{"id":42331,"date":"2019-03-01T15:35:05","date_gmt":"2019-03-01T14:35:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wwwagner.tv\/?p=42331"},"modified":"2020-02-25T03:02:29","modified_gmt":"2020-02-25T01:02:29","slug":"zeitungssterben-dumont-plaene-ueber-entkernung-des-zeitungsgeschaefts","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/?p=42331","title":{"rendered":"Zeitungssterben &#8211; DuMont-Pl\u00e4ne \u00fcber Entkernung des Zeitungsgesch\u00e4fts"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_42332\" aria-describedby=\"caption-attachment-42332\" style=\"width: 1100px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/uploads\/20190302_20190302_vorkoetter_uwe_mS_1100-x-546.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/uploads\/20190302_20190302_vorkoetter_uwe_mS_1100-x-546.jpg\" alt=\"Uwe Vork\u00f6tter | Foto: \u00a9 J\u00f6rg Wagner\" width=\"1100\" height=\"546\" class=\"size-full wp-image-42332\" srcset=\"https:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/uploads\/20190302_20190302_vorkoetter_uwe_mS_1100-x-546.jpg 1100w, https:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/uploads\/20190302_20190302_vorkoetter_uwe_mS_1100-x-546-300x149.jpg 300w, https:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/uploads\/20190302_20190302_vorkoetter_uwe_mS_1100-x-546-768x381.jpg 768w, https:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/uploads\/20190302_20190302_vorkoetter_uwe_mS_1100-x-546-1024x508.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 1100px) 100vw, 1100px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-42332\" class=\"wp-caption-text\">Uwe Vork\u00f6tter | Foto: \u00a9 J\u00f6rg Wagner<\/figcaption><\/figure>\n<div style=\"height: 10px;\"><\/div>\n<p><span style=\"font-size: 11pt; font-family: tahoma,arial,helvetica,sans-serif;\"><br \/>\n&#8222;Keine vier Jahre nach dem Tod des Verlegers Alfred Neven DuMont soll die Mediengruppe zerschlagen werden. Die Gesellschafter wollen sich von allen Regionalmedien trennen. Von dem mehrere Jahrhunderte alten Traditionsunternehmen bliebe kaum etwas \u00fcbrig.\u201c , so <a href=\"https:\/\/www.horizont.net\/medien\/nachrichten\/verlage-dumontwill-sich-von-saemtlichen-zeitungen-trennen-173170?crefresh=1\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">berichtete am 26.02.2019<\/a> der Branchendienst f\u00fcr Marketing, Werbung und Medien HORIZONT im Deutschen Fachverlag. Die DuMont-Mediengruppe bezeichnete dies am Dienstag-Vormittag (26.02.2019) noch als &#8222;Ger\u00fcchte&#8220;, zu denen man sich \u201cgrunds\u00e4tzlich\u201d nicht \u00e4u\u00dfere. Am Dienstag-Nachmittag (26.02.2019) erfuhren die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der betroffenen Bereiche, den \u201c<a href=\"https:\/\/www.horizont.net\/medien\/nachrichten\/ausverkauf-bei-dumont-die-interne-mitteilung-an-die-mitarbeiter-im-wortlaut-173209?crefresh=1#formRegisterNG\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">tats\u00e4chlichen Sachverhalt<\/a>\u201d, dass man als Unternehmen mache, was jedes Unternehmen macht, n\u00e4mlich dar\u00fcber strategisch nachzudenken, wie man sich in der Zukunft aufstellen m\u00fcsse, welche Optionen man habe. Und darunter sei auch die \u201cOption einer m\u00f6glichen Ver\u00e4u\u00dferung von Teilen des Portfolios der Mediengruppe\u201d.