{"id":39121,"date":"2018-01-19T19:42:19","date_gmt":"2018-01-19T18:42:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wwwagner.tv\/?p=39121"},"modified":"2018-01-23T01:28:42","modified_gmt":"2018-01-23T00:28:42","slug":"39121","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/?p=39121","title":{"rendered":"Prof. Monika Gr\u00fctters &#8211; Laudatio 50 Jahre &#8222;kontraste&#8220;"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_39122\" aria-describedby=\"caption-attachment-39122\" style=\"width: 1100px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/uploads\/20180119_DSC2922_gruetters_monika_1100\u2006\u00d7\u2006620.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/uploads\/20180119_DSC2922_gruetters_monika_1100\u2006\u00d7\u2006620.jpg\" alt=\"Monika Gr\u00fctters | Festveranstaltung &quot;50 Jahre Kontraste&quot; am 19.01.2018 in der AdK | Foto: \u00a9 J\u00f6rg Wagner\" width=\"1100\" height=\"620\" class=\"size-full wp-image-39122\" srcset=\"https:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/uploads\/20180119_DSC2922_gruetters_monika_1100\u2006\u00d7\u2006620.jpg 1100w, https:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/uploads\/20180119_DSC2922_gruetters_monika_1100\u2006\u00d7\u2006620-300x169.jpg 300w, https:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/uploads\/20180119_DSC2922_gruetters_monika_1100\u2006\u00d7\u2006620-768x433.jpg 768w, https:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/uploads\/20180119_DSC2922_gruetters_monika_1100\u2006\u00d7\u2006620-1024x577.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 1100px) 100vw, 1100px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-39122\" class=\"wp-caption-text\">Monika Gr\u00fctters | Festveranstaltung &#8222;50 Jahre Kontraste&#8220; am 19.01.2018 in der AdK | Foto: \u00a9 J\u00f6rg Wagner<\/figcaption><\/figure>\n<div style=\"height: 30px;\"><\/div>\n<div style=\"height: 10px;\"><\/div>\n <audio   controls > <source src=\"http:\/\/www.wwwagner.tv\/audio\/20180119_gruetters_monika_laudatio_kontraste_96.mp3\" type='audio\/mpeg' \/> <object   type=\"application\/x-shockwave-flash\"  data=\"https:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/plugins\/wphtml5player\/inc\/flowplayer.swf\"  width=\"400\"  height=\"30\"> <param name=\"movie\" value='https:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/plugins\/wphtml5player\/inc\/flowplayer.swf' \/><param name=\"allowfullscreen\" value='false' \/><param name=\"cachebusting\" value='true' \/><param name=\"bgcolor\" value='#000000' \/><param name=\"flashvars\" value='config={\"plugins\":{\"controls\":{\"height\":30,\"autoHide\":false,\"fullscreen\":false}},\"clip\":{\"autoPlay\":false,\"url\":\"http:\\\/\\\/www.wwwagner.tv\\\/audio\\\/20180119_gruetters_monika_laudatio_kontraste_96.mp3\"},\"playlist\":[{\"autoPlay\":false,\"url\":\"http:\\\/\\\/www.wwwagner.tv\\\/audio\\\/20180119_gruetters_monika_laudatio_kontraste_96.mp3\"}],\"play\":{\"opacity\":0}}' \/>  No audio playback capabilities, please download the audio below<br \/><strong>Download Audio:<\/strong> Closed Format: <a href=\"http:\/\/www.wwwagner.tv\/audio\/20180119_gruetters_monika_laudatio_kontraste_96.mp3\">MP3<\/a> <\/object> <!