{"id":47365,"date":"2020-06-27T18:12:50","date_gmt":"2020-06-27T16:12:50","guid":{"rendered":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/?p=47365"},"modified":"2020-07-05T07:14:12","modified_gmt":"2020-07-05T05:14:12","slug":"47365","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/?p=47365","title":{"rendered":"Gender Pay Gap? &#8211; Der Fall &#8222;Birte Meier&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><figure id=\"attachment_47366\" aria-describedby=\"caption-attachment-47366\" style=\"width: 1100px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/uploads\/generpaygap_zdf_1100\u00d7546.jpg\" alt=\"\" width=\"1100\" height=\"546\" class=\"size-full wp-image-47366\" srcset=\"https:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/uploads\/generpaygap_zdf_1100\u00d7546.jpg 1100w, https:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/uploads\/generpaygap_zdf_1100\u00d7546-300x149.jpg 300w, https:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/uploads\/generpaygap_zdf_1100\u00d7546-768x381.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1100px) 100vw, 1100px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-47366\" class=\"wp-caption-text\">Logorechte: ZDF<\/figcaption><\/figure><br \/>\n<span style=\"font-size: 11pt; font-family: tahoma,arial,helvetica,sans-serif;\"><\/p>\n<div style=\"height: 20px;\"><\/div>\n<div style=\"height: 20px;\"><\/div>\n<p> <audio   controls > <source src=\"http:\/\/www.wwwagner.tv\/audio\/mm20200627_1.mp3\" type='audio\/mpeg' \/> <object   type=\"application\/x-shockwave-flash\"  data=\"https:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/plugins\/wphtml5player\/inc\/flowplayer.swf\"  width=\"400\"  height=\"30\"> <param name=\"movie\" value='https:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/plugins\/wphtml5player\/inc\/flowplayer.swf' \/><param name=\"allowfullscreen\" value='false' \/><param name=\"cachebusting\" value='true' \/><param name=\"bgcolor\" value='#000000' \/><param name=\"flashvars\" value='config={\"plugins\":{\"controls\":{\"height\":30,\"autoHide\":false,\"fullscreen\":false}},\"clip\":{\"autoPlay\":false,\"url\":\"http:\\\/\\\/www.wwwagner.tv\\\/audio\\\/mm20200627_1.mp3\"},\"playlist\":[{\"autoPlay\":false,\"url\":\"http:\\\/\\\/www.wwwagner.tv\\\/audio\\\/mm20200627_1.mp3\"}],\"play\":{\"opacity\":0}}' \/>  No audio playback capabilities, please download the audio below<br \/><strong>Download Audio:<\/strong> Closed Format: <a href=\"http:\/\/www.wwwagner.tv\/audio\/mm20200627_1.mp3\">MP3<\/a> <\/object> <!-- Generated by HTML5 Multimedia Framework (http:\/\/code.google.com\/p\/html5videoplayer) --> <\/audio>  <br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.wwwagner.tv\/audio\/mm20200627_1.mp3\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Download<\/a><\/p>\n<div style=\"height: 10px;\"><\/div>\n<p><u>Wer<\/u>:<br \/>\n* Prof. Dr. Nora Markard, Juristin, Uni M\u00fcnster und Vorstandsmitglied der Gesellschaft f\u00fcr Freiheitsrechte, die Birte Meier ber\u00e4t<br \/>\n* Daniel Bouhs, Freier Medienjournalist<br \/>\n* J\u00f6rg Wager, Freier Medienjournalist<br \/>\n<u>Was<\/u>: VoIP-Interview \u00fcber die Klage der ZDF-Journalistin