{"id":49098,"date":"2006-02-04T15:39:16","date_gmt":"2006-02-04T13:39:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/?p=49098"},"modified":"2026-02-08T18:57:14","modified_gmt":"2026-02-08T16:57:14","slug":"herz-hanns-peter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/?p=49098","title":{"rendered":"Herz, Hanns-Peter"},"content":{"rendered":"<p><figure id=\"attachment_49102\" aria-describedby=\"caption-attachment-49102\" style=\"width: 1100px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/uploads\/2006_herz_hanns-peter_mitriaslogo_1100x546.jpg\" alt=\"\" width=\"1100\" height=\"546\" class=\"size-full wp-image-49102\" srcset=\"https:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/uploads\/2006_herz_hanns-peter_mitriaslogo_1100x546.jpg 1100w, https:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/uploads\/2006_herz_hanns-peter_mitriaslogo_1100x546-300x149.jpg 300w, https:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/uploads\/2006_herz_hanns-peter_mitriaslogo_1100x546-768x381.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1100px) 100vw, 1100px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-49102\" class=\"wp-caption-text\">Hanns-Peter Herz 2006 | Foto: \u00a9 J\u00f6rg Wagner &#8211; Logo: RIAS Berlin<\/figcaption><\/figure><br \/>\n<span style=\"font-size: 11pt; font-family: tahoma,arial,helvetica,sans-serif;\"><\/p>\n<div style=\"height: 20px;\"><\/div>\n <audio   controls > <source src=\"https:\/\/www.wwwagner.tv\/audio\/2006_herz_hanns-peter_192.mp3\" type='audio\/mpeg' \/> <object   type=\"application\/x-shockwave-flash\"  data=\"https:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/plugins\/wphtml5player\/inc\/flowplayer.swf\"  width=\"400\"  height=\"30\"> <param name=\"movie\" value='https:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/plugins\/wphtml5player\/inc\/flowplayer.swf' \/><param name=\"allowfullscreen\" value='false' \/><param name=\"cachebusting\" value='true' \/><param name=\"bgcolor\" value='#000000' \/><param name=\"flashvars\" value='config={\"plugins\":{\"controls\":{\"height\":30,\"autoHide\":false,\"fullscreen\":false}},\"clip\":{\"autoPlay\":false,\"url\":\"https:\\\/\\\/www.wwwagner.tv\\\/audio\\\/2006_herz_hanns-peter_192.mp3\"},\"playlist\":[{\"autoPlay\":false,\"url\":\"https:\\\/\\\/www.wwwagner.tv\\\/audio\\\/2006_herz_hanns-peter_192.mp3\"}],\"play\":{\"opacity\":0}}' \/>  No audio playback capabilities, please download the audio below<br \/><strong>Download Audio:<\/strong> Closed Format: <a href=\"https:\/\/www.wwwagner.tv\/audio\/2006_herz_hanns-peter_192.mp3\">MP3<\/a> <\/object> <!-- Generated by HTML5 Multimedia Framework (http:\/\/code.google.com\/p\/html5videoplayer) --> <\/audio>  \n<div style=\"height: 10px;\"><\/div>\n<p><u>Wer<\/u>:<br \/>\n* Hanns-Peter Herz (21.06.1927-01.09.2012), RIAS-Journalist von 1946-1966<br \/>\n* J\u00f6rg Wagner, Freier Medienjournalist<br \/>\n<u>Was<\/u>: Interview zu den Anf\u00e4ngen des RIAS<br \/>\n<u>Wo<\/u>: 12359 Berlin, in der Privatwohnung von Hanns-Peter Herz<br \/>\n<u>Wann<\/u>: 04.02.2006 im Vorfeld des 60. Jahrestags der RIAS-Gr\u00fcndung (07.02.1946)<br \/>\nDieses Gespr\u00e4ch entstand in dieser Fragenreihenfolge mit einem Stopp.