{"id":47342,"date":"2020-06-27T18:48:20","date_gmt":"2020-06-27T16:48:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/?p=47342"},"modified":"2020-07-01T09:03:52","modified_gmt":"2020-07-01T07:03:52","slug":"wired-drug-war","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/?p=47342","title":{"rendered":"\u201cWired Drug War\u201d"},"content":{"rendered":"<p><figure id=\"attachment_47343\" aria-describedby=\"caption-attachment-47343\" style=\"width: 1100px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/uploads\/jaroschewski_julia_peteranderl_sonja_1100x619.jpg\" alt=\"\" width=\"1100\" height=\"619\" class=\"size-full wp-image-47343\" srcset=\"https:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/uploads\/jaroschewski_julia_peteranderl_sonja_1100x619.jpg 1100w, https:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/uploads\/jaroschewski_julia_peteranderl_sonja_1100x619-300x169.jpg 300w, https:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/uploads\/jaroschewski_julia_peteranderl_sonja_1100x619-768x432.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1100px) 100vw, 1100px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-47343\" class=\"wp-caption-text\">Julia Jaroschewski &#8211; Sonja Peteranderl | Foto: \u00a9 BuzzingCities Lab [M]<\/figcaption><\/figure><br \/>\n<span style=\"font-size: 11pt; font-family: tahoma,arial,helvetica,sans-serif;\"><\/p>\n<div style=\"height: 20px;\"><\/div>\n<div style=\"height: 20px;\"><\/div>\n <audio   controls > <source src=\"https:\/\/www.wwwagner.tv\/audio\/20200626_cyberkriminologie_jaroschewski_julia_peteranderl_sonja_128.mp3\" type='audio\/mpeg' \/> <object   type=\"application\/x-shockwave-flash\"  data=\"https:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/plugins\/wphtml5player\/inc\/flowplayer.swf\"  width=\"400\"  height=\"30\"> <param name=\"movie\" value='https:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/plugins\/wphtml5player\/inc\/flowplayer.swf' \/><param name=\"allowfullscreen\" value='false' \/><param name=\"cachebusting\" value='true' \/><param name=\"bgcolor\" value='#000000' \/><param name=\"flashvars\" value='config={\"plugins\":{\"controls\":{\"height\":30,\"autoHide\":false,\"fullscreen\":false}},\"clip\":{\"autoPlay\":false,\"url\":\"https:\\\/\\\/www.wwwagner.tv\\\/audio\\\/20200626_cyberkriminologie_jaroschewski_julia_peteranderl_sonja_128.mp3\"},\"playlist\":[{\"autoPlay\":false,\"url\":\"https:\\\/\\\/www.wwwagner.tv\\\/audio\\\/20200626_cyberkriminologie_jaroschewski_julia_peteranderl_sonja_128.mp3\"}],\"play\":{\"opacity\":0}}' \/>  No audio playback capabilities, please download the audio below<br \/><strong>Download Audio:<\/strong> Closed Format: <a href=\"https:\/\/www.wwwagner.tv\/audio\/20200626_cyberkriminologie_jaroschewski_julia_peteranderl_sonja_128.mp3\">MP3<\/a> <\/object> <!-- Generated by HTML5 Multimedia Framework (http:\/\/code.google.com\/p\/html5videoplayer) --> <\/audio>  \n<div style=\"height: 10px;\"><\/div>\n<p><u>Wer<\/u>:<br \/>\n* Julia Jaroschewski, Freie Auslandsjournalistin<br \/>\n* Sonja Peteranderl, SPIEGEL-Lateinamerika-Korrespondentin<br \/>\n* J\u00f6rg Wagner, Freier Medienjournalist<br \/>\n<u>Was<\/u>: VoIP-Interview \u00fcber das Kapitel \u201cWired Drug War\u201d im Buch \u201cCyberkrimonologie &#8211; Kriminologie f\u00fcr das digitale Zeitalter\u201d<br \/>\n<u>Wann<\/u>: rec.: 26.06.2020\/ca. 14:30 Uhr; ver\u00f6ffentlicht in einer 08:03-Minuten-Fassung am <a href=\"https:\/\/bit.ly\/2BWXcAd\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">27.06.2020<\/a>\/18:48 Uhr