{"id":31264,"date":"2016-07-15T14:00:26","date_gmt":"2016-07-15T13:00:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wwwagner.tv\/?p=31264"},"modified":"2016-08-11T23:59:27","modified_gmt":"2016-08-11T22:59:27","slug":"seppelt-doping-ohne-luege-existiert-ueberhaupt-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/?p=31264","title":{"rendered":"Seppelt: &#8222;Doping ohne L\u00fcge existiert \u00fcberhaupt nicht&#8220;"},"content":{"rendered":"<div style=\"height:30px;\"><\/div>\n<figure id=\"attachment_31270\" aria-describedby=\"caption-attachment-31270\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/uploads\/20160715__DSC3020_seppelt_hajo_600.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/uploads\/20160715__DSC3020_seppelt_hajo_600.jpg\" alt=\"Hajo Seppelt\" width=\"600\" height=\"399\" class=\"size-full wp-image-31270\" srcset=\"https:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/uploads\/20160715__DSC3020_seppelt_hajo_600.jpg 600w, https:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/uploads\/20160715__DSC3020_seppelt_hajo_600-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-31270\" class=\"wp-caption-text\">Hajo Seppelt<\/figcaption><\/figure>\n<div style=\"height:30px;\"><\/div>\n <audio   controls > <source src=\"http:\/\/www.wwwagner.tv\/audio\/20150715_seppelt_hajo_cut_lang.mp3\" type='audio\/mpeg' \/> <object   type=\"application\/x-shockwave-flash\"  data=\"https:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/plugins\/wphtml5player\/inc\/flowplayer.swf\"  width=\"400\"  height=\"30\"> <param name=\"movie\" value='https:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/plugins\/wphtml5player\/inc\/flowplayer.swf' \/><param name=\"allowfullscreen\" value='false' \/><param name=\"cachebusting\" value='true' \/><param name=\"bgcolor\" value='#000000' \/><param name=\"flashvars\" value='config={\"plugins\":{\"controls\":{\"height\":30,\"autoHide\":false,\"fullscreen\":false}},\"clip\":{\"autoPlay\":false,\"url\":\"http:\\\/\\\/www.wwwagner.tv\\\/audio\\\/20150715_seppelt_hajo_cut_lang.mp3\"},\"playlist\":[{\"autoPlay\":false,\"url\":\"http:\\\/\\\/www.wwwagner.tv\\\/audio\\\/20150715_seppelt_hajo_cut_lang.mp3\"}],\"play\":{\"opacity\":0}}' \/>  No audio playback capabilities, please download the audio below<br \/><strong>Download Audio:<\/strong> Closed Format: <a href=\"http:\/\/www.wwwagner.tv\/audio\/20150715_seppelt_hajo_cut_lang.mp3\">MP3<\/a> <\/object> <!-- Generated by HTML5 Multimedia Framework (http:\/\/code.google.com\/p\/html5videoplayer) --> <\/audio>  \n<div style=\"height:20px;\"><\/div>\n<p><span style=\"color: #FFA500;\">Wer:<\/span> Hajo Seppelt, Journalist mit Schwerpunkt Doping, ARD<br \/>\n<span style=\"color: #FFA500;\">Was:<\/span> Interview vor dem Abflug zu den Olympischen Spielen in Rio<br \/>\n<span style=\"color: #FFA500;\">Wo:<\/span> Berlin, ARD-Hauptstadtstudio<br \/>\n<span style=\"color: #FFA500;\">Wann:<\/span> 15.07.2016, 14:00 Uhr; ver\u00f6ffentlicht in einer collagierten Fassung am <a href=\"http:\/\/bit.ly\/2b0SWkp\" target=\"_blank\">06.08.2016<\/a>, 18:10 Uhr im radioeins-Medienmagazin und in einer kompakten Kurz-Fassung im rbb Inforadio 07.08.2016, 10:44\/15:24 Uhr<\/p>\n<div style=\"height:10px;\"><\/div>\n<hr>\n<\/hr>\n<p>00:00<br \/>\n<span style=\"color: #ffa500;\">Hajo Seppelt:<\/span> <span style=\"color: #c0c0c0;\"> Mein Name ist Hajo Seppelt. Ich bin Reporter der ARD mit Schwerpunkt Doping und olympische Sportpolitik, bin Mitglied der ARD-Doping Redaktion seit 2007.