<\/p>\n<div style=\"height: 10px;\"><\/div>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/uploads\/20120901_herz_hanns-peter_traueranzeige_deutschlandradio_800\u00d7579.png\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"390\" class=\"alignnone size-full wp-image-49112\" \/><\/p>\n<div style=\"height: 20px;\"><\/div>\n<div id='stb-container-8354' class='stb-container-css stb-custom-container stb-no-caption stb-image-none stb-ltr stb-border stb-side'><aside class='stb-icon'><img src='http:\/\/www.wwwagner.tv\/wp-content\/plugins\/wp-special-textboxes\/themes\/stb-dark\/heart.png'><\/aside><div id='stb-box-8354' class='stb-custom_box stb-box' ><\/p>\n<p>(w\u00f6rtliches Transkript der Rohfassung, H\u00f6rverst\u00e4ndnisfehler vorbehalten)<\/p>\n<div style=\"height: 20px;\"><\/div>\n<blockquote>\n<p>[00:00:00]  <em>&#8222;Wir alle sagen, wer her\u00fcberkommt, hat eine Entscheidung f\u00fcr Deutschland gef\u00e4llt. Ich wei\u00df, dass die Herren beim Staatlichen Rundfunkkomitee, die dieser Sendung zuh\u00f6ren, jetzt schon das Stichwort an den Rand schreiben: Da k\u00f6nnen wir wieder einen Kommentar machen, wie der RIAS abwirbt. Nun, dann sage ich Ihnen nur eins: Das ist Abwerbung f\u00fcr Deutschland und Abwerbung f\u00fcr Deutschland ist die Pflicht jedes anst\u00e4ndigen Menschen in diesem Lande. Abwerbung f\u00fcr Deutschland, f\u00fcr unsere geliebte Heimat.&#8220;<\/em> <\/p>\n<p>[00:00:29]<br \/>\n<u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: <strong>Hanns-Peter Herz, Sie haben sich auf dieser Aufnahme wieder erkannt. K\u00f6nnen Sie ungef\u00e4hr noch einsch\u00e4tzen, wann das war und zu welchem Anlass Sie diesen Kommentar gemacht haben? <\/strong><\/p>\n<p>[00:00:41]<br \/>\n<u>Hanns-Peter Herz<\/u>: Also der Kommentar muss gemacht worden sein zu einem Prozess, der in der DDR stattgefunden hat, in dem sechs oder sieben Beschuldigte verurteilt worden sind wegen Abwerbung. Und da gab es eine H\u00f6rerfrage dazu und darauf habe ich diesen Kommentar verfasst. Und wenn das richtig &#8230; wenn ich das richtig sehe, muss das 1962\/63 gewesen sein. <\/p>\n<p>[00:01:10]<br \/>\n<u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: <strong>Nun diente dieser Kommentar m\u00f6glicherweise f\u00fcr das Staatliche Rundfunkkomitee in der Nalepastra\u00dfe als Beleg, wie Sie es gesagt haben, daf\u00fcr wie der RIAS anwirbt. Haben Sie das in Kauf genommen, dass man sozusagen Sie wieder gebraucht, um Propaganda gegen den RIAS zu machen?<\/strong> <\/p>\n<p>[00:01:28]<br \/>\n<u>Hanns-Peter Herz<\/u>: Dazu war man in den letzten Jahren ohnehin gekommen, denn alles konnte gegen einen verwendet werden und sie haben alles gegen einen verwendet. Aber damit haben sie daf\u00fcr gesorgt, dass es praktisch \u00fcber ihre Sender auch ausgestrahlt wurde. <\/p>\n<p>[00:01:43]<br \/>\n<u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: <strong>Wie muss man sich das vorstellen? Es gibt diesen Begriff des &#8222;Kalten Krieges&#8220;. Haben Sie sich auch als &#8222;Kalter Krieger&#8220; gef\u00fchlt?<\/strong> <\/p>\n<p>[00:01:50]<br \/>\n<u>Hanns-Peter Herz<\/u>: Ja, ich war sogar stolz darauf, dass ich so genannt worden bin. Denn damit hat man ja best\u00e4tigt, dass das, was gesagt worden ist, die Stimme war ja die einzige Waffe, die wir hatten, dass das ernst genommen wurde und dass es also &#8230; dass man den Versuch gemacht hat, es st\u00e4ndig zu diffamieren. Und unsere Erfahrung war als Macher dieser Sendung, dass die Menschen verstanden haben, was wir meinten, dass wir sie nicht zu Aktivit\u00e4ten aufrufen wollten, die ihnen das Leben gekostet &#8230; h\u00e4tte kosten k\u00f6nnen oder die sie ins Gef\u00e4ngnis gebracht h\u00e4tten, sondern dass wir nur best\u00e4tigt haben, dass wir uns als die Vertreter eines gr\u00f6\u00dferen Gesamtdeutschlands gesp\u00fcrt haben und dass wir deshalb auch manches deutlicher gemacht haben, als es vielleicht andere getan haben. <\/p>\n<p>[00:02:47]<br \/>\n<u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: <strong>Was war denn eigentlich der Anlass f\u00fcr Sie, zum RIAS zu sto\u00dfen?