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<div style=\"height: 10px;\"><\/div>\n <audio   controls > <source src=\"http:\/\/www.wwwagner.tv\/audio\/20190301_1530_vorkoetter_uwe_112.mp3\" type='audio\/mpeg' \/> <object   type=\"application\/x-shockwave-flash\"  data=\"https:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/plugins\/wphtml5player\/inc\/flowplayer.swf\"  width=\"400\"  height=\"30\"> <param name=\"movie\" value='https:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/plugins\/wphtml5player\/inc\/flowplayer.swf' \/><param name=\"allowfullscreen\" value='false' \/><param name=\"cachebusting\" value='true' \/><param name=\"bgcolor\" value='#000000' \/><param name=\"flashvars\" value='config={\"plugins\":{\"controls\":{\"height\":30,\"autoHide\":false,\"fullscreen\":false}},\"clip\":{\"autoPlay\":false,\"url\":\"http:\\\/\\\/www.wwwagner.tv\\\/audio\\\/20190301_1530_vorkoetter_uwe_112.mp3\"},\"playlist\":[{\"autoPlay\":false,\"url\":\"http:\\\/\\\/www.wwwagner.tv\\\/audio\\\/20190301_1530_vorkoetter_uwe_112.mp3\"}],\"play\":{\"opacity\":0}}' \/>  No audio playback capabilities, please download the audio below<br \/><strong>Download Audio:<\/strong> Closed Format: <a href=\"http:\/\/www.wwwagner.tv\/audio\/20190301_1530_vorkoetter_uwe_112.mp3\">MP3<\/a> <\/object> <!-- Generated by HTML5 Multimedia Framework (http:\/\/code.google.com\/p\/html5videoplayer) --> <\/audio>  \n<div style=\"height: 10px;\"><\/div>\n<p><u>Wer<\/u>:<br \/>\n* Dr. Uwe Vork\u00f6tter, Chefredakteur HORIZONT, ehemaliger Chefredakteur Berliner Zeitung und Frankfurter Rundschau<br \/>\n* J\u00f6rg Wagner, Medienjournalist<br \/>\n<u>Was<\/u>: Telefoninterview \u00fcber die DuMont-Strategie<br \/>\n<u>Wann<\/u>: rec.: 01.03.2019, 15:35 Uhr, ver\u00f6ffentlicht in einer 8-Minutenfassung im radioeins-Medienmagazin vom 02.03.2019 und in Ausz\u00fcgen im rbb Inforadio am 03.03.2019, 10:44\/17:44 Uhr<\/p>\n<div style=\"height:10px;\"><\/div>\n<p><u>Vgl<\/u>.:<br \/>\n* <a href=\"http:\/\/bit.ly\/2IXQX2a\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">Kurzinterview<\/a> mit Alfred Neven DuMont nach dem Kauf des Berliner Verlags, 24.03.2009<br \/>\n* Wechsel in der Chefredaktion, <a href=\"http:\/\/bit.ly\/2Vz73Rh\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">Interview<\/a> mit Brigitte Fehrle, 08.06.2012<br \/>\n* Neues (Altes) <a href=\"http:\/\/bit.ly\/2Ts4Ae6\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">Image<\/a> f\u00fcr die Berliner Zeitung, 02.11.2013<br \/>\n* <a href=\"http:\/\/bit.ly\/2EHAJGo\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">Umbau<\/a> Berliner Verlag, 28.10.2016<\/p>\n<div style=\"height:20px;\"><\/div>\n<div id='stb-container-9875' class='stb-container-css stb-custom-container stb-no-caption stb-image-none stb-ltr stb-border stb-side'><aside class='stb-icon'><img src='http:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/plugins\/wp-special-textboxes\/themes\/stb-dark\/heart.png'><\/aside><div id='stb-box-9875' class='stb-custom_box stb-box' ><br \/>\n<span style=\"font-size: 11pt; font-family: tahoma,arial,helvetica,sans-serif;\"><br \/>\n(w\u00f6rtliches Transkript, H\u00f6rverst\u00e4ndnisfehler vorbehalten)<\/p>\n<div style=\"height: 20px;\"><\/div>\n<blockquote>\n<p><u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: [0:00] <strong>&#8222;Keine vier Jahre nach dem Tod des Verlegers <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Alfred_Neven_DuMont_(Verleger,_1927)\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">Alfred Neven DuMont<\/a> soll die Mediengruppe zerschlagen werden. Die Gesellschafter wollen sich von allen Regionalmedien trennen. Von dem mehrere Jahrhunderte alten Traditionsunternehmen bliebe kaum etwas \u00fcbrig.