{"id":29357,"date":"2015-12-07T23:58:16","date_gmt":"2015-12-07T22:58:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wwwagner.tv\/?p=29357"},"modified":"2023-05-12T20:25:11","modified_gmt":"2023-05-12T18:25:11","slug":"deutscher-reporterpreis-2015","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/?p=29357","title":{"rendered":"Deutscher Reporterpreis 2015: Cordt Schnibben"},"content":{"rendered":"<p><figure id=\"attachment_37520\" aria-describedby=\"caption-attachment-37520\" style=\"width: 1100px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/uploads\/20151207_DSC8924_schnibben_cordt_1100-x-546.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/uploads\/20151207_DSC8924_schnibben_cordt_1100-x-546.jpg\" alt=\"Cordt Schnibben | Foto: \u00a9 J\u00f6rg Wagner\" width=\"1100\" height=\"546\" class=\"size-full wp-image-37520\" srcset=\"https:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/uploads\/20151207_DSC8924_schnibben_cordt_1100-x-546.jpg 1100w, https:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/uploads\/20151207_DSC8924_schnibben_cordt_1100-x-546-300x149.jpg 300w, https:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/uploads\/20151207_DSC8924_schnibben_cordt_1100-x-546-768x381.jpg 768w, https:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/uploads\/20151207_DSC8924_schnibben_cordt_1100-x-546-1024x508.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 1100px) 100vw, 1100px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-37520\" class=\"wp-caption-text\">Cordt Schnibben | Foto: \u00a9 J\u00f6rg Wagner<\/figcaption><\/figure><br \/>\n<span style=\"font-size: 11pt; font-family: tahoma,arial,helvetica,sans-serif;\"><\/p>\n<div style=\"height: 30px;\"><\/div>\n<p> <audio   controls > <source src=\"http:\/\/www.wwwagner.tv\/audio\/20151207_schnibben_cordt_64.mp3\" type='audio\/mpeg' \/> <object   type=\"application\/x-shockwave-flash\"  data=\"https:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/plugins\/wphtml5player\/inc\/flowplayer.swf\"  width=\"400\"  height=\"30\"> <param name=\"movie\" value='https:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/plugins\/wphtml5player\/inc\/flowplayer.swf' \/><param name=\"allowfullscreen\" value='false' \/><param name=\"cachebusting\" value='true' \/><param name=\"bgcolor\" value='#000000' \/><param name=\"flashvars\" value='config={\"plugins\":{\"controls\":{\"height\":30,\"autoHide\":false,\"fullscreen\":false}},\"clip\":{\"autoPlay\":false,\"url\":\"http:\\\/\\\/www.wwwagner.tv\\\/audio\\\/20151207_schnibben_cordt_64.mp3\"},\"playlist\":[{\"autoPlay\":false,\"url\":\"http:\\\/\\\/www.wwwagner.tv\\\/audio\\\/20151207_schnibben_cordt_64.mp3\"}],\"play\":{\"opacity\":0}}' \/>  No audio playback capabilities, please download the audio below<br \/><strong>Download Audio:<\/strong> Closed Format: <a href=\"http:\/\/www.wwwagner.tv\/audio\/20151207_schnibben_cordt_64.mp3\">MP3<\/a> <\/object> <!-- Generated by HTML5 Multimedia Framework (http:\/\/code.google.com\/p\/html5videoplayer) --> <\/audio>  <br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.wwwagner.tv\/audio\/20151207_schnibben_cordt_64.mp3\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Download<\/a><\/p>\n<div style=\"height: 10px;\"><\/div>\n<p><span style=\"font-size: 11pt; font-family: tahoma,arial,helvetica,sans-serif;\"><br \/>\n<u>Was<\/u>: Er\u00f6ffnungsrede zum Deutschen Reporterpreis 2015 vom <a href=\"http:\/\/reporter-forum.