{"id":48564,"date":"2020-12-05T18:34:21","date_gmt":"2020-12-05T16:34:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/?p=48564"},"modified":"2021-09-08T18:12:59","modified_gmt":"2021-09-08T16:12:59","slug":"48564","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/?p=48564","title":{"rendered":"Neue Gender-Sprachreglungen beim Bayerischen Rundfunk"},"content":{"rendered":"<p><figure id=\"attachment_48594\" aria-describedby=\"caption-attachment-48594\" style=\"width: 1100px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/uploads\/20201206_hinrichs_thomas_mS_1100\u00d7546.jpg\" alt=\"\" width=\"1100\" height=\"546\" class=\"size-full wp-image-48594\" srcset=\"https:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/uploads\/20201206_hinrichs_thomas_mS_1100\u00d7546.jpg 1100w, https:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/uploads\/20201206_hinrichs_thomas_mS_1100\u00d7546-300x149.jpg 300w, https:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/uploads\/20201206_hinrichs_thomas_mS_1100\u00d7546-768x381.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1100px) 100vw, 1100px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-48594\" class=\"wp-caption-text\">Thomas Hinrichs | Foto: \u00a9 BR\/Markus Konvalin<\/figcaption><\/figure><br \/>\n<span style=\"font-size: 11pt; font-family: tahoma,arial,helvetica,sans-serif;\"><\/p>\n<div style=\"height: 20px;\"><\/div>\n <audio   controls > <source src=\"https:\/\/www.wwwagner.tv\/audio\/mm20201205_hinrichs_thomas_160.mp3\" type='audio\/mpeg' \/> <object   type=\"application\/x-shockwave-flash\"  data=\"https:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/plugins\/wphtml5player\/inc\/flowplayer.swf\"  width=\"400\"  height=\"30\"> <param name=\"movie\" value='https:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/plugins\/wphtml5player\/inc\/flowplayer.swf' \/><param name=\"allowfullscreen\" value='false' \/><param name=\"cachebusting\" value='true' \/><param name=\"bgcolor\" value='#000000' \/><param name=\"flashvars\" value='config={\"plugins\":{\"controls\":{\"height\":30,\"autoHide\":false,\"fullscreen\":false}},\"clip\":{\"autoPlay\":false,\"url\":\"https:\\\/\\\/www.wwwagner.tv\\\/audio\\\/mm20201205_hinrichs_thomas_160.mp3\"},\"playlist\":[{\"autoPlay\":false,\"url\":\"https:\\\/\\\/www.wwwagner.tv\\\/audio\\\/mm20201205_hinrichs_thomas_160.mp3\"}],\"play\":{\"opacity\":0}}' \/>  No audio playback capabilities, please download the audio below<br \/><strong>Download Audio:<\/strong> Closed Format: <a href=\"https:\/\/www.wwwagner.tv\/audio\/mm20201205_hinrichs_thomas_160.mp3\">MP3<\/a> <\/object> <!-- Generated by HTML5 Multimedia Framework (http:\/\/code.google.com\/p\/html5videoplayer) --> <\/audio>  \n<div style=\"height: 10px;\"><\/div>\n<p><u>Wer<\/u>:<br \/>\n* <a href=\"https:\/\/twitter.com\/t_hinrichs?lang=de\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">Thomas Hinrichs<\/a>, Informationsdirektor, Bayerischer Rundfunk<br \/>\n* <a href=\"https:\/\/www.daniel-bouhs.de\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">Daniel Bouhs<\/a>, Freier Medienjournalist<br \/>\n* J\u00f6rg Wagner, Freier Medienjournalist<br \/>\n<u>Was<\/u>: Telefoninterview zu neuen Gender-Sprachreglungen beim Bayerischen Rundfunk<br \/>\n<u>Wann<\/u>: <a href=\"https:\/\/www.wwwagner.tv\/?p=48545\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">05.12.2020<\/a>\/ 18:34 Uhr im radioeins-Medienmagazin und gek\u00fcrzt am 06.12.2020, 10:44\/17:44 Uhr im rbb