch seinen Job.
Mehr Infos hoffentlich im Medienmagazin vom 26.11.2011 …
Update 26.11.2011
Die Nachrichtenlage ist äußerst dünn. Die Bereitwilligkeit Informationen preiszugeben, wird von der Logik möglicher juristischer Auseinandersetzungen bestimmt. Wer sich zu früh in die Karten sehen lässt, hat vermutlich einen Nachteil in einem wahrscheinlichen Prozess.
Das ist das normale Ritual. Das ist gängige Praxis. Das empfiehlt Ihnen der Rechtsanwalt Ihres Vertrauens. Deshalb steht, anders als noch vor vierzehn Tagen, rbb-Programmdirektorin Claudia Nothelle nicht für ein Interview mit dem radioeins-Medienmagazin zur Verfügung. Deshalb wird rbb-Unternehmenssprecher Justus Demmer die rbb-Position in relativ knappen Worten erläutern und Ken Jebsen innerhalb einer Minute seine.
Das ist unbefriedigend. Aber hier stehen zwei Interessen im Konflikt. Transparenz und Prozess-Taktik. Offenbar ist beides nicht vereinbar. Generell. Wie heißt es immer so schön: Sie haben das Recht zu schweigen … Das öffnet leider Raum für Spekulationen und Verschwörungstheorien. Die Deutungshoheit übernehmen andere. Das wissen Prozessparteien. Sie nehmen es in Kauf.
Die journalistischen Rahmenbedingungen sind daher äußerst eng. Vor solchen Interviews ist es unausweichlich auszuloten, was machbar ist. Hören Sie das Resultat im konkreten Fall, bei dem zu Beginn rbb-Unternehmenssprecher Justus Demmer die Ereignisse Mitte der Woche zusammenfasst.
Download (verlinkte Audio-Quelle: radioeins-Medienmagazin, rbb, 26.11.2011)
Update 27.11.2011
Sonntag. Der erste Sonntag nach der Absetzung der Sendung KenFM. Per Facebook teilt Ken Jebsen seinen Hörern mit, was er für die Sendung geplant hatte. Dieser Sendeplan wird hier vollständig dokumentiert:
Liebe KenFm Hörer. Als Thema für diesen Sonntag hatten wir vorgeschlagen: „Zweierlei Maß?“ und wurde am 21.11.2011 der Chefredaktion von Fritz zur Abnahme im Haus vorgelegt.
Wir hatten drei hochkarätige Telefoninterviewpartner zu drei elementaren Themen recherchiert.
1. Die USA stehen kurz vor der Zahlungsunfähigkeit,rangieren im Ranking aber immer noch auf AAA Status.Europäische Staaten mit ein…em deutlich geringeren Staatsdefizit werden hingegen abgewertet. Zweierlei Maß?
Diese Frage beantwortet uns Dirk Müller, genannt Mister Dax,das Gesicht der deutschen Börse.
http://www.cashkurs.com/Kontakt.71.0.html
2.Der Konflikt mit dem Iran spitzt sich zu. Aus den aktuell vorgelegten Memoiren von Mohammed el-Baradei (bis November 2009 Generaldirektor der IAOE) geht hervor “es gibt keine Alternative zur Diplomatie, wenn man eine atomwaffenfreie Welt wünscht”. Unsere Frage: wer beurteilt überhaupt ,ob Atomwaffen in den Händen von xy eine Gefahr für den Weltfrieden darstellen, oder aber das Konzept der Abschreckung unterstützen? Unser Gesprächspartner ist Daniele Ganser, Historiker und Friedensforscher an der Uni Basel.
http://www.danieleganser.ch/Kontakt.html
3.Die Menschenrechtscharta von 1948 ist bindend für alle Staaten der Welt. Kriegsverbrecher werden in Den Haag vor den internationalen Gerichtshof gestellt und erhalten hier ein rechtsstaatliches Verfahren. Außer sie sitzen in Guantanamo fest. Dann sehen die Gefangenen nicht einmal einen Anwalt. Widerspricht das nicht internationalem Recht? Unser Gesprächspartner: Prof. Dr. Joachim Wieland, Lehrstuhl für Öffentliches Recht, Mitglied des Verfassungsgerichtshofes,vertritt in Rechtsfragen den Bundespräsidenten.
http://www.dhv-speyer.de/wieland/Lehrstuhlinhaber.htm
Als Band war unter anderem „Northern Lite“ angefragt. Schade, dass diese Sendung jetzt nicht auf Radio Fritz ausgestrahlt wird.
Euer Ken Jebsen & Crew
Vgl.:
* KenFM 28.01.2007 (!)
* radioeins-Medienmagazin vom 12.11.2011
* rbb-Pressemitteilung vom 23.11.2011 auf fritz.de
* “Lieber Stefan …”, Blog Stackenblochen von Holger Klein
* Ken Jebsen nach seinem Rausschmiss, Märkische Allgemeine Zeitung, 25.11.2011
* Krudes Geblubber, Die Zeit, 49/2011 via zeit.de
(Foto: © rbb/Thomas Ernst)

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