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Reporter-Forum<\/a><br \/>\n<u>Wer<\/u>: Cordt Schnibben, Journalist, &#8222;Der Spiegel&#8220;, Mitgr\u00fcnder Reporter-Forum, Leitungsmitglied<br \/>\n<u>Wo<\/u>: Berlin, Meistersaal, K\u00f6thener Stra\u00dfe 38<br \/>\n<u>Wann<\/u>: 07.12.2015, 19:43 Uhr<\/p>\n<div style=\"height: 20px;\"><\/div>\n<figure id=\"attachment_29374\" aria-describedby=\"caption-attachment-29374\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/uploads\/20151207_DSC9372_reporterpreis_Preistraeger_600.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/uploads\/20151207_DSC9372_reporterpreis_Preistraeger_600.jpg\" alt=\"Preistr\u00e4ger\" width=\"600\" height=\"402\" class=\"size-full wp-image-29374\" srcset=\"https:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/uploads\/20151207_DSC9372_reporterpreis_Preistraeger_600.jpg 600w, https:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/uploads\/20151207_DSC9372_reporterpreis_Preistraeger_600-300x201.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-29374\" class=\"wp-caption-text\">Preistr\u00e4ger<\/figcaption><\/figure>\n<p><a href=\"http:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/uploads\/20151207_meistersaal_panorama_600.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/uploads\/20151207_meistersaal_panorama_600.jpg\" alt=\"20151207_meistersaal_panorama_600\" width=\"600\" height=\"269\" class=\"alignnone size-full wp-image-29362\" srcset=\"https:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/uploads\/20151207_meistersaal_panorama_600.jpg 600w, https:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/uploads\/20151207_meistersaal_panorama_600-300x135.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/a><\/p>\n<div style=\"height: 20px;\"><\/div>\n<hr \/>\n<div style=\"height:10px;\"><\/div>\n<div id='stb-container-8111' class='stb-container-css stb-custom-container stb-no-caption stb-image-none stb-ltr stb-border stb-side'><aside class='stb-icon'><img src='http:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/plugins\/wp-special-textboxes\/themes\/stb-dark\/heart.png'><\/aside><div id='stb-box-8111' class='stb-custom_box stb-box' ><\/p>\n<div style=\"height: 20px;\"><\/div>\n<blockquote><p>\n<strong>Rede Cordt Schnibben<\/strong><br \/>\n(w\u00f6rtliches Transkript, H\u00f6rverst\u00e4ndnisfehler vorbehalten)<\/p>\n<p>00:11<br \/>\nJa, so kriegt man einen Saal ruhig. M\u00f6glichst laut Rumballern. Herzlich willkommen zum Deutschen Reporterpreis 2015. Besonders begr\u00fc\u00dfe ich die \u00fcber den Saal verteilten 76 Vor-Juroren, die die sch\u00f6ne Aufgabe hatten, sich in einem Monat durch 1.400 Texte zu lesen und daraus die nominierten Texte zu filtern, die dann heute wiederum die 25 Juroren, sich angucken durften, um daraus dann die elf Preistr\u00e4ger zu destillieren, die jetzt im Laufe des Abends Ihnen dann vorgestellt werden. Herzlichen Dank f\u00fcr die Vor-Juroren und die Juroren. (Beifall)<\/p>\n<p>01:01<br \/>\nEine der Juroren heute war Diana Zinkler. Die hebe ich hervor, weil sie eigentlich steht f\u00fcr diesen Reporter-Preis, so wie wir uns ihn vorstellen. Das hei\u00dft, im Netz k\u00f6nnen sich ja Teilnehmer unseres j\u00e4hrlichen Workshops beteiligen an der Jurierung in der Kategorie \u201cBeste Reportage\u201d und dann losen wir aus &#8230; in einem komplizierten Verfahren aus denen, die sich da beteiligen, die eine Frau oder den einen Mann aus, der dann heute teilnehmen darf an dieser Jury. Diana Zinkler ist Text-Chefin in der Funke-Zentralredaktion. Und sie ist insofern ein Sinnbild, weil bei uns eigentlich die Diskussion \u00fcber Texte der Sinn des Preises, nicht so sehr das Preisgeld, dass es bei uns gar nicht mehr gibt, weil wir irgendwann zu wenig Geld hatten, um Preisgelder auszugehen. Immerhin reicht das Geld aber f\u00fcr das Essen und den Wein hier. Wer sich beklagt, \u00fcberweist uns doch bitte  mal eine Spende, um das Essen und den Wein noch besser zu machen.<\/p>\n<p>02:03<br \/>\nWir haben zwei \u2026 vor sieben Jahren haben wir angefangen und damals eine Ausschreibung fabriziert, die ging ungef\u00e4hr so: der Sinn eines Journalisten-Preises ist die Diskussion dar\u00fcber, was ausgezeichneter Journalismus ist. Wir verstehen den Reporter-Preis deshalb als Beitrag zur Qualit\u00e4tsdebatte im Journalismus, als gro\u00dfes Forum der Auseinandersetzung, als Schaufenster der vorbildlichen Texte. Wir wollen m\u00f6glichst viele Journalisten motivieren, solchen Texten nachzueifern und besonders dort Anreize schaffen, wo gute Texte unter schwierigen Bedingungen entstehen. 2009 formuliert, in Stein gemei\u00dfelt und heute immer noch g\u00fcltig mit dem kleinen Problem, \u00fcber das ich heute Abend nicht reden will, dass wir das Gef\u00fchl haben, wir werden immer besser. Aber die Leser haben das Gef\u00fchl, wir werden immer schlechter und lesen uns weniger und vor allen Dingen kaufen uns weniger.<\/p>\n<p>02:52<br \/>\nVor sieben Jahren haben wir sehr weitsichtig diesen Preis eingerichtet als Print- und Online-Preis. In diesem Jahr haben wir Daten-Journalismus, Innovation und andere Kategorien dazu gepackt, um noch mehr eigentlich deutlich zu machen, dass Journalismus eine Sache ist, die sich jedes Jahr ver\u00e4ndert und darum m\u00fcssen sich auch die Preise ver\u00e4ndern. Damals, 2009, hatten wir drei, vier wichtige Menschen, die uns auf die Beine geholfen haben: einmal Doris D\u00f6rrie, die in der Jury war, Claus Kleber, der in der Jury war, Axel Hacke &#8211; die sind auch jetzt wieder dabei und wir hatten Frank Schirrmacher. Frank Schirrmacher hat auf der ersten Preisverleihung die Rede gehalten. Und die habe ich mir noch einmal angeschaut und wenn ich heute so ein bisschen angefasst bin, dann liegt das daran, dass mich im Laufe des Nachmittags zwei, drei Mal die Dinge so \u00fcbermannt haben, dass ich mal gucken musste, was in der Minibar des Hotels Soho-House, so vorr\u00e4tig ist.<\/p>\n<p>03:59<br \/>\nFrank Schirrmacher hat damals in seiner Rede etwas gemacht, was ich nur zitieren kann, weil ich kein Frank Schirmacher bin. Er hat den Bogen geschlagen vom Theater zum Journalismus. Er hat damals gesagt, das Theater des Aristoteles ist quasi wie ein Leitartikel. Er braucht den Chor, der f\u00fcr die Bl\u00f6dm\u00e4nner nochmal sagt, was eigentlich der Sinn des Artikels ist. Und dann gibt es das Drama von Shakespeare, wild, chaotisch, narrativ und vor allen Dingen ein Drama, das ohne eindeutige Botschaft auskommt. Und ich wollte mich dann eigentlich so jetzt an diesem Gedanken weiter hangeln im Laufe des Nachmittags und wollte die ganze Fl\u00fcchtlingskrise zerteilen in Aristoteles und Shakespeare. Aber mich hat dann \u00fcbermannt eigentlich der viel