{"id":31188,"date":"2016-08-01T02:30:55","date_gmt":"2016-08-01T01:30:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wwwagner.tv\/?p=31188"},"modified":"2017-04-05T20:52:01","modified_gmt":"2017-04-05T19:52:01","slug":"die-kommunikation-in-der-krise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/?p=31188","title":{"rendered":"Kommunikation in der Krise"},"content":{"rendered":"<h4><em>Von Goldenen Regeln, twitter und Tatort-Videos<\/em><\/h4>\n<div style=\"height: 20px;\"><\/div>\n<figure id=\"attachment_35495\" aria-describedby=\"caption-attachment-35495\" style=\"width: 1100px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/uploads\/20160722_da_Gloria_Martins_Marcus_mS_1100-x-546.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/uploads\/20160722_da_Gloria_Martins_Marcus_mS_1100-x-546.jpg\" alt=\"Marcus da Gloria Martins | Screenshot: \u00a9 ARD\/tagesschau24\" width=\"1100\" height=\"546\" class=\"size-full wp-image-35495\" srcset=\"https:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/uploads\/20160722_da_Gloria_Martins_Marcus_mS_1100-x-546.jpg 1100w, https:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/uploads\/20160722_da_Gloria_Martins_Marcus_mS_1100-x-546-300x149.jpg 300w, https:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/uploads\/20160722_da_Gloria_Martins_Marcus_mS_1100-x-546-768x381.jpg 768w, https:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/uploads\/20160722_da_Gloria_Martins_Marcus_mS_1100-x-546-1024x508.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 1100px) 100vw, 1100px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-35495\" class=\"wp-caption-text\">Marcus da Gloria Martins | Screenshot: \u00a9 ARD\/tagesschau24<\/figcaption><\/figure>\n<div style=\"height: 30px;\"><\/div>\n<p> <audio   controls > <source src=\"http:\/\/www.wwwagner.tv\/audio\/20160728_da Gloria_Martins_Marcus_80.mp3\" type='audio\/mpeg' \/> <object   type=\"application\/x-shockwave-flash\"  data=\"https:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/plugins\/wphtml5player\/inc\/flowplayer.swf\"  width=\"400\"  height=\"30\"> <param name=\"movie\" value='https:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/plugins\/wphtml5player\/inc\/flowplayer.swf' \/><param name=\"allowfullscreen\" value='false' \/><param name=\"cachebusting\" value='true' \/><param name=\"bgcolor\" value='#000000' \/><param name=\"flashvars\" value='config={\"plugins\":{\"controls\":{\"height\":30,\"autoHide\":false,\"fullscreen\":false}},\"clip\":{\"autoPlay\":false,\"url\":\"http:\\\/\\\/www.wwwagner.tv\\\/audio\\\/20160728_da Gloria_Martins_Marcus_80.mp3\"},\"playlist\":[{\"autoPlay\":false,\"url\":\"http:\\\/\\\/www.wwwagner.tv\\\/audio\\\/20160728_da Gloria_Martins_Marcus_80.mp3\"}],\"play\":{\"opacity\":0}}' \/>  No audio playback capabilities, please download the audio below<br \/><strong>Download Audio:<\/strong> Closed Format: <a href=\"http:\/\/www.wwwagner.tv\/audio\/20160728_da Gloria_Martins_Marcus_80.mp3\">MP3<\/a> <\/object> <!-- Generated by HTML5 Multimedia Framework (http:\/\/code.google.com\/p\/html5videoplayer) --> <\/audio>  <br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.wwwagner.tv\/audio\/20160728_da Gloria_Martins_Marcus_80.mp3\" target=\"_blank\">Download<\/a><\/p>\n<div style=\"height: 10px;\"><\/div>\n<p><u>Was<\/u>: Interview \u00fcber Krisenkommunikation<br \/>\n<u>Wer<\/u>: Marcus da Gloria Martins, Leiter der Presse- und \u00d6ffentlichkeitsarbeit, Polizeipr\u00e4sidium M\u00fcnchen<br \/>\n<u>Wann<\/u>: rec.: 28.07.2016, 13:25 Uhr, ver\u00f6ffentlicht in verschiedenen Schnittfassungen<br \/>\nu. a.: Hintergrund, DLF, <a href=\"http:\/\/bit.ly\/2aGPxXB\" target=\"_blank\">29.07.2016<\/a>, 18:40 Uhr; <a href=\"http:\/\/bit.ly\/2as4DMp\" target=\"_blank\">30.07.2016<\/a>, 18:10 Uhr im radioeins-Medienmagazin und im rbb Inforadio <a href=\"http:\/\/bit.ly\/2aol02G\" target=\"_blank\">31.07.2016<\/a>, 10:44\/15:24 Uhr<\/p>\n<div style=\"height: 10px;\"><\/div>\n<hr \/>\n<div id='stb-container-4726' class='stb-container-css stb-grey-container stb-no-caption stb-image-none stb-ltr stb-border stb-side'><aside class='stb-icon'><img src='http:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/plugins\/wp-special-textboxes\/themes\/stb-dark\/gears.png'><\/aside><div id='stb-box-4726' class='stb-grey_box stb-box' ><br \/>\n(w\u00f6rtliches Transkript)<\/p>\n<blockquote><p>\n00:00<br \/>\n<u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: Wie hei\u00dfen Sie? Und was machen Sie?<\/p>\n<p>00:02<br \/>\n<u>Marcus da Gloria Martins<\/u>: Mein Name ist Marcus da Gloria Martins. Ich bin Leiter der Presse- und \u00d6ffentlichkeitsarbeit beim Polizeipr\u00e4sidium M\u00fcnchen.<\/p>\n<p>08:00<br \/>\n<u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: Welche Ausbildung haben Sie?