\u201c, so berichtete am Dienstag der Branchendienst f\u00fcr Marketing, Werbung und Medien HORIZONT im Deutschen Fachverlag. Betroffen vom Verkauf w\u00e4ren auch die Berliner Zeitung und der Berliner Kurier. Die DuMont-Mediengruppe bezeichnete dies am Dienstag-Vormittag noch als &#8222;Ger\u00fcchte&#8220;, zu denen man sich \u201cgrunds\u00e4tzlich\u201d nicht \u00e4u\u00dfere. Am Dienstag-Nachmittag erfuhren die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der betroffenen Bereiche, den &#8211; Zitat &#8211; \u201ctats\u00e4chlichen Sachverhalt\u201d, dass man &#8211; kurz zusammengefasst &#8211; als Unternehmen mache, was jedes Unternehmen macht, n\u00e4mlich dar\u00fcber strategisch nachzudenken, wie man sich in der Zukunft aufstellen m\u00fcsse, welche Optionen man habe. Und darunter sei auch die \u201cOption einer m\u00f6glichen Ver\u00e4u\u00dferung von Teilen des Portfolios der Mediengruppe\u201d. Am Telefon jetzt Dr. Uwe Vork\u00f6tter, Chefredakteur vom HORIZONT. Bei Ihnen las sich das nicht als Option, als EINE M\u00f6glichkeit von vielen, sondern als sehr wahrscheinliche Absicht, bzw. es erschien wie eine Tatsachenbehauptung. Bleiben Sie bei Ihrer Darstellung?<\/strong><\/p>\n<p><u>Dr. Uwe Vork\u00f6tter<\/u>: [1:12] Ja, das ist eine Tatsache, dass die Gesellschafter von DuMont ihre Zeitungen, entweder im Paket oder einzeln verkaufen wollen. Daf\u00fcr gibt es eine Verkaufsunterlage. Die hat eine Unternehmensberatung erstellt und diese Verkaufsunterlage ist eigentlich bei allen wichtigen, gro\u00dfen deutschen Zeitungsverlagen \u2026 liegt die auf dem Tisch und diese Verlage sind nun ausdr\u00fccklich aufgerufen, ein Angebot, entweder f\u00fcr alle Zeitungen, DuMont-Zeitungen zusammen zu machen oder f\u00fcr einzelne Zeitungen. Also, das ist kein Ger\u00fccht. Das ist eine feste Absicht.<\/p>\n<p><u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: [1:44] <strong>Aber, wie passt das wiederum zusammen mit der Versicherung gegen\u00fcber den Leserinnen und Lesern am Donnerstag, 28. Februar in den betroffenen Bl\u00e4ttern, wie <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/berlin\/in-eigener-sache-liebe-leserinnen--liebe-leser-32114384\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">hier z. B.<\/a> in der Berliner Zeitung? Zitat: \u201cWir m\u00f6chten Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, versichern, dass die Arbeit in Verlag und Redaktion \u2013 die Herstellung und die Produktion unserer Zeitungen sowie der Digitalangebote \u2013 davon v\u00f6llig unber\u00fchrt sind. (&#8230;) Die Berliner Zeitung wird selbstverst\u00e4ndlich weiterhin in der von Ihnen gewohnten Qualit\u00e4t erscheinen. Das garantieren wir.