{"id":43639,"date":"2019-07-17T13:38:12","date_gmt":"2019-07-17T11:38:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wwwagner.tv\/?p=43639"},"modified":"2020-02-25T02:47:42","modified_gmt":"2020-02-25T00:47:42","slug":"dr-grampp-deutsch-deutsches-ping-pong","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/?p=43639","title":{"rendered":"Dr. Grampp: Deutsch-deutsches Ping-Pong"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_43640\" aria-describedby=\"caption-attachment-43640\" style=\"width: 1100px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/uploads\/grampp_sven_mS_1100.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/uploads\/grampp_sven_mS_1100.jpg\" alt=\"\" width=\"1100\" height=\"546\" class=\"size-full wp-image-43640\" srcset=\"https:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/uploads\/grampp_sven_mS_1100.jpg 1100w, https:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/uploads\/grampp_sven_mS_1100-300x149.jpg 300w, https:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/uploads\/grampp_sven_mS_1100-768x381.jpg 768w, https:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/uploads\/grampp_sven_mS_1100-1024x508.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 1100px) 100vw, 1100px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-43640\" class=\"wp-caption-text\">Dr. Sven Grampp | Foto: \u00a9 Harald Sippel, FAU<\/figcaption><\/figure>\n<div style=\"height: 20px;\"><\/div>\n <audio   controls > <source src=\"http:\/\/www.wwwagner.tv\/audio\/20190717_grampp_sven_112.mp3\" type='audio\/mpeg' \/> <object   type=\"application\/x-shockwave-flash\"  data=\"https:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/plugins\/wphtml5player\/inc\/flowplayer.swf\"  width=\"400\"  height=\"30\"> <param name=\"movie\" value='https:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/plugins\/wphtml5player\/inc\/flowplayer.swf' \/><param name=\"allowfullscreen\" value='false' \/><param name=\"cachebusting\" value='true' \/><param name=\"bgcolor\" value='#000000' \/><param name=\"flashvars\" value='config={\"plugins\":{\"controls\":{\"height\":30,\"autoHide\":false,\"fullscreen\":false}},\"clip\":{\"autoPlay\":false,\"url\":\"http:\\\/\\\/www.wwwagner.tv\\\/audio\\\/20190717_grampp_sven_112.mp3\"},\"playlist\":[{\"autoPlay\":false,\"url\":\"http:\\\/\\\/www.wwwagner.tv\\\/audio\\\/20190717_grampp_sven_112.mp3\"}],\"play\":{\"opacity\":0}}' \/>  No audio playback capabilities, please download the audio below<br \/><strong>Download Audio:<\/strong> Closed Format: <a href=\"http:\/\/www.wwwagner.tv\/audio\/20190717_grampp_sven_112.mp3\">MP3<\/a> <\/object> <!-- Generated by HTML5 Multimedia Framework (http:\/\/code.google.com\/p\/html5videoplayer) --> <\/audio>  \n<div style=\"height: 10px;\"><\/div>\n<p><u>Was<\/u>: Interview \u00fcber deutsch-deutsche Kosmos-Berichterstattung<br \/>\n<u>Wer<\/u>: Dr. Sven <a href=\"http:\/\/bit.ly\/2Z777tK\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">Grampp<\/a>, Akademischer Oberrat am Institut f\u00fcr Theater- und Medienwissenschaft an der Friedrich-Alexander-Universit\u00e4t Erlangen-N\u00fcrnberg<br \/>\n<u>Wann<\/u>: rec.: 17.07.2019, 13:38 Uhr, gesendet in einer 7:20-Fassung im radioeins-Medienmagazin vom <a href=\"http:\/\/bit.ly\/2YjdD3n\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">20.07.2019<\/a>, 18:44 Uhr und in einer 3:56-Fassung im rbb Inforadio am 21.07.2019, 10:44\/17:44 Uhr<br \/>\n<u>Wo<\/u>: Berlin < ---> Erlangen<\/p>\n<div style=\"height: 10px;\"><\/div>\n<p><u>Vgl<\/u>.: Grampp, Sven (2016): &#8222;Vom Beobachten des Beobachters der Beobachter.