<\/p>\n<p>00:11<br \/>\n<span style=\"color: #ffa500;\">J\u00f6rg Wagner:<\/span> Hajo Seppelt, Toronto ist ein weiterer H\u00f6hepunkt in der Doping-Aufmerksamkeit, wie hoch sch\u00e4tzen Sie ihren eigenen Anteil, den Anteil der ARD-Doping-Redaktion ein und vielleicht auch des gesamten Journalismus weltweit, der sich mit dieser Problematik besch\u00e4ftigt? Ist das letzten Endes auch ein Erfolg durch den \u00f6ffentlichen Druck?<\/p>\n<p>00:31<br \/>\n<span style=\"color: #ffa500;\">Hajo Seppelt:<\/span> <span style=\"color: #c0c0c0;\"> Tats\u00e4chlich ist das, was wir jetzt erleben, ein st\u00fcckweit eine Art G\u00f6tterd\u00e4mmerung des internationalen Sports, des organisierten Sports, der ma\u00dfgeblich darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren ist, dass Whistleblower und Journalisten Geschichten an die \u00d6ffentlichkeit gebracht haben, Fakten an die \u00d6ffentlichkeit gebracht haben, die bisher unter dem Teppich schlummerten, von denen zwar viele, die Insider waren, ahnen mussten, ahnen konnten, dass sie der Realit\u00e4t entsprechen, aber sie waren halt nicht belegbar. Insofern hat tats\u00e4chlich der investigative Sportjournalismus in den letzten Jahren dazu beigetragen, dass sich das Bild des Sports, des organisierten Sports in der \u00d6ffentlichkeit nicht nur national, sondern international, eigentlich kann man sagen global nachhaltig ver\u00e4ndert hat.<\/p>\n<p>01:10<br \/>\n<span style=\"color: #ffa500;\">J\u00f6rg Wagner:<\/span> Wieviel Journalisten besch\u00e4ftigen sich weltweit mit diesem Thema?<\/p>\n<p>01:14<br \/>\n<span style=\"color: #ffa500;\">Hajo Seppelt:<\/span> <span style=\"color: #c0c0c0;\"> Naja, regelm\u00e4\u00dfig gibt es gar nicht zu viele, w\u00fcrde ich sagen und in der Tat ist es so, dass die ARD, in diesem Fall der Westdeutsche Rundfunk, f\u00fcr die ARD mit der Gr\u00fcndung der Doping-Redaktion im Jahre 2007 einen entscheidenden, wichtigen bedeutsamen Schritt voran getan hat, denn h\u00e4tte es das nicht gegeben, dann w\u00fcrden wir hier jetzt nicht sitzen. Die gesamte Arbeit, die investigative Arbeit der Doping-Redaktion ist ja nicht so ausgerichtet, dass man nach dem Motto: du f\u00e4hrst mal jetzt irgendwohin und drehst dort und dann machst du einen Beitrag \u2013 nein so  funktioniert das nicht. Das ist es anders. Das ist tats\u00e4chlich K\u00e4rrner-Arbeit. Das ist langfristige Arbeit. Das ist Geduld, die gefragt ist, wenn man an Themen dran ist. Das sind Verbindungen, die entstehen \u00fcber die Jahre hinweg. Da sind ganz viele auch nicht erfolgreiche Recherchen, aber eben ein paar, die dann doch erfolgreich sind. Inzwischen werden es auch immer mehr. Also, wenn man so m\u00f6chte auf der Haben-Seite gibt es immer mehr Dinge, die dann auch berichterstattenswert sind und die auch einen Impact haben oder einen Einfluss haben auf den Sport. Aber d.h. immer, man recherchiert ohne zu wissen, ob am Ende wirklich dabei etwas herauskommt. Das ist ja eigentlich ganz normal, aber die Erwartungshaltung in vielen Medien ist, glaube ich fr\u00fcher immer und sicherlich auch heute noch in gro\u00dfen Teilen so, man arbeitet an einem Thema und dann muss etwas dabei herauskommen. Das ist aber bei Doping ganz sch\u00f6n schwierig. Denn Doping ist ein Berichterstattungsgegenstand, der sich immer im Dunkeln, im konspirativen abspielt. Doping ohne L\u00fcge existiert \u00fcberhaupt nicht. Wer dopt, der l\u00fcgt automatisch, weil er ja anderen ja etwas vormacht, dass seine Leistung eben nicht durch k\u00fcnstliche Mittel ver\u00e4ndert, manipuliert worden ist und daran zu kommen, ist nicht so einfach. Denn, wer will schon dar\u00fcber reden. Und insofern ist es schon etwas, das mit dicken Brettern bohren zu tun hat. Und diese Bretter zu bohren, ist mir, ist anderen in der Doping-Redaktion halt, wenn man so m\u00f6chte, gestattet worden. Das war der lange Atem, der da z\u00e4hlte und der hat am Ende dazu beigetragen, dass eben viele Fehlentwicklungen, des Spitzensports, die es \u00fcbrigens schon lange gibt, die sind ja nicht neu, aber dass diese eben jetzt auch aufgedeckt worden sind.