Birte Meier gegen das ZDF wegen geschlechterdiskriminierender Bezahlung<br \/>\n<u>Wann<\/u>: 27.06.2020, 18:12 Uhr im radioeins-Medienmagazin, rbb und stark gek\u00fcrzt am 28.06.2020, 10:44\/17:44\/22:44 Uhr im rbb Inforadio<\/p>\n<div style=\"height: 10px;\"><\/div>\n<p><u>Vgl<\/u>.:<br \/>\n* &#8222;Teilerfolg f\u00fcr ZDF-Redakteurin, taz, <a href=\"https:\/\/taz.de\/Teilerfolg-fuer-ZDF-Redakteurin\/!5697213\/\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">25.06.2020<\/a><br \/>\n* Pressemitteilung Gesellschaft f\u00fcr Freiheitsrechte, <a href=\"https:\/\/freiheitsrechte.org\/pm-equalpay-revision-erfolgreich\/\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">25.06.2020<\/a><\/p>\n<div style=\"height: 20px;\"><\/div>\n<div id='stb-container-2070' class='stb-container-css stb-custom-container stb-no-caption stb-image-none stb-ltr stb-border stb-side'><aside class='stb-icon'><img src='http:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/plugins\/wp-special-textboxes\/themes\/stb-dark\/heart.png'><\/aside><div id='stb-box-2070' class='stb-custom_box stb-box' ><\/p>\n<p>(w\u00f6rtliches Transkript, H\u00f6rverst\u00e4ndnisfehler vorbehalten)<\/p>\n<div style=\"height: 20px;\"><\/div>\n<blockquote><p>\n[00:00:00] <u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: <strong>Versuchen wir noch mal kurz aufzuarbeiten, was in den letzten Jahren passiert ist. Die ZDF-Journalistin Birte Meier, bisher als sogenannte Festfreie f\u00fcr das Investigativ-Magazin Frontal 21 t\u00e4tig, bemerkte, dass ihre m\u00e4nnlichen Kollegen f\u00fcr dieselbe Arbeit besser bezahlt werden. Seit 2015 geht sie juristisch gegen ihren Arbeitgeber ZDF vor und fordert unter dem Thema Lohngerechtigkeit eine vergleichbare Bezahlung. Das ZDF ist der Auffassung, dass hier mit unterschiedlichem Ma\u00df T\u00e4tigkeiten verglichen werden, weil auch Dienstjahre mit eine Rolle spielen. Ung\u00fcnstig f\u00fcr die Kollegin: Geh\u00e4lter und Honorare von Kollegen sind nicht wirklich transparent und daher nicht gerichtsfest nachzuweisen. 2017 unterlag Birte Meier vor dem Arbeitsgericht. Habe ich das &#8230; und damit herzlich willkommen Prof. Nora Markard, sie ist Juristin an der Uni M\u00fcnster und Vorstandsmitglied der Gesellschaft f\u00fcr Freiheitsrechte, die inzwischen Birte Meier ber\u00e4t &#8230; ist denn das in K\u00fcrze von mir richtig zusammengefasst worden?<\/strong> <\/p>\n<p>[00:01:00] <u>Prof. Dr. Nora Markard<\/u>: Ja, genau das ist richtig zusammengefasst worden. Sie haben jetzt schon die Entscheidung des Arbeitsgerichts Berlin angesprochen, 2017. Es gab da noch die Entscheidung des Landesarbeitsgerichts Berlin-Brandenburg 20 &#8230;9, also jetzt hier, im Februar. Entschuldigung. Und jetzt waren wir eben schon leider daran gew\u00f6hnt, dass es sehr, sehr schwierig ist, das Recht auf Entgeltgleichheit in Deutschland durchzusetzen. Und umso mehr haben wir uns dann gefreut \u00fcber den wirklich gro\u00dfen Sieg vor dem Bundesarbeitsgericht. <\/p>\n<p>[00:01:28] <u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: <strong>&#8230; [das Urteil], das in dieser Woche verk\u00fcndet wurde. Vielleicht k\u00f6nnen Sie das ganz kurz mal aufdr\u00f6seln, was das konkret nun f\u00fcr Kollegin Meier bedeutet?