<br \/>\nDie erste bemannte Mondlandung im deutschen Fernsehen diesseits und jenseits des Eisernen Vorhangs&#8220;.<br \/>\nRepositorium Medienkulturforschung 9, <a href=\"http:\/\/repositorium.medienkulturforschung.de\/?p=526\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">online<\/a><br \/>\nPDF-<a href=\"http:\/\/bit.ly\/2Ya6Wwt\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">Download<\/a><\/p>\n<hr \/>\n<div style=\"height:20px;\"><\/div>\n<div id='stb-container-3599' class='stb-container-css stb-custom-container stb-no-caption stb-image-none stb-ltr stb-border stb-side'><aside class='stb-icon'><img src='http:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/plugins\/wp-special-textboxes\/themes\/stb-dark\/heart.png'><\/aside><div id='stb-box-3599' class='stb-custom_box stb-box' ><br \/>\n<span style=\"font-size: 11pt; font-family: tahoma,arial,helvetica,sans-serif;\"><br \/>\n(w\u00f6rtliches Transkript, Auszug,  H\u00f6rverst\u00e4ndnisfehler vorbehalten)<\/p>\n<div style=\"height: 20px;\"><\/div>\n<blockquote><p>\n[0:00] <u>Dr. Sven Grampp<\/u>: Mein Name ist Sven Grampp. Ich bin, man nennt es hier, akademischer Oberrat am Institut f\u00fcr Theater- und Medienwissenschaft an der Universit\u00e4t Erlangen-N\u00fcrnberg. Und einer meiner Forschungsschwerpunkte ist tats\u00e4chlich: Weltraummissionen, speziell tats\u00e4chlich des Space Race Ende der f\u00fcnfziger Jahre bis ungef\u00e4hr Mitte der siebziger Jahre.<\/p>\n<p>[0:23] <u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: <strong>Das ist nat\u00fcrlich schon eine Eingrenzung. Aber was hat Sie besonders daran interessiert? War es mehr die mediale Vermittlung oder auch das, was dann physikalisch, kosmos-technisches ablief?<\/strong><\/p>\n<p>[0:35] <u>Dr. Sven Grampp<\/u>: Nee, also das zweite eigentlich, wenn ich ehrlich bin, \u00fcberhaupt nicht. Also, es geht wirklich \u2026<\/p>\n<p>[0:40] <u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: <strong>Also auch nicht unter dem Aspekt der Verschw\u00f6rungstheorien?<\/strong> <\/p>\n<p>[0:42] <u>Dr. Sven Grampp<\/u>: Also, gut unter dem Aspekt der Verschw\u00f6rungstheorien in dem Sinne, wie das medial in Szene gesetzt wird oder wie medial Glaubw\u00fcrdigkeit vermittelt wird, dass es Verschw\u00f6rungen gibt. Aber wirklich, was mich wirklich interessiert &#8211; klassisch bin ich der Medienwissenschaftler &#8211; ist tats\u00e4chlich die, die mediale Vermittlung. Und mediale Vermittlung bedeutet in dem Fall tats\u00e4chlich die massenmediale Vermittlung. Und dass es eben die f\u00fcnfziger, sechziger und siebziger Jahre sind, ist von dem her auch, finde ich erstmal, politisch relativ klar, weil es dort tats\u00e4chlich &#8211; wir sind im Kalten Krieg und wir sind im Space Race, also in der Hochphase des Space Race nach Sputnik sowieso. Und bis Mitte der siebziger Jahre hielt es ja eigentlich auch tats\u00e4chlich an bis zu dem &#8222;Apollo-Sojus\u201d-Test-Projekt, wo dann die USA und die Sowjetunion ein gemeinsames Projekt im Erdorbit gemacht [haben].<\/p>\n<p>[1:30] <u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: <strong>Wir haben vorhin geh\u00f6rt, dass der ehemalige Journalist der DDR-Nachrichtenagentur ADN, Gerhard Kowalski als Zeitzeuge beschrieb, dass in seiner Erinnerung die Weltraumberichterstattung in der DDR relativ frei war, also nicht nur \u00fcber sowjetische Erfolge berichtet wurde. In meiner Erinnerung hatte ich allerdings den Eindruck, dass die Weltraummissionen der UdSSR mit mehr Pathos und auch detaillierter widergespiegelt wurden. Wie sieht Ihr wissenschaftlicher Befund aus?