im radioeins-Medienmagazin, rbb und stark gek\u00fcrzt am 28.06.2020, 10:44\/17:44\/22:44 Uhr im rbb Inforadio<\/p>\n<div style=\"height: 10px;\"><\/div>\n<p><u>Vgl<\/u>.:<br \/>\n* \u201cWired Drug War\u201d im <a href=\"https:\/\/favelawatchblog.com\/2020\/05\/24\/cyberkriminologie-wired-drug-war-in-lateinamerika\/\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">favelawatchblog<\/a><br \/>\n* <a href=\"https:\/\/link.springer.com\/chapter\/10.1007\/978-3-658-28507-4_16\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">Buch<\/a> &#8222;Cyberkriminologie &#8211; Kriminologie f\u00fcr das digitale Zeitalter&#8220; mit dem Kapitel &#8222;Wired Drug War&#8220;<\/p>\n<div style=\"height: 20px;\"><\/div>\n<div id='stb-container-7278' class='stb-container-css stb-custom-container stb-no-caption stb-image-none stb-ltr stb-border stb-side'><aside class='stb-icon'><img src='http:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/plugins\/wp-special-textboxes\/themes\/stb-dark\/heart.png'><\/aside><div id='stb-box-7278' class='stb-custom_box stb-box' ><\/p>\n<p>(w\u00f6rtliches Transkript, H\u00f6rverst\u00e4ndnisfehler vorbehalten)<\/p>\n<div style=\"height: 20px;\"><\/div>\n<blockquote><p>\n[0:00] <u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: <strong>Sprechen wir \u00fcber Cyberkriminalit\u00e4t. Auch Gangs und Kartelle nutzen ja das Netz z. B. f\u00fcr Drogen- und Waffengesch\u00e4fte. Stichwort Darknet. Aber auch im ganz normalen sichtbaren und im zivilen Bereich wie bei \u201cfacebook\u201d, \u201ctwitter\u201d und \u201cinstagram\u201d ist man dort unterwegs. Und da wird es dann auch f\u00fcr das Medienmagazin interessant. Deswegen begr\u00fc\u00dfe ich Julia Jaroschewski und Sonja Peteranderl zugeschaltet, die beiden Auslandsjournalistinnen, die wir hier schon \u00f6fter, aber aus Brasilien <a href=\"https:\/\/bit.ly\/3ikUcOO\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">geschaltet<\/a> hatten, ganz speziell aus den Favelas. Jetzt geht es aber um Euer Buch. Es gibt n\u00e4mlich in dem k\u00fcrzlich erschienen Buch \u201cCyberkrimonologie &#8211; Kriminologie f\u00fcr das digitale Zeitalter\u201d erschienen im Springer-Verlag f\u00fcr Sozialwissenschaften, der jetzt nur noch kurz \u201cSpringer VS\u201d hei\u00dft, ein Kapitel von Euch mit der \u00dcberschrift: \u201cWired Drug War\u201d. Wie hoch verdrahtet ist denn dieser Wired Krieg, der Krieg \u00fcbers Internet bei \u201cfacebook\u201d, \u201ctwitter\u201d und \u201cinstagram\u201d und vielleicht auch noch mehr?<\/strong><\/p>\n<p>[0:55] <u>Sonja Peteranderl<\/u>: Das Internet hat sich in den letzten Jahren zu einem sehr wichtigen Schauplatz des Drogenkriegs entwickelt. Es ist so, dass Gangs und Kartelle einerseits mit Waffen und Drogen protzen, andererseits Videos zum Beispiel auf Youtube ver\u00f6ffentlichen, in dem sie ihre Rivalen foltern. Das hei\u00dft, das Internet oder soziale Netzwerke verwandeln sich in eine PR-Plattform, mit der die kriminellen Organisationen ihre eigenen Botschaften verbreiten k\u00f6nnen. Und das ist so, dass sie eben auch neue Plattformen f\u00fcr sich entdecken, also gerade ist das \u201cTikTok\u201d, also zumindest \u2026 zum Beispiel junge Mitglieder des Sinaloa-Kartells [Mexiko] filmen da ihre Drogenlieferungen wie Fentanyl, zeigen sozusagen diese Pakete oder wie sie Drogen abpacken oder pr\u00e4sentieren ihre neuen Waffen. <\/p>\n<p>[1:42] <u>Julia Jaroschewski<\/u>: Ja, man muss nat\u00fcrlich sagen, dass gerade in S\u00fcdamerika auch die Gangs und Kartelle schon lange online sind und waren. Die haben in