<\/strong> <\/p>\n<p>[00:01:37] <u>Prof. Dr. Nora Markard<\/u>: Ja, also das geht hier erst einmal um das neue Gesetz, das erlassen worden ist, um das Problem der Entgelt-Ungleichheit anzugehen. Frauen, die zum Beispiel den Verdacht haben, dass die M\u00e4nner m\u00f6glicherweise mehr verdienen, haben bei der Frage, ob sie sich auf ihr Recht, gleich bezahlt zu werden, berufen k\u00f6nnen, mit drei H\u00fcrden zu tun. Das erste, die erste H\u00fcrde ist Sie wissen meistens gar nicht, was die Kollegen verdienen. Die zweite H\u00fcrde ist sie m\u00fcssen dann beweisen, dass das Geschlechtsdiskriminierung ist, wenn die mehr verdienen. Und das Dritte ist nat\u00fcrlich immer, dass es die Gefahr von Sanktionen durch den Arbeitgeber gibt, obwohl das eigentlich verboten ist. Und das Entgelttransparenzgesetz, was jetzt neu in Kraft getreten ist, auch eben w\u00e4hrend dieses Prozesses erst in Kraft getreten ist, das widmet sich quasi dieser ersten H\u00fcrde, n\u00e4mlich zu wissen, was die Kollegen eigentlich verdienen. Und da gibt es ja oft so Schweigeklauseln in den Vertr\u00e4gen und so weiter. <\/p>\n<p>[00:02:24] <u>Daniel Bouhs<\/u>: <strong>Ich finde es ja immer bemerkenswert, wenn jemand, gerade auch Freiberuflerin oder Freiberufler, so einen langen juristischen Weg auf sich nehmen. Das waren ja drei Etappen grob. Dann hei\u00dft es auch gleich: Das ist dann ein Grundsatzurteil. Inwiefern l\u00e4sst sich das, was die Kollegen f\u00fcr sich pers\u00f6nlich erstritten hat, denn auf die vielen sogenannten festenfreien Mitarbeitenden bei den \u00f6ffentlich-rechtlichen Sendern \u00fcbertragen, die unter einen Tarifvertrag f\u00fcr arbeitnehmer\u00e4hnliche Besch\u00e4ftigte fallen?<\/strong> <\/p>\n<p>[00:02:52] <u>Prof. Dr. Nora Markard<\/u>: Ja, die arbeitnehmer\u00e4hnlich Besch\u00e4ftigten &#8211; das ist eben so eine Unterscheidung, die gibt es in Deutschland. Die ist aber jetzt europarechtlich eigentlich nicht relevant. Und diese Regelungen, \u00fcber die wir jetzt sprechen, die setzen alle europarechtlichen Vorgaben zum Antidiskriminierungsrecht um. Darauf hat sich das Bundesarbeitsgericht auch gest\u00fctzt. Und quasi der gro\u00dfe Durchbruch ist jetzt, dass sich arbeitnehmer\u00e4hnliche Besch\u00e4ftigte, wie diese ganzen Festfreien &#8211; das ZDF und auch andere Anstalten im \u00f6ffentlichen Rundfunk und so weiter haben ganz, ganz viele nicht quasi Arbeitnehmer*innen, sondern dann eben Festfreie, die oft auch unbefristet besch\u00e4ftigt sind &#8211; die k\u00f6nnen sich jetzt alle darauf berufen. Und wenn man jetzt z. B. das ZDF sich wieder anschaut, der Gleichstellungsbericht erfasst z. B. diese Festfreien gar nicht. Da gibt es noch gr\u00f6\u00dfere Lohnintransparenz als bei den Festangestellten. Und jetzt k\u00f6nnen die sich erstmals eben auf diesen Auskunftsanspruch nach dem Entgelttransparenzgesetz berufen und zumindest diesen Mittelwert, also den Median der Geh\u00e4lter der Kollegen, die die gleiche Arbeit machen, im anderen Geschlecht den erfragen. <\/p>\n<p>[00:03:53] <u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: <strong>Helfen Sie mir weiter, ohne jetzt auch eine gerichtliche Beurteilung