<\/strong> <\/p>\n<p>[1:55] <u>Dr. Sven Grampp<\/u>: Also, das sieht genauso aus. Also, es wurde auch in der DDR, in den DDR-Medien berichtet \u00fcber westliche Erfolge oder Projekte. Und man kann es auch ganz sch\u00f6n eigentlich sehen an der &#8222;Apollo 11&#8220;-Mission, also die sich ja jetzt zum f\u00fcnfzigsten Mal j\u00e4hrt, wenn man sich nur die Zeitungen anschaut in der DDR. Also erstmal gab es dar\u00fcber Berichterstattung schon davor und w\u00e4hrenddessen und auch danach. Und es gab auch durchaus so eine Art von Lob f\u00fcr die Astronauten. Die waren durchaus heldenf\u00e4hig. Was aber wiederum in dem Fall sehr stark kritisiert worden ist, ist tats\u00e4chlich, dass \u00fcberhaupt irgendjemand auf den Mond geht, ja, dass da nicht einfach Mondfahrzeuge geschickt werden, wie beispielsweise sp\u00e4ter dann eben von der Sowjetunion Anfang der siebziger Jahre die Lunachods. Und von dem her ist erst mal dort die Kritik eigentlich immer schon mit formuliert, auch wenn es Lob oder Gratulation gab. Und das, was in der Sowjetunion passiert ist, also seit Sputnik mit Gagarin, das wurde nat\u00fcrlich &#8211; wie haben Sie gesagt? &#8211; mit Pathos \u00fcberzogen. Also, eine gro\u00dfartige Sache war der Besuch von Tereschkowa und Gagarin 63 in der DDR. Wenn man sich mal anschaut, was da f\u00fcr eine Berichterstattung war. Das war wirklich Ausnahmezustand. Eine Woche lang hatte man das Gef\u00fchl, dass nur noch dar\u00fcber berichtet wird und gro\u00df in Szene gesetzt. Und die sind auch \u00fcberall hingegangen zu unterschiedlichen Fabriken, haben ganz viele Reden gehalten, haben Aufm\u00e4rsche bekommen und haben unendlich viel auch Live-Berichterstattung im Fernsehen bekommen.<\/p>\n<p>[3:27] <u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: <strong>Ich kann mich auch noch daran erinnern, tats\u00e4chlich an diese \u00dcbertragung, Live-\u00dcbertragung von Walentina Tereschkowa, der ersten Frau im All und Juri Gagarin, dem ersten Kosmonauten \u00fcberhaupt, als sie durch Karl-Marx-Allee in Berlin fuhren. Also damals \u201cHauptstadt der DDR\u201d, wie es genannt wurde. Daf\u00fcr, so erz\u00e4hlte mir ein Fernsehtechniker, hatte man sogar die M\u00f6glichkeit entwickelt, drei Fernsehbilder in einem zu zeigen. Und das war 63 wirklich eine echte Neuerung. Aber das war ja nicht wirklich eine Raumfahrtmission. Dagegen stand geradezu eine Bilderflut der NASA. Gab es aus Ihrer Forschung heraus irgendwie etwas so \u2026 Bem\u00fchungen, das auszugleichen? Oder war es mehr, dass man eher dann sagte, dann berichten wir nicht so viel \u00fcber die Amerikaner, damit nicht auff\u00e4llt, dass wir im Fernsehen nicht so viele Bilder haben aus der Sowjetunion?<\/strong><\/p>\n<p>[4:17] <u>Dr. Sven Grampp<\/u>: Ja. Also ich darf trotzdem noch mal zu diesem DDR-Besuch \u2026 also gerade dieses Splitscreen-Verfahren, von dem Sie gesprochen haben &#8230; es wurde wirklich ausprobiert und ambitioniert gemacht. Die beiden, Kosmonaut und Kosmonautin haben sich ja auch getrennt, sind also an unterschiedliche St\u00e4dte &#8230; und dann gab&#8217;s auch Liveschaltungen zwischen unterschiedlichen St\u00e4dten mit Splitscreen und gemeinsamen Gesang. Also das war wirklich Avantgarde damals in der Fernsehtechnik. Und das interessiert mich als Medienwissenschaftler, dass sozusagen nicht nur ideologisch etwas