Brasilien \u201corkut\u201d benutzt. Sie haben den \u201cmicrosoft messenger\u201d sehr gerne eingesetzt, um sich zu vernetzen, um ihre logistik zu organisieren und haben das nat\u00fcrlich \u00fcber die vergangenen Jahre stark professionalisiert, weil es ja unglaublich viele verschiedene Messenger gibt, mit unglaublich vielen guten Verschl\u00fcsselungen, was dazu gef\u00fchrt hat, dass einfach sich auch l\u00e4nder\u00fcbergreifend besser vernetzt werden konnte. Und ein wichtiger Faktor ist auch, dass Kartelle und Gangs ja nicht nur offline \u2026 also sozusagen au\u00dferhalb der Gef\u00e4ngnisse irgendwie auch agieren, sondern auch in geschlossenen R\u00e4umen. Und von dort aus kann man nat\u00fcrlich auch ganz wunderbar \u00fcber soziale Medien kommunizieren. <\/p>\n<p>[2:26] <u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: <strong>Nun habt Ihr mit Eurer Lateinamerika-Expertise sicherlich den Fokus auch bewusst gew\u00e4hlt in dieser Region, aber ist das tats\u00e4chlich ein lateinamerikanisches Thema oder global? Gibt es da bestimmte Hotspots? <\/strong><\/p>\n<p>[1:51] <u>Julia Jaroschewski<\/u>: Das ist nat\u00fcrlich ein globales Thema, aber warum Lateinamerika bei uns eine wichtige Rolle spielt, ist, weil wir einerseits, den Fokus haben als Produzenten-Regionen, also gerade S\u00fcdamerika und Brasilien, sind starke Produzentenl\u00e4nder. Also da wird aus S\u00fcdamerika Richtung Europa und in die USA verschifft, auf der anderen Seite haben wir auf dem s\u00fcdamerikanischen Kontinent Brasilien als Konsumenten-Land auch und die Bev\u00f6lkerungsgruppen, beispielsweise in Brasilien, aber auch in Mexiko sind sehr stark internetaffin. Das hei\u00dft, sie sind seit Anbeginn immer auch in sozialen Medien aktiv gewesen. Und wenn man genau diese beiden Aspekt zusammenbringt, ja wir haben einerseits Produzenten-Regionen von Drogen, wir haben eine starke Kriminalit\u00e4t, wir haben Waffenhandel, wir haben Menschenhandel und wir haben gleichzeitig eine Bev\u00f6lkerung, die sehr stark online ist. Wenn man das beides zusammenbringt, entwickelt sich nat\u00fcrlich dieser neue Fokus so insbesondere bei unserem Thema. <\/p>\n<p>[3:36] <u>Sonja Peteranderl<\/u>: Und in Mexiko ist es zum Beispiel so, dass das Land \u00fcber mehrere gro\u00dfe Kartelle, die sehr stark professionalisiert sind, verf\u00fcgt und nat\u00fcrlich auch sehr viel Geld haben und die in der Vergangenheit nat\u00fcrlich auch im gro\u00dfen Stil Regierungssoldaten entweder bestochen oder tats\u00e4chlich angeworben haben oder auch Hacker zum Beispiel dazu gezwungen haben, Jobs f\u00fcr sie zu erledigen. Das hei\u00dft, das ist nicht so, dass sie sich die ganze Expertise selber drauf schaffen m\u00fcssen, sondern sie k\u00f6nnen tats\u00e4chlich auch spezialisierte IT-Einheiten oder -Experten rekrutieren. <\/p>\n<p>[4:09] <u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: <strong>Inwieweit hat denn die Corona-Krise diesen Effekt noch verst\u00e4rkt? Also dieses Konzentrieren auf Cyber-Kriminalit\u00e4t?<\/strong><\/p>\n<p>[4:18] <u>Sonja Peteranderl<\/u>: Was man sehen kann, ist also, dass die Gangs sowohl in Zentralamerika, aber zum Beispiel auch in Mexiko und in Brasilien soziale Netzwerke nutzen, um PR zu machen in ihrem Sinne. Das hei\u00dft, sie verbreiten entweder \u00fcber Messenger beziehungsweise auch \u00fcber \u201ctwitter\u201d, \u00fcber andere Kan\u00e4le Anweisungen an die Bev\u00f6lkerung zu Hause zu bleiben und bedrohen die Leute auch, dass sie Ma\u00dfnahmen ergreifen werden, also wenn die Bewohner sich sozusagen dem widersetzen. Das