{"id":49001,"date":"2021-01-23T18:10:16","date_gmt":"2021-01-23T16:10:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/?p=49001"},"modified":"2021-10-31T22:42:10","modified_gmt":"2021-10-31T20:42:10","slug":"johannes-boie-zum-oeffentlich-rechtlichen-rundfunk","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/?p=49001","title":{"rendered":"Johannes Boie zum \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunk"},"content":{"rendered":"<p><figure id=\"attachment_49002\" aria-describedby=\"caption-attachment-49002\" style=\"width: 1100px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/uploads\/20210124_20210124_twitter_johannes-boie_oS_schwarz_1100\u00d7550.jpg\" alt=\"\" width=\"1100\" height=\"550\" class=\"size-full wp-image-49002\" srcset=\"https:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/uploads\/20210124_20210124_twitter_johannes-boie_oS_schwarz_1100\u00d7550.jpg 1100w, https:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/uploads\/20210124_20210124_twitter_johannes-boie_oS_schwarz_1100\u00d7550-300x150.jpg 300w, https:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/uploads\/20210124_20210124_twitter_johannes-boie_oS_schwarz_1100\u00d7550-768x384.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1100px) 100vw, 1100px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-49002\" class=\"wp-caption-text\">Johannes Boie | Foto: \u00a9 Welt am Sonntag<\/figcaption><\/figure><br \/>\n<span style=\"font-size: 11pt; font-family: tahoma,arial,helvetica,sans-serif;\"><\/p>\n<div style=\"height: 20px;\"><\/div>\n <audio   controls > <source src=\"https:\/\/www.wwwagner.tv\/audio\/mm20210123_2_boie_johannes_128.mp3\" type='audio\/mpeg' \/> <object   type=\"application\/x-shockwave-flash\"  data=\"https:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/plugins\/wphtml5player\/inc\/flowplayer.swf\"  width=\"400\"  height=\"30\"> <param name=\"movie\" value='https:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/plugins\/wphtml5player\/inc\/flowplayer.swf' \/><param name=\"allowfullscreen\" value='false' \/><param name=\"cachebusting\" value='true' \/><param name=\"bgcolor\" value='#000000' \/><param name=\"flashvars\" value='config={\"plugins\":{\"controls\":{\"height\":30,\"autoHide\":false,\"fullscreen\":false}},\"clip\":{\"autoPlay\":false,\"url\":\"https:\\\/\\\/www.wwwagner.tv\\\/audio\\\/mm20210123_2_boie_johannes_128.mp3\"},\"playlist\":[{\"autoPlay\":false,\"url\":\"https:\\\/\\\/www.wwwagner.tv\\\/audio\\\/mm20210123_2_boie_johannes_128.mp3\"}],\"play\":{\"opacity\":0}}' \/>  No audio playback capabilities, please download the audio below<br \/><strong>Download Audio:<\/strong> Closed Format: <a href=\"https:\/\/www.wwwagner.tv\/audio\/mm20210123_2_boie_johannes_128.mp3\">MP3<\/a> <\/object> <!