Inforadio<\/p>\n<div style=\"height: 10px;\"><\/div>\n<div style=\"height: 20px;\"><\/div>\n<div id='stb-container-9688' class='stb-container-css stb-custom-container stb-no-caption stb-image-none stb-ltr stb-border stb-side'><aside class='stb-icon'><img src='http:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/plugins\/wp-special-textboxes\/themes\/stb-dark\/heart.png'><\/aside><div id='stb-box-9688' class='stb-custom_box stb-box' ><\/p>\n<p>(w\u00f6rtliches Transkript, H\u00f6rverst\u00e4ndnisfehler vorbehalten)<\/p>\n<div style=\"height: 20px;\"><\/div>\n<blockquote>\n<p>[0:05] O-Ton-Einspiel:<br \/>\n<u>Patricia Schlesinger<\/u>: Ich gendere. Ich rede von H\u00f6rerinnen und Zuschauern und Userinnen. Ich gendere auf diese Weise. Sternchen f\u00e4llt mir schwer, weil ich finde es auch optisch nicht sch\u00f6n. Es ist f\u00fcr mich eine Vergewaltigung der Sprache, sag ich auch. Ich finde es sieht nicht nur nicht sch\u00f6n aus im Geschriebenen, sondern auch Sprecher*innen mag ich auch nicht gerne. Intendant*innen, damit komme ich nicht gut zurecht. Aber, ich sage es auch: Ich habe viele Diskussionen dar\u00fcber mit meiner Tochter hinter mir, die gar nicht verstehen kann \u2013 \u201cDu k\u00e4mpfst daf\u00fcr, dass Frauen \u00fcberall sind und dann sagst Du, das ist schwierig?!\u201d. Ich finde es gut, dass &#8222;Fritz&#8220; das jetzt macht als erste Radiowelle, als junge Welle. Ja, warum denn nicht? Dann lass sie das doch machen. Sprache darf sich auch ver\u00e4ndern. Sprache darf sich auch ver\u00e4ndern. Und ich bin ein Mensch, der viel mit Sprache lebt und sie auch liebt. Und ich tue mich da schwer, aber auch wir k\u00f6nnen dazulernen. Lassen wir es mal dabei.<\/p>\n<p>[0:54]<br \/>\n<u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: <strong>Also ein einheitliches Bild im rbb lehnen Sie ab?<\/strong><\/p>\n<p>[0:56] <u>Patricia Schlesinger<\/u>: Ne, es muss im Moment nicht sein. In den Nachrichten bei &#8222;Fritz&#8220; haben wir extra gesagt: Die k\u00f6nnen es anders machen. Wir \u00fcberlassen es unseren Moderator*innen, ob sie tats\u00e4chlich das mitsprechen wollen oder nicht. Nicht nur bei &#8222;Fritz&#8220;, auch woanders. Das finde ich in Ordnung. Ich tue mich auch schwer zu sagen: \u201cDas ist der richtige Weg.\u201d Sprache atmet. Sprache darf sich auch entwickeln. Ich muss nicht alles sch\u00f6n finden. Also, ich finde es schwer zu sagen, wir machen es jetzt nur so und wir machen es so. Nur auf die eine oder nur auf die andere Weise. Schauen wir mal, wie es sich entwickelt.<\/p>\n<p>[1:25]<br \/>\n<u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: <strong>Das ist die Auffassung von rbb-Intendantin Patricia Schlesinger zur Frage, wie es ihr Sender mit dem Gendern halten soll. Medienh\u00e4user, auch der \u00f6ffentlich-rechtliche Rundfunk, suchen ja bekanntlich und viel diskutiert einen Weg, um alle Geschlechter m\u00f6glichst nat\u00fcrlich in ihrer Sprache abzubilden. Sender treibt dabei vor allem die Frage um, ob das gesprochene sogenannte Gendersternchen ein praktikabler Weg ist. Sie h\u00f6ren es ja immer, wenn wir eine L\u00fccke lassen. W\u00e4hrend das immer mehr Redaktionen zulassen, hat die Gesch\u00e4ftsleitung des Bayerischen Rundfunks nun entschieden: Das Sternchen bzw. die L\u00fccke soll <u>nicht<\/u> gesprochen werden, zumindest nicht au\u00dferhalb von Angeboten f\u00fcr die j\u00fcngere Zielgruppe. So hast Du es zumindest mir gestern erz\u00e4hlt, Daniel.