<\/p>\n<p>03:23<br \/>\n<span style=\"color: #ffa500;\">J\u00f6rg Wagner:<\/span> Aber auch Fehlentwicklungen des Journalismus. Ich kann mich erinnern, als Sie im Jahre 2006 abgel\u00f6st wurden als Schwimmreporter der ARD durch einen Neuzugang in der Sportreporterfamilie, hatte man Sie beauftragt mit Doping-Berichten. Allerdings hatte man den Eindruck, dass das nur erstmal so eine Art Feigenblatt war, von au\u00dfen zumindest, weil die ARD sehr massiv involviert war in der nicht nur Pr\u00e4sentation der Tour de France, sondern auch im Sponsoring und auch, ich sage mal, das, was man vielleicht Fantum nennt. Es gab ein Buch vom damaligen ARD-Sportkoordinator Hagen Bossdorf \u00fcber Jan Ullrich. Und man hatte von au\u00dfen nicht mehr das Gef\u00fchl, hier gebe es eine Distanz zum Berichtsgegenstand. Wie w\u00fcrden Sie die Entwicklung der letzten zehn Jahre beschreiben? Wann hat sich da etwas ge\u00e4ndert? Und warum?<\/p>\n<p>04:11<br \/>\n<span style=\"color: #ffa500;\">Hajo Seppelt:<\/span> <span style=\"color: #c0c0c0;\"> Tats\u00e4chlich war es vor zehn Jahren noch so, dass Kritik, wenn sie denn die Inhalte der Berichterstattung betraf, als Beleidigung aufgefasst worden ist. Man redete nicht \u00fcber diese Fehlentwicklungen im System, aber nach einer gewissen Zeit &#8211; und das ist durchaus schon l\u00e4nger her inzwischen &#8211; gab es tats\u00e4chlich einen Wandel im Denken und auch im Handeln. Ich glaube, man hat schon erkannt, dass diese unheilige N\u00e4he zu den Berichterstattungsgegenst\u00e4nden \u00fcber den Verkauf oder den Kauf von Fernsehrechten gelegentlich hoch problematisch sein kann, weil damit nat\u00fcrlich auch eine Erwartungshaltung verbunden ist, n\u00e4mlich der Vertragspartner, dass man dieses Produkt positiv darstellt. Und das ist ein Interessenskonflikt f\u00fcr das \u00f6ffentlich-rechtliche Fernsehen, \u00fcberhaupt f\u00fcr den \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunk eigentlich f\u00fcr den gesamten Journalismus. Und in dieser Spannungsituation haben wir uns lange befunden, aber ich finde dass der Weg, der eingeschlagen worden ist, ein richtiger ist und inzwischen folgen dem auch immer mehr. Also, ich habe schon den Eindruck, dass es in der ARD seit ein paar Jahren eine durchaus deutliche, deutliche Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Arbeit der Doping-Redaktion gibt. Es gibt inzwischen \u00fcbrigens auch andere Fernsehanstalten weltweit, bei denen ich das Gef\u00fchl bekommen habe, dass sie ein st\u00fcckweit auch unserem Beispiel gefolgt sind, dass jetzt auch machen, zum Beispiel France2 in Frankreich, die BBC in England, Channel4 auch aus Gro\u00dfbritannien kam auf mich zu. Also, da gibt\u2019s wirklich einen Paradigmenwechsel in der Sportberichterstattung. Und woran es liegt, dass es diesen gibt, ich glaube, das hat schon damit zu tun, zumindest in Deutschland, dass die Doping-Redaktion unter dem Dach des WDR den einen oder anderen journalistschen Erfolg auch hatte, der auch einen Impact hatte, also wirklich einen Einfluss hatte, eine Auswirkung hatte auf die Sportorganisationen. Das ist auff\u00e4llig und jetzt auch mit der Geschichte \u00fcber Russland, mit Doping in Russland, mit dem mutma\u00dflichen staatlich gest\u00fctzten Doping in Russland ist die Aufmerksamkeit noch einmal deutlich erh\u00f6ht worden und es ist, glaube ich, auch  vielen Leuten klar geworden, dass es im Sportjournalismus eben nicht nur die, wenn man so m\u00f6chte herk\u00f6mmliche Sportberichterstattung braucht, also, manche sagen despektierlich die eins-zu-null-Berichterstattung, sondern dass es eben auch eine hintergr\u00fcndige, kritische, hinterfragende Berichterstattung geben muss, dass Sport eben nicht nur Entertainment ist, sondern dass die so genannte sch\u00f6nste Nebensache der Welt eigentlich nicht immer nur sch\u00f6ne Seiten hat und die gilt es auch zu beleuchten.