\u201d<\/strong><\/p>\n<p><u>Dr. Uwe Vork\u00f6tter<\/u>: [2:14] Na ja zun\u00e4chst mal l\u00e4uft ja die Zeitungsproduktion auch unver\u00e4ndert weiter und man muss ja auch hinzuf\u00fcgen, wenn diese Zeitungen verkauft werden sollen, das hat ja nicht etwas damit zu tun, dass die Kollegen in der Redaktion der Berliner Zeitung oder beim Berliner Kurier einen schlechten Job machen oder, dass die lokalen Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer ihr Management-Handwerk nicht verstehen. Das hat damit \u00fcberhaupt nichts zu tun. Das ist eine Grundsatzentscheidung eines Unternehmens bzw. einer Unternehmerfamilie, sich von ihrem Kern-Gesch\u00e4ft zu trennen, weil sie keine Zeitung mehr machen will und dass man Zeitungen auch noch weiter produziert jetzt, ja das ist ja eigentlich eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit. Man wird ja jetzt die Produktion nicht einstellen, nur weil man die Absicht hat, die Bl\u00e4tter zu verkaufen.<\/p>\n<p><u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: [2:58] <strong>Aber, ich habe noch mal nachgeschlagen, also \u201cGarantie\u201d ist schon mehr als nur irgendwie ein Versprechen, sondern \u201cwenn ein Rechtssubjekt ein bestimmtes Handeln oder Unterlassen bereits vor Eintritt eines bestimmten Ereignisses rechtsverbindlich zusagt, dann spricht man von einer Garantie\u201d. Also egal was passiert, es \u00e4ndern sich h\u00f6chstens die Besitzverh\u00e4ltnisse. Alles andere w\u00e4re unber\u00fchrt und was ist daran so schlimm?<\/strong><\/p>\n<p><u>Dr. Uwe Vork\u00f6tter<\/u>: [3:19] So, das ist nat\u00fcrlich die n\u00e4chste Frage, die Berliner Zeitung oder der Berliner Kurier werden ja nicht untergehen, wenn die Eigent\u00fcmer diese Zeitung verkaufen. Sofern es einen K\u00e4ufer gibt daf\u00fcr, werden die auch weiterhin produziert werden. Das hat es in der Vergangenheit auf dem deutschen Zeitungsmarkt auch schon gegeben. Vor zehn Jahren, vor ungef\u00e4hr zehn Jahren hat die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck ein gro\u00dfes Paket von Regionalzeitungen Schritt-f\u00fcr-Schritt verkauft an andere Verlage, etwa an die Rheinische Post in D\u00fcsseldorf, an die Augsburger Allgemeine. Diese Zeitungen, die damals betroffen waren, die existieren heute alle. Die werden gekauft. Die werden gelesen. Da gibt\u2019s Journalisten, die da arbeiten. Also, die Frage, wo eine Zeitung angesiedelt ist in welchem Unternehmen, da gibt&#8217;s ja durchaus unterschiedliche Optionen. Tatsache ist, DuMont will verkaufen. Und Tatsache ist, dass das zun\u00e4chst mal eine gro\u00dfe Unsicherheit in das ganze Gewerbe bringt. Und dann wird man sehen m\u00fcssen, gibt es K\u00e4ufer f\u00fcr die Zeitung und wenn ja, wer ist das? <\/p>\n<p><u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: [4:19] <strong>Vielleicht sollte man nicht unerw\u00e4hnt lassen, dass Sie mal Chefredakteur der Berliner Zeitung und der Frankfurter Rundschau waren und damit intimste Kenntnisse der Verlagsgruppe aus eigenem Erleben haben, als Alfred Neven DuMont noch der Verlagsherr war. Damals galt noch der Satz: Wir lieben Zeitungen! Wie bewerten Sie das jetzt, wenn man das Kerngesch\u00e4ft ver\u00e4u\u00dfert?<\/strong><\/p>\n<p><u>Dr. Uwe Vork\u00f6tter<\/u>: [4:38] Ja, da hat sich jetzt nat\u00fcrlich etwas ge\u00e4ndert. Wir haben eingangs erw\u00e4hnt, dass Alfred Neven DuMont vor vier Jahren gestorben ist. Alfred Neven DuMont war ein ganz gro\u00dfer Verleger-Patriarch. Vielleicht so der letzte seiner Art in Deutschland, der die Tradition dieses Unternehmens DuMont, das ja auf 400 Jahre Geschichte zur\u00fcckblicken kann, der diese Tradition aufrecht erhalten und in der zweiten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts noch einmal wirklich erfolgreich entwickelt hat. Der Mann ist aber gestorben vor vier Jahren. Das Unternehmen hat zw\u00f6lf Generationen sich aus der Familie raus jeweils erneuert und jetzt gibt es eine Generation in der Familie, die ist nicht wirklich willens bzw. auch nicht in der Lage, dieses Haus erfolgreich zu f\u00fchren und deshalb hat sie sich entschieden, dann verkaufen wir es halt.