-- Generated by HTML5 Multimedia Framework (http:\/\/code.google.com\/p\/html5videoplayer) --> <\/audio>  \n<div style=\"height: 10px;\"><\/div>\n<p><u>Was<\/u>: Laudatio &#8222;50 Jahre <em>Kontraste<\/em>&#8220;<br \/>\n<u>Wer<\/u>: Prof. Monika Gr\u00fctters, MdB, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrende Staatsministerin, Beauftragte der Bundesregierung f\u00fcr Kultur und Medien, Landesvorsitzende der CDU Berlin<br \/>\n<u>Wo<\/u>: Berlin, Akademie der K\u00fcnste, Pariser Platz<br \/>\n<u>Wann<\/u>: 19.01.2018, 19:42 Uhr<\/p>\n<div style=\"height: 10px;\"><\/div>\n<p><u>Vgl<\/u>.:<br \/>\n* <a href=\"http:\/\/bit.ly\/2G5OMUX\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Umfrage<\/a> und Festg\u00e4sten, 19.01.2018<br \/>\n* <a href=\"http:\/\/bit.ly\/2DxSyIW\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Interview<\/a> mit Matthias Dei\u00df, <em>Kontraste<\/em>-Redaktionsleiter seit 02.01.2018<br \/>\n* <a href=\"http:\/\/bit.ly\/1KzISJX\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Statement<\/a> von J\u00fcrgen Engert, 23.07.2015<br \/>\n* Politikmagazine repolitisieren? &#8211; Kritik an einer Studie | <a href=\"http:\/\/bit.ly\/1Hmun73\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Interview<\/a> mit Reinhard Borgmann<br \/>\n* <a href=\"http:\/\/bit.ly\/1tzfsmI\" target=\"_blank\">Diskussion<\/a> \u201eWie politisch sind die Politik-Magazine (noch)?\u201c<br \/>\n* <a href=\"http:\/\/bit.ly\/1qm75FW\" target=\"_blank\">Medienpolitische Tagung der Otto-Brenner-Stiftung<\/a><\/p>\n<div style=\"height: 10px;\"><\/div>\n<div id='stb-container-2700' class='stb-container-css stb-grey-container stb-no-caption stb-image-none stb-ltr stb-border stb-side'><aside class='stb-icon'><img src='http:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/plugins\/wp-special-textboxes\/themes\/stb-dark\/gears.png'><\/aside><div id='stb-box-2700' class='stb-grey_box stb-box' ><br \/>\n(w\u00f6rtliches Transkript, Verstehfehler vorbehalten)<\/p>\n<blockquote><p>\n[0:00] <u>Astrid Frohloff<\/u>: Bitte begr\u00fc\u00dfen Sie sehr herzlich die Bundesbeauftragte f\u00fcr Kultur und Medien, die gesch\u00e4ftsf\u00fchrende Staatsministerin, Professor Monika Gr\u00fctters, herzlich willkommen!<\/p>\n<p>(Beifall)<\/p>\n<p>[0:15] <u>Monika Gr\u00fctters<\/u>: Ich schau\u2019 die Serie jedenfalls regelm\u00e4\u00dfig. Und ja, liebe Frau Schlesinger, liebe Kolleginnen und Kollegen Abgeordnete, lieber Herr Jahn. Ich erw\u00e4hne Sie und Herrn Wensierski, Sie sind als Duo ja schon angesprochen worden, deshalb, weil Sie von <em>Kontraste<\/em> ja direkt zu unserer BStU gekommen sind. Da sehen Sie mal, wozu das f\u00fchrt. Verehrte <em>Kontraste<\/em>-Redakteurinnen und -Redakteure, sehr geehrte Damen und Herren. Ich bin zwar auch ein Steinbock, aber Flora und Fauna liegen in der Regel jenseits des Wahrnehmungsradars eines investigativen Politikmagazins. Und selbst aus der Reihe der Alphatiere finden hier allenfalls Leithammel, Schlachtr\u00f6sser und Silberr\u00fccken aus Politik und Wirtschaft Beachtung.<\/p>\n<p>[1:13] Trotzdem oder auch gerade deshalb lohnt es sich heute zur Feier des Tages mal eine Ausnahme zu machen und einen kurzen Ausflug in ein von der <em>Kontraste<\/em>-Redaktion journalistisch, denke ich, doch eher unterbelichtetes Gebiet zu wagen, einen Ausflug in die farbenpr\u00e4chtigen Korallenriffe tropischer Ozeane. Hier lebt der Fangschreckenkrebs (Haptosquilla trispinosa), unter Wissenschaftsjournalisten bestens beleumundet als, ich zitiere: <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wissenschaft\/natur\/einzigartiger-sehsinn-fangschreckenkrebse-scannen-ihre-umwelt-a-945124.html\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">\u201cDurchblicker