<\/p>\n<p>00:10<br \/>\n<u>Marcus da Gloria Martins<\/u>: Ich bin tats\u00e4chlich solide ausgebildeter Polizeibeamter und das seit mittlerweile 23 Jahren, will also hei\u00dfen, dass ich tats\u00e4chlich, wenn man das so m\u00f6chte, in erster Linie Polizist bin.<\/p>\n<p>00:21<br \/>\n<u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: Was hat Sie an diesem Beruf interessiert, den Sie jetzt aus\u00fcben? Denn Sie sind ja nicht der Polizist, den man so kennt, sondern Sie sind ja die Schnittstelle zwischen \u00d6ffentlichkeit und Polizei.<\/p>\n<p>00:30<br \/>\n<u>Marcus da Gloria Martins<\/u>: Das interessante am Polizeiberuf ist, ohne das jetzt in einen Imagespot f\u00fcr Nachwuchswerbung ausarten zu lassen, dass man innerhalb nat\u00fcrlich eines Berufszweiges sehr, sehr viele unterschiedliche Funktionen aus\u00fcben kann und der Weg in die Presse- und \u00d6ffentlichkeitsarbeit ist tats\u00e4chlich f\u00fcr viele Kollegen ein Baustein in ihrer Vita, in ihrer polizeilichen und so ist es aktuell bei mir auch der Fall.<\/p>\n<p>00:54<br \/>\n<u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: Sie haben sehr viel Lob von der \u00d6ffentlichkeit bekommen auch von Profis, also Kommunikationsprofis. Haben Sie irgendetwas, was man ein solides Handwerk nennen kann oder ist das alles intuitiv?<\/p>\n<p>01:05<br \/>\n<u>Marcus da Gloria Martins<\/u>: Also, das ist jetzt nicht alles aus dem Bauch heraus. Grunds\u00e4tzlich ist es nat\u00fcrlich schon so, dass man als Angeh\u00f6riger der Pressestelle entsprechende Trainings macht, dass wir nat\u00fcrlich auch interne Ausbildungen haben, dass im Rahmen meines Masterstudiums zum Beispiel der Bereich Krisenkommunikation, Statement-Training usw. eine Rolle gespielt hat. Also insofern ein gewisser theoretischer Unterbau ist da bestimmt auch vorhanden, ja.<\/p>\n<p>01:29<br \/>\n<u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: Nun hat man auch die Vermutung bei Ihrem Auftritt in den letzten Tagen, dass Ihnen, ich sag mal, das Genre liegt irgendwie von der Natur her, aber dass Sie auch m\u00f6glicherweise &#8211; Sie haben\u2019s angedeutet &#8211; nicht nur im Studium so etwas trainiert haben, sondern auch jetzt regelm\u00e4\u00dfig noch bei der Polizei \u00fcben. Ist das richtig?<\/p>\n<p>01:49<br \/>\n<u>Marcus da Gloria Martins<\/u>: Naja, also ich wei\u00df nicht, ob man das \u00dcben nennen m\u00f6chte. Wir haben halt als Pressestelle eines Gro\u00dfpr\u00e4sidiums weit \u00fcber 4.000 schriftliche Presseanfragen pro Tag. Wir haben t\u00e4glich eine Presserunde bei uns im Haus. Da reden wir tats\u00e4chlich eher \u00fcber Alltagskriminalit\u00e4t, aber wenn Sie Berichterstattung rund um das Thema Polizei verfolgen, werden Sie feststellen, dass es nat\u00fcrlich auch immer auch ein St\u00fcck weit emotionale Themen sind, wo sie dann relativ h\u00e4ufig nat\u00fcrlich auch in mehr oder minder konfrontativen Interviews Flagge bekennen m\u00fcssen und das schult nat\u00fcrlich. Und insofern lerne ich tats\u00e4chlich weniger aus den Trainings, als vielmehr aus der tats\u00e4chlichen Echtsituation.<\/p>\n<p>02:28<br \/>\n<u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: Aber wir wissen, Krisenkommunikation verl\u00e4uft nach Regeln, die optimiert sind, die sozusagen aus der Praxis heraus sich entwickelt haben. Stimmt denn die Praxis mit der Theorie \u00fcberein? <\/p>\n<p>02:39<br \/>\n<u>Marcus da Gloria Martins<\/u>: \u00dcberwiegend. Also, die wesentlichen Eckpunkte oder so diese Goldenen zehn Regeln, wie man sie gerne nennt, die kann man eigentlich auf jeden Sachverhalt der Krisenkommunikation anwenden. Also, eine Krisenkommunikation beginnt ja bei mir, in meiner Funktion schon in dem Moment, wo ein Streifenwagen bei einer Sonder- und Wegerecht-Fahrt bei Rot in die Kreuzung einf\u00e4hrt und einen schweren Unfall verursacht. Das ist nat\u00fcrlich etwas ganz, ganz anderes, als diese schrecklichen Ereignisse vom letzten Freitag, ist aber aufgrund des medialen Echos, das aufgrund diesen Einzelfalles sich entl\u00e4dt f\u00fcr uns z. B. auch schon eine kleine Krise, so dass man also tats\u00e4chlich in unterschiedlichen Eskalationsstufen bei uns recht h\u00e4ufig mit dem Thema: \u2018wie spreche ich?\u2019 und \u2018wie kommuniziere ich in der Krise?\u2019 umgehen muss.<\/p>\n<p>03:26<br \/>\n<u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: Nennen Sie mal so die wichtigsten Regeln, die Sie wahrscheinlich abrufbereit haben, wenn man Sie weckt.