-- Generated by HTML5 Multimedia Framework (http:\/\/code.google.com\/p\/html5videoplayer) --> <\/audio>  \n<div style=\"height: 10px;\"><\/div>\n<p><u>Wer<\/u>:<br \/>\n* Johannes Boie, Chefredakteur &#8222;Welt am Sonntag&#8220;<br \/>\n* Daniel Bouhs, Freier Medienjournalist<br \/>\n* J\u00f6rg Wagner, Freier Medienjournalist<br \/>\n<u>Was<\/u>: Schaltgespr\u00e4ch | Teil 2 zum \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunk<br \/>\n<u>Wann<\/u>: <a href=\"https:\/\/www.wwwagner.tv\/?p=48935\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">23.01.2021<\/a>, 18:05-19:00 Uhr im radioeins-Medienmagazin und gek\u00fcrzt am 24.01.2021, 10:44\/17:44 Uhr im rbb Inforadio<\/p>\n<div style=\"height: 10px;\"><\/div>\n<div style=\"height: 20px;\"><\/div>\n<div id='stb-container-2127' class='stb-container-css stb-custom-container stb-no-caption stb-image-none stb-ltr stb-border stb-side'><aside class='stb-icon'><img src='http:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/plugins\/wp-special-textboxes\/themes\/stb-dark\/heart.png'><\/aside><div id='stb-box-2127' class='stb-custom_box stb-box' ><\/p>\n<p>(w\u00f6rtliches Transkript, H\u00f6rverst\u00e4ndnisfehler vorbehalten)<\/p>\n<div style=\"height: 20px;\"><\/div>\n<blockquote>\n<p>[00:00:00]<br \/>\n<u>Daniel Bouhs<\/u>: <strong>Und wir reden weiter mit Johannes Boie. Seit knapp zwei Jahren Chefredakteur der &#8222;Welt am Sonntag&#8220;. Und wir haben uns auch verabredet, um \u00fcber uns zu reden, also den \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunk. Viele Zeitungsmacher st\u00f6ren sich vor allem an dem Onlineangebot der &#8222;Tagesschau&#8220;, vor allem an den vielen Texten, die dort erscheinen und an denen ich auch gelegentlich selbst mitschreibe. Der Transparenz wegen sei das erw\u00e4hnt. Und man st\u00f6rt sich dar\u00fcber nach dem Motto: Wenn es dort auch kostenfrei, da ja schon mit Rundfunkbeitr\u00e4gen finanziert viel zu lesen gibt, warum sollte dann noch jemand auf die Seiten der Verlage gehen und f\u00fcr Journalismus bezahlen?<\/strong> <\/p>\n<p>[00:00:37]<br \/>\n<u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: <strong>Ja. Und tagesschau.de wird schon bald ver\u00e4ndert, wie wir berichtet hatten am Anfang des Jahres: Es gibt ein neues Design. In einer \u00f6ffentlich zug\u00e4nglichen Beta-Version sieht man: weiter mit ausf\u00fchrlichen Texten. Im ersten Medienmagazin, wie gesagt, dieses Jahres hatten wir auch jemanden von ARD-aktuell, n\u00e4mlich die Chefredakteurin Digitales, Juliane Leopold, <a href=\"https:\/\/www.wwwagner.tv\/?p=48771\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">hier<\/a> zu Gast. Sie hat Texte auf tagesschau.de verteidigt:<\/strong> <\/p>\n<p>[00:01:02] O-Ton<br \/>\n<u>Juliane Leopold<\/u>: <em>Ich bin wirklich der Meinung, wir haben es hier zu tun mit einer Debatte, die ist aus der Zeit gefallen. Ja, die ARD ist ein leichter &#8211; ich sage jetzt mal &#8211; Feind f\u00fcr die Verlage, weil sie erreichbar erscheint, eben erreichbarer als ein Google und ein Facebook. Das sind ja die eigentlichen Probleme der Verlage, dass ganz, ganz viel Werbegeld gerade im Netz an gro\u00dfe Player geht, die eben nicht die S\u00e4cklein der Verlage f\u00fcllen, sondern andere. Und an diese Player kommt man aber nicht so leicht ran. Also, nat\u00fcrlich gibt&#8217;s da auch die entsprechenden Lobbying-Versuche, aber es f\u00e4llt leichter, aufs \u00f6ffentlich-rechtliche System sich zu st\u00fcrzen. Und ich finde das wirklich gef\u00e4hrlich, weil es gibt eine Bestands- und Entwicklungsgarantie. Es gibt einen Auftrag. Gerade die Information ist der Kern des \u00f6ffentlich-rechtlichen Auftrags. Und wo kommen wir hin, wenn wir an diesem Auftrag r\u00fctteln, weil wir kleinkr\u00e4merisch &#8211; ich sage jetzt mal &#8211; Buchstaben z\u00e4hlen auf einer Website.