vom Meeresgrund\u201d<\/a>. Und damit in gewisser Weise ein Artgenosse, jener Durchblicker im Haifischbecken der deutschen Hauptstadt, zu denen auch das Magazin <em>Kontraste<\/em> geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>[1:56] Zwar hat der Fangschreckenkrebs evolutionsgeschichtlich betrachtet schon ein paar J\u00e4hrchen mehr auf dem Buckel als die bewegten 50, die der ebenso am\u00fcsante, wie beeindruckende, wirklich beeindruckende Film eben Revue passieren lie\u00df. Doch bei allen offensichtlichen Unterschieden zwischen Krustentier und <em>Kontraste<\/em>-Team gibt es doch ein paar Gemeinsamkeiten. So scheinen sich im Habitat tropischer Meeresgr\u00fcnde dieselben \u00dcberlebensstrategien bew\u00e4hrt zu haben, die auch ein investigatives Politikmagazin braucht, um sich \u00fcber f\u00fcnf Jahrzehnte im scharfen medialen Wettbewerb zu behaupten und zwischen Quotendruck und Qualit\u00e4tsanspruch zu bestehen.<\/p>\n<p>[2:40] Was den Fangschreckenkrebs n\u00e4mlich in besonderer Weise auszeichnet, sind seine beiden in alle Richtungen beweglichen Sehorgane bestehend aus jeweils bis zu 10.000 Einzelaugen. Damit scannt er Objekte und nimmt bis zu 100.000 Farbschattierungen wahr. Und wenn Sie, verehrte Journalistinnen und Journalisten, diesen Winzling nun darum beneiden, dass er mit seinem konkurrenzlosen Sehverm\u00f6gen erkennen kann, was f\u00fcr andere Augen unsichtbar ist, dann haben Sie noch nichts von seiner Schlaggeschwindigkeit geh\u00f6rt. In nur 2,7 Millisekunden beschleunigt sein Schmetter-Arm auf sage und schreibe 82 Stundenkilometer. Das ist 40 mal schneller als ein Wimpernschlag. Die Opfer sind schon von den dabei entstehenden Gasbl\u00e4schen bet\u00e4ubt. Von diesem Tempo, das selbst ein im Tweet-Staccato befeuerten Shitstorm auf Twitter wie ein laues L\u00fcftchen erscheinen l\u00e4sst, k\u00f6nnen Investigativ-Journalisten beim Aufdecken von Missst\u00e4nden und Machtmissbrauch nur tr\u00e4umen.<\/p>\n<p>[3:48] Der Wahrheit auf den Grund zu gehen und zum Schlag auszuholen gegen Schweigekartelle oder alternative Fakten, braucht Zeit f\u00fcr gr\u00fcndliche Recherche. Der 360-Grad-Rundumblick aber und die fein nuancierte Wahrnehmung der Wirklichkeit in all ihren Farben und Farbschattierungen zeichnen jeden kritischen Journalismus aus, der mit Recht f\u00fcr sich in Anspruch nimmt, schlagkr\u00e4ftige Schutzmacht der Demokratie zu sein und den Sch\u00f6nf\u00e4rbern, den Vereinfachern, den Zerrbildzeichnern, all jenen also, die eine aufgekl\u00e4rte, kritische \u00d6ffentlichkeit im Interesse pers\u00f6nlichen Profits oder aus Bequemlichkeit verhindern wollen, die Macht der Wahrheit entgegenzusetzen. Daf\u00fcr steht das Politikmagazin <em>Kontraste<\/em>. Daf\u00fcr stehen erhellende Berichte, tiefsch\u00fcrfende Reportagen, aufschlussreiche Dokumentationen und bewegende Geschichten in, Sie haben es eben gesagt, 618 regul\u00e4ren Sendungen aus f\u00fcnf Jahrzehnten.