wichtigere Gedanke, dass uns Frank Schirrmacher fehlt. Als Stimme des b\u00fcrgerlichen Lagers, das in die Zukunft denkt, weil in den letzten Wochen und Monaten hab ich eigentlich aus Bl\u00e4ttern wie FAZ, Welt leider auch Cicero oder anderen Blogs immer nur dieses \u00e4ngstliche, nach hinten gewandte Denken erlebt, in schrecklichen Texten, in schlimmem Ton, in ganz seltsamen Gedanken und f\u00fcr mich ist in diesen letzten Monaten oder in diesem Jahr ist nicht nur Matussek durchgeknallt, sondern einige sind durchgeknallt, die ich eigentlich sehr, sehr sch\u00e4tze. (Beifall)<\/p>\n<p>05:50<br \/>\nDrei Dinge haben mich in diesen Texten gest\u00f6rt. Einmal dieser weltabgewandte Migrationsrassismus. Also in dem, der zu uns kommt, zun\u00e4chst den sehen, der uns st\u00f6rt. Und hinter diesem Rassismus steckt, glaube ich, das Unverm\u00f6gen zu realisieren, dass, wenn man in einem Land wie Deutschland lebt, das eine gro\u00dfe Wirtschaftsmacht ist, das Waffen exportiert, dass man einfach ertragen, hinnehmen und zum Teil auch genie\u00dfen muss, dass viele Menschen auf der Welt uns so toll finden, dass sie herkommen m\u00f6chten. (Beifall)<\/p>\n<p>06:31<br \/>\nZweitens hat mich gest\u00f6rt diese ganz billige Merkel-Fixiertheit. Weil sie letztendlich alle Probleme reduziert auf ein paar Merkel-Selfies und auf irgendeine \u00c4u\u00dferung an irgendeinem Wochenende. Zu glauben, dass das die Ursache ist f\u00fcr V\u00f6lkerwanderung ist eine solche Verniedlichung dieser Probleme, dass man sich tats\u00e4chlich einen Frank Schirrmacher zur\u00fcck w\u00fcnscht. (Beifall)<\/p>\n<p>07:02<br \/>\nDrittens dann diese l\u00e4hmende Angst-Front, die l\u00e4ngst von den Stra\u00dfen Dresdens \u00fcber PEGIDA, AfD, nicht \u00fcber Facebook, sondern auch in die Redaktionen dieser Zeitungen geschwappt ist und immer dieses Reden oder Schreiben dar\u00fcber, man m\u00fcsse den besorgten B\u00fcrger ernst nehmen und darum m\u00fcsse man halt seine Sorgen anheizen, anders erlebe ich diese Texte nicht.<\/p>\n<p>07:32<br \/>\nBei uns im Spiegel, im Atrium steht dieser sch\u00f6ne Spruch von Rudolf Augstein \u201cSagen, was ist\u201d und jeden Morgen, wenn ich da in diesen Wochen an diesem Spruch vorbeigekommen bin, habe ich ihn quasi erg\u00e4nzt \u201c&#8230; und bedenken, was daraus folgt.\u201d Ich glaube, heutzutage kann man nicht einfach sagen, was ist oder schreiben, was ist, sondern man muss sich auch als Journalist dar\u00fcber klar werden, was man mit dem, was man schreibt, bewirkt. Es muss ja nicht so weit gehen, dass man dann den Chor in den Texten auftreten l\u00e4sst.<\/p>\n<p>08:04<br \/>\nIch erlebe den deutschen Journalismus tief gespalten als eine Abteilung, die h\u00e4lt die andere f\u00fcr herzlos und wiederum die andere Seite h\u00e4lt die andere f\u00fcr kopflos. Ich bin mehr bei den Kopflosen, aber ich halte auch diese Trennung f\u00fcr Bl\u00f6dsinn. Als wenn es Gef\u00fchle gibt, die nicht durch den Kopf gehen. Jedes Gef\u00fchl von Liebe wird im Kopf gepr\u00fcft und auch Empathie f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge wird im Kopf gepr\u00fcft. Andererseits jeder, der Obergrenzen f\u00fcr vern\u00fcnftig h\u00e4lt und sie herbeischreiben m\u00f6chte, ist auch nicht herzlos. Also, dort ist von beiden Seiten, glaube ich, mehr Verstand n\u00f6tig.