<\/em> <\/p>\n<p>[00:01:59]<br \/>\n<u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: <strong>Wie sehen Sie das, Johannes Boie? <\/strong><\/p>\n<p>[00:02:04]<br \/>\n<u>Johannes Boie<\/u>: Tja, also, ich finde, dass Frau Leopold hier nicht Recht hat. Und ich finde auch ihre Ausdrucksweise da durchaus ein bisschen irritierend. Also, den Verlagen mitzuteilen, was ihre Probleme sind, das kann man nat\u00fcrlich machen. Sie mag das auch analysieren. Die Tatsache ist, dass die Art und Weise, wie der \u00f6ffentlich-rechtliche Rundfunk ausgestattet ist und wie er diese Ausstattung einsetzt, aus meiner Sicht auf jeden Fall ein sehr ernsthaftes Problem f\u00fcr die Verlage ist. Wissen Sie, ich verstehe Frau Leopold. Sie m\u00f6chte das beste Produkt f\u00fcr ihre Nutzer machen. Und unterm Strich sagt sie: Es ist mir egal, was die Regulierung besagt und was die Abmachungen besagen. Ich m\u00f6chte einfach das beste Produkt machen. Das ergibt ja irgendwie Sinn. Aber es ist nat\u00fcrlich auch absurd, weil sie dabei v\u00f6llig unterschl\u00e4gt, dass sie gesetzlich garantiert Geld f\u00fcr ihre Projekte bekommt. Alle Nutzer, alle Zuschauer m\u00fcssen bezahlen. Und das besonders Bemerkenswerte ist ja, dass auch alle bezahlen m\u00fcssen, die den Journalismus von Frau Leopold nicht nutzen wollen. Es gibt \u00fcbrigens sehr viele, die ihnen nicht nutzen wollen, weil er vielen eben doch unheimlich anbiedernd an die Regierung erscheint, dann und wann, lieber Daniel, sieh&#8216; es mir nach, dass ich das so sage&#8230; <\/p>\n<p>[00:03:11]<br \/>\n<u>Daniel Bouhs<\/u>: <strong>\u2026 ich nehme es nicht pers\u00f6nlich, aber es ist schon eine klare Position.<\/strong><\/p>\n<p>[00:03:17]<br \/>\n<u>Johannes Boie<\/u>: Nur ein Beispiel daf\u00fcr: Wenn man eben in der &#8222;Tagesschau&#8220; \u00fcber einen national bedeutsamen Mord nicht berichtet &#8211; Stichwort: Freiburg, Maria Ladenburger, ja? &#8211; und dann aber dar\u00fcber berichtet, dass ein Pianist, Aktivist im Dannenr\u00f6der Forst, hei\u00dft das glaube ich, auftritt, um dort die Fridays-for-Future-Leute zu bespielen, da verstehe ich schon, dass sich die Leute aufregen. Und auf diese Art und Weise, ja, weil eben jeder bezahlen muss, kommen acht Milliarden Euro zusammen. Das entspricht dem Verteidigungshaushalt der gesamten EU, also dem gesamten Geld von 27 L\u00e4ndern f\u00fcr die gemeinsame Verteidigung. Das hat der \u00f6ffentlich-rechtliche Rundfunk zur Verf\u00fcgung. Und damit k\u00f6nnen nat\u00fcrlich Frau Leopold und ihre Kolleginnen und Kollegen wirklich jede private Konkurrenz erledigen. <\/p>\n<p>[00:04:02]<br \/>\n<u>Daniel Bouhs<\/u>: <strong>Ich kann jetzt den konkreten Fall, den Du genannt hast, nicht wirklich einordnen, so aus dem Stand. Ich w\u00fcrde auch sagen: Auch beim \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunk gibt es wie in vielen Medien solche und solche Tage &#8211; mal etwas pauschal ausgedr\u00fcckt. Aber es gab ja, um auf die Texte und die Konkurrenz zu den Verlagen zur\u00fcckzukommen, muss man sagen, 2018 eine gro\u00dfe Einigung von Verlagen &#8211; Mathias D\u00f6pfner als Pr\u00e4sident des