<\/p>\n<p>[4:54] Schon in den Anfangsjahren als, wie es damals hie\u00df, Ost-West Magazin in Zeiten des Kalten Krieges, als nicht nur die Fernsehbilder, sondern auch die Weltbilder vielfach schwarz-wei\u00df waren, sorgte die kleine Redaktion mit dem Anspruch ideologiefreie Berichterstattung f\u00fcr farblich differenzierte Bilder von den Ereignissen hinter dem Eisernen Vorhang, der Europa und nicht nur Europa trennte. Von der Schlagkraft, die investigativer Journalismus entwickeln kann, zeugen insbesondere die 70er und die 80er Jahre, als das westdeutsche Magazin nicht nur Geschichten vom ostdeutschen Alltag erz\u00e4hlte und SED-Propaganda entlarvte, sondern auch gesamtdeutsche Geschichte schrieb. So waren es nicht zuletzt heimliche Aufnahmen von den Massendemonstrationen in Leipzig im Oktober 1989, die, weil sie ihren Weg sowohl um die Welt als eben auch in ostdeutsche Wohnzimmer fanden, die Autorit\u00e4t des Regimes entscheidend schw\u00e4chten. Im Nachhinein d\u00fcrfte sich deshalb so mancher rote SED-Genosse schwarz ge\u00e4rgert haben, einen Dissidenten namens Roland Jahn, heute Bundesbeauftragter f\u00fcr die Stasi-Unterlagen in den Westen abgeschoben zu haben, wo er als Mitarbeiter der <em>Kontraste<\/em>-Redaktion den Schmuggel der dazu n\u00f6tigen technischen Ausstattung \u00fcber die Grenzen organisierte. Wir haben das gerade gesehen. <\/p>\n<p>[6:27] &#8222;Das Gras zu m\u00e4hen, das \u00fcber etwas zu wachsen droht&#8220;, diese journalistische Aufgabe, wie der \u00f6sterreichische Schriftsteller Alfred Polgar sie einst formuliert hat, \u00fcbernahm das Magazin dann auch im wiedervereinten Deutschland mit Beitr\u00e4gen zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, wie auch zur Auseinandersetzung mit Vers\u00e4umnissen bei der Aufarbeitung der NS-Vergangenheit. <em>Kontraste<\/em> konfrontierte die Deutschen aber auch mit unterbelichteten Winkeln gesamtdeutscher Wirklichkeit, als sonst noch kaum jemand dar\u00fcber sprach. Mit allt\u00e4glichem Rassismus beispielsweise, das war 1993 zum Beispiel, mit Tricksereien der Automobilkonzerne bei den Abgaswerten, das war schon 2003 und wenn die Redaktion ihren investigativen Rundumblick auf die, ich bleib mal im Bild, dicken Fische in der Hauptstadt scharf stellte, kommt meine eigene Partei sowieso nie gut weg. Mal ganz abgesehen davon, dass sie vermutlich in ganz Berlin keinen Politiker finden werden, der einen gesteigerten Wert darauf legte, eine prominente Rolle in einem <em>Kontraste<\/em>-Beitrag zu spielen. Was im Zweifel nat\u00fcrlich eher f\u00fcr die journalistische Arbeit der Redaktion spricht als gegen sie. So zeugt es von ausgepr\u00e4gtem journalistischen Selbstbewusstsein, die Rolle der Festrednerin zum 50j\u00e4hrigen <em>Kontraste<\/em>-Jubil\u00e4um ausgerechnet mit einer Politikerin zu besetzen, noch dazu von der CDU. Mit einer aus der Reihe derjenigen also, denen Sie, verehrte Journalistinnen und Journalisten, zum Gl\u00fcck m\u00f6chte ich durchaus zuf\u00fcgen, zum Gl\u00fcck erfolgreich unbequem sind, die zu Ihrer Arbeit aber eben deshalb von Berufswegen einen &#8211; nun ja sagen wir &#8211; ambivalentes Verh\u00e4ltnis hat. Selbiges l\u00e4sst sich ein bisschen sehr frei nach Voltaire wie folgt auf den Punkt bringen: Mag ich auch verdammen, was sie senden, ich werde alles in meiner Macht stehende daf\u00fcr tun, dass sie es senden d\u00fcrfen. In der festen \u00dcberzeugung \u2026<\/p>\n<p>(Beifall)<\/p>\n<p>[8:51] In der festen \u00dcberzeugung, dass eine Demokratie gegen autorit\u00e4re und totalit\u00e4re Anwandlungen gewappnet ist, solange die, so nannte das Anthony Lewis, die &#8222;Suchmaschine f\u00fcr die Wahrheit&#8220;, wie Anthony Lewis einst Kolumnist bei der New York Times die Meinungsfreiheit einmal bezeichnet hat, nur zuverl\u00e4ssig funktioniert. Ich habe die Rolle der Festrednerin also gerne \u00fcber- und Ihre freundliche Einladung mit Freude angenommen, liebe