<\/p>\n<p>06:31<br \/>\n<span style=\"color: #ffa500;\">J\u00f6rg Wagner:<\/span> Gab es auch einen Wechsel im Verh\u00e4ltnis zu den Sportverb\u00e4nden?<\/p>\n<p>06:35<br \/>\n<span style=\"color: #ffa500;\">Hajo Seppelt:<\/span> <span style=\"color: #c0c0c0;\"> Naja, fr\u00fcher hat man uns schon mit Fingerspitzen &#8230; mit spitzen Fingern angefasst und hat auch Angst und Respekt vor uns gehabt, mehr Angst als Respekt w\u00fcrde ich sagen und hat auch sicherlich immer wieder versucht, unsere Arbeit zu torpedieren und und zu behindern. Das gibt es immer noch. Ich erlebe das ja jetzt gerade in Russland. Da sind wir ja quasi Staatsfeinde. Ich erlebe es auch in Kenia. Wir haben vor ein paar Tagen \u00fcber Kenia berichtet. Und Doping dort. Auch da wurde uns dann unterstellt, wir h\u00e4tten irgendetwas inszeniert. Wir h\u00e4tten falsche Fakten geliefert. Das stimme ja alles nicht. Aber das ist eigentlich \u00fcblich. Daran sind wir inzwischen gew\u00f6hnt, dass es immer interessengesteuerte Gegenreaktion gibt. Manche muss man ernst nehmen, manche muss man nicht ernst nehmen, glaube ich. Es gibt aber auch einige Sportverb\u00e4nde, die inzwischen auch da eine andere Haltung eingenommen haben, die sogar teilweise sehr froh sind dar\u00fcber, dass es uns gibt und dass wir den Finger in die Wunde legen und eben auf diese Missst\u00e4nde aufmerksam machen, also auch da gibt es inzwischen positive Reaktionen. Es ist ja schon fast verd\u00e4chtig und ein bisschen merkw\u00fcrdig, wenn pl\u00f6tzlich Sportfunktion\u00e4re auf einen zukommen und einem quasi gratulieren, wei\u00df man nicht, ob das nicht eigentlich so das richtige ist \u2026, eine etwas un\u00fcbliche Perspektive &#8230;<\/p>\n<p>07:47<br \/>\n<span style=\"color: #ffa500;\">J\u00f6rg Wagner:<\/span> Naja doch, Sie machen ja als Sportjournalist deren Arbeit eigentlich, sie m\u00fcssten sicher selbst reinigen, also so eine gewisse Selbstkontrolle w\u00e4re ja angebracht?<\/p>\n<p>07:56<br \/>\n<span style=\"color: #ffa500;\">Hajo Seppelt:<\/span> <span style=\"color: #c0c0c0;\"> Ja, Selbstkontrolle gibt es ja. Das ist ja das Problem. Die kontrollieren sich halt  immer selber und damit f\u00e4ngt es ja schon einmal an. Kontrolle, die selbst oder die, wenn man so m\u00f6chte gegen die eigenen Interessen gerichtet ist, das ist der klassische Interessen-Konflikt. Und der Sport sollte, sagen wir es mal so, sich nicht selbst kontrollieren, aber er sollte zulassen Institutionen, Einrichtungen zu haben, die darauf schauen, ob die Werte des Sportes eingehalten werden oder nicht. Das sind dann die so genannten unabh\u00e4ngigen Einrichtungen, die aber eben im Sport-Business bisher eine sehr untergeordnete Rolle gespielt haben. Und weil es die nicht gibt oder kaum gibt und da massive Interessenverflechtungen sind, deswegen haben die Rolle tats\u00e4chlich Journalisten \u00fcbernommen.<\/p>\n<p>08:36<br \/>\n<span style=\"color: #ffa500;\">J\u00f6rg Wagner:<\/span> Es nicht nur eine Chance, es ist auch ein Risiko f\u00fcr den \u00dcberbringer der Nachricht, also auch f\u00fcr Sie. Wie hat sich Ihre Arbeit dadurch ver\u00e4ndert, also sind Sie misstrauischer geworden, sch\u00fctzen Sie sich mehr, haben Sie Personenschutz?