Verlegerverbandes war dabei &#8211; und Intendanten von ARD, ZDF und Deutschlandradio. Das Ergebnis war eine \u00dcberarbeitung der Onlinespielregeln f\u00fcr die Sender im Netz. Die Sender m\u00fcssen demnach zwar Audio und Video nach vorne stellen, also Texte d\u00fcrfen nicht dominieren, aber Texte sind ihnen auch nicht verboten. Im Gegenteil: Der Medienstaatsvertrag verpflichtet unter anderem die ARD zur Barrierefreiheit. Dazu geh\u00f6ren etwa auch Texte. Wie lie\u00dfe sich dieses, man kann das ja vielleicht auch als Dilemma beschreiben, aus Deiner Sicht optimal l\u00f6sen?<\/strong> <\/p>\n<p>[00:04:55]<br \/>\n<u>Johannes Boie<\/u>: Ja, Du Daniel, grunds\u00e4tzlich sind das alles Dilemmata. Und eins ist klar: [00:05:01]Barrierefreies Angebot ist ein Muss. Man darf nat\u00fcrlich keine Menschen, die kein Audio oder Video nutzen k\u00f6nnen, diskriminieren. Aber diese Diskriminierungsfreiheit darf nat\u00fcrlich keine Hintert\u00fcr sein, dass im Grunde doch die ganzen Webseiten voller Texte sind. [12.3s] So sehe ich das. Und lass&#8216; mich nochmal ein Beispiel bringen f\u00fcr die direkte Konkurrenzsituation. Vor ein paar Tagen sprach ich mit einem Freund von mir, der in Westdeutschland wohnt, und der sagte &#8222;Du, bei uns war ein Erdbeben im Raum Aachen&#8220;. Dann gehe ich zu Google News &#8211; und das macht es hoffentlich anschaulich &#8211; und gebe ein &#8222;Erdbeben Aachen&#8220;, weil ich mir das mal angucken wollte. Dann haut mir Google News drei Treffer raus: Einen von den &#8222;Aachener Nachrichten&#8220;, einen von der &#8222;S\u00fcddeutschen Zeitung&#8220;. Beides, wenn ich mich richtig erinnere, Pay-Geschichten, also wof\u00fcr ich h\u00e4tte bezahlen m\u00fcssen. Und daneben dann eben noch der WDR, der mir das gratis anbietet. War f\u00fcr mich nat\u00fcrlich als Nutzer bequem: Ich musste nicht extra bezahlen. Aber was machen die &#8222;Aachener Nachrichten&#8220;? Und wir brauchen doch den Regionaljournalismus. Wir brauchen doch auch die private Medienvielfalt. Die haben keine Chance, solange der Markt so verzerrt ist. <\/p>\n<p>[00:05:58]<br \/>\n<u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: <strong>Also, ich w\u00fcrde nicht sagen, dass der WDR das gratis angeboten hat, denn das ist ja im Rundfunkbeitrag mit drin. Das haben ja alle bezahlt und noch nicht einmal alle, sondern nur jeder Haushalt und jede Betriebsst\u00e4tte. Also, da sind ja auch Menschen, die nicht bezahlen, sozusagen im Beifang mit diese Medien nutzen k\u00f6nnen. Aber ich verstehe das Problem. Und das sollte ja auch von der Medienpolitik geregelt werden und ist ja geregelt worden. Und jetzt gibt&#8217;s eben \u00fcber den Begriff &#8222;Presse\u00e4hnlichkeit&#8220; unterschiedliche Auffassungen: Ab wann ist ein Internetangebot presse\u00e4hnlich, wenn er sozusagen das Layout einer Zeitung imitiert? Also mit viel Text und so weiter, oder wird auch selbst die Presse im Netz nicht mehr presse\u00e4hnlich, weil da auch viele Videos dabei sind? Zugegebenerma\u00dfen: Ist alles gestattet, ist alles gut. Aber woran orientiert man sich? Und da ist es wie bei vielen Rechtsf\u00e4llen ein immer weiter Ann\u00e4hern der Rechtspositionen. Aber: Kollegen von Ihnen st\u00f6ren sich ja nicht nur an den Texten, sondern auch