Frau Schlesinger und zwar auch deshalb, weil ich mir die seltene Chance nicht entgehen lassen wollte, den Spie\u00df dann doch auch einmal umzudrehen und als Politikerin den Anspruch einzul\u00f6sen, den <em>Kontraste<\/em> sich auf die Fahnen geschrieben hat, n\u00e4mlich dort nachzuhaken, wo es auch mal unbequem wird. <\/p>\n<p>[9:44] Zu den unangenehmen Wahrheiten, mit denen nicht nur Politiker, sondern auch Journalisten sich selbstkritisch auseinandersetzen m\u00fcssen, geh\u00f6rt die Tatsache, dass es  offensichtlich eine wachsende Zahl von Menschen gibt, die ihre Lebenswirklichkeit in den politischen Debatten und in der medialen Berichterstattung eben nicht angemessen repr\u00e4sentiert sehen, die also der Meinung sind, es fehle dem \u00f6ffentlichen Diskurs an eben jenen Kontrasten, die ein Politikmagazin dieses Namens verspricht und die man von Meinungsspektrum in einer pluralistischen Demokratie eben auch erwartet. Bildmaterial, das diesen gef\u00fchlten Vertrauensverlust als Tatsache ausweist hat der rbb bestimmt in seinen Archiven. Seien es Aufnahmen aufgebrachter PEGIDA-Demonstranten, die L\u00fcgenpresse-Schilder in die Kamera halten oder auf Fernsehteams losgehen, seien es Screenshots digitaler Hetze gegen vermeintlich vom Staat gelenkte Medien, seien es Interviews, in denen der angebliche Konformismus medialer Berichterstattung und die vermeintliche Einhegung \u00f6ffentlicher Debatten auf das scharf bewachte Gebiet des politisch Korrekten beklagt werden. <\/p>\n<p>[11:05] Auch wenn einschl\u00e4gige Untersuchungen, insbesondere den Tageszeitungen und dem \u00f6ffentlich-rechtlichen Fernsehen nach wie vor hohe Glaubw\u00fcrdigkeit bescheinigen, auch wenn das Fernsehen einer Studie der Landesmedienanstalten zufolge nach wie vor das Medium mit dem h\u00f6chsten Meinungsbildungsgewicht ist, braucht es kein Investigativ-Team um festzustellen, dass es, bedingt insbesondere nat\u00fcrlich durch die digitale Konkurrenz, dass es Entwicklungen gibt, die die w\u00fcnschenswerte Wahrnehmung der Wirklichkeit in all ihren Farben und Schattierungen in den traditionellen Medien erschweren. Sorgfalt, Unvoreingenommenheit, die Trennung von Bericht und Meinung, Ausgewogenheit und Differenziertheit &#8211; journalistische Kardinaltugenden, mit denen Qualit\u00e4tsmedien sich vom sogenannten user-generated-content abheben k\u00f6nnen, bleiben auf der Strecke, wenn traditionelle Medien sich am rasanten Takt der Liveticker ausrichten, sich also dem Wettbewerb in Kategorien stellen, in denen sie sicher nur verlieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>[12:17] Und wo aus Kostengr\u00fcnden auch noch an Recherche-Kapazit\u00e4ten, an Auslandskorrespondenten, an Lokalreportern, an Investigativ-Teams gespart wird, reicht es irgendwann eben auch nur noch f\u00fcr Informations-Fast-Food, frei von Zutaten, die die informationelle Grundversorgung einer aufgekl\u00e4rten \u00d6ffentlichkeit sicherstellen. Zum Zeit- und Kostendruck gesellt sich der Quotendruck. Im versch\u00e4rften Wettbewerb um Aufmerksamkeit ist die Versuchung gro\u00df, zu skandalisieren statt zu differenzieren und Themen nach Popularit\u00e4t statt nach Relevanz auszuw\u00e4hlen. Denn, wir haben es gerade geh\u00f6rt, Skandalgeschrei, Skandalgeschrei ist das Glutamat im Informations-Fast-Food. Wie ein Geschmacksverst\u00e4rker verleiht es faden Fertiggerichten W\u00fcrze. Der Medienwissenschaftler Bernhard P\u00f6rksen spricht von einer, ich