<\/p>\n<p>03:31<br \/>\n<u>Marcus da Gloria Martins<\/u>: Naja, ich m\u00f6chte hier tats\u00e4chlich keinen Zetteltest machen, aber lassen Sie mich vielleicht drei wesentliche Eckpunkte hervorheben. Eckpunkt Nummer eins ist: rede offen \u00fcber das, was jeder riechen, schmecken und h\u00f6ren kann. Also, ich muss niemanden erz\u00e4hlen, dass nichts los ist in der Stadt, wenn hier ein Streifenwagen nach dem anderen mit hohem Tempo in eine bestimmte Richtung f\u00e4hrt. Die zweite oberste Regel ist: Transparenz. Wenn wir hier pl\u00f6tzlich &#8211; und jetzt nehme ich jetzt einfach mal immer analog Bezug zum letzten Freitag &#8211; Kollegen mit schwerer Schutzweste und Maschinenpistole irgendwo in Deckung gehen oder wenn wir pl\u00f6tzlich hier in der Innenstadt irgendwelche Tatorte vermuten, dann muss man da ganz klar, sehr deutlich und vor allen Dingen sehr schnell Ross und Reiter nennen. Und der dritte Punkt ist tats\u00e4chlich auch: mach das so, dass wirklich man vor die Lage kommt, will also hei\u00dfen, wirklich vor die Lage kommen, tut man in so einer Situation wie Freitag bestimmt nicht, aber man ist auf jeden Fall in der Lage so den gr\u00f6\u00dften Auswuchs an Spekulationen und Ger\u00fcchten vielleicht zuvorzukommen und dann zu sagen, nein stopp Faktenlage aktuell ist Doppelpunkt. Das sind vielleicht nur so drei Ausschnitte, die da mal exemplarisch f\u00fcr stehen sollen.<\/p>\n<p>04:48<br \/>\n<u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: Mir ist noch aufgefallen, es gibt diesen Satz, der sich bei Ihnen praktisch manifestiert: &#8222;Ruhe ist die erste B\u00fcrgerpflicht&#8220;?<\/p>\n<p>04:52<br \/>\n<u>Marcus da Gloria Martins<\/u>: Ja, das kommt hinzu. Wobei das einfach nat\u00fcrlich ein st\u00fcckweit auch Reaktion auf das gezeigte Verhalten auf die anderen ist. Wir versuchen nat\u00fcrlich immer  und das gilt nicht nur f\u00fcr uns hier &#8211;  ich kenne das von vielen anderen Pressesprecherkollegen auch &#8211; besonnen, ruhig und vor allen Dingen auch reflektiert aufzutreten. Also, insofern ist es, glaube ich, nichts, was wir uns jetzt als Verdienst an das \u2026 ans Gewehr heften k\u00f6nnen. Nur in diesem Fall war es besonders geboten, weil man das Gef\u00fchl hatte, dass sowohl die Stadtgesellschaft in der Wahrnehmung, als auch die Medienvertreter einer gewissen Konfusion erlegen sind und da konnten sie eigentlich mit nichts anderem mehr tats\u00e4chlich punkten, au\u00dfer wirklich bewusst und gewollt auf die Bremse zu treten und zu sagen, so wir nehmen mal jetzt das Gas raus.<\/p>\n<p>05:36<br \/>\n<u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: Dann kann ich mir vorstellen: Kampf der Spekulation, die Deutungshoheit \u00fcbernehmen?<\/p>\n<p>05:42<br \/>\n<u>Marcus da Gloria Martins<\/u>: Ja, das ist jetzt wieder Lehrbuch, ne? Deutungshoheit \u00fcbernehmen, vor die Lage kommen. Das sind immer so Buzzwords, wo ich dann immer sage, ja wunderbar, nur muss man das sich nat\u00fcrlich in der Echtlage anschauen. Man muss die Kapazit\u00e4ten daf\u00fcr haben. Man muss nat\u00fcrlich die Reichweite daf\u00fcr haben. Man muss auch die Relevanz in der Bewertung dieser Information durch Dritte haben, um \u00fcberhaupt die M\u00f6glichkeit zu haben als ernstgenommener Kommunikator auftreten zu k\u00f6nnen. Beispiel: wenn ich jetzt einen Kanal habe, der nicht als Polizei erkennbar ist und trotzdem die Wahrheit sage, bin ich halt nur eine Stimme in so einem riesengro\u00dfen Chor, der quer durcheinander singt. Wenn ich jetzt einen Kanal habe, wo zumindest Polizei drauf steht, \u00e4ndert sich dieses Gewicht schon. Dann bin ich nicht nur eine Stimme im Chor, sondern ich bin eine ziemlich laute Stimme im Chor und die f\u00e4llt dann schon auf. Und dann ist es, um jetzt mal in diesem Bild zu bleiben, wirklich so, dass eine Stimme nach der anderen entweder verstummt und zuh\u00f6rt, was die eine verifizierte Stimme da sagt oder in den gleichen Gesang einstimmt. Das ist jetzt \u2026 hm \u2026 ein sehr musikalisches Bild, aber letzten Endes ist genau das passiert in diesem Meer an Ger\u00fcchten. Und wir hatten eine Vielzahl von nahezu ganz bizarren und an Vielschichtigkeit nicht zu \u00fcberbietenden Ger\u00fcchten. Da war es irgendwann mal einen Pflock einzuschlagen und zu sagen:<br \/>\n1. es gibt nur einen Schadensort und nicht ganz M\u00fcnchen ist Tatort<br \/>\n2. die und die Situation haben wir zur Uhrzeit XY und<br \/>\n3. wir sind dran und k\u00fcmmern uns.<\/p>\n<p>07:18<br \/>\n<u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: Und, was mir aufgefallen ist, wenn es dann doch wie bei den Vertretern der Presse oder von Funk und Fernsehen immer wieder dann doch noch die Frage kommt: k\u00f6nnen Sie das nicht best\u00e4tigen, dass das Terror war oder dass Kinder und Jugendliche unter den Opfern sind, dass Sie dann zum Stilmittel des Humors greifen, indem Sie sagen, Sie haben keine Glaskugel. Das ist jetzt nicht der Megawitz, aber zeigt doch, dass hier irgendwo eine Grenze jetzt \u00fcberschritten wird und Sie nehmen dann die Ironie oder das satirische Element. Machen Sie das bewusst oder sind Sie so?