<\/p>\n<p><u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: [5:30] <strong>Ja, aber was will man denn dann machen? Was, was \u2026 ich meine, wenn man alle Zeitungen verkauft, dann hei\u00dft man nur noch Mediengruppe, aber hat nichts mehr. <\/strong><\/p>\n<p><u>Dr. Uwe Vork\u00f6tter<\/u>: [5:37] Nein, man \u2026 ob man dann noch Mediengruppe hei\u00dft, das ist eine ganz andere Frage. Nein, die DuMonts haben in den vergangenen Jahren schon in ein paar andere Felder investiert, zum Beispiel in ein Gesch\u00e4ftsfeld, das nennt sich marketing technology &#8211; das sind so Dienstleistungen f\u00fcr die Werbeindustrie &#8211; in ein Gesch\u00e4ftsfeld, das hei\u00dft business information &#8211; das sind Fach-Informationen f\u00fcr Unternehmen. Da sieht man offenbar mehr Zukunftschancen als im klassischen Zeitungsgesch\u00e4ft. Aber klar ist, f\u00fcr DuMont war das Zeitungsgesch\u00e4ft \u00fcber Jahrzehnte und sogar Jahrhunderte der Kern des Unternehmens und das wird nun zerbr\u00f6seln und verfallen. <\/p>\n<p><u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: [6:18] <strong>Aber ist das nicht eine logische Konsequenz einer Entwicklung, als man Texte eben noch auf Papier drucken konnte, um sie weiterzureichen als Information und dass sich heute ja doch klar abzeichnet, dass das aktuelle Zeitgeschehen auf Papier ein Auslaufmodell ist?<\/strong><\/p>\n<p><u>Dr. Uwe Vork\u00f6tter<\/u>: [6:34] Das ist ein Teil nat\u00fcrlich, der zu dieser Entwicklung f\u00fchrt. Wir haben das insgesamt mit einer Krise der Zeitungen zu tun. Das ist zun\u00e4chst mal eine Krise dieses alten Print-Gesch\u00e4fts, der alten druckerei-getriebenen Zeitung und wir haben auf der anderen Seite \u2026 m\u00fcssen wir zur Kenntnis nehmen, dass der Online-Journalismus im Nachrichtenbereich, im privaten Nachrichtenbereich, dass der Online-Journalismus kein tragf\u00e4higes Gesch\u00e4ftsmodell entwickelt hat bisher. Das hei\u00dft, alle Zeitungsverlage der Republik &#8211; und in Berlin ganz besonders &#8211; stehen vor dieser Entwicklung, vor der Frage, wie kommen wir angesichts dieser Lage in die Zukunft? Unser altes Gesch\u00e4ft bricht weg. Ein neues parallel aufzubauen, da sind wir nicht sehr weit gekommen. Vor dieser Frage stehen alle. Und das f\u00fchrt zu einer Konsolidierung des Marktes. Wir hatten vor f\u00fcnf, vor zehn Jahren 180 bis 200 selbst\u00e4ndige Zeitungen in der Republik. Wir haben heute schon viel weniger. Es gibt einige wenige Gruppen, Zeitungs-Gruppen, die konsolidieren diesen Markt, indem sie gr\u00f6\u00dfer werden und Zeitungen aufkaufen. Das ist z. B. die Madsack-Gruppe in Hannover mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland als \u00fcberregionale Redaktion oder die Funke-Gruppe in Essen. DuMont wollte vor paar Jahren noch auch so ein Konsolidierer sein, wollte wachsen in diesem Gesch\u00e4ft, hat die Frankfurter Rundschau gekauft, hat die Berliner Zeitung gekauft. Und das ist schief gegangen und jetzt sieht man keine Perspektive mehr daf\u00fcr.