zitiere, <a href=\"https:\/\/www.uni-muenster.de\/Ejournals\/index.php\/pop\/article\/view\/2046\/1963\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">\u201cErregungsindustrie\u201d<\/a> und warnt zu Recht vor dem Verlust der Verst\u00e4ndigungsf\u00e4higkeit in der, ich zitieren noch einmal, <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2012\/46\/Digitales-Zeitalter-Mediendemokratie-Tugendterroristen\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">\u201cEmp\u00f6rungsdemokratie des digitalen Zeitalters\u201d<\/a>, in der mediale Wellen heute Hysterie verbreiten, um morgen im Schweigen zu verebben. Auch das untergr\u00e4bt auf Dauer die Glaubw\u00fcrdigkeit der Medien. Etwas rustikaler ausgedr\u00fcckt: Journalistisches Rudelverhalten schadet nicht nur der Sau, die gerade durchs Dorf getrieben wird, sondern auch ihren Verfolgern.<\/p>\n<p>(Beifall)<\/p>\n<p>[13:56] Aus pers\u00f6nlicher Erfahrung kann ich nur sagen, als Politikerin gew\u00f6hnt man sich irgendwann daran &#8211; ehrlich, solche Hypes \u00f6ffentlicher Erregung einfach \u00fcber sich ergehen zu lassen. Ich rede ja nicht davon, wie gut man schl\u00e4ft. Insbesondere dann, wenn die Berichterstattung allzu schematisch immer in dieselbe Richtung geht. Deshalb geh\u00f6ren floskelhafte S\u00e4tze wie: \u201cMinister XY war nicht zu erreichen.\u201d oder \u201cDas zust\u00e4ndige Ministerium war nicht zu einer Stellungnahme bereit.\u201d mittlerweile leider vielfach zum Refrain investigativer Beitr\u00e4ge, was den Verdacht nahelegt und nahelegen soll, dass es etwas zu verbergen gibt, wo man schlicht und einfach bef\u00fcrchtet, dass an einer alternativen Sicht der Dinge, \u2018man\u2019 das sind die Politiker, beim Redaktionsteam gar kein Interesse besteht. Dass gar keine Zeit [ist], schwierige politische Entscheidungen zu erkl\u00e4ren und ein kurzer O-Ton sowieso nur zur Best\u00e4tigung eines bereits feststehenden Urteils ausgeschlachtet werden soll.<\/p>\n<p>[15:02] So n\u00e4hren Politik und Medien unbeabsichtigt und unfreiwillig eben jene Demokratieverdrossenheit, die wir als \u00fcberzeugte Demokraten &#8211; wir alle hier &#8211; wortreich beklagen und aus der Populisten erfolgreich Profit schlagen. F\u00fcr einen Vorschlag wie es besser, wie es kontrastreicher gehen k\u00f6nnte, werben seit 2013, Reporter der New York Times, die dazu das &#8222;Netzwerk f\u00fcr l\u00f6sungsorientierten Journalismus&#8220; gegr\u00fcndet haben. Es habe sich, so wurde einer der beiden Gr\u00fcnder k\u00fcrzlich in einer deutschen <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/medien\/solutions-journalism-besser-ist-besser-1.3746035?reduced=true\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Tageszeitung<\/a> zitiert, die Erkenntnis breitgemacht, dass zu viel \u00fcber Probleme und zu wenig \u00fcber L\u00f6sungen berichtet werde, eine Erkenntnis, die auch von einer repr\u00e4sentativen <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/gesellschaft\/2016-05\/studie-medien-deutsche-sinkendes-vertrauen-luegen\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Emnid-Umfrage<\/a> in Deutschland gedeckt ist, der zufolge 76% der Befragten eben dies f\u00fcr eins der gr\u00f6\u00dften Defizite der Nachrichtenmedien erh\u00e4lt.