formuliert worden ist, die sind am Start und die waren im All, sondern tats\u00e4chlich medientechnologisch wird hier gezeigt, was man eigentlich schon kann und wurde auch dem Westen gezeigt. Zu Ihrer Frage. Ich finde, man k\u00f6nnte da auch mal zur\u00fcckgehen nochmal zu Sputnik, ja? Also Sputnik \u2026 da gab es am Anfang \u00fcberhaupt keine Bilder. Diese Bilder, die wurden auch st\u00e4ndig angefragt von allen m\u00f6glichen Presse-Organisationen &#8230; k\u00f6nntet Ihr uns nicht Bilder liefern? Und da waren erstmal keine da. Dann wurden die mehr oder minder fantasievoll &#8230; in der Zeitung konnte man die bewundern, mit Collagen, mit Diagrammen etc. Sp\u00e4ter gab\u2019s dann ein paar Modelle, die dann als Fotos vertrieben worden sind. Aber da war es von Anfang an erstmal Bilder-Armut. Und das hat nat\u00fcrlich auch was mit der Geheimhaltung zu tun etc. Und trotzdem w\u00fcrde ich sagen, wenn Sie nach der Kompensation fragen, so in zwei Richtungen. Also die eine Richtung, w\u00fcrde ich tats\u00e4chlich sagen, erstmal das Gegenteil als St\u00e4rke, n\u00e4mlich das Nichtzeigen. Man kann das wunderbar sehen an dem Vergleich jetzt gar nicht von Astronauten und Kosmonauten, sondern von den jeweiligen Chef-Ingenieuren. Also Wernher von Braun war medial pr\u00e4sent, seit den f\u00fcnfziger Jahren. Also, derjenige Ingenieur, der dann verantwortlich war, dass die \u201cSaturn V\u201d entwickelt worden ist, mit der dann die \u201cApollo 11\u201d-Mission erfolgreich ins All gekommen ist. Im Gegensatz dazu der Chefingenieur der Sowjetunion. Der war nicht mal namentlich bekannt. Den hat man immer nur genannt den \u201cChefingenieur\u201d und auch nicht bildlich. Also dieses sozusagen Verschweigen, diese Geheimnistuerei oder Geheimniskr\u00e4merei als etwas, das auch einen bestimmten medialen Effekt hat, also zu sagen, da gibt es jemand, fast eine mythologische Gestalt, die \u00fcberhaupt nicht visuell wird, aber die alles M\u00f6gliche leisten kann.<\/p>\n<p>[6:20] <u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: <strong>Das hat man aber nach dem Tod dann von Koroljow ausgeglichen durch den &#8230;<\/strong><\/p>\n<p><u>Dr. Sven Grampp<\/u>: So ist es \u2026 vollkommen.<\/p>\n<p><u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: <strong>\u2026 Film \u201cB\u00e4ndigung des Feuers\u201d.<\/strong><\/p>\n<p>[6:25] <u>Dr. Sven Grampp<\/u>: Ja, also als er gestorben ist, da war eine gro\u00dfe Berichterstattung und er wurde ja dann auch auf dem Roten Platz beerdigt und sowas. Also da hat man es aufgegeben. Aber bis zu seinem Tod wurde das nicht publik gemacht. Und das find\u2019 ich erstmal interessant. Nachher wurde das nat\u00fcrlich umgekehrt. Und \u201cB\u00e4ndigung des Feuers\u201d war ja auch ein gro\u00dfer Film, relativ teuer und aber &#8230; ich glaub\u2019 sogar, relativ erfolgreich in der Sowjetunion. Und die andere Seite ist diejenige, dass es auch sehr auff\u00e4llig ist, dass es vergleichsweise viel Material aus fiktionalen Elementen gab. Also in der Sowjetunion gab\u2019s es ja auch Science-Fiction-Filme, auch schon seit den drei\u00dfiger Jahren und die wurden als Kompensation verwendet in der Sowjetunion, in der DDR und jetzt &#8211; und das finde ich das Interessante &#8211; aber auch in der BRD und vor allem in den USA. Also in den USA gab es relativ viele Berichte ab 57, auch Fernsehberichte \u00fcber die Sowjetunion und was die so macht. Und dann war ihr Bildmaterial meistens tats\u00e4chlich aus fiktionalen Spielfilmen, haben sie genommen. Und relativ h\u00e4ufig wurde das gar nicht so artikuliert, sondern: Hier haben wir Material aus der Sowjetunion! Und dann sieht man einen Ausschnitt aus einem sowjetischen Science-Fiction-Film und es wird \u00fcberhaupt nicht markiert, dass es so einer ist. Also es gab sozusagen auch dort nicht nur Kompensation, sondern man hat f\u00fcr diese Kompensation eigentlich Elemente aus fiktionalen Bereichen genommen.