<\/p>\n<p>08:49<br \/>\nDiejenigen, die sich in der Helferszene engagieren, unterscheiden sich letztendlich von denen, die sich nicht engagieren nur in einem Punkt. Sie haben begriffen, wie wichtig Integration ist und darum fangen Sie einfach damit mal an. Und der junge Syrer Muhammad mit abgeschlossener Medizinerausbildung, der seit zwei Monaten bei uns im Hause lebt \u2026 wenn man f\u00fcnf Kinder hat, kommt es auf das sechste auch nicht mehr an, zumal wenn die f\u00fcnf Kinder aus dem Haus sind &#8230; der wird in ein oder zwei Jahren irgendwo in einem deutschen Krankenhaus sein, weil er gut Englisch spricht, weil er jeden Tag vier Stunden Deutschunterricht nimmt. Um den mache ich mir keine Sorgen.<\/p>\n<p>09:38<br \/>\nIch mache mir ein bisschen Sorgen um seine f\u00fcnf Freunde, die mit ihm zusammen aus Hama bzw. Allepo gekommen sind. Da w\u00fcrde ich sagen, zwei von den schaffen\u2019s m\u00f6glicherweise nicht. Aber das ist ja kein Argument gegen Angela Merkel oder wen auch immer. Das ist einfach nur die Aufforderung auch um diese neuen B\u00fcrger zu k\u00e4mpfen. (Beifall)<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/uploads\/20151207_DSC8914_schnibben_cordt_400.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/uploads\/20151207_DSC8914_schnibben_cordt_400.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"274\" class=\"alignleft size-full wp-image-29359\" srcset=\"https:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/uploads\/20151207_DSC8914_schnibben_cordt_400.jpg 400w, https:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/uploads\/20151207_DSC8914_schnibben_cordt_400-300x206.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Heute Nachmittag hat mich eine zweite Sache sehr besch\u00e4ftigt, n\u00e4mlich dieses Zitat, was jetzt den Journalisten immer entgegengehalten wird, die sich im weitesten Sinne f\u00fcr die Aufnahme von Fl\u00fcchtlingen stark machen, n\u00e4mlich das ber\u00fchmte <a href=\"https:\/\/falschzitate.blogspot.com\/2017\/11\/einen-guten-journalisten-erkennt-man.html\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Zitat<\/a> von Hanns Joachim Friedrichs, ein Journalist soll sich nicht gemein machen mit einer Sache, auch nicht mit einer guten. Ich bin sozusagen nicht Erfinder oder Sch\u00f6pfer, aber ich bin Transporteur dieses Zitats, weil ich damals zusammen mit J\u00fcrgen Leinemann am Sterbebett von \u2026 Schei\u00dfe \u2026 von Hanns Joachim Friedrichs diesen \u2026 Entschuldigung \u2026 diesen Satz geh\u00f6rt habe und da haben wir nat\u00fcrlich nachgefragt, was meinst du damit? Und er hat es eingegrenzt eigentlich in einem sehr politischen, gerade parteipolitischen Sinne. Also, wenn die SPD das Ehegattensplitting abschafft und ich als Journalist finde es gut, dann darf ich in der Anmoderation des Beitrages nicht erkennen lassen, dass ich das gut finde. Also eine ganz simple, kleine Sache. Daraus zu machen, dass ein Journalist quasi ein haltungsloser, emotionsloser Moderator, Journalist sein sollte, dem man seine Haltung nicht anmerkt, ist eine vollkommene Pervertierung. (Beifall) Und wenn man sich heute angucken will im Deutschen Fernsehen, wie man Haltung transportiert, ohne zu missionieren, dann soll man Caren Miosga, Anja Reschke, Claus Kleber oder in \u00d6sterreich Armin Wolf zuschauen. (Beifall)<\/p>\n<p>12:11<br \/>\nF\u00fcr mich ist in den letzten Monaten der Begriff oder nicht der Begriff, sondern die Institution Qualit\u00e4tsjournalismus