<\/p>\n<p>[16:04] Die Mitglieder des Netzwerks f\u00fcr l\u00f6sungsorientierten Journalismus haben es sich es sich deshalb zur Mission gemacht, einen Recherche-Schritt weiterzugehen, statt nur anzuprangern auch zu fragen, wer macht es besser. Nicht um Wohlf\u00fchlstorys geht es dabei &#8211; das unterstreichen die Gr\u00fcnder des Netzwerks immer wieder &#8211; nicht um Wohlf\u00fchlstorys, sondern ganz im Gegenteil darum, Druck auf die Verantwortlichen aufzubauen mit dem Nachweis, dass es Menschen, St\u00e4dte oder L\u00e4nder gibt, die ein Problem bew\u00e4ltigt haben, vor dem andre eben versagen.<\/p>\n<p>[16:41] So bleibt bei aller berechtigten Kritik auch das Vertrauen, dass eine bessere Welt nicht nur m\u00f6glich, sondern auch realistisch ist. Und so l\u00e4sst sich vielleicht verhindern, dass Kritik an gesellschaftlichen Missst\u00e4nden Ohnmachtsgef\u00fchle und Hoffnungslosigkeit n\u00e4hrt und dass eben aus Ohnmachtsgef\u00fchlen und Hoffnungslosigkeit Wasser auf den M\u00fchlen populistischer Hetze gelenkt wird. <\/p>\n<p>[17:09] So viel zu den Herausforderungen f\u00fcr investigativen Journalismus in Zeiten der Medien- und Politikverdrossenheit, meine Damen und Herren, auf dass auch ich mich heute Abend bei der Betrachtung unbequemer Wahrheiten nicht auf das beckmesserische Beklagen von Defiziten beschr\u00e4nke, sondern Ihnen im Sinne einer l\u00f6sungsorientierten Festtagsrhetorik, Anregungen f\u00fcr das Sch\u00e4rfen des Rundumblicks und der nuancereichen Wahrnehmung der Wirklichkeit liefere, die man insbesondere vom \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunk auch zu Recht erwartet. <\/p>\n<p>[17:45] Mag die Versuchung &#8211; das war jetzt ein Doppelpunkt &#8211; mag die Versuchung mediale Inhalte an leicht kommerzialisierbaren Unterhaltungsinteressen auszurichten im digitalen Zeitalter auch gr\u00f6\u00dfer sein denn je: Leser, H\u00f6rer und Zuschauer sind nicht nur Konsumenten auf einem Markt, auf dem die Nachfrage das Angebot bestimmt, sondern sie sind B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger, die einen Anspruch haben auf das, was Qualit\u00e4tsmedien zu leisten imstande sind. Deshalb brauchen wir auch in Zukunft einen starken beitragsfinanzierten und politisch, wie wirtschaftlich unabh\u00e4ngigen \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunk und bei allem Respekt vor der schwierigen Gratwanderung zwischen Erf\u00fcllung des \u00f6ffentlich-rechtlichen Auftrags einerseits und dem in Quoten gemessen im Publikumserfolg andererseits, die \u00d6ffentlich-Rechtlichen d\u00fcrfen meines Erachtens ruhig noch etwas mutiger sein, wenn es darum geht, sich dem Diktat der Quote auch mal zu widersetzen. F\u00fcr Fu\u00dfball oder Helene Fischer beispielsweise sollte ein Politikmagazin nicht von seinem Sendeplatz weichen m\u00fcssen. <\/p>\n<p>(Beifall)<\/p>\n<p>Tut es aber jedes Mal und regelm\u00e4\u00dfig. Es tut es aber jedes Mal und regelm\u00e4\u00dfig.<\/p>\n<p>[19:17] Man kann es nicht oft genug sagen, die Sonderbehandlung des \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunks in unserem dualen Rundfunksystem, das sich \u00fcber viele Jahre bew\u00e4hrt hat, ist nur solange gerechtfertigt, wie die Sender das Qualit\u00e4tsversprechen einl\u00f6sen, das an das Privileg der Beitragsfinanzierung gekn\u00fcpft ist. Investigative Politikmagazine auf guten Sendepl\u00e4tze tragen erheblich dazu bei, genau dieses Versprechen einzul\u00f6sen.