<\/strong><\/p>\n<p>[2:06]<br \/>\n<u>Daniel Bouhs<\/u>: <strong>Ja, so wurde es mir zumindest aus dem Sender in M\u00fcnchen zugetragen. Und da dachte ich mir: Reden wir doch besser nicht nur \u00fcber den BR, sondern auch mit ihm. Und in der Leitung, am Telefon ist nun Thomas Hinrichs, der Informationsdirektor des Bayerischen Rundfunks. Guten Abend!<\/strong><\/p>\n<p>[2:21]<br \/>\n<u>Thomas Hinrichs<\/u>: Servus, gr\u00fc\u00df Gott! Das ist die Grundlage guter Recherche, mit den Leuten direkt zu sprechen. Dar\u00fcber bin ich sehr froh.<\/p>\n<p>[2:24]<br \/>\n<u>Daniel Bouhs<\/u>: <strong>Genau.<\/strong><\/p>\n<p>[2:25]<br \/>\n<u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: <strong>Daf\u00fcr ist das Medienmagazin \u00fcbrigens bekannt. Wir recherchieren gerne an der Quelle.<\/strong><\/p>\n<p>[2:30]<br \/>\n<u>Thomas Hinrichs<\/u>: Ich hab&#8216; auch ein bissel reingeh\u00f6rt. Und wenn man sich dann korrigiert, dann ist ja prima. Sehr gut.<\/p>\n<p>[2:34]<br \/>\n<u>Daniel Bouhs<\/u>: <strong>Ja. Herr Hinrichs, warum haben Sie sich dann daf\u00fcr entschieden, die Genderl\u00fccke \u2013 mit der kleinen Ausnahme f\u00fcr die jungen Angebote \u2013 nicht im Programm des BR zu tolerieren?<\/strong><\/p>\n<p>[2:45]<br \/>\n<u>Thomas Hinrichs<\/u>: Ich muss zun\u00e4chst sagen: Als ich gerade Patricia Schlesinger geh\u00f6rt habe, die ich gro\u00dfartig finde, habe ich dem ganz viel abgewinnen k\u00f6nnen. Wir haben durchaus eine hohe Sensibilit\u00e4t f\u00fcr das Thema und wir haben eine gro\u00dfartige Diskussion gerade bei uns im Hause. Wir haben einen Diversity-Beirat. Dort gibt es eine Arbeitsgruppe zur gendergerechten und -sensiblen Sprache. Also, es ist nicht so, wie der ein oder andere in Berlin m\u00f6glicherweise denken mag, die Bayern preschen da voran. Nein, das Gegenteil ist eigentlich der Fall: Wir wollen die Menschen nicht erziehen. Wir wollen sie nicht bevormunden. Und wir haben beobachtet, dass es unser Publikum verunsichert an der einen oder anderen Stelle.<\/p>\n<p>[3:26]<br \/>\nEs gibt Zielgruppen \u2013 und so haben wir unser Programm aufgestellt, dass wir bestimmte Zielgruppen zu erreichen versuchen \u2013 und da m\u00fcssen wir sehen, dass es einen Unterschied gibt zwischen der jungen Welle &#8222;PULS&#8220; zum Beispiel \u2013 H\u00f6rfunk, Fernsehen, Online, f\u00fcr die ich verantwortlich bin \u2013 und auf der anderen Seite der &#8222;Sonntags-Stammtisch&#8220; mit einem Durchschnittsalter von roundabout \u00fcber 70. Das ist nicht gleich. Die Sprache ist nicht gleich. Und wir haben uns fest vorgenommen, dass wir nicht bevormunden, dass wir nicht erziehen wollen. Und deswegen haben wir gesagt: Solange die Mehrheit nicht daf\u00fcr ist, in diesem Sinne zu gendern \u2013 die deutsche Sprache gibt ja wahnsinnig viel her, um Gleichberechtigung in der Sprache herzustellen \u2013 solange wollen wir das auch nicht tun, mit der Ausnahme von Zielgruppen, wo das schon getan wird. &#8222;PULS&#8220; hab ich genannt. Da sprechen die meisten schon, also mehr als die H\u00e4lfte das Gendersternchen. Wenn wir da Call-Ins haben, w\u00e4re es seltsam, wenn wir das nicht t\u00e4ten. Die gro\u00dfartige \u201cNews WG\u201d auf Instagram, die kennen Sie. Wir haben einen Podcast f\u00fcr die LGBQT-Menschen drau\u00dfen im Lande und da w\u00e4re es v\u00f6llig absurd, wenn wir dort das Gendersternchen nicht sprechen. Aber in anderen Bereichen nicht. Aber das hei\u00dft nicht \u2013 noch einmal, ich wei\u00df, warum Sie den Bayrischen Rundfunk angerufen haben \u2013 dass wir unsensibel sind. Das Gegenteil ist der Fall.