<\/p>\n<p>07:51<br \/>\n<u>Marcus da Gloria Martins<\/u>: Ich glaube, es liegt eher daran, dass ich so bin, weil es gibt ein wunderbares Karl-Valentin-Zitat, das da lautet, Humor ist eine ernste Sache. Und in einem solchen Kontext tats\u00e4chlich Humor als bewusstes Stilmittel zu w\u00e4hlen, ist wahnsinnig gef\u00e4hrlich und insofern ist es auch nie eigentlich Kalk\u00fcl. Wenn es dann an Einzelstellen hervorgetreten ist, dann ist es das tats\u00e4chlich eher ein Pers\u00f6nlichkeitszug von mir, den ich tats\u00e4chlich selbstkritisch dann auch wirklich hinterfragt habe. Aber, dass was Sie eingangs gesagt haben, das m\u00f6chte ich vielleicht nicht so generell als Medienschelte stehen lassen oder gedeutet wissen weil, an diesem Tag waren viele Kollegen von Ihnen bei uns gewesen, die wir aus unserer t\u00e4glichen Pressearbeit kennen. M\u00fcnchen ist eine sehr, sehr gro\u00dfe Medienstadt. Mit einer sehr regen Medienszene. Und ich kenne die allermeisten, dieser Journalisten-Kollegen von Ihnen als sehr seri\u00f6se und nach stichhaltiger Information suchenden Medienschaffenden. Und was das eigentliche Problem nach meiner Bewertung ist, ist vielmehr die Tatsache, dass hier eine ganz ungl\u00fcckliche Symbiose besteht zwischen dem Nachrichtengewerbe im Allgemeinen und der direkten Beeinflussbarkeit dieses Gewerbes durch das Hochgeschwindigkeitsmedium \u2018Soziale Netzwerke\u2019. Also, die Gier dem eigenen Publikum Informationen liefern zu m\u00fcssen, weil die sitzenden mal zuhause und h\u00f6ren und schauen zu. Und auf der anderen Seite aber diese Informationen nicht in dieser Geschwindigkeit von offiziellen Stellen kriegen zu k\u00f6nnen und damit gezwungen zu sein, nach jedem Strohhalm zugreifen, den man irgendwo in den digitalen Weiten findet. Das ist in meinen Augen eine ganz, ganz gef\u00e4hrliche Entwicklung.<\/p>\n<p>09:22<br \/>\n<u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: Aber ich h\u00f6re schon, dass Sie Verst\u00e4ndnis haben f\u00fcr diesen Druck, den Medienschaffende haben im Wettbewerb mit den Social Medias, aber ich h\u00f6re nat\u00fcrlich auch in Ihrer Art und Weise, wie Sie dann solche Situation meistern, dass Sie durchaus, ich sag mal, nicht nur Kritik, sondern auch Bitten haben an Journalisten, die Sie vielleicht jetzt auch hier mal formulieren k\u00f6nnten. Also, was sollte die Presse, was sollten Live-Medienberichterstatter, wie Reporter, die gerade bei den Tagesthemen auf Sendung sind und Ihnen pl\u00f6tzlich das Mikrofon unter den Mund halten, was sollten die vielleicht zuk\u00fcnftig anders oder besser machen?<\/p>\n<p>10:01<br \/>\n<u>Marcus da Gloria Martins<\/u>: Also, ich wei\u00df nicht, ob ich die Rolle des Ratgebers einnehmen darf. Ich pers\u00f6nlich sehe mich nicht in dieser Rolle. Ich kann f\u00fcr mich nur feststellen, dass ich tats\u00e4chlich, wie gesagt, viele Journalisten-Kollegen von Ihnen in ihrem Bem\u00fchen beobachtet habe, Informationen als valide und stichhaltig zu bewerten. Das geht nur in dieser Situation nicht. D. h., also die Frage, die ich mir hier stelle, ist, gibt es da vielleicht noch irgendeine Hintergrund-Ressource, die man als Vertreter eines Mediums hat, die in der Lage ist, diese Bewertungsleistung abzunehmen. Das, was ich gesehen habe, waren ganz oft Journalisten, die im Prinzip selbst recherchiert haben, die selbst in Smartphones und Tabletts geguckt haben, die vielleicht noch irgendwo einen weiteren Kollegen hatten, sich \u00fcber Telefon ausgetauscht hatten und die aber nicht wirklich die M\u00f6glichkeit hatten, sowie ich, ein Team von 20 Leuten im Nacken zu haben, die nichts anderes machen als Informationsbewertung. Also, sprich Information X, sei es denn aus unserem Notruf, sei es denn irgendwie aus einer Zeugenmeldung abzuklopfen und solange abzuklopfen, dass es dann irgendwann hei\u00dft, o.k., die ist jetzt dreimal gepr\u00fcft, die k\u00f6nnen wir rausgeben und das ist zum Beispiel auch der Grund, warum wir nur sehr zaghaft mit Opferzahlen raus gegangen sind, warum wir nur sehr zaghaft mit Verletzten-Zahlen raus gegangen sind und diese Hintergrund-Abpr\u00fcfressource oder diese M\u00f6glichkeit tats\u00e4chlich so eine Art Qualit\u00e4tskontrolle f\u00fcr Information externer Art einzuf\u00fchren, das w\u00fcrde ich mir tats\u00e4chlich vielleicht bei dem einen oder anderen  Medienvertreter w\u00fcnschen, falls es das nicht ohnehin schon gibt.<\/p>\n<p>11:32<br \/>\n<u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: Sie haben die Social Media angesprochen. Sie sind ja auch auf twitter und facebook vertreten. Also, nicht auf snapshat. Bei YouTube laden andere Leute ihre Videos hoch und Sie werten die aus. Aber gerade die junge Generation ist ja eher dann doch nicht auf facebook oder twitter unterwegs. Wie versuchen Sie die zu erreichen?