<\/p>\n<p>08:48<br \/>\n<span style=\"color: #ffa500;\">Hajo Seppelt:<\/span> <span style=\"color: #c0c0c0;\"> Also, \u00fcber Personenschutz rede ich jetzt nicht \u00f6ffentlich. Ich glaube, dass es f\u00fcr alle, die sich mit der Thematik besch\u00e4ftigen und die sich auch mit der Frage des investigativen Journalismus im Sport eben dann auch schon auf der Ebene besch\u00e4ftigen, Neuland ist. Wie soll man damit umgehen? Das muss jetzt erst alles in Ruhe eruiert werden. Tats\u00e4chlich ist es so, dass insbesondere im Fall Russland die Bedrohungen gekommen sind, Beleidigungen gekommen sind \u00fcber die sozialen Medien. Das ist schon offenkundig. Das ist auch nicht immer angenehm. Habe gerade zuf\u00e4lligerweise einen Bericht gelesen, in dem es um die Hass-eMails gegen Anja Reschke, meine Kollegin vom NDR gegangen ist. Und als ich das gesehen hatte, hatte ich den Eindruck, na das kennst du doch auch irgendwo her. Also, das nimmt nat\u00fcrlich zu. Diese Hasskultur im Internet, von der bin ich inzwischen auch betroffen. Dass man sich da Gedanken macht, dass ist richtig. Und da aber die Aggression insbesondere aus Russland so massiv ist und so besonders stark ist, habe ich mir schon meinen Teil gedacht, was man da jetzt eigentlich machen muss. Tats\u00e4chlich ist es so, dass ich momentan schon ein bisschen mehr aufpasse. Ja, jetzt nicht in meinem Privatleben unbedingt, aber grunds\u00e4tzlich. Wie auch mein Kommunikationsverhalten ist. Was elektronische Ger\u00e4tschaften betrifft, die man so mit sich herum f\u00fchrt. Dar\u00fcber muss man offensichtlich nachdenken. Das h\u00e4tte ich fr\u00fcher nicht gedacht, dass man als Sportjournalist \u2013 und eigentlich bin ich ja noch immer ein Sportjournalist \u2013 dass man sich mit solchen Dingen und solchen Fragen auseinandersetzen muss.<\/p>\n<p>10:10<br \/>\n<span style=\"color: #ffa500;\">J\u00f6rg Wagner:<\/span> Nun ist ja das Ph\u00e4nomen des Dopings, auch des staatlich geduldeten und staatlich gef\u00f6rderten Dopings nicht neu. Es wurde sogar in der bundesdeutschen Olympia-Bewegung so etwas festgestellt bei den Olympischen Spielen zum Beispiel 1972, parallel auf der anderen Seite die DDR. Also, es ist eigentlich f\u00fcr, ich sag mal, normale Betrachter mittlerweile klar, dass hier ein hohes Gef\u00e4hrdungsrisiko besteht. Und dennoch hat man den Eindruck, vor Rio gibt es so etwas wie ein Paradigmenwechsel eine ganze Sportart wird aus Russland ausgeschlossen, m\u00f6glicherweise &#8211; und das w\u00e4re zu hinterfragen &#8211; ist Sotschi total neu zu bewerten. Wie sehen Sie es? Woher kommt dieser Qualit\u00e4tsumsprung?<\/p>\n<p>10:54<br \/>\n<span style=\"color: #ffa500;\">Hajo Seppelt:<\/span> <span style=\"color: #c0c0c0;\"> Naja, wir haben nat\u00fcrlich mit dem Beispiel Russland ein besonders krasses Beispiel. So, wie es nach den Fakten aussieht, geht es hier um ein systematisches, gesteuertes, gef\u00f6rdertes, gelenktes Doping vom Staatsapparat. Politisch gesteuerter Sportbetrug im gr\u00f6\u00dften Land der Welt. Erst in der Kernsportart der Olympischen Spiele, der Leichtathletik, jetzt offenkundig auch noch in einer Reihe anderer Sportarten. Dass das nat\u00fcrlich auch die Diskussionen weltweit ziemlich stark befeuert, liegt auf der Hand. Insofern liegt es nat\u00fcrlich auch an der Auspr\u00e4gung, an der besonderen Auspr\u00e4gung und an der Dimension insgesamt dieses Problems Russland, dass jetzt in der ganzen Welt dar\u00fcber diskutiert wird. Noch dazu kommt es, dass in diesem speziellen Fall Russland ja so gut wie alles dementiert. Jedenfalls war das bis vor kurzem noch so, immer gesagt hat, das ist ja eine reine Propaganda des Westens, damit nat\u00fcrlich auch wieder Gegenreaktionen provoziert hat. Dadurch