<\/p>\n<p>[4:38]<br \/>\n<u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: <strong>Nee, nee. Was mich jetzt so verwirrt \u2013 ich wei\u00df nicht, wie es den H\u00f6rerinnen und H\u00f6rern geht \u2013 ich wei\u00df jetzt gar nicht mehr: In welcher Redaktion gibt\u2019s jetzt ein Sternchen und in welchem nicht? Kann es nicht auch tats\u00e4chlich so sein wie im rbb, dass es den Moderatorinnen und Moderatoren selbst \u00fcberlassen ist, wie man das macht? Das ist doch viel nat\u00fcrlicher.<\/strong><\/p>\n<p>[4:56]<br \/>\n<u>Thomas Hinrichs<\/u>: Das glaube ich eben nicht. Das glaube eben ich nicht, weil Sprache ist etwas sehr Individuelles. Und wir haben es ja gerade geh\u00f6rt, wie Patricia Schlesinger sich ge\u00e4u\u00dfert hat: ihre Tochter spricht es und sie spricht es nicht. Wenn wir aber als \u00f6ffentlich-rechtlicher Rundfunk, der die Aufgabe hat, vom Siebenj\u00e4hrigen bis zur 97-J\u00e4hrigen alle Menschen zu erreichen, dann m\u00fcssen wir nicht darauf hinausgehen, dass sich jeder selbst verwirklicht, sondern dass wir unseren Auftrag bestm\u00f6glich erf\u00fcllen. Wir wollen die Menschen nicht verwirren. Wir wollen mit unserem Inhalt r\u00fcberkommen. Und dann m\u00fcssen wir uns etwas mehr M\u00fche geben an der Stelle. Ich sagte es ja bereits: Wir haben eine Content-Strategie. Wir haben eine Zielgruppen-Analytik. Wir wissen, dass sie mit ein und demselben Angebot nicht alle Menschen aller Altersgruppen erreichen k\u00f6nnen. Und deswegen muss man an der Stelle differenzieren. Und deswegen haben wir unseren Redaktionen, unseren Moderatorinnen und Moderatoren gesagt: Wenn sie f\u00fcr eine Zielgruppe unterwegs sind, also f\u00fcr bestimmte Wellen arbeiten \u2013 nicht f\u00fcr &#8222;PULS&#8220;, nicht f\u00fcr die \u201cNews WG\u201d und nicht f\u00fcr den Podcast, den ich nannte \u2013, dann werden wir, solange die Mehrheit der Bev\u00f6lkerung \u2013 und das geben die Zahlen her \u2013 das Gendersternchen nicht spricht, werden wir es auch nicht sprechen. Ganz einfach!<\/p>\n<p>[6:01]<br \/>\n<u>Daniel Bouhs<\/u>: <strong>Aber das wirkt so ein bisschen nach dem Motto: Da, wo der Druck von der H\u00f6rerschaft gro\u00df genug ist, da sozusagen, ziehen Sie Ihre sonstige Linie nicht durch. Es wird ja auch in Ihrem Haus \u2013 Sie haben es schon angedeutet \u2013 leidenschaftlich diskutiert, wie im Rest der Gesellschaft \u00fcber das Gendern ja auch. Und ein Kritikpunkt, wenn man die Genderl\u00fccke nicht spricht, ist ja, dass zum Beispiel bei der Formulierung \u201cPolizistinnen und Polizisten\u201d nur zwei Geschlechter eingeschlossen sind, aber nicht die Menschen, die sich nicht klar einem Geschlecht zugeordnet f\u00fchlen. W\u00e4re es nicht auch Aufgabe des \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunks, all die anderen Menschen auch einzuschlie\u00dfen sprachlich, auch in den \u00fcbrigen Angeboten?<\/strong><\/p>\n<p>[6:43]<br \/>\n<u>Thomas Hinrichs<\/u>: Also, die deutsche Sprache gibt ja jetzt schon wahnsinnig viel her daf\u00fcr. Und deswegen \u2013 ich habe selbst germanistische Linguistik studiert, in Bayern \u00fcbrigens an einer gro\u00dfartigen Universit\u00e4t \u2013 also die Sprache gibt es jetzt schon her. Was mich freut an dieser Diskussion, ist, dass wir das Werkzeug des Journalismus, n\u00e4mlich Sprache, jetzt wirklich eingehend untersuchen. Viele, die sich an der Diskussion beteiligen, wissen gar nicht, was man jetzt alles schon machen