<\/p>\n<p><u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: [8:07] <strong>Aber ist das nicht vielleicht clever jetzt die Zeitungen alle abzusto\u00dfen und die, die die kaufen verz\u00f6gern oder verlangsamen nur den Untergang? Also Springer hat sich ja auch von wirklich traditionsreichen Titeln getrennt und verdient, glaube ich, das meiste Geld jetzt in einem nicht-journalistischen Bereich in Digitalangeboten wie Immobiliensuche und Preissuchmaschinen.<\/strong><\/p>\n<p><u>Dr. Uwe Vork\u00f6tter<\/u>: [8:49] Man kann das so sehen. Grunds\u00e4tzlich gibt es eigentlich zwei Positionen in der Branche. Die eine sagt, mit Zeitungen ist k\u00fcnftig kein Geld mehr zu verdienen. Das sind eigentlich die meisten. Die anderen sagen: Ja, in diesem Konzentrationsprozess wird es aber f\u00fcr diejenigen, die dann noch Zeitungen machen und die dann wirklich gro\u00df sind in diesem Gesch\u00e4ft, f\u00fcr die wird es da auch Geld zu verdienen sein. Das sind Madsack und Funke, wie ich erw\u00e4hnt habe. DuMont ist nun in einer besonderen Lage. DuMont wollte am Zeitungsgesch\u00e4ft festhalten, geht jetzt raus aus dem Gesch\u00e4ft, aber zu einem vergleichsweise sp\u00e4ten Zeitpunkt. Und es ist die Frage, was werden die Gesellschafter f\u00fcr diese Zeitungen jetzt \u00fcberhaupt noch erl\u00f6sen k\u00f6nnen? Nehmen Sie mal die Berliner Zeitung. DuMont hat vor &#8211; 2009 war es &#8211;  also ziemlich genau vor zehn Jahren f\u00fcr die Berliner Zeitung 150 Millionen Euro bezahlt. Heute ist die Berliner Zeitung ein Bruchteil davon nur noch wert. So \u00e4hnlich ist das bei anderen Titeln von DuMont. Das hei\u00dft, man wird die jetzt heute nicht zu einem Super-Preis verkaufen k\u00f6nnen, wie das vielleicht vor zehn, f\u00fcnfzehn, zwanzig Jahren der Fall gewesen w\u00e4re.<\/p>\n<p><u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: [9:38] <strong>Lassen Sie uns aber dennoch ganz kurz realistische Optionen pr\u00fcfen. Die Funke-Gruppe wird Berliner Kurier und Berliner Zeitung in unserem Sendegebiet nicht kaufen d\u00fcrfen wahrscheinlich aus kartellrechtlichen Gr\u00fcnden, weil sie ja schon die Morgenpost haben und dann bliebe ja eigentlich nur noch Madsack \u00fcbrig nach Ihrer These.<\/strong><\/p>\n<p><u>Dr. Uwe Vork\u00f6tter<\/u>: [10:23] Also, ganz sicher wird Madsack die Berliner Zeitung und den Berliner Kurier nicht kaufen. Man muss dazu sagen, die beiden Berliner Titel sind insofern ein wirkliches Problem, weil der Berliner Zeitungsmarkt ein so gro\u00dfes Problem ist. Noch mal, das h\u00e4ngt nicht mit der Leistung der Leute zusammen, die diese Titel machen. Und der Berliner Zeitungsmarkt ist &#8211; man muss das sagen &#8211; der ist kaputt. Der ist zerst\u00f6rt. Die Auflagen sind minimal geworden. Alle drei Abo-Titel in Berlin &#8211; die Morgenpost, der Tagesspiegel, die Berliner Zeitung zusammen &#8211; kommen ja gerade mal auf eine Zahl von verkauften Abonnements von 150.000\/160.000. Stellen Sie sich das vor in einer Stadt mit 3,5 Millionen Einwohnern. Das Zeitunglesen ist in Berlin offenbar nicht mehr modern. Man will das nicht. Man gibt sein Geld lieber f\u00fcr Netflix und Spotify aus. Darunter leiden die Titel und deswegen wird sich auch die Frage stellen, wer kann eigentlich die Berliner Titel noch kaufen? In K\u00f6ln, in Halle bei der Mitteldeutschen Zeitung da sieht das besser aus. Aber f\u00fcr die Berliner Titel sehe ich im Moment nicht die Perspektive, dass da in den n\u00e4chsten Wochen ein K\u00e4ufer auftreten wird.