an den Social-Media-Aktivit\u00e4ten der ARD insgesamt. Als die &#8222;Tagesschau&#8220; mal wieder den ersten Platz unter den Nachrichtenangeboten belegte, twitterte ein Onlinejournalist der &#8222;Welt&#8220; &#8211; nicht der &#8222;Welt am Sonntag&#8220; &#8211; ich zitiere:<\/strong> <\/p>\n<p>[00:06:59] <\/p>\n<blockquote class=\"twitter-tweet\" data-lang=\"de\" data-theme=\"dark\">\n<p lang=\"de\" dir=\"ltr\">Zur Wahrheit geh\u00f6rt immer noch, dass dies nur m\u00f6glich ist durch einen massiven Einsatz von Geb\u00fchrengeldern. Der Erfolg der Tagesschau-Kollegen ist verdient, basiert aber auf Wettbewerbsverzerrung. Kein Publisher verf\u00fcgt ann\u00e4hernd \u00fcber ein \u00e4hnliches Budget oder Personal. <a href=\"https:\/\/t.co\/9xKQfZfasv\">https:\/\/t.co\/9xKQfZfasv<\/a><\/p>\n<p>&mdash; Thore Barfuss (@leerstelle) <a href=\"https:\/\/twitter.com\/leerstelle\/status\/1351253496335622145?ref_src=twsrc%5Etfw\">18. Januar 2021<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p> <script async src=\"https:\/\/platform.twitter.com\/widgets.js\" charset=\"utf-8\"><\/script><\/p>\n<p><u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: <strong><em>&#8222;Der Erfolg der &#8218;Tagesschau&#8216;-Kollegen ist verdient, basiert aber auf Wettbewerbsverzerrung. Kein Publisher verf\u00fcgt ann\u00e4hernd \u00fcber ein \u00e4hnliches Budget oder Personal.&#8220;<\/em>  Das hatten Sie ja im Prinzip jetzt auch gerade gesagt. \u00c4rgert Sie das auch, dass da wirklich mehr Geld &#8211; also, ich glaube, die &#8222;Tagesschau&#8220; kriegt nicht acht Milliarden, das ist das ZDF, das Deutschlandradio, dazu geh\u00f6rt auch radioeins, der gesamte ARD-H\u00f6rfunk und so weiter und so fort &#8211; aber letzten Endes ist es ja auch so, dass die &#8222;Tagesschau&#8220; zum Beispiel Tiktok ins Visier genommen hat, um junge Menschen zu erreichen, obwohl sich dort direkt noch kein Geld verdienen l\u00e4sst.<\/strong> <\/p>\n<p>[00:07:33]<br \/>\n<u>Johannes Boie<\/u>: Ja, weil sie es eben kann. Abgesehen davon finde ich es auch schwierig, auf Tiktok \u00fcberhaupt zu sein, weil das ein chinesischer Staatskonzern ist und man nicht wei\u00df, was mit den Daten passiert. Das aber nur am Rande. Wissen Sie, Daniel sagte ja vorhin, ich habe meine Karriere bei der &#8222;S\u00fcddeutschen&#8220; begonnen. Es ist 15 Jahre her, da hab ich mal mit einer Kollegin damals in der &#8222;S\u00fcddeutschen&#8220; eine Geschichte gemacht: Wie kommen Verlage und Medien durch die Digitalisierung? Sie ist zu einem kleinen Verlagshaus gefahren in M\u00fcnchen &#8211; nat\u00fcrlich nicht zum eigenen &#8211; und ich bin ins Hauptstadtstudio gefahren. Und das ist mir bis heute in Erinnerung. Da war das iPhone gerade relativ neu auf dem Markt. Und Uli Deppendorf, damals noch Hauptstadtstudio-Chef, hat mich wahnsinnig nett empfangen. Es war ein toller Termin. Es arbeiten ja auch so tolle Leute beim \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunk. Und dann hat er mir noch verschiedene Studios und die B\u00fcros aller seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gezeigt. Und da lag bei jedem ein iPhone auf dem Tisch. Oft gar nicht ausgepackt. Und da hab ich ihn gefragt &#8222;Herr Deppendorf, was hat es denn damit aufsich?