<\/p>\n<p>11:53<br \/>\n<u>Marcus da Gloria Martins<\/u>: Also, zun\u00e4chst einmal muss man erst einmal eine saubere Zielgruppenanalyse machen. Und unsere Zielgruppenanalyse in M\u00fcnchen lautet: f\u00fcr mich ist relevant die Region M\u00fcnchen +50 km. Da schau ich mir an, wen habe ich? Was sind meine benutzten Kan\u00e4le? Was ist der Trendingchannel? Also sprich: snapchat zum Beispiel, Sie haben es angesprochen, w\u00e4chst bei uns \u00fcberall ganz enorm. Und dann muss ich mir die Frage stellen, passt dieser Kanal zu uns als Organisation Polizei? Wir sind noch nicht sehr lange in den sozialen Netzwerken aktiv. Im Gegensatz zu vielen anderen Polizeien. Wir haben zum Beispiel sehr, sehr enge Verbindungen zu den Kollegen in Berlin und Frankfurt, die wir sehr sch\u00e4tzen. Von denen wir auch wirklich viel mitgenommen haben. M\u00fcssen aber bei uns vom Ergebnis festhalten, dass wir gesagt haben, wir bleiben auf einer gewissen Hauptstra\u00dfe. Wir bedienen zun\u00e4chst erst einmal zwei Kan\u00e4le, n\u00e4mlich twitter und facebook. Und konzentrieren uns darauf dort, einen gewissen Stand zu erreichen. Wenn ich dann in die Krise komme, so letzten Freitag, dann muss man sich einfach die Frage stellen, das haben wir nat\u00fcrlich im Vorfeld strukturell vorbereitet, was ist denn der richtige Kanal? Und da f\u00e4llt facebook hinten ganz runter, weil es einfach zu langsam ist, weil es von den Nutzergewohnheiten anders aufgebaut ist. Und wir setzen nur auf twitter. Wenn man sich jetzt die Frage stellt, ja aber Herr Martins, kennen Sie denn nicht die durchschnittliche Verbreitung von twitter in Deutschland, dann sage ich, doch sehr wohl kenne ich die, aber nichtsdestotrotz zeigt dieser Sachverhalt am letzten Freitag, als auch andere Sachverhalte in der Vergangenheit, dass dieser Weg der richtige ist, weil durch die Zentralsteuerung \u00fcber einen Kanal, wir ja dann anschlie\u00dfend an den entsprechenden Schaltstellen eine Weiter-Vermittlung in alle m\u00f6glichen weiteren Kan\u00e4le haben, wo wir keinen Fu\u00df in der T\u00fcr haben. Also sprich: die twitter-Information ist schneller, als man glaubt per whatsapp geteilt, ist schneller, als man glaubt auf irgendeiner web-1.0-Seite von einem Nachrichten-Anbieter und ist schneller, als man glaubt, nat\u00fcrlich auf facebook geteilt ohne, dass wir diese Kan\u00e4le alle explizit bedienen m\u00fcssen. <\/p>\n<p>13:48<br \/>\n<u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: Also, whatsapp kommt f\u00fcr Sie nicht in Frage? Weil einige Medien nutzen das ja schon tats\u00e4chlich, um Leser oder H\u00f6rer zu erreichen.<\/p>\n<p>13:55<br \/>\n<u>Marcus da Gloria Martins<\/u>: Das verfolgen wir nat\u00fcrlich interessiert, uns stehen allerdings mehrere Aspekte noch im Raum, die noch unbeantwortet sind dagegen. Das eine ist nat\u00fcrlich das deutsche Datenschutzrecht. Als Beh\u00f6rde sind wir nat\u00fcrlich viel mehr noch als andere, an die wirklich zwingende und detailtiefe Einhaltung von Datenschutzregelungen gebunden. Da gibt es bei whatsapp Fragen. Und die zweite gro\u00dfe H\u00fcrde, die wir zu nehmen haben, ist die Tatsache, man muss nat\u00fcrlich diesen Kanal abonnieren, man muss die Leute also tats\u00e4chlich auf diesen whatsapp Informationskanal holen, plus die Tatsache, dass es bis heute ja als kommerzielle L\u00f6sung von whatsapp ja noch nicht final tats\u00e4chlich ausgerollt wurde und als regul\u00e4res Angebot auf dem Markt platziert wurde.<\/p>\n<p>14:43<br \/>\n<u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: Dann gibt es ja das Ph\u00e4nomen, dass anders als fr\u00fcher, vielmehr Augenzeugen auch zum Handy greifen, um Fotos zu machen und Videos. Fr\u00fcher waren Sie darauf angewiesen, dass Menschen etwas zu Protokoll gaben und wie wir wissen: ein Unfall &#8211; zehn verschiedene Sichtweisen. Aber ein Foto und ein Video sind dann doch objektiver, k\u00f6nnen es sein. Nun gibt es ja das Ph\u00e4nomen, einerseits dass Sie davor warnen, diese Sachen online zu stellen und andererseits m\u00f6chten Sie aber schon ganz gerne das Bed\u00fcrfnis, was entsteht, um das mit Angeh\u00f6rigen zu teilen, um selber vielleicht therapeutisch zu verstehen, was da abl\u00e4uft, in dem man auch einfach Distanz schafft zwischen Fotolinse und dem Ort des Geschehens, dass da etwas entsteht, was m\u00f6glicherweise auch T\u00e4ter nutzen. Wozu raten Sie? Au\u00dfer zu sagen: Leute stellt das nicht online, weil das l\u00e4sst ja nicht verhindern.