vorwegzunehmen. Aber wenn es jetzt erst sozusagen m\u00f6glich ist, transparent Einblick in Geh\u00e4lter zu nehmen, wieso sind Sie sich so sicher, zusammen mit Birte Meier, hier ungerecht bezahlt worden zu sein? <\/strong><\/p>\n<p>[00:04:09] <u>Prof. Dr. Nora Markard<\/u>: Ja, das ist nat\u00fcrlich der Vorteil, wenn man mit einer Investigativejournalistin als Kl\u00e4gerin zusammenarbeitet. Die hat nat\u00fcrlich sehr viele Informationen informell in Erfahrung gebracht. Das Problem ist, mit informellen Informationen kann man seine Klage nicht beziffern. Man muss ja immer sagen, was man eigentlich genau haben will. Und deswegen hatte sie urspr\u00fcnglich eben auf Auskunft und dann eben in der zweiten Stufe, wenn sie die Auskunft hat, dann auf entsprechende gleiche Bezahlung geklagt. Und der Entgelttransparenzgesetz-Auskunftsanspruch, der ist ja dann erst nachtr\u00e4glich dazugekommen. Und dass wir auch sicher sind, dass sie zu Unrecht ungleich bezahlt wird, das liegt daran, dass die Begr\u00fcndungen, die das ZDF da so vorgebracht hat, einfach vorne und hinten nicht zusammenpassen. Das haut immer hin, wenn man sich eine Person anguckt. Wenn man aber dann die anderen M\u00e4nner dazu nimmt, dann sieht man: Wieso? Aber Moment mal, der ist doch auch schon l\u00e4nger da. Warum hat der denn irgendwie so &#8230; und das passt doch gar nicht und der ist schon f\u00fcnf Jahre l\u00e4nger und nur sechs Monate. Warum verdienen die beide viel mehr? Das m\u00fcsste doch eigentlich abnehmen und so. Also das sind &#8230; da ergibt sich sozusagen kein transparentes Bild, sondern es kommt eigentlich immer nur raus: Die verdienen alle mehr. Und es ist eigentlich nicht so richtig nachvollziehbar, nach welchem System das angeblich gehen soll. <\/p>\n<p>[00:05:23] <u>Daniel Bouhs<\/u>: <strong>Ein Punkt, den Sie auch noch kritisiert haben &#8211; Stichwort Sanktionen des Arbeitgebers &#8211; war, Birte Meier wird jetzt versetzt von Frontal 21 in Berlin zur Zentrale des ZDF in Mainz. Nun muss man aber ja auch sagen, Birte Meier war, man kann das ja auch verstehen nach all dem Kampf, den sie so neben ihrer eigentlichen Arbeit durchfechten musste, auch ein paar Monate freiwillig gar nicht im Dienst, sondern mit einem Stipendium in den USA. Und im Arbeitsvertrag hatte das ZDF stets den <em>&#8222;Dienstsitz Mainz&#8220;<\/em> festgehalten. Ein Sprecher sagt dann auch vom ZDF, <em>&#8222;Frau Meier&#8220;<\/em> habe <em>&#8222;einen Vertrag als Redakteurin mit dem ZDF am Einsatzort Mainz. Der Einsatz ihrer bisherigen Redaktion war nur befristet vereinbart. Nachdem sie auf eigenen Wunsch auf die Dauer von sechs Monaten freigestellt worden&#8220;<\/em> sei, habe <em>&#8222;das ZDF einen Einsatz in der profilierten Investigativdoku-Redaktion ZDF Zoom&#8220;<\/em> ihr <em>&#8222;angeboten. Dieses Angebot&#8220;<\/em> habe <em>&#8222;Frau Meier nicht angenommen. Das ZDF&#8220;<\/em> werde <em>&#8222;ihr daher bis auf weiteres Auftr\u00e4ge im Programm Bereich, Info, Gesellschaft und Leben anbieten&#8220;<\/em>, womit auch vermutlich ja eher Dokus gemeint sind. Ist denn zumindest hier der Alarmismus nicht auch ein bisschen konstruiert?