&#8220;. Und dann hat er gesagt &#8222;Ja, wissen Sie, wir haben einfach mal jedem Mitarbeiter ein iPhone gekauft, damit sich die Kolleginnen und Kollegen damit mal auseinandersetzen k\u00f6nnen und diese neue digitale Welt kennen k\u00f6nnen&#8220;. Und das ist nat\u00fcrlich nur eine Anekdote und sie ist auch zugegebenerma\u00dfen &#8211; ich wei\u00df nicht &#8211; 12, 13, 14 Jahre her. Aber: Das zeigt nat\u00fcrlich, mit welcher L\u00e4ssigkeit sich der \u00d6ffentlich-Rechtliche auf die Zukunft einstellen kann. Das k\u00f6nnen die Privaten einfach nicht. Ich stimme Ihnen aber auch zu: Es sind Dilemmata, wohin man schaut. Und deswegen stellt sich mir die Frage, ob man nicht sehr viel grunds\u00e4tzlicher an den \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunk ran m\u00fcsste, sodass die einzelnen Streitf\u00e4lle auch irgendwann mal beerdigt werden k\u00f6nnen, weil man sagt &#8222;Okay, wir machen was grunds\u00e4tzlich anders&#8220;. <\/p>\n<p>[00:09:11]<br \/>\n<u>Daniel Bouhs<\/u>: <strong>Genau. Es geht ja auch nicht nur um die Onlineaktivit\u00e4ten. Derzeit gibt es ja auch eine Debatte, wie es mit dem Rundfunkbeitrag und dem Angebot mit Auftrag und Struktur von ARD, ZDF und Deutschlandradio weitergehen soll. Du berichtest da teilweise auch selbst dr\u00fcber, Johannes. Wie sieht f\u00fcr Dich, wenn Du es jetzt entscheiden k\u00f6nntest, die Zukunft des \u00d6ffentlich-Rechtlichen aus? Also wie sollte das aus Deiner Sicht neu strukturiert werden?<\/strong> <\/p>\n<p>[00:09:34]<br \/>\n<u>Johannes Boie<\/u>: Also, ich glaube, dass der \u00d6ffentlich-Rechtliche &#8211; und das tut mir \u00fcbrigens weh und leid &#8211; in einer Legitimationskrise ist. Das kommt paradoxerweise auch durch Zitate von Mitarbeitern. Ich glaube, dass Frau Leopold das z.B. mit ihren Aussagen einfach befeuert, weil man sagt &#8222;Okay, sie begreifen es nicht&#8220;. Es kommt auch wegen diesem Aktivismusvorwurf. Dar\u00fcber sprachen wir schon. Es kommt wegen Ungleichheiten, Unfairness. Stichwort: Ist Ostdeutschland richtig gecovert? Es kommt dar\u00fcber, dass viele Leute das Gef\u00fchl haben, der \u00f6ffentlich-rechtliche Rundfunk sei sehr linkslastig. Und ehrlich gesagt: Mir f\u00e4llt auch kein konservativer Kommentator im \u00d6ffentlich-Rechtlichen ein. Es kommt nat\u00fcrlich wegen der Kosten. Deswegen hatten wir ja die ganze Misere in Sachsen-Anhalt, weil die Leute gesagt haben &#8222;Freunde, 8-Milliarden-Budget, noch mehr?!&#8220;. Zwei Drittel der Deutschen wollen ja auch keine Erh\u00f6hung, also zwei Drittel der Bev\u00f6lkerung. Und deswegen: Ja, Daniel, du sprichst das an. Ich glaube, man muss grunds\u00e4tzlicher dar\u00fcber reden. <\/p>\n<p>[00:10:30] Ich k\u00f6nnte mir vorstellen, dass man sich hin entwickelt zu einer Welt, wo eben nur noch einzelne Sendungen \u00f6ffentlich gef\u00f6rdert werden, z. B. die &#8222;Tagesschau&#8220;, die nat\u00fcrlich unheimlich wichtig ist und jede Berechtigung hat, das Nachrichtenangebot. Wo man aber den &#8222;Bergdoktor&#8220;, die neun Sonderkommissionen, die ich wei\u00df nicht wie vielen &#8222;Tatorte&#8220;, die unz\u00e4hligen Tochterfirmen, Mediaagenturen, Produktionsfirmen alle mal abschafft. Ich weise nur nochmal kurz darauf hin: Der WDR hat sich ein neues