<\/p>\n<p>[7:39] <u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: <strong>Ich kann mich erinnern, die Printmedien haben relativ h\u00e4ufig auch kleine Meldungen ver\u00f6ffentlicht, wenn irgendein Satellit ins All geschossen wurde, ob das aus der \u201cKosmos\u201d-Serie war oder \u201cLuna\u201d, ebenso ob das, was wei\u00df ich, eine amerikanische \u201cVoyager\u201d-Sonde war oder ein anderer Start war. Wie war es beim H\u00f6rfunk und beim Fernsehen? Gab es so etwas wie eine regelm\u00e4\u00dfige Raumfahrt-Berichterstattung?<\/strong><\/p>\n<p>[8:03] <u>Dr. Sven Grampp<\/u>: Also in der BRD gab es regelm\u00e4\u00dfige Wissenschaftssendungen, die relativ h\u00e4ufig tats\u00e4chlich die Weltraum-Missionen zum Thema hatten. Unabh\u00e4ngig von den Apollo-Missionen. Also mit denen nat\u00fcrlich gesteigert und vor den Apollo-Missionen \u2026 also \u00fcberhaupt mit der &#8211; ich sag mal &#8211; bemannten Weltraumfahrt mit \u201cMercury\u201d, also Anfang der sechziger Jahre gab\u2019s das. Und soweit mir das bekannt ist in der DDR gab es das sehr viel weniger. Es gab das sogenannte \u201cAstronautische Studio\u201d. Und dieses \u201cAstronautische Studio\u201d lief manchmal, also unregelm\u00e4\u00dfig &#8211; es hatte nicht so ein Wochen-Takt &#8211; lief das, sondern es lief dann vor allem, wenn es Dinge gab, \u00fcber die man glaubte, dass sie berichtenswert seien, also beispielsweise dann als Gagarin, als es bekannt wurde, gab es das geh\u00e4uft. Und sie wurden auch teilweise relativ kurzfristig angesetzt. Also, das kann man dann sehen, wenn man im Archiv nachschaut, dass es im Programm, das angek\u00fcndigt worden ist in den Fernsehzeitschriften nicht drin ist das \u201cAstronautische Studio\u201d, dann aber in den sogenannten bereinigten Programmen, also die dann reingeschrieben haben, was tats\u00e4chlich jetzt lief noch mal zus\u00e4tzlich im Nachhinein eingeschrieben worden sind. Also die sind manchmal einfach, einfach gesendet worden, ohne dass man sich eigentlich planvoll darauf h\u00e4tte vorbereiten k\u00f6nnen. <\/p>\n<p>[09:14] <u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: <strong>Ja, die Zeitschriften hatten ja manchmal einen Vorlauf von sechs bis acht Wochen. Und da ist das auch nicht un\u00fcblich gewesen, dass es Abweichungen gab vom ausgedruckten Programm. Aber war das jetzt eine Fernsehsendung oder war das jetzt \u2026 sprechen Sie jetzt vom Radio?<\/strong><\/p>\n<p>[09:26] <u>Dr. Sven Grampp<\/u>: Nee Radio \u2026 bin ich leider kein Experte, kann ich nicht sagen, ich ich sprech\u2019 vom Fernsehen. Also tats\u00e4chlich das waren Fernsehberichterstattungen und nat\u00fcrlich hat es auch mit dieser variablen Festsetzung mit der Ver\u00f6ffentlichungspolitik zu tun. Also bei der NASA war mindestens sechs Monate vorher klar, wann was stattfinden wird. Also konnte man sich auch vom Programm her sehr viel besser darauf einstellen. Und es war nat\u00fcrlich in der Sowjetunion nicht so. Sondern da gabs: Entweder ist es erfolgreich zur\u00fcckgekehrt oder es ist erfolgreich im All und dann gab&#8217;s \u00fcberhaupt erst die Berichterstattung, \u00fcberhaupt erst die Pr\u00e4sentation, dass es funktioniert hat. Dementsprechend ist es klar, dass es dann relativ schnell, dann umgestaltet werden muss das Programm.