<\/strong> <\/p>\n<p>[00:06:32] <u>Prof. Dr. Nora Markard<\/u>: Also, ich bin jetzt ein bisschen \u00fcberrascht, ehrlich gesagt, dass das ZDF sich so ausf\u00fchrlich \u00fcber interne Details der Versetzung \u00e4u\u00dfert. Die Kl\u00e4gerin hat sich da bisher immer konsequent an ihre Vertraulichkeitsverpflichtungen gehalten. Ich k\u00f6nnte dazu jetzt so einiges sagen. Ich w\u00fcrde mich da aber ganz gerne weiter zur\u00fcckhalten, weil ich das eigentlich auch richtig finde, dass man jetzt nicht die Einzelheiten diskutiert. Vielleicht nur so viel dazu. <\/p>\n<p>[00:06:53] <u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: <strong>Aber Sie haben schon von <a href=\"https:\/\/freiheitsrechte.org\/pm-equalpay-revision-erfolgreich\/\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">&#8222;Schikane&#8220;<\/a> gesprochen und m\u00fcssen das ja auch irgendwie begr\u00fcnden. <\/strong><\/p>\n<p>[00:06:56] <u>Prof. Dr. Nora Markard<\/u>: Lassen Sie mich zwei, drei Worte dazu sagen. Erst mal kann man sich schon fragen, warum man einer Leistungstr\u00e4gerin wie Birte Meier, die drei Preise gewonnen hat f\u00fcr die Redaktion eigentlich aus der Redaktion Frontal 21 sozusagen raus versetzen m\u00f6chte. Das ist ja schon mal die erste Frage, die man stellen kann, und zwar unmittelbar, sozusagen gegen Ende ihres Prozesses gegen das ZDF. Die zweite Frage ist, dieses Stipendium f\u00fcr das Thomas-Mann-Haus, das sie ja von der Bundesregierung bekommen hat &#8211; auch zu dem Thema Equal Pay \u00fcbrigens &#8211; ist ja eine gro\u00dfe Auszeichnung wiederum f\u00fcr eine Journalistin von Frontal 21. \u00dcblicherweise kann man bei sowas zum Beispiel Blockteilzeit vereinbaren. Das ist alles nicht m\u00f6glich gewesen. Und stattdessen musste sie sich freistellen lassen. Und dann wurde eben gesagt: Ja, also einerseits soll hier jetzt ein m\u00e4nnlicher Kollege aufgebaut werden. Sie soll sich da auch entwickeln in Mainz. Dieses Gespr\u00e4ch, dieses Entwicklungs-Gespr\u00e4ch hat bisher nicht stattgefunden. Und sie k\u00f6nne da auch noch au\u00dfer Zoom noch andere Sachen nat\u00fcrlich vorschlagen. Aber es soll auf jeden Fall in Mainz sein. Das soll auf jeden Fall in Mainz sein, nicht in Berlin, also in Berlin nicht mehr. Da sage ich mal, da kann man sicherlich schon gewisse Zweifel daran haben, was das soll. Und dieses Angebot hat das &#8230; das ZDF hat die Kl\u00e4gerin nach langen Verhandlungen, als sie eben auch schon sehr weit entgegengekommen ist, dann am Ende auch angenommen. Das ZDF konstruiert jetzt aus den Hinweisen, die sie auf ihre Besch\u00e4ftigung als Festfreie, mit eben freier Wahl des Arbeitsortes gemacht hat, dass sie das nicht angenommen h\u00e4tte. Und das finde ich schon sehr merkw\u00fcrdig, dass das jetzt mit so einem &#8230; alles pl\u00f6tzlich nicht mehr auf dem Tisch liegen soll. <\/p>\n<p>[00:08:37] <u>Daniel Bouhs<\/u>: <strong>Also Ihre Erfahrung sagt Ihnen schon: Das ist eine klare Sanktion, was da passiert? <\/strong><\/p>\n<p>[00:08:41] <u>Prof. Dr. Nora Markard<\/u>: Die Erfahrung sagt, es ist eine klare Sanktion, auch weil im \u00f6ffentlichen Gerichtsverfahren ja auch einige weitere Dinge angesprochen worden sind. Es gibt eben eine lange Geschichte, dass die Redaktion, dass die Redakteurin