hei\u00dft, sie demonstrieren damit noch mal ihre St\u00e4rke, also auch im Kontrast zum Staat und sie zeigen auch zum Beispiel in Videos, wie sie Lebensmittelpakete oder Desinfektionsmittel verteilen. Das hei\u00dft, das sind so ganz starke Image-Kampagnen, die digital unterst\u00fctzt werden. <\/p>\n<p>[5:06] <u>Julia Jaroschewski<\/u>: Wenn wir da einmal noch darauf schauen, sozusagen auf die Struktur irgendwie auch der politischen Organisation, ist es ja so, dass gerade in Rio beispielsweise auch in den Favelas, die Polizei und auch die Politik versucht hat, im Endeffekt die Corona-Regeln durchzusetzen, also zu sagen: wir haben relativ schnell einen lockdown gehabt. Die Menschen m\u00fcssen Masken tragen. Sie sollen Abstandsregeln einhalten. Sie d\u00fcrfen nicht mehr arbeiten gehen. Was im Endeffekt aber erstmal zu der Situation gef\u00fchrt hat, das insbesondere in den Favelas beispielsweise die Menschen, ihre Jobs verloren haben und damit viel st\u00e4rker auf beengten Raum, in ihrem kleinen Wohnung gesessen haben und der Kontakt viel gr\u00f6\u00dfer war. Man hatte also Infektionsherde in den Favelas von vornherein und die Menschen haben sich gar nicht an die Regeln gehalten. Durch die starke Vernetzung eben auch der Gangs und Kartelle mit ihren &#8211; ja ich sage mal jetzt &#8211; ihren Bewohnern in den entsprechenden Favelas hat es dazu gef\u00fchrt, dass sie ihre Macht eben besser ausbauen konnten, weil sie tats\u00e4chlich direkt kommuniziert haben \u00fcber soziale Medien ja. Das hei\u00dft, die Kartelle und die Gangs haben einen viel st\u00e4rkeren politischen Einfluss gehabt, als die Politik vom Staat es h\u00e4tte haben k\u00f6nnen und haben eben Online-Kan\u00e4le genutzt. Da wurden ganz stark \u00fcber \u201cwhatsapp\u201d beispielsweise, \u00fcber \u201cTelegram\u201d-Messenger wurden wirklich t\u00e4glich Audios geschickt oder bestimmte kleine Fotos oder Schildchen, auf denen drauf stand: So ab heute abend 20 Uhr k\u00f6nnt Ihr nicht mehr rausgehen. Bitte setzt eure Masken auf. Es sind auch keine Restaurants mehr erlaubt, es sind keine Bars mehr erlaubt und wer sich dem widersetzt, dem werden wir schon unsere Kontrolle zeigen. <\/p>\n<p>[6:34] <u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: <strong>Aber was bedeutet das f\u00fcr Euch als Journalistinnen? Wie recherchiert man konkret also diese kriminellen Trends und Profile, ohne dass man selber dabei gesehen wird?<\/strong><\/p>\n<p>[6:45] <u>Sonja Peteranderl<\/u>: Also, da muss man nat\u00fcrlich unterscheiden zwischen Plattformen, die \u00f6ffentlich zug\u00e4nglich sind und Plattformen, die geschlossen sind. Fr\u00fcher war es so, dass die mexikanischen Kartelle zum Beispiel ihre Drohungen unter Blogs \u2026 also in Blog-Eintr\u00e4ge geschrieben haben oder auch Plattformen wie Blogs oder \u00f6ffentliche \u201ctwitter\u201d-Kan\u00e4le dazu genutzt haben, um ihre Botschaften und Videos zum Beispiel zu verbreiten. Das ist nat\u00fcrlich was anderes, wenn es um geschlossenere Gruppen wie \u201cwhatsapp\u201d oder so geht. Das ist es dann schwieriger, hinein zu gucken. Und auch bei \u201cfacebook\u201d ist einfach so, dass man sich nat\u00fcrlich verschiedene Profile zulegt, mit dem man recherchiert, wenn man sich nicht unbedingt mit seinem pers\u00f6nlichen Profil mit denen vernetzen m\u00f6chte, weil es zum Beispiel auch neue Formen gibt, wie digitales Kidnapping. Das hei\u00dft, Gangs und Kartelle nutzen nat\u00fcrlich dann zum Beispiel auch \u201cfacebook\u201d selbst als Informationsquelle, um relevante Informationen zum Umfeld oder Aufenthaltsort