<\/p>\n<p>15:40<br \/>\n<u>Marcus da Gloria Martins<\/u>: Naja, das l\u00e4sst sich vielleicht nicht in allen F\u00e4llen verhindern, aber ein moralischer Aspekt spielt hier eine ganz gro\u00dfe Rolle. Sie haben mit einer Grundaussage recht. Wir nutzen das mittlerweile. Wir haben auch mittlerweile technische M\u00f6glichkeiten geschaffen, ein so genanntes Upload-Portal, um auch zeitnah, also m\u00f6glichst unmittelbar nach dem Ereignis so eine Art crowdsourcing  zu machen, was Bilder und Videos angeht. Das publizieren und forcieren wir nat\u00fcrlich dann auch entsprechend durch Aufrufe. Auf der anderen Seite ist es aber auch so, dass diese Videos und Fotos Verarbeitungsmethodik sind. Die meisten Menschen, die so etwas live erleben, wenn sie daneben stehen und reflexhaft zum Smartphone greifen, die machen das mutma\u00dflich nicht, weil sie sagen und das stelle ich jetzt gleich sofort online, sondern es ist eine Reaktion auf eine ungew\u00f6hnliche Situation, auf die wir nicht vorbereitet sind. Das ist ungef\u00e4hr so, als wenn sie pl\u00f6tzlich mit Ihrem Smartphone in der Natur irgendetwas etwas sehen, was sie v\u00f6llig verbl\u00fcfft. Ja? Das muss nicht nur etwas traumatisches oder schreckliches sein. Und dann gibt es nat\u00fcrlich noch jene, die dann im zweiten Schritt sich denken, o.k. und das ist mein Zugang zu 15 Minuten Ruhm. Und die versuchen wir nat\u00fcrlich in erster Linie durch Appelle zu erreichen, weil in dieser Phase des Chaoses unmittelbar nach dem Ereignis haben wir keine Handhabe anders und versuchen da nat\u00fcrlich durch Appelle, die Botschaft zu platzieren, lasst das. Weil diese Bilder gehen dann herum. Diese Bilder werden dann in unterschiedlichster Art und Weise gedeutet und interpretiert. Diese Bilder haben das Potenzial zu traumatisieren. Ich darf da einfach an ein paar Videoaufnahmen aus dem Bereich Nizza, darf ich verweisen, die wirklich, wirklich schlimm sind. Und diese Bilder kriegen sie nie wieder aus dem Netz raus. Und das ist eine Verantwortung, die man in diesem Moment nat\u00fcrlich diesen Hobbyjournalisten, nenne ich sie jetzt mal oder Freizeitfilmern, wirklich vor Augen f\u00fchren muss. Weil diesen Schritt der Ver\u00f6ffentlichung kann man in der Regel nicht mehr r\u00fcckg\u00e4ngig machen.<\/p>\n<p>17:45<br \/>\n<u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: Aber, Sie m\u00fcssten doch eigentlich sehr dankbar sein, dass solche Videos ziemlich schnell hochgeladen wurden, ohne, dass Sie vorher eine Bewertung abgegeben haben, wie das auf dem Parkdeck, wo dann auch deutlich wurde f\u00fcr normale Menschen, ah m\u00f6glicherweise ist ja dann doch gar keine Terrorgefahr da, weil hier handelt es sich m\u00f6glichweise tats\u00e4chlich um einen, der durchgeknallt ist und m\u00f6glicherweise auch national motiviert handelt, also dass das auch eine gewisse Entspannung bringt. Ist das nicht so, dass das Ihnen auch vielleicht unter Umst\u00e4nden sogar dann auch Arbeit abnimmt?<\/p>\n<p>18:42<br \/>\n<u>Marcus da Gloria Martins<\/u>: Ja und nein. Also, wie eben schon gesagt, es ist eine Ermittlungsunterst\u00fctzung dahingehend, als dass es nat\u00fcrlich f\u00fcr uns ein Teil der Lagebewertung ist. D. h., ich habe ein Bewegtbild, wo ich tats\u00e4chlich etwas sehen kann, was mir am Telefon m\u00f6glicherweise berichtet wurde. Aber das Telefon zum Beispiel, um jetzt mal wieder auf die Lage am Freitag zukommen, war f\u00fcr uns ganz ma\u00dfgeblich daf\u00fcr, dass es durch Zeugenanrufe in der ersten Phase dieses Ereignisses hie\u00df, also immer innerhalb des Notrufes, wir sind jetzt innerhalb der ersten 5 Minuten, dass mehrere T\u00e4ter mit Langwaffen unterwegs sind. Jetzt schreitet das gesamte  Ereignis fort. Es wird beendet, wir sind jetzt mittlerweile vom Wissensstand da, wo wir sind. Und jetzt gibt es dann immer noch diese Videos. Diese Videos sind f\u00fcr uns nach wie vor wichtig, sind f\u00fcr uns nach wie vor Teil auch der Beweisf\u00fchrung, dienen auch letzten Endes der Indizien- und Beweisketten- Erstellung \u2026<\/p>\n<p>19:16<br \/>\n<u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: Na und vor allen Dingen auch der Korrektur. Denn das war ja keine Langwaffe, die man sah, sondern eine Pistole.<\/p>\n<p>19:20<br \/>\n<u>Marcus da Gloria Martins<\/u>: Ja, das ist richtig, aber wenn Sie sich jetzt \u00fcberlegen, da ist jetzt eine drauf zu sehen, aber Zeugen reden am Telefon von dreien, dann k\u00f6nnen sie nat\u00fcrlich nicht ausschlie\u00dfen als Polizei, dass halt es Zufall ist, dass der eine, der dort auf dem Parkdeck zu sehen ist, auch wirklich der einzige T\u00e4ter ist. Es ist sehr schwierig f\u00fcr uns in dieser Phase zu sagen, aufgrund dieses einen Videos k\u00f6nnen wir jetzt schon final von einer Einzelt\u00e4tertheorie ausgehen. Dann d\u00fcrfen sie eins  noch nicht ganz au\u00dfer Acht lassen, wir haben ja dann in einem Zeitfenster von ca. 20 Uhr bis 24 Uhr in M\u00fcnchen 66 Tatorte gehabt, wo wir Notrufe hatten, die von Sch\u00fcssen, von bewaffneten Personen, die schie\u00dfen und in zwei F\u00e4llen sogar von Geiselnahmen gesprochen haben. Einmal in einem Kino und einmal in einem Fitnessstudio. Das lief alles parallel in der Phase, wo wir auch davon ausgehen gegangen sind, dass zwei T\u00e4ter noch in der Bewegung sind. Und da k\u00f6nnen sie als Polizei tats\u00e4chlich zu keinem Zeitpunkt sagen: o.k., nein stopp. Das ist mir alles zu windig. Ich rede jede jetzt ab sofort nur noch von einem Einzelt\u00e4ter, weil einfach die Gefahr eben mit Blick