seit Einreichung der Klage auf verschiedene Weise von Haus aus unter Druck gesetzt worden ist. Und man muss einfach sagen, bekannterma\u00dfen gibt es solche sozusagen &#8230; wird oft Druck ausge\u00fcbt auf Arbeitnehmer*innen und auf eben auch arbeitnehmer\u00e4hnliche Besch\u00e4ftigte, wenn sie gegen den Arbeitnehmer klagen. Das macht es ja auch so schwierig, das Recht auf Entgeltgleichheit durchzusetzen. Und das verbietet aber das Antidiskriminierungsrecht. Und zwar, weil man wei\u00df, dass so etwas h\u00e4ufig passiert, gibt es eben diese Verbotsvorschrift. <\/p>\n<p>[00:09:20] <u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: <strong>Wir m\u00fcssen sagen, wir haben auch Birte Meier angefragt. Sie bat um Verst\u00e4ndnis &#8211; das ist ja Standard bei solchen Prozessen, dass sie w\u00e4hrend solcher Auseinandersetzungen nicht dar\u00fcber sprechen wird. Deswegen sprechen Sie als Vertreterin der Gesellschaft f\u00fcr Freiheitsrechte. Ganz kurze Frage noch. Was haben Sie konkret davon als NGO? Und wie geht&#8217;s jetzt weiter?<\/strong> <\/p>\n<p>[00:09:42] <u>Prof. Dr. Nora Markard<\/u>: Ja, also die Gesellschaft f\u00fcr Freiheitsrechte setzt sich ja ein f\u00fcr die Grund- und Menschenrechte in Deutschland und Europa mit den Mitteln der strategischen Prozessf\u00fchrung. Und das hei\u00dft, wir w\u00e4hlen F\u00e4lle aus, die ein strukturelles Problem ansprechen. Und im Bereich Entgeltdiskriminierung kennen wir den Gender Pay Gap schon ewig. Immer wieder im M\u00e4rz gibt\u2018s den Equal Pay Day und so weiter. Alle sagen dann, wie schlimm das ist. Aber das Recht auf Entgeltgleichheit wirklich durchzusetzen, ist einfach wahnsinnig schwierig. Man wei\u00df es nicht, worum es geht. Und dann sind eben &#8211; und das hat ja auch der Fall der Kl\u00e4gerin leider gezeigt &#8211; sind die Beweisanforderungen im deutschen Recht einfach v\u00f6llig \u00fcberh\u00f6ht gegen\u00fcber dem, was das Europarecht vorgibt. Und deswegen hoffen wir eben &#8211; und das ist vielleicht auch so ein bisschen, wie es weitergeht &#8211; hoffen wir noch als letzte M\u00f6glichkeit auf eine Entscheidung aus Karlsruhe. Wir haben gegen die Abweisung der Diskriminierungsklage Verfassungsbeschwerde erhoben mit der Begr\u00fcndung, dass hier diese Sache dem EuGH h\u00e4tte vorgelegt werden m\u00fcssen, weil der eben seit den 50er Jahren &#8211; also die ersten Entscheidungen sind aus den 70er Jahren &#8211; das Recht auf Entgeltgleichheit auslegt, im Europarecht und da eben ganz weitgehende Vorgaben gemacht hat, die die Gerichte hier sehenden Auges missachtet haben. Und das geht einfach nicht. Da wird der gesetzliche Richter entzogen. Also dass sozusagen die grundrechtliche &#8230; das grundrechtlich Framing. Und insofern warten wir jetzt erst einmal in der Sache Entgelttransparenzgesetz auf die R\u00fcckverweisung ans Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg. Das muss jetzt also entscheiden, ob die Voraussetzungen des Auskunftsanspruch gegeben sind. Und aber in der Diskriminierungsklage, muss man leider sagen, hat dieser gro\u00dfe Sieg jetzt erst einmal keine Auswirkungen, sondern da m\u00fcssen wir hoffen, dass das Bundesverfassungsgericht da einfach nochmal dem anderen Senat des Bundesarbeitsgerichts hinter die Ohren schreibt, dass das Europarecht einfach verbindlich anwendbar ist, auch in antidiskriminierungsrechtlichen Fragen. <\/p>\n<p>[00:11:26] <u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: <strong>In welchem Jahr k\u00f6nnen wir hier im Medienmagazin das Urteil diskutieren?