oder m\u00f6glichen Schwachstellen von Journalisten raus zu recherchieren oder nat\u00fcrlich auch von ganz normalen B\u00fcrgern. <\/p>\n<p>[7:50] <u>Julia Jaroschewski<\/u>: Grunds\u00e4tzlich muss man aber nat\u00fcrlich sagen, bringt es \u00fcberhaupt nichts oder sagen wir, ist man weniger erfolgreich, wenn man allein digital und online arbeitet, also gerade in dem Bereich, wo es um organisierte, schwere Kriminalit\u00e4t geht, ist es wichtig und eine Voraussetzung, dass man sich lokal auch auskennt, dass man wei\u00df, wovon man redet, wie die entsprechenden Codew\u00f6rter sind, wer sind die entsprechenden Drogenkartelle und die lokalen Drogen-Kingpins sozusagen. Das hei\u00dft, all das muss man wissen, um dann online auch gezielt recherchieren und arbeiten zu k\u00f6nnen und da eben nicht auch mit den falschen Menschen zu reden oder aber eben die richtigen aus den ganzen Fake-Profilen herauszufinden, die nat\u00fcrlich auch viel st\u00e4rker sich jetzt verbreiten. <\/p>\n<p>[8:28] <u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: <strong>Man kennt diesen Spruch, Verbrecher sind der Polizei immer einen Schritt voraus. Inwieweit stimmt er in diesem Fall und wenn ja, wie gro\u00df ist der Schritt?<\/strong><\/p>\n<p>[8:36] <u>Sonja Peteranderl<\/u>: In der Fr\u00fchzeit also des Socialmedia-Booms, also \u201ctwitter\u201d, \u201cfacebook\u201d und so weiter und so fort, konnte man schon sehen, dass die Gang-Mitglieder da relativ ungest\u00f6rt und auch sehr freiz\u00fcgig unterwegs waren. Das hei\u00dft, sie haben sich mit ihren Waffen gezeigt, hatten zum Teil ihre Klarnamen noch verwendet und konnten da ungest\u00f6rt quasi aktiv sein. Dann gab es aber verschiedene take downs. Die Ermittler haben nat\u00fcrlich auch aufgestockt und was dazu gef\u00fchrt hat, dass die Kartellmitglieder vorsichtiger geworden sind mittlerweile. <\/p>\n<p>[9:10] <u>Julia Jaroschewski<\/u>: Also man muss sagen, nat\u00fcrlich sind die Sicherheitskr\u00e4fte in S\u00fcdamerika und auch beispielsweise in Brasilien mittlerweile wirklich stark online. Die recherchieren denen hinterher. Wir haben hier in Europa und in Deutschland nochmal eine andere Situation, weil wir hier viel st\u00e4rkere Datenschutzrichtlinien haben, ja, wo man als Polizei, jetzt nicht so einfach auf sozialen Medien recherchieren kann: Das ist in Brasilien beispielsweise noch mal anders. Aber grunds\u00e4tzlich muss man nat\u00fcrlich wissen, dass die ganze Online-Kommunikation, der \u201cdigital war\u201d, dass es auch dazu f\u00fchrt, dass Kartelle und Kriminelle grunds\u00e4tzlich viel besser st\u00e4rker online vernetzt sind. Das hei\u00dft, sie sind grenz\u00fcberschreitend miteinander vernetzt. Und da, wenn wir sagen, als Gegenspieler haben wir sozusagen mal die lokale Polizei der einzelnen L\u00e4nder, die sind nicht so gut organisiert. Also es ist auch nicht so, dass sie mittlerweile in allen L\u00e4ndern vom Wissen her und vom Gebrauch von Online-Medien soweit aufgestockt haben, dass sie gut miteinander kooperieren k\u00f6nnten. Klar, es gibt Interpol. Es gibt internationale Polizei-Operationen. Trotz alledem stecken dahinter immer sehr viel mehr Rechte und Richtlinien, so dass man potenziell als Krimineller immer schneller sein kann. Man kann sich diverse Burner Phones kaufen, man kann sich sehr viele Profile irgendwie zulegen. Und da kann man einfach schneller miteinander kommunizieren. <\/p>\n<p>[10:20] <u>Sonja Peteranderl<\/u>: Und es geht eben bei der Digitalisierung nicht nur ums Internet, sondern man sollte nicht vergessen, dass sie versuchen, sozusagen generell