<\/p>\n<p>[10:04] <u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: <strong>Wie war es nun vor 50 Jahren? Am 20.\/21. Juli 1969. Also ich hab\u2019 die \u201cApollo 11\u201d-Mission auf jeden Fall auf dem Fernsehkanal 7 in Berlin verfolgt, sprich \u00fcber die ARD. Wie hatte das DDR-Fernsehen berichtet? Ich hab\u2019 keine Erinnerung.<\/strong><\/p>\n<p>[10:22] <u>Dr. Sven Grampp<\/u>: Also in der ARD war das ja relativ gro\u00df, wie eigentlich nahezu \u00fcberall. Und in der ARD war das auch so, dass sie auff\u00e4llig h\u00e4ufig Berichte \u00fcber sowjetische Raumfahrtprogramme hatten und sie hatten auch den Moskau &#8230; den damaligen Moskauer Korrespondenten mitunter am Moderationsplatz. Also da gab\u2019s sozusagen Infos dar\u00fcber, was in der Sowjetunion oder auch in der DDR passiert. Und es gab auch Infos dar\u00fcber interessanterweise in der ARD selbst, wie jetzt dar\u00fcber berichtet wird gerade eben oder eben nicht. Und da wird dann beispielsweise gesagt, dass im sowjetischen Fernsehen im Moment eben nicht die Mondlandung kommt, sondern irgendein Fu\u00dfballspiel \u00fcbertragen wird. Tats\u00e4chlich habe ich mir das mal angeschaut die bereinigten Fernsehprotokolle vom Deutschen Fernsehfunk der DDR und es gab drei Sondersendungen an diesem Tag. Die erste war um 10 Uhr. Das ging ungef\u00e4hr 45 Minuten. Die wurde dann nochmal wiederholt und dann nach dem Sandm\u00e4nnchen gab es nochmal ein kurzes \u201cAstronautisches Studio\u201d \u00fcber \u201cApollo 11\u201d. Also das hei\u00dft, es gab tats\u00e4chlich Berichterstattungen, die kurzzeitig angesetzt worden sind. Und wenn Sie auch mal nachschauen in den Archiven der ARD sieht man, dass die Bildrechte gekauft worden sind sowohl von der Sowjetunion, als auch von der DDR. Aber es wurde eben nicht l\u00e4nger dar\u00fcber berichtet und auch vor allem nicht live berichtet und gerade der Ausstieg, also die Mondlandung der Menschen \u00fcberhaupt nicht nachts. Also, es gab Berichte, aber wenn Sie sagen, dass Sie die gar nicht mitbekommen haben, kann es nicht besonders erfolgreich gewesen sein und wahrscheinlich haben sich viele schon darauf eingestellt, dass sie sich halt dies auf der ARD oder dem ZDF auch wahrscheinlich eher auf dem ARD-Fernsehprogramm tats\u00e4chlich anschauen.<\/p>\n<p>[11:59] <u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: <strong>Wissen Sie, warum im Deutschen Fernsehfunk der Ausstieg nachts 3 Uhr 56 in der Nacht zum 21. Juli \u2026 warum der nicht live \u00fcbertragen wurde? Gerhard Kowalski vermutete wegen der zu teuren Bildrechte.<\/strong><\/p>\n<p>[12:12] <u>Dr. Sven Grampp<\/u>: Also ich kann ja jemandem wie Herrn Kowalski kaum widersprechen, aber es widerspricht bisschen das, was ich im Archiv der ARD gefunden habe, n\u00e4mlich dass die Bildrechte tats\u00e4chlich dort angefragt worden sind und sie eigentlich prinzipiell es h\u00e4tten ausstrahlen k\u00f6nnen. Und sie haben es nicht gemacht und diese drei Sondersendungen, die waren ja auch &#8211; ich hab\u2019s ja mal kurz gesagt &#8211; 45 minuten, die zweite war eine Wiederholung, die Dritte war, glaube ich, nur 15 Minuten. Also sie haben dar\u00fcber berichtet, aber nicht exorbitant, nicht besonders lange und haben dem entsprechend das Spektakel darum auch nicht als besonders gro\u00dfes Medienereignis in Szene gesetzt. Das