<\/p>\n<p><u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: [11:05] <strong>Und Holtzbrinck scheidet auch aus. Sie hatten es ja mal versucht von Gruner + Jahr die Berliner Zeitung zu kaufen. Durften sie auch nicht. Jetzt gibt es eine spontane Idee in der Belegschaft, sich selbst zu kaufen, w\u00e4re das realistisch angesichts auch solcher glorreichen Beispiele wie der taz, wo es ja offenbar gelingt, mit einem Genossenschaftsmodell Zeitung zu machen?<\/strong><\/p>\n<p><u>Dr. Uwe Vork\u00f6tter<\/u>: [11:25] Also, wenn Menschen den Mut haben, ihre eigene Zeitung zu kaufen, den Eigent\u00fcmern abzunehmen, dann bewundere ich das. Das ist eine gro\u00dfartige Angelegenheit, aber man kann sich auch ungl\u00fccklich damit machen. Schwarze Zahlen zu schreiben mit einer Tageszeitung in Berlin, das ist eine Herausforderung. Das schafft im Moment niemand. Das schafft die Berliner Zeitung nicht. Das schafft die Morgenpost nicht. Das schafft auch der Tagesspiegel nicht und wenn die Besch\u00e4ftigen das selbst in die Hand nehmen, dass das dann besser geht, das ist bisher nicht mehr als eine These.<\/p>\n<p><u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: [12:00] <strong>Auch die taz nicht? Die das ja jahrelang beweist, dass man in diesem Markt durchaus eine Stimme haben kann?<\/strong><\/p>\n<p><u>Dr. Uwe Vork\u00f6tter<\/u>: [12:07] Die taz, sie hat ihre Nische in der Gesellschaft gefunden. Sie ist ein dezidiert politisches Blatt f\u00fcr einen Kreis von Menschen, die genau diese Stimme wollen. Es ist nicht eine normale Tageszeitung, die so alles von links bis rechts, von arm bis reich und Mann und Frau abdeckt. Sondern die hat eine \u2026 eine spitzere Zielgruppe und sie hat es geschafft, mit einer kleinen Auflage sich zu halten \u00fcber die Jahre hinweg. Aber eben auch z. B. zu dem Preis, dass die Geh\u00e4lter, die bei der taz gezahlt werden, dass die weit unter den Tarif-Geh\u00e4ltern sind, die etwa bei der Berliner Zeitung gezahlt werden.<\/p>\n<p><u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: [12:49] <strong>Also, wenn ich alles jetzt zusammenfasse, was Sie gesagt haben, dann steht Berlin vor einer Art Marktbereinigung, wo alle anderen Konkurrenz-Bl\u00e4tter hoffen, dass sie dann letzten Endes vom Untergang der Berliner Zeitung, des Berliner Kuriers profitieren?<\/strong><\/p>\n<p><u>Dr. Uwe Vork\u00f6tter<\/u>: [13:45] Nein, definitiv nicht. Im Gegenteil. Wenn einer dieser Konkurrenten auf dem Markt in Berlin verschwinden w\u00fcrde vom Markt, w\u00e4re das f\u00fcr die Konkurrenten eine Katastrophe. Das klingt unplausibel auf Anhieb. Aber es gibt einen ganz einfachen Grund dazu. Alle Berliner Tageszeitungen haben einen gemeinsamen Zeitungsvertrieb und der alle Titel in einem Wagen hat. Dieser Vertrieb ist ein hoher Kostenfaktor. Darunter leiden die Tageszeitungs-Verlage zurzeit ganz besonders, nachdem der Mindestlohn eingef\u00fchrt worden ist. Der Zeitungsvertrieb ist extrem teuer geworden. Wenn einer aus diesem Konzert rausbricht, dann hei\u00dft das, dass die anderen die Kosten tragen m\u00fcssen, das hei\u00dft, dass deren Kosten noch mal h\u00f6her werden. Das will niemand und das w\u00fcrde m\u00f6glicherweise wirklich dazu f\u00fchren, dass es in Berlin auf absehbare Zeit keine Tageszeitung auf Papier mehr geben w\u00fcrde, sondern dann m\u00fcssten sich alle \u00fcberlegen, dass sie nur noch elektronisch erscheinen.