schaukelte sich das noch mehr hoch. Es wurde am Ende zu einer Angelegenheit von nationalem Rang f\u00fcr Russland. Russlands Sport quasi zu sch\u00e4digen oder zu kritisieren, kam einer Beleidigung Russlands insgesamt gleich. Also, das ganze spielte auf einer Ebene, die schon unvergleichlich ist, historisch beispiellos geradezu, wenn sich dann Kremlsprecher und Sprecher des russischen Au\u00dfenministers zu solchen Vorg\u00e4ngen \u00e4u\u00dfern, dann hat es eine Dimension, die es fr\u00fcher nicht hatte. Insofern ist der Sport auch auf die politische Agenda gehievt worden wie sonst noch nie. Und zwar der Sportbetrug, ganz massiv Doping als Eingriff in die Integrit\u00e4t des sportlichen Wettbewerbes bekommt pl\u00f6tzlich eine Dimension, die man vorher so nicht erwartet hatte. Es ist tats\u00e4chlich der Kalte Krieg des Sports, der momentan tobt und das f\u00fchrt nat\u00fcrlich auch zu einer ganz gro\u00dfen Wahrnehmung, aber auch zu einer gro\u00dfen Chance. N\u00e4mlich: einem Wechsel in der Governance von Sportorganisationen, der l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4llig ist. Es gibt Leute, die sagen \u2013 und ich kann mich dem anschlie\u00dfen \u2013 wenn wir meinetwegen in 50 Jahren uns Sportorganisationen von heute anschauen, von Anfang des 21. Jahrhunderts, sind wir fast noch, dann wird man wom\u00f6glich sagen, das war eine Organisation, das war ein Regieren, das war ein F\u00fchren wie im Mittelalter. Der Sport hinkt in seinen Strukturen v\u00f6llig modernen Formen von Good-Governance hinterher. Und es ist deshalb an der Zeit, dass dieses auch offenkundig wird, denn nur &#8211; und das zeigen ja auch unsere  Recherchen, \u00f6ffentlicher Druck f\u00fchrt dazu, dass es Ver\u00e4nderungen geben k\u00f6nnte.<\/span><br \/>\n13:25<br \/>\n<span style=\"color: #888888;\">(w\u00f6rtliches Transkript)<\/span><\/p>\n<div style=\"height:10px;\"><\/div>\n<div style=\"height:70px;\"><\/div>\n<p><span style=\"color: #888888;\">(Foto: \u00a9 J\u00f6rg Wagner)<\/span><\/p>\n<div style=\"height: 20px;\"><\/div>\n<p><script type=\"text\/javascript\" src=\"https:\/\/apis.google.com\/js\/plusone.js\">\/\/ <![CDATA[\n     {lang: 'de'}\n\/\/ ]]><\/script><br \/>\n<script type=\"text\/javascript\" src=\"http:\/\/twittercounter.com\/embed\/?username=medienmagazin&amp;style=avatar\"><\/script><\/p>\n<p><noscript><a href=\"http:\/\/twittercounter.com\/medienmagazin\">medienmagazin on Twitter Counter<\/a><\/noscript><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>No audio playback capabilities, please download the audio belowDownload Audio: Closed Format: MP3 Wer: Hajo Seppelt, Journalist mit Schwerpunkt Doping, ARD Was: Interview vor dem Abflug zu den Olympischen Spielen in Rio Wo: Berlin, ARD-Hauptstadtstudio Wann: 15.07.2016, 14:00 Uhr; ver\u00f6ffentlicht in einer collagierten Fassung am 06.08.2016, 18:10 Uhr im radioeins-Medienmagazin und in einer kompakten Kurz-Fassung [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"footnotes":""},"categories":[17],"tags":[658],"class_list":["post-31264","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aktuell","tag-doping"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/31264","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=31264"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/31264\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":31273,"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/31264\/revisions\/31273"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=31264"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=31264"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=31264"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}