<\/strong> <\/p>\n<p>[00:11:30] <u>Prof. Dr. Nora Markard<\/u>: Ja, das w\u00fcrde ich Ihnen gerne sagen. Wir m\u00fcssen jetzt erst mal auf die schriftlichen Urteilsgr\u00fcnde des Bundesarbeitsgerichts warten. Und bis dahin wird sicherlich das Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg nicht terminieren k\u00f6nnen. Und das dauert mit Sicherheit noch eine ganze Weile. Und in Karlsruhe wissen wir ja auch, gibt es sehr viele F\u00e4lle, da muss man sich leider auch ein bisschen in Geduld \u00fcben. Also, wir werden sicherlich noch eine Weile warten m\u00fcssen, bis es hier weitergeht. <\/p>\n<p>[00:11:50] <u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: <strong>&#8230; meint die Juristin Prof. Nora Markard von der Uni M\u00fcnster. Und als Vorstandsmitglied der Gesellschaft f\u00fcr Freiheitsrechte hatte sie den Fall &#8222;Birte Meier&#8220; hier f\u00fcr uns erl\u00e4utert. Vielen Dank! <\/strong><\/p>\n<p>[00:11:59] <u>Prof. Dr. Nora Markard<\/u>: Vielen Dank Ihnen! <\/p>\n<\/blockquote>\n<p><\/div><\/div>\n<div style=\"height: 30px;\"><\/div>\n<hr \/>\n<div style=\"height: 5px;\"><\/div>\n<p><html><br \/>\n     <head><\/p>\n<style type=\"text\/css\">\n       body {\n                     background: #DADADA;\n       }\n      <\/style>\n<p>     <\/head><br \/>\n     <body><br \/>\n<\/body><br \/>\n    <\/html><br \/>\n<script src=\"https:\/\/apis.google.com\/js\/plusone.js\" type=\"text\/javascript\">\/\/ < ![CDATA[ {lang: 'de'} \/\/ ]]><\/script><br \/>\n<script src=\"http:\/\/twittercounter.com\/embed\/?username=medienmagazin&amp;style=avatar\" type=\"text\/javascript\"><\/script><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>No audio playback capabilities, please download the audio belowDownload Audio: Closed Format: MP3 Download Wer: * Prof. Dr. Nora Markard, Juristin, Uni M\u00fcnster und Vorstandsmitglied der Gesellschaft f\u00fcr Freiheitsrechte, die Birte Meier ber\u00e4t * Daniel Bouhs, Freier Medienjournalist * J\u00f6rg Wager, Freier Medienjournalist Was: VoIP-Interview \u00fcber die Klage der ZDF-Journalistin Birte Meier gegen das ZDF [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"footnotes":""},"categories":[17],"tags":[1039],"class_list":["post-47365","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aktuell","tag-geschlechtergerechtigkeit"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/47365","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=47365"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/47365\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":47381,"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/47365\/revisions\/47381"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=47365"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=47365"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=47365"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}