auf Br\u00fcssel, mit Blick auf Paris, dass tats\u00e4chlich mehrere T\u00e4ter jetzt vielleicht einen zweiten oder dritten Ereignisort in der Stadt aufmachen wollen, nicht wirklich hundertprozentig auszuschlie\u00dfen ist. Und wenn ich jetzt im Nachgang nat\u00fcrlich dann diese Bilder auch daf\u00fcr instrumentalisiere, um der Polizei hier vielleicht auch eine Stimmungsmache zu unterstellen, dann sehen Sie, reden wir immer noch von den gleichen Bildern. Die gleichen Bilder, die uns am Anfang eine Ermittlungsunterst\u00fctzung waren, die gleichzeitig f\u00fcr die Medien eine Content-Quelle waren und jetzt im Nachgang nat\u00fcrlich durch Kritiker anders gelesen werden und als scheinbarer Beleg f\u00fcr eine organisatorische Panne oder wie auch immer der Polizei hergenommen zu werden. Und es sind die gleichen Bilder. Und da sieht man, dass die Wirkung von Videos im Netz tats\u00e4chlich sehr vielschichtig ist und man auch nicht grunds\u00e4tzlich von gut oder b\u00f6se sprechen kann, sondern sich die Frage stellen muss, zu welchem Zeitpunkt muss man sich einfach dann auch zur\u00fccknehmen und sagen: o.k. die Faktenlage ist nun mal wie geschildert.<\/p>\n<p>21:26<br \/>\n<u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: Und Sie sind ja im Dilemma \u2013 anders als die Medien eigentlich, die ja nicht ungepr\u00fcfte Fakten \u00fcbernehmen m\u00fcssen \u2013 dass Sie um eine Lagebewertung vorzunehmen, hochrechnen. Also, auch Spekulationen professionell anstellen und diese Spekulationen ja auch unter Vorbehalt immer weitergeben. Also, wenn Sie sagen, wir gehen von der h\u00f6chsten Einstiegsstufe aus, besser als umgekehrt, dann ist das ja erstmal nur eine Annahme, aber noch nicht eine Tatsache. Das wird sich ja verifizieren im Laufe des Tages und dann kommt ja der Effekt, dass Sie pl\u00f6tzlich auch Dinge korrigieren m\u00fcssen.<\/p>\n<p>21:57<br \/>\n<u>Marcus da Gloria Martins<\/u>: Man kann es, glaube ich, dadurch leichter verstehen, diesen Widerspruch zwischen dem eben ge\u00e4u\u00dferten Zwang zur Wahrhaftigkeit und Pr\u00fcfbarkeit der Informationen, was ich ja eben in den Raum gestellt habe und dem, was Sie gerade geschildert haben. Dieser Perspektivwechsel, den Sie jetzt vollziehen m\u00fcssen, ist: Sie sind der verantwortliche Einsatzleiter. Sie haben die Information, dass bis zu drei T\u00e4ter auf Grund von Erstinformationen am Notruf und zwar mehreren nach Tatver\u00fcbung mit Waffen geflohen sind. Sie haben definitiv Tote und zwar viele, so dass sie im Prinzip eine Beziehungstat oder einen Raub\u00fcberfall ausschlie\u00dfen k\u00f6nnen und sie haben nat\u00fcrlich die gesamtpolitische bzw. die Terror-Lage Europa im Hinterkopf. Dann stell ich Ihnen jetzt die Frage, wie w\u00fcrde Sie sich als Polizeif\u00fchrer entscheiden, wenn zumal die ersten Kr\u00e4fte von zahlreichen Verletzten und vermutlich Toten berichten und die Zeugenaussagen unter anderem auch von Menschen, die unmittelbar Tatzeuge waren genau diese Informationen transportieren? Dann bleibt Ihnen letzten Endes fast nichts anderes \u00fcbrig, als die Erfahrung der letzten Monate einkalkulierend davon auszugehen, dass sie hier tats\u00e4chlich mehr haben, als eine Gangster-Schie\u00dferei oder irgendein Rocker-Thema. Und wir sind ja von Anfang an sehr hoch eingestiegen, haben auch sehr lang vermieden, das Wort Terror in den Mund zu nehmen. Das ist in erster Linie sehr h\u00e4ufig auch von Medienseiten gekommen und haben aber unsere Konzeption danach ausgerichtet, dass wir tats\u00e4chlich von den taktischen Konzepten von einem Terroranschlag ausgehen mussten.<\/p>\n<p>23:38<br \/>\n<u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: Aber dennoch noch einmal eine Nachfrage. Sie m\u00fcssen dann ja im Laufe solch\u2019 eines Ereignisses korrigieren und das wird auf Grund unserer gelebten Praxis dann oft als Schuldeingest\u00e4ndnis bewertet. Aber Sie m\u00fcssen es ja anders kommunizieren, als, ich sag mal, Abgleich mit der Wirklichkeit. Und das ist ja kein Fehler. Das ist ja eher ein Vorzug von Kommunikation, zu sagen, wir haben jetzt ein pr\u00e4ziseres Bild, aber dennoch macht man Ihnen Vorw\u00fcrfe.