<\/p>\n<p>(Beifall)<\/p>\n<p>[19:47] Bleiben Sie deshalb, lieber Herr Dei\u00df, liebe Redakteurinnen und Redakteure Ihrem Anspruch treu, den M\u00e4chtigen unbequem zu sein und den Dingen auf den Grund zu gehen. Schauen Sie dabei, wenn m\u00f6glich, nicht nur denen auf die Finger, die Probleme vertuschen oder bei ihrer L\u00f6sung Versagen, sondern hin und wieder auch denen, die sie anpacken und es besser machen. Und bewahren Sie sich jenen Rundumblick und die kontrastreiche Wahrnehmung der Wirklichkeit, die auch den Fangschreckenkrebs zu einem gef\u00fcrchteten Durchblicker im Korallenriff macht. Nur auf eins sollten Sie verzichten, n\u00e4mlich auf eigene Investigativ-Recherchen zur Pr\u00fcfung, ob dieser gewagte Vergleich mit Flora und Fauna auch tats\u00e4chlich tr\u00e4gt, denn Fangschreckenkrebse sind, wie Taucher wissen, ohne weiteres in der Lage mit einem Schlag die Frontscheibe einer Unterwasserkamera zu zertr\u00fcmmern. Da sind Sie in Berlin doch deutlich willkommener, meine Damen und Herren, denn hier herrscht die \u00dcberzeugung, dass eine Freie Presse, eine vielf\u00e4ltige Medienlandschaft, eine kritische, informierte \u00d6ffentlichkeit und ein lebendiger Diskurs die st\u00e4rksten Garanten sind f\u00fcr eine funktionierende und lebendige Demokratie. In diesem Sinne herzlichen Gl\u00fcckwunsch zu 50 Jahren <em>Kontraste<\/em>! Herzlichen Gl\u00fcckwunsch allen ehemaligen und aktuellen Redaktionsmitgliedern zu f\u00fcnf Jahrzehnten erfolgreichem Investigativjournalismus.<\/p>\n<p>(Beifall)<\/p>\n<\/blockquote>\n<p><\/div><\/div>\n<div style=\"height: 10px;\"><\/div>\n<hr \/>\n<div style=\"height: 5px;\"><\/div>\n<p><html><br \/>\n     <head><\/p>\n<style type=\"text\/css\">\n       body {\n                     background: #DADADA;\n       }\n      <\/style>\n<p>     <\/head><br \/>\n     <body><br \/>\n<\/body><br \/>\n    <\/html><br \/>\n<script src=\"https:\/\/apis.google.com\/js\/plusone.js\" type=\"text\/javascript\">\/\/ < ![CDATA[ {lang: 'de'} \/\/ ]]><\/script><br \/>\n<script src=\"http:\/\/twittercounter.com\/embed\/?username=medienmagazin&amp;style=avatar\" type=\"text\/javascript\"><\/script><\/p>\n<p><noscript><a href=\"http:\/\/twittercounter.com\/medienmagazin\">medienmagazin on Twitter Counter<\/a><\/noscript><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>No audio playback capabilities, please download the audio belowDownload Audio: Closed Format: MP3 Was: Laudatio &#8222;50 Jahre Kontraste&#8220; Wer: Prof. Monika Gr\u00fctters, MdB, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrende Staatsministerin, Beauftragte der Bundesregierung f\u00fcr Kultur und Medien, Landesvorsitzende der CDU Berlin Wo: Berlin, Akademie der K\u00fcnste, Pariser Platz Wann: 19.01.2018, 19:42 Uhr Vgl.: * Umfrage und Festg\u00e4sten, 19.01.2018 * Interview [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"footnotes":""},"categories":[53],"tags":[879,598,88,761],"class_list":["post-39121","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-dokument","tag-kontraste","tag-politikmagazine","tag-rbb","tag-sfb"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/39121","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=39121"}],"version-history":[{"count":24,"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/39121\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":39212,"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/39121\/revisions\/39212"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=39121"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=39121"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=39121"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}