mit Technologien zu experimentieren. Vorangetrieben wird es nat\u00fcrlich auch dadurch, dass viele Mitglieder der Drogengangs extrem jung sind. Und das ist halt vor allem diese Generation der digital natives, die dann eben versuchen, erstmal Drohnen-Ladungen zu fliegen oder Drohnen sozusagen als \u00dcberwachungskameras zu nutzen aus der Luft und sp\u00e4ter wird es dann \u00fcbernommen. <\/p>\n<p>[10:47] <u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: <strong>Die wichtigste Empfehlungen aus Eurer Buchrecherche f\u00fcr die Cyberkriminologen, wo muss unbedingt nachger\u00fcstet werden?<\/strong><\/p>\n<p>[10:55] <u>Sonja Peteranderl<\/u>: Naja, es ist halt einfach ein ungleiches Verh\u00e4ltnis, also wenn man sich sozusagen Ressourcen also wie im Fall von Mexiko ansieht, die der Polizei zur Verf\u00fcgung stehen zur Bek\u00e4mpfung von Kriminalit\u00e4t und andererseits eben diese Struktur, die Kartelle aufbringen k\u00f6nnen. Grunds\u00e4tzlich ist es nat\u00fcrlich immer eine gute Idee, wenn man auch genug Nachwuchs hat auf Ermittlerseite, Nachwuchs, der sich sozusagen auch mit dem Internet oder mit Digitalisierung auskennt und der fit ist. Und das sieht man ja auch bei der deutschen Polizei, das es einfach sehr gro\u00dfe Rekrutierungsprobleme gibt, weil die Experten, die sich sozusagen auskennen mit IT, mit Digitalisierung dann vielleicht doch eher in der freien Wirtschaft arbeiten, weil die Geh\u00e4lter und die Bedingungen viel besser sind und auch vielleicht die Beh\u00f6rdenstruktur nicht ganz so attraktiv erscheint.<\/p>\n<p>[11:44] <u>Julia Jaroschewski<\/u>: Grunds\u00e4tzlich muss man nat\u00fcrlich sagen, dass unser Datenschutz und unsere Richtlinien hier schon relevant sind und dass wir froh dar\u00fcber sein k\u00f6nnen, dass wir das haben, aber tats\u00e4chlich ist es so, dass die Ausbildung im Digitalen und wie ja gerade schon gesagt wurde im IT-Bereiche stark noch nachbesserungsw\u00fcrdig ist und grunds\u00e4tzlich tats\u00e4chlich auch die internationale Kooperation w\u00fcrde weiterhelfen.<\/p>\n<p>[12:04] <u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: <strong>Was kann man als normale Nutzerin, als konventioneller Nutzer tun? Ich meine, ich hab\u2019 schon vorhin heraus geh\u00f6rt, man sollte bei \u201cfacebook\u201d nicht unbedingt posten, wann man seine Wohnung verl\u00e4sst zwecks Urlaub, aber hier geht es ja direkt um Cyberkriminologie im Rauschgift- und Waffenmillieu, das tangiert uns doch eigentlich nicht, oder doch?<\/strong><\/p>\n<p>[12:59] <u>Sonja Peteranderl<\/u>: Es kann nat\u00fcrlich sein, dass man schon \u00fcber Gewaltvideos stolpert, sozusagen per YouTube-Algorithmen oder \u201cfacebook\u201d oder wie auch immer, dann k\u00f6nnte man sich als Nutzer nat\u00fcrlich \u00fcberlegen, ob man die meldet. Trotz automatischer Filtersysteme ist es nat\u00fcrlich so, dass viele Videos also gerade aus Lateinamerika dann doch l\u00e4nger online stehen. Und dass Nutzer dann sozusagen von Videos \u00fcberrascht werden, bei denen Kartelle ihren Rivalen die Kehle durchs\u00e4gen oder die ja verbluten lassen. <\/p>\n<p>[13:00] <u>Julia Jaroschewski<\/u>: Und was man nicht vergessen darf, wenn man sich tats\u00e4chlich also jetzt sagen wir mal mal nicht unbedingt in Deutschland aufh\u00e4lt, aber irgendwo in S\u00fcdamerika und potenziell eine Straftat sieht, sei es jetzt eben nicht nur im Drogenhandel, sondern wirklich einen Mord und das irgendwie kommuniziert, dann sollte man ganz stark aufpassen, wie man das macht, weil nat\u00fcrlich aufgrund der starken Digitalisierung auch die Gangs