<\/p>\n<p><u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: [14:03] <strong>Sie hinterlassen mich relativ ratlos, was jetzt die Situation aktuell um Berliner Zeitung und Berliner Kurier anbelangt, aber so bleiben, wie es ist, kann es ja auch nicht.<\/strong><\/p>\n<p><u>Dr. Uwe Vork\u00f6tter<\/u>: [14:15] Nein, eigentlich nicht. Warum? Das ist ein grundlegendes Problem, dass in der Vergangenheit schon alle Versuche, auf diesem Markt zu kooperieren oder zu fusionieren gescheitert sind. Der erste Versuch, Sie haben den vorhin erw\u00e4hnt, ist am Kartellamt gescheitert, als Holtzbrinck die Berliner Zeitung \u00fcbernehme wollte. Danach kam diese elende Phase mit den englischen und amerikanischen Finanzinvestoren, die am Berliner Verlag gescheitert sind letztlich, die ihn dann an DuMont weiterverkauft haben. Und eigentlich w\u00e4re allenfalls eine Fusion dieser Titel in Berlin eine L\u00f6sung, die wirtschaftlich einigerma\u00dfen sinnvoll sein k\u00f6nnte. Aber noch mal, wenn das Kartellrecht dem entgegensteht, dann wird das auch in Zukunft so sein. Das ist nicht absehbar, dass sich das jetzt noch mal \u00e4ndert und auch die Interessen der jeweiligen Verlage sind schon sehr unterschiedlich. Es gibt ja einen &#8211; das ist der Tagesspiegel &#8211; der versucht mit einigem Erfolg sich ja in Berlin jetzt als gewisserma\u00dfen DIE Hauptstadt-Zeitung noch mal zu positionieren. Das ist so ein Krieg, den hat man eigentlich vor 25 Jahren ausgefochten. Aber der Tagesspiegel versucht das jetzt noch mal mit einer &#8230; Marketing, mit einem durchaus ansprechenden Erfolg. Aber man muss eben sehen, auch der Tagesspiegel verdient unter dem Strich kein Geld. Der hat den gro\u00dfen Vorteil, dass er einen Verleger hat, Dieter von Holtzbrinck, der jedes Jahr ein paar Millionen da rein steckt und sagt: Es macht mir nichts.<\/p>\n<p><u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: [15:50]<strong> Das war die Einsch\u00e4tzung des Chefredakteurs vom Horizont, Dr. Uwe Vork\u00f6tter, selbst einmal Chefredakteur der Berliner Zeitung und der Frankfurter Rundschau, ich bedank\u2019 mich f\u00fcr Ihre Einsch\u00e4tzung.<\/strong><\/p>\n<p><u>Dr. Uwe Vork\u00f6tter<\/u>: [16:00] Gerne.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p><\/div><\/div>\n<hr \/>\n<div style=\"height: 5px;\"><\/div>\n<p><html><br \/>\n     <head><\/p>\n<style type=\"text\/css\">\n       body {\n                     background: #DADADA;\n       }\n      <\/style>\n<p>     <\/head><br \/>\n     <body><br \/>\n<\/body><br \/>\n    <\/html><br \/>\n<script src=\"https:\/\/apis.google.com\/js\/plusone.js\" type=\"text\/javascript\">\/\/ < ![CDATA[ {lang: 'de'} \/\/ ]]><\/script><br \/>\n<script src=\"http:\/\/twittercounter.com\/embed\/?username=medienmagazin&amp;style=avatar\" type=\"text\/javascript\"><\/script><\/p>\n<p><noscript><a href=\"http:\/\/twittercounter.com\/medienmagazin\">medienmagazin on Twitter Counter<\/a><\/noscript><\/p>\n<p><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Keine vier Jahre nach dem Tod des Verlegers Alfred Neven DuMont soll die Mediengruppe zerschlagen werden. Die Gesellschafter wollen sich von allen Regionalmedien trennen. Von dem mehrere Jahrhunderte alten Traditionsunternehmen bliebe kaum etwas \u00fcbrig.\u201c , so berichtete am 26.02.2019 der Branchendienst f\u00fcr Marketing, Werbung und Medien HORIZONT im Deutschen Fachverlag. 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