<\/p>\n<p>24:06<br \/>\n<u>Marcus da Gloria Martins<\/u>: Also, die Vorw\u00fcrfe beziehen sich nat\u00fcrlich in erster Linie, wenn \u00fcberhaupt, auf die Art und Weise, wie wir in diese Lage eingestiegen sind. Sprich, welche Erstbewertung wir hatten und da sind wir uns auch knapp eine Woche sp\u00e4ter hundertprozentig sicher, dass wir da richtig gehandelt haben. Alles andere w\u00e4re &#8211; und da muss ich Sie nochmal bitten, diesen Perspektivwechsel zu vollziehen &#8211;  fahrl\u00e4ssig gewesen. Das ist dann auch ein Widerspruch, den man aushalten muss. Und das ist dann auch ein Widerspruch, den man erkl\u00e4ren muss und bin der Ansicht, dass man ihn erkl\u00e4ren kann. Ab diesen Zeitpunkt kommen dann die reinen Faktenlagen, die eben durch eine Hintergrundstruktur erhoben werden. Und ein sch\u00f6nes Beispiel daf\u00fcr: sie kriegen vom Rettungsdienst die Auskunft 21 Personen wurden vom Rettungsdienst in Krankenh\u00e4user abtransportiert. Da besteht eine riesengro\u00dfe Gefahr drin, dass wenn sie diese Information so rausgeben, draus wird: 21 Schwerverletzte in Krankenh\u00e4usern. Dass unter diesen 21 Personen aber auch nur Personen waren, die einen Krankenwagen angesprochen haben, weil auch die gab es dann zu diesem Zeitpunkt reichhaltig hier im Stadtbereich und gesagt haben: ich bin gerade umgeknickt und dann ins Krankenhaus ausgebracht wurde &#8211; das ist \u00fcbrigens tats\u00e4chlich ein realer Fall &#8211; das wird dann v\u00f6llig ausgeblendet. Sie sehen also, mit solchen Informationen muss man sehr vorsichtig sein. Man muss auch auf die Formulierungen achten und wenn man die Formulierungen weitergibt, dann muss man auch wirklich aufpassen, dass in der Gegenfrage, die dort kommt &#8211; und da sind wir wieder in dieser Interviewsituation, die Sie eingangs mal als Beispiel genannt haben &#8211; da muss man dann auch bei der Gegenfrage aufpassen, hat mein Gegen\u00fcber, hat der Journalist eigentlich diese Formulierung von mir richtig verstanden. Und in dem Moment, wo sie erkennen, nein hat er nicht, m\u00fcssen sie nachlegen. Und ab diesem Zeitpunkt, wo\u2019s wirklich um nachpr\u00fcfbare Fakten geht, m\u00fcssen sie gucken, dass sie wirklich den Stand vermitteln, den sie zu dieser Zeit haben. Und die Zahl der Verletzten hat sich ja bis heute einschlie\u00dflich noch einmal erh\u00f6ht. Wir sind meines Wissens jetzt bei 38. Und da k\u00f6nnen sie, wenn sie wirklich glaubhaft bleiben wollen, wirklich immer nur den Stand liefern, den sie zu dieser Zeit haben. Mit dem Hinweis, dass es sich jeder Zeit weiterentwickeln kann, weil zum Beispiel \u2013 auch das war eine Situation in der Nacht \u2013 nicht alle Krankenh\u00e4user akut zur\u00fcckgemeldet haben, wie hoch der Verletzteneinlauf aus irgendwelchen Paniksituationen aus der Innenstadt war. Und wenn man das offen transportiert, kommt man dann aber auch nicht in die Rechtfertigungsfalle, dass man sagen muss, die Zahl von eben war falsch, weil man von Anfang an klipp und klar gesagt hat, das sind vorl\u00e4ufige Zahlen, da ist Entwicklung drin und das ist jetzt nur der Stand von fiktiv 23:00 Uhr. <\/p>\n<p>26:45<br \/>\n<u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: Krisenkommunikation sehr komplex aus der Sicht der Polizei besprochen mit Marcus da Gloria Martins. Ich bedanke mich f\u00fcr diesen  wirklich interessanten Einblick in Ihre Arbeit.<\/p>\n<p><u>Marcus da Gloria Martins<\/u>: Ich danke Ihnen f\u00fcr Ihr Interesse.\n<\/p><\/blockquote>\n<p><\/div><\/div>\n<div style=\"height: 10px;\"><\/div>\n<hr \/>\n<div style=\"height: 5px;\"><\/div>\n<p><html><br \/>\n     <head><\/p>\n<style type=\"text\/css\">\n       body {\n                     background: #DADADA;\n       }\n      <\/style>\n<p>     <\/head><br \/>\n     <body><br \/>\n<\/body><br \/>\n    <\/html><br \/>\n<script src=\"https:\/\/apis.google.com\/js\/plusone.js\" type=\"text\/javascript\">\/\/ < ![CDATA[ {lang: 'de'} \/\/ ]]><\/script><br \/>\n<script src=\"http:\/\/twittercounter.com\/embed\/?username=medienmagazin&amp;style=avatar\" type=\"text\/javascript\"><\/script><\/p>\n<p><noscript><a href=\"http:\/\/twittercounter.com\/medienmagazin\">medienmagazin on Twitter Counter<\/a><\/noscript><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Goldenen Regeln, twitter und Tatort-Videos No audio playback capabilities, please download the audio belowDownload Audio: Closed Format: MP3 Download Was: Interview \u00fcber Krisenkommunikation Wer: Marcus da Gloria Martins, Leiter der Presse- und \u00d6ffentlichkeitsarbeit, Polizeipr\u00e4sidium M\u00fcnchen Wann: rec.: 28.07.2016, 13:25 Uhr, ver\u00f6ffentlicht in verschiedenen Schnittfassungen u. a.: Hintergrund, DLF, 29.07.2016, 18:40 Uhr; 30.07.2016, 18:10 Uhr [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"footnotes":""},"categories":[17],"tags":[576,674,673,672],"class_list":["post-31188","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aktuell","tag-krisenkommunikation","tag-muenchen","tag-polizei","tag-terror"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/31188","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=31188"}],"version-history":[{"count":33,"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/31188\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":35496,"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/31188\/revisions\/35496"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=31188"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=31188"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=31188"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}