und die Kartelle dann potenziell nachverfolgen k\u00f6nnen, wer derjenige war, der das Ganze bei der Polizei angezeigt hat. Das hei\u00dft, da sollte man schon ganz stark darauf achten, welche sozialen Medien nutze ich, um anonym eine Straftat zu melden. Und das gibt es tats\u00e4chlich. Das gibt es in vielen s\u00fcdamerikanischen L\u00e4ndern. In Brasilien hei\u00dft das \u201cDisque den\u00fancia\u201d, wo man \u00fcber ganz viele Kan\u00e4le sei, es \u201cwhatsapp\u201d, \u201cTelegram\u201d, Telefon klassisch, wirklich anonym Straftaten melden kann und damit zur Aufkl\u00e4rung beitr\u00e4gt und damit sich aber eben auch selbst sch\u00fctzt, indem man das, was passiert ist, potenziell mit Video und Audio weitergibt, aber bei seinem Telefon nicht lokal speichert.<\/p>\n<p>[13:57] <u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: <strong>Julia Jaroschewski und Sonja Peteranderl, die auch als Auslandsjournalistinnen unter favelawatchblog.com reglm\u00e4\u00dfig posten, auch ihr Kapitel im Sammelband zu \u201cCyberkrimonologie &#8211; Kriminologie f\u00fcr das digitale Zeitalter\u201d, erschienen bei \u201cSpringer VS\u201d k\u00fcrzlich. Vielen Dank, dass Ihr uns sozusagen akustisch dieses Kapitel ein bisschen n\u00e4her gebracht habt und dann toi, toi, toi bei Euren weiteren Recherchen!<\/strong><\/p>\n<p>[14:23] <u>Julia Jaroschewski<\/u>: Danke.<br \/>\n[14:23] <u>Sonja Peteranderl<\/u>: Danke.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p><\/div><\/div>\n<div style=\"height: 30px;\"><\/div>\n<hr \/>\n<div style=\"height: 5px;\"><\/div>\n<p><html><br \/>\n     <head><\/p>\n<style type=\"text\/css\">\n       body {\n                     background: #DADADA;\n       }\n      <\/style>\n<p>     <\/head><br \/>\n     <body><br \/>\n<\/body><br \/>\n    <\/html><br \/>\n<script src=\"https:\/\/apis.google.com\/js\/plusone.js\" type=\"text\/javascript\">\/\/ < ![CDATA[ {lang: 'de'} \/\/ ]]><\/script><br \/>\n<script src=\"http:\/\/twittercounter.com\/embed\/?username=medienmagazin&amp;style=avatar\" type=\"text\/javascript\"><\/script><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>No audio playback capabilities, please download the audio belowDownload Audio: Closed Format: MP3 Wer: * Julia Jaroschewski, Freie Auslandsjournalistin * Sonja Peteranderl, SPIEGEL-Lateinamerika-Korrespondentin * J\u00f6rg Wagner, Freier Medienjournalist Was: VoIP-Interview \u00fcber das Kapitel \u201cWired Drug War\u201d im Buch \u201cCyberkrimonologie &#8211; Kriminologie f\u00fcr das digitale Zeitalter\u201d Wann: rec.: 26.06.2020\/ca. 14:30 Uhr; ver\u00f6ffentlicht in einer 08:03-Minuten-Fassung am [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"footnotes":""},"categories":[17],"tags":[107,1177,1174,68,1175,1176,1173,83,1178],"class_list":["post-47342","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aktuell","tag-brasilien","tag-drogen","tag-gangs","tag-internet","tag-kartelle","tag-messenger","tag-mexiko","tag-social-media","tag-waffen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/47342","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=47342"}],"version-history":[{"count":14,"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/47342\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":47360,"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/47342\/revisions\/47360"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=47342"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=47342"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=47342"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}