kann. Und das kann man. Gerade auch im diversen Bereich. Da hilft uns unser Diversity-Beirat. Da hilft uns die Arbeitsgruppe. Da hilft uns die Diskussion. Und das ist bei weitem nicht so, dass die jungen Frauen jetzt \u2013 nehmen wir das Gendersternchen \u2013 daf\u00fcr sind und die \u00e4lteren M\u00e4nner dagegen, sondern das geht quer durch die Altersgruppen. Und deswegen sage ich noch einmal: Das ist der Service des \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunks, dass wir zielgruppenkonforme Angebote machen. Und das erfordert dann ein gewisses Ma\u00df an Differenzierung. Ich meine, das ist unser Werkzeug, da k\u00f6nnen wir nicht schlampig mit umgehen. Und deswegen haben wir an der Stelle gesagt: In den Zielgruppen \u2013 und es ist der momentan noch gr\u00f6\u00dfere Teil, indem das nicht gesprochen wird \u2013 sprechen wir es auch nicht. Und dar\u00fcber hinaus bitten wir jeden, \u2013 und die Diskussion gibt es her \u2013 dass wir alle Geschlechter gleichberechtigt und gerecht beurteilen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>[7:54]<br \/>\nIch will Ihnen ein Beispiel geben aus dieser Woche, weil die Leute sagen: \u201cWo werde ich denn da verwirrt?!\u201d Ich hatte diese Woche eine interne Bewerbung f\u00fcr eine Stelle. Und da war ein Kollege aus der Personalabteilung \u2013 ein Mann. Der sprach das Gendersternchen und das darf er auch. Er ist nicht auf dem Schirm. Er ist nicht auf dem Sender. Und das ist seine Sprache. Und da war die Progammbereichsleiterin \u2013 eine Frau \u2013, die sprach es nicht. Und ich sah die Unsicherheit bei den Kandidatinnen und Kandidaten: Wie muss ich mich jetzt verhalten? Muss ich es sprechen? Muss ich es nicht sprechen? Habe ich gr\u00f6\u00dfere Chance, wenn ich es spreche oder nicht? Und ich glaube, dass das nicht gut ist an der Stelle. Und deswegen haben wir die Linie vorgegeben, dass wir f\u00fcr die Zielgruppen, die wir in der Mehrzahl erreichen, eine Regelung treffen und dann auch unsere Korrespondentinnen und Korrespondenten, Moderatorinnen und Moderatoren und die Redaktionen bitten, sich daran zu halten, bis sich das ver\u00e4ndert. Auch das hat Patricia Schlesinger gesagt: Sprache ver\u00e4ndert sich. Ich wei\u00df nicht, ob Sie Dagmar Reim noch kennen, die Vorg\u00e4ngerin von Patricia Schlesinger\u2026<\/p>\n<p>[8:50]<br \/>\n<u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: <strong>\u2026 ja, ja, ja. Aber wir kennen nat\u00fcrlich auch den Bayerischen Rundfunk, der immer etwas Besonderes war. Da darf man ja zum Beispiel Dialekt reden, ohne dass das irgendwie kritisiert wird. Also es ist nicht Hochdeutsch unbedingt Pflicht. Das fr\u00e4nkische R ist ja bei Ihnen sozusagen im Sendegebiet durchaus verankert. Aber der BR ist eben nicht nur der BR, sondern auch Teil der ARD. Sie wissen es. Sie waren ja einst Zweiter Chefredakteur von ARD-aktuell in Hamburg, also glaube ich, f\u00fcr die \u201cTagesthemen\u201d verantwortlich. Wie sind denn dort inzwischen die Absprachen, wenn es darum geht, dass der BR die ARD beliefert und wenn der BR Angebote der ARD wiederum \u00fcbernimmt? Kommt man da nicht durcheinander?<\/strong><\/p>\n<p>[9:24]<br \/>\n<u>Thomas Hinrichs<\/u>: Lassen Sie mich den Punkt noch sagen: Dagmar Reim rief hin und wieder an, als ich noch Chefredakteur in Hamburg war und sagte: &#8218;Ihr habt den Genitiv nicht gesprochen. F\u00fcr den k\u00e4mpfe ich und ich werde den Kampf verlieren. Ich werde den Kampf verlieren. Das wird nicht gelingen an der Stelle. Sprache entwickelt sich.