ist mal das allererste. Und das n\u00e4chste ist ja, das es nat\u00fcrlich Nachtprogramm h\u00e4tte sein m\u00fcssen. Da ist schon lange Sendeschluss. W\u00e4re ja normalerweise in der ARD auch schon lange Sendeschluss gewesen, aber dort hat man es ja eben gro\u00df aufgezogen als gro\u00dfes Medienereignis und dementsprechend l\u00e4nger gesendet. Und dementsprechend behaupte ich mal, dass es auch einfach symbolische Politik ist. Es ist nicht so relevant, dass man da drauf bleibt, und ich meine, es gab erst sp\u00e4ter, also sp\u00e4ter hei\u00dft: Eine Woche, zwei Wochen sp\u00e4ter gab es auch Sondersendungen, nochmal extra \u00fcber diese \u201cApollo 11\u201d-Mission. Die ja vehement kritisch damit umgegangen sind. Also vehement kritisch im Sinne von: Welchen Sinn hat es \u00fcberhaupt, Menschen auf den Mond zu schicken? Man sollte doch sehr viel eher beispielsweise Raumstationen konstruieren und ins Weltall bringen, wie beispielsweise die UdSSR. Da sieht man immer wieder diese Gegen\u00fcberstellung. Also einerseits die UdSSR konzentriert sich auf Raumstationen und die USA konzentrieren sich darauf, eine bemannte Mondlandung zu machen, die eigentlich weltraumtechnisch nicht besonders sinnvoll ist. Also so war der Tenor. Und ich meine, es ist ja auch nicht v\u00f6llig verr\u00fcckt diese These.<\/p>\n<p>(&#8230;)<\/p>\n<\/blockquote>\n<p><\/div><\/div>\n<div style=\"height: 10px;\"><\/div>\n<hr \/>\n<div style=\"height: 5px;\"><\/div>\n<p><html><br \/>\n     <head><\/p>\n<style type=\"text\/css\">\n       body {\n                     background: #DADADA;\n       }\n      <\/style>\n<p>     <\/head><br \/>\n     <body><br \/>\n<\/body><br \/>\n    <\/html><br \/>\n<script src=\"https:\/\/apis.google.com\/js\/plusone.js\" type=\"text\/javascript\">\/\/ < ![CDATA[ {lang: 'de'} \/\/ ]]><\/script><br \/>\n<script src=\"http:\/\/twittercounter.com\/embed\/?username=medienmagazin&amp;style=avatar\" type=\"text\/javascript\"><\/script><\/p>\n<p><noscript><a href=\"http:\/\/twittercounter.com\/medienmagazin\">medienmagazin on Twitter Counter<\/a><\/noscript><\/p>\n<p><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>No audio playback capabilities, please download the audio belowDownload Audio: Closed Format: MP3 Was: Interview \u00fcber deutsch-deutsche Kosmos-Berichterstattung Wer: Dr. Sven Grampp, Akademischer Oberrat am Institut f\u00fcr Theater- und Medienwissenschaft an der Friedrich-Alexander-Universit\u00e4t Erlangen-N\u00fcrnberg Wann: rec.: 17.07.2019, 13:38 Uhr, gesendet in einer 7:20-Fassung im radioeins-Medienmagazin vom 20.07.2019, 18:44 Uhr und in einer 3:56-Fassung im rbb [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_monsterinsights_skip_tracking":false,"footnotes":""},"categories":[17],"tags":[1041,402,1042,944,936],"class_list":["post-43639","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aktuell","tag-apollo","tag-dff","tag-mond","tag-raumfahrt","tag-weltraum"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/43639","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=43639"}],"version-history":[{"count":14,"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/43639\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":45523,"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/43639\/revisions\/45523"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=43639"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=43639"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=43639"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}