Haus gebaut. Das sollte 80 Millionen kosten. Es hat dann 240 Millionen gekostet. Ist nicht vor 2024 in Betrieb. Es ist wirklich wie eine Beh\u00f6rde, bei der es nicht rund l\u00e4uft. Alles ein bisschen verkrustet. Ich bin daf\u00fcr, das aufzubrechen. Und zwar so, dass die positiven Aspekte des \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunks &#8211; n\u00e4mlich eine gute Information f\u00fcr alle B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger &#8211; erhalten bleiben, aber zu sehr viel geringeren Kosten. <\/p>\n<p>[00:11:27]<br \/>\n<u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: <strong>Da kommen Sie bei einer Position auf alle F\u00e4lle, beim &#8222;Bergdoktor&#8220;, an den ehemaligen Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Privatfunkverbandes Vaunet wahrscheinlich nicht vorbei. Der sieht das ganz gern. Aber wir haben es verstanden, Ihre Botschaft. Bitte bleiben Sie in der Leitung. Wir wollen uns gleich auch noch Verst\u00e4rkung holen, n\u00e4mlich zum Thema Clubhouse. Das ist ja eine App, die &#8211; Sie sagten es, die Marke ja bereits schon &#8211; auf dem iPhone nur gibt. Wir k\u00f6nnen hier an Eides statt versichern, dass uns radioeins noch nie ein iPhone geschenkt hat. <\/strong><\/p>\n<p>[00:11:54]<br \/>\n<u>Daniel Bouhs<\/u>: (lacht) <strong>Genau.<\/strong>\n<\/p><\/blockquote>\n<p><\/div><\/div>\n<div style=\"height: 10px;\"><\/div>\n<div style=\"height: 30px;\"><\/div>\n<hr \/>\n<div style=\"height: 5px;\"><\/div>\n<p><html><br \/>\n     <head><\/p>\n<style type=\"text\/css\">\n       body {\n                     background: #DADADA;\n       }\n      <\/style>\n<p>     <\/head><br \/>\n     <body><br \/>\n<\/body><br \/>\n    <\/html><br \/>\n<script src=\"https:\/\/apis.google.com\/js\/plusone.js\" type=\"text\/javascript\">\/\/ < ![CDATA[ {lang: 'de'} \/\/ ]]><\/script><br \/>\n<script src=\"http:\/\/twittercounter.com\/embed\/?username=medienmagazin&amp;style=avatar\" type=\"text\/javascript\"><\/script><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>No audio playback capabilities, please download the audio belowDownload Audio: Closed Format: MP3 Wer: * Johannes Boie, Chefredakteur &#8222;Welt am Sonntag&#8220; * Daniel Bouhs, Freier Medienjournalist * J\u00f6rg Wagner, Freier Medienjournalist Was: Schaltgespr\u00e4ch | Teil 2 zum \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunk Wann: 23.01.2021, 18:05-19:00 Uhr im radioeins-Medienmagazin und gek\u00fcrzt am 24.01.2021, 10:44\/17:44 Uhr im rbb Inforadio<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"footnotes":""},"categories":[17],"tags":[],"class_list":["post-49001","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aktuell"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/49001","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=49001"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/49001\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":50787,"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/49001\/revisions\/50787"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=49001"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=49001"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=49001"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}