&#8216; Und genauso betrachten wir das an der Stelle auch. Und wenn Sie jetzt die \u201cTagesschau\u201d betrachten: In der \u201c20 Uhr\u201d wird es nicht gesprochen. Das h\u00f6ren Sie ja jeden Abend. Die Zielgruppe ist von 10 bis 90, bis 100. Da sind alle vertreten. Wenn Sie in die sozialen Medien gehen bei den \u201cTagesschau\u201d-Angeboten, da ist es so. Und diese Differenzierung, die halten wir aus. Die ist klug. Und so halten wir es auch. Das klappt also prima dahingehend, dass man jetzt keine &#8222;par ordre du mufti\u201c ganz klaren Regelungen hat. Aber bei einer sich entwickelnden Sprache, bei einer sehr heterogenen Gesellschaft m\u00fcssen wir das aushalten und auch diese Diskussion aushalten. Und ich wehre mich so ein bisschen dagegen, dass man da dann sondern so eine Polemik reinbringt und das dogmatisch betrachtet. So ist Sprache immer gewesen und so ist es auch hier.<\/p>\n<p>[10:25]<br \/>\n<u>Daniel Bouhs<\/u>: <strong>\u2026 meint Thomas Hinrichs, der Informationsdirektor des Bayerischen Rundfunks, der abgesehen von seinen jungen Angeboten Abstand davon nimmt, die Genderl\u00fccke zu sprechen, aber anderweitig dann doch gendern und gendern lassen m\u00f6chte. Vielen Dank f\u00fcr Ihre Zeit, Herr Henrichs!<\/strong><\/p>\n<p>[10:39]<br \/>\n<u>J\u00f6rg Wagner<\/u>:<strong> Gr\u00fc\u00dfe in die Bayerische Landeshauptstadt!<\/strong><\/p>\n<p>[10:43]<br \/>\n<u>Thomas Hinrichs<\/u>: Danke vielmals. Servus!<\/p>\n<\/blockquote>\n<p><\/div><\/div>\n<div style=\"height: 10px;\"><\/div>\n<div style=\"height: 30px;\"><\/div>\n<hr \/>\n<div style=\"height: 5px;\"><\/div>\n<p><html><br \/>\n     <head><\/p>\n<style type=\"text\/css\">\n       body {\n                     background: #DADADA;\n       }\n      <\/style>\n<p>     <\/head><br \/>\n     <body><br \/>\n<\/body><br \/>\n    <\/html><br \/>\n<script src=\"https:\/\/apis.google.com\/js\/plusone.js\" type=\"text\/javascript\">\/\/ < ![CDATA[ {lang: 'de'} \/\/ ]]><\/script><br \/>\n<script src=\"http:\/\/twittercounter.com\/embed\/?username=medienmagazin&amp;style=avatar\" type=\"text\/javascript\"><\/script><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>No audio playback capabilities, please download the audio belowDownload Audio: Closed Format: MP3 Wer: * Thomas Hinrichs, Informationsdirektor, Bayerischer Rundfunk * Daniel Bouhs, Freier Medienjournalist * J\u00f6rg Wagner, Freier Medienjournalist Was: Telefoninterview zu neuen Gender-Sprachreglungen beim Bayerischen Rundfunk Wann: 05.12.2020\/ 18:34 Uhr im radioeins-Medienmagazin und gek\u00fcrzt am 06.12.2020, 10:44\/17:44 Uhr im rbb Inforadio<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_monsterinsights_skip_tracking":false,"footnotes":""},"categories":[17],"tags":[1227,1039],"class_list":["post-48564","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aktuell","tag-gendern","tag-geschlechtergerechtigkeit"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/48564","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=48564"}],"version-history":[{"count":13,"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/48564\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":50499,"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/48564\/revisions\/50499"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=48564"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=48564"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=48564"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}