zerfallen. Es war immer ein komischer Begriff, als g\u00e4be es irgendwie die Stiftung Warentest oder irgendein T\u00dcV-Siegel f\u00fcr Zeitungen. Das ist vollkommener Unsinn. Was es gibt tats\u00e4chlich, habe ich gelernt in diesen Monaten, sind Qualit\u00e4tsjournalisten, den ich vertraue. Was bedeutet, dass andere ihn m\u00f6glicherweise nicht vertrauen. Also, es sind Journalisten meines Vertrauens, den ich vertraue, weil ich \u00fcber Monate Jahre gesehen habe, wie sie die Welt sehen und wie sie dar\u00fcber schreiben. Es ist etwas vollkommen subjektives. Und es beinhaltet genauso Blogger wie Richard Gutjahr, Stefan Niggemeier oder Sascha Lobo wie eben auch bestimmte Redakteure, die ich besonders jetzt in dieser Fl\u00fcchtlingskrise als Leuchtturmt\u00fcrme f\u00fcr mich wahrgenommen habe, wie beispielsweise Bernd Ulrich oder Sascha Lehnartz, Martin Kaul von der taz oder Ullrich Fichtner, meinen Kollegen. Aber das sind meine Qualit\u00e4tsjournalisten.<\/p>\n<p>13:21<br \/>\nUnd was ich toll finde, hat heute Abend hier \u00fcberhaupt nichts zu suchen, sondern wir haben eine gro\u00dfe Jury, die sich den ganzen Tag Gedanken gemacht hat. Sie hat ihre Preistr\u00e4ger gek\u00fcrt und das ist quasi der einzige Trost f\u00fcr die Journalisten, die heute hier keine Preise \u2026 und das sind verdammt viele, also ich sch\u00e4tze mal knapp 300 werden hier heute keine Preise gewinnen: Ich hoffe, Sie haben trotzdem einen sch\u00f6nen Abend. Sie k\u00f6nnen sich bisschen tr\u00f6sten damit, dass es eben 25 Idioten, Journalisten mit Halbwissen, sympathische Kerle, die keine Ahnung von dem Text haben, den Sie geschrieben \u2026 usw.usf. Sie k\u00f6nnen sich dann sp\u00e4ter an der Bar dar\u00fcber auslassen und ich werde Ihnen geduldig zuh\u00f6ren. Und Sie k\u00f6nnen sich tr\u00f6sten mit den immerhin 76 Journalisten, also die dreifache Menge, die Sie nominiert hat. Und ich m\u00f6chte Ihnen sozusagen zu dem kurzen Moment des Ruhmes verhelfen, in dem ich Sie jetzt mal bitte, aufzustehen, damit Ihre Leute rund um Sie herum erkennen, dass diese 76, nein diese 95 Journalisten auch ganz gro\u00dfartige Gewinner sind. Also bitte mal aufstehen und sich feiern lassen (Beifall)<\/p>\n<p>15:19<br \/>\nJa, ein kurzer Moment des Ruhms, der jetzt in sich zusammen f\u00e4llt. Tut mir leid. F\u00fcr alle, die jetzt gleich nicht gewinnen werden, habe ich drei Ratschl\u00e4ge. Erstens ich war immer dann gut, wenn ich keinen Preis gewonnen habe, Che Guevara  folgend \u201cVerwandelt euren Hass in Energie!\u201d (Klatschen). Also, nutzt diese Energie, um in den folgenden Wochen Deutschland in Grund und Boden zu schreiben.<\/p>\n<p>15:53<br \/>\nZweitens beteiligt euch am Nannen-Preis! Einsendeschluss ist der 6. Januar. Die haben nach einem Jahr Pause sich \u2026 das meine ich gar nicht ironisch &#8230; wieder gerappelt. Also, neues Spiel, neues Gl\u00fcck und drittens wir haben reichlich Alkohol vorr\u00e4tig, auch von unserem Sponsor f\u00fcr diesen Abend, dessen Namen ich jetzt gerade vergessen habe. (Klatschen)<\/p>\n<p>16:23<br \/>\nAm Ende des Abends vierter Ratschlag, bitte dieses Buch mitnehmen, was irgendwo im Foyer an einem B\u00fccherstand liegt. Das hei\u00dft \u201cIns Herz der Welt\u201d. Das sind Texte von Preistr\u00e4gern der letzten Jahre, erschienen im Ankerherz Verlag, einem Verlag und einem Verleger mit viel Herz und viel Verstand und vor allen Dingen der sch\u00f6nen Geste, dass der Reinerl\u00f6s dieses Buch dem Reporter-Forum und dem Reporterpreis zugutekommt. (Beifall)<\/p>\n<p>17:03<br \/>\nJeder Preis braucht Geld. Wir eigentlich sehr wenig. Aber immerhin wir brauchen auch Geld. Und dass es jedes Jahr kommt, das liegt an der Rudolf-Augstein-Stiftung und dem gro\u00dfz\u00fcgigen Sponsor Augustinum. Sie werden sich fragen, Augustinum das ist doch dieses Heim f\u00fcr sehr gut betuchte Senioren. Ja, das ist es. Und dort m\u00fcssen, d\u00fcrfen, k\u00f6nnen die Preistr\u00e4ger dann immer den \u00e4lteren Herrschaften aus ihren Texten vorlesen. Herzlichen Dank, herzlichen Dank diesen beiden Geldgebern! (Beifall)<\/p>\n<p>17:47<br \/>\nDer letzte Dank geb\u00fchrt dem Mann, der gleich durch den Abend f\u00fchren wird. N\u00fcchterner als ich. Er ist Radio-Moderator, TV-Moderator, Schriftsteller. Vor allem aber ist er der James Bond unter den Journalisten. Immer elegant. Immer eloquent. Ger\u00fchrt noch besser als gesch\u00fcttelt. Es ist J\u00f6rg Thadeusz. Er wird die Preistr\u00e4ger interviewen. Aber, jetzt dann zun\u00e4chst mal das Video ab f\u00fcr die erste Kategorie \u201cFreier Reporter\u201d. Und ich danke Ihnen, dass Sie mich hier so durch diese Rede begleitet haben. Dankesch\u00f6n! (Beifall)<\/p><\/blockquote>\n<p><\/div><\/div>\n<div style=\"height: 10px;\"><\/div>\n<hr \/>\n<p>(Fotos: \u00a9 J\u00f6rg Wagner)<\/p>\n<div style=\"height: 5px;\"><\/div>\n<p><html><br \/>\n     <head><\/p>\n<style type=\"text\/css\">\n       body {\n                     background: #DADADA;\n       }\n      <\/style>\n<p>     <\/head><br \/>\n     <body><br \/>\n<\/body><br \/>\n    <\/html><br \/>\n<script src=\"https:\/\/apis.google.com\/js\/plusone.js\" type=\"text\/javascript\">\/\/ < ![CDATA[ {lang: 'de'} \/\/ ]]><\/script><br \/>\n<script src=\"http:\/\/twittercounter.com\/embed\/?username=medienmagazin&amp;style=avatar\" type=\"text\/javascript\"><\/script><\/p>\n<p><noscript><a href=\"http:\/\/twittercounter.com\/medienmagazin\">medienmagazin on Twitter Counter<\/a><\/noscript><\/span><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>No audio playback capabilities, please download the audio belowDownload Audio: Closed Format: MP3 Download Was: Er\u00f6ffnungsrede zum Deutschen Reporterpreis 2015 vom Reporter-Forum Wer: Cordt Schnibben, Journalist, &#8222;Der Spiegel&#8220;, Mitgr\u00fcnder Reporter-Forum, Leitungsmitglied Wo: Berlin, Meistersaal, K\u00f6thener Stra\u00dfe 38 Wann: 07.12.2015, 19:43 Uhr (Fotos: \u00a9 J\u00f6rg Wagner) medienmagazin on Twitter Counter<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_monsterinsights_skip_tracking":false,"footnotes":""},"categories":[53],"tags":[105],"class_list":["post-29357","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-dokument","tag-reporterpreis"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/29357","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=29357"}],"version-history":[{"count":42,"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/29357\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":52932,"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/29357\/revisions\/52932"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=29357"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=29357"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=29357"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}