<\/strong> <\/p>\n<p>[00:02:52]<br \/>\n<u>Hanns-Peter Herz<\/u>: Der Anlass war, dass ich als junger Journalist anfing und mein Vater Chefredakteur des RIAS war und er mir die Chance gegeben hat, ein paar Probesendungen zu machen. Meine erste Probesendung war &#8222;Der Rundfunk besucht eine Tageszeitung&#8220;. Da ging es um den Tagesspiegel, der damals gerade neu auf dem Markt war. Und dann habe ich mehrere andere Reportagen gemacht und war schlie\u00dflich beim Jugendfunk und wurde dort als Redakteur angestellt und habe dann eine politische Jugendfunkreihe aufgebaut, die sich unter anderem damit befasste, den Menschen in der DDR etwas zu erkl\u00e4ren, was sie vielleicht so nicht verstehen konnten. Und zu den Erkl\u00e4rungen geh\u00f6rte etwa: In der Pionierrepublik wurden Modeschauen veranstaltet und diese Modeschauen wurden unter dem Motto &#8222;Blau&#8220; veranstaltet wie das Halstuch der Pioniere. <\/p>\n<p>[00:03:50]<br \/>\nUnd ich habe versucht, den jungen Leuten, den Pionieren und den FDJlern auseinanderzusetzen, wie man Farben kombinieren kann, dass man mit Blau nicht viel kombinieren kann, dass man aber mit Gr\u00fcn, Rot und Gelb eine Menge kombinieren kann. Und da habe ich provoziert eine Reihe von Artikeln in der Jungen Welt, die sich damit auseinandergesetzt haben. Dann gab es mal eine Einrichtung, die sich &#8222;Dienst f\u00fcr Deutschland&#8220; nannte. Es war ein Arbeitsdienst, den die da eingerichtet haben dr\u00fcben. Und wir haben uns damit auseinandergesetzt. Jeden Tag in einer Jugendfunk-Sendung morgens um 06:05 Uhr und haben den jungen Leuten erkl\u00e4rt, wozu sie missbraucht werden sollten, n\u00e4mlich zum Schanzen von &#8222;Sicherungsanlagen&#8220;, wie die DDR es bezeichnet hat. Und der &#8222;Dienst f\u00fcr Deutschland&#8220; wurde dann sang- und klanglos aufgel\u00f6st. <\/p>\n<p>[00:04:51]<br \/>\n<u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: <strong>Waren das Ihre eigenen pers\u00f6nlichen \u00dcberzeugungen? Oder gab es so etwas beim RIAS, dass es Leits\u00e4tze gab? Wie beim Axel-Springer-Verlag oder dass man sich auch austauschte unter den Kollegen, was k\u00f6nnen wir heute f\u00fcr die Zone, so hie\u00df es ja damals, f\u00fcr Sendungen machen?<\/strong> <\/p>\n<p>[00:05:10]<br \/>\n<u>Hanns-Peter Herz<\/u>: Also dass wir uns unter den Kollegen ausgetauscht haben, war selbstverst\u00e4ndlich. Aber Leids\u00e4tze gab es nicht. Und unsere amerikanischen Freunde, die als sogenannte Kontrolloffiziere teilweise arbeiteten, die haben uns sehr gro\u00dfe Freiheiten gestattet und haben nur mal eingegriffen, wenn wir uns vergaloppiert haben, wenn wir vielleicht Amerika zu rosig dargestellt haben oder auch deutsche Verh\u00e4ltnisse falsch skizziert haben nach ihrer Meinung. Und da ist manches nicht gesendet worden, was auch nur Schaden angerichtet h\u00e4tte, wenn es gesendet worden w\u00e4re. Aber das ist alles eine Frucht einer Zusammenarbeit gewesen. Ich habe nie wieder in meinem Leben eine deutsch-amerikanische Institution kennengelernt, die so echt zusammengearbeitet hat zwischen Amerikanern und Deutschen wie den RIAS. Und daf\u00fcr bin ich den Vereinigten Staaten auch dankbar, wenn ich sie auch jetzt vielfach kritisiere. <\/p>\n<p>[00:06:15]<br \/>\n<u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: <strong>Der RIAS war ja eine Einrichtung der USIA, der Informationsbeh\u00f6rde der amerikanischen Regierung und man k\u00f6nnte sich vorstellen, dass unabh\u00e4ngiger Journalismus eigentlich nicht so richtig m\u00f6glich ist. Sie sagten zwar gerade, der Einfluss war, wenn, dann nur sehr gering, aber in der DDR-Propaganda hie\u00df es immer, der RIAS sei eine CIA-Agenten-Zentrale. Haben Sie davon was gesp\u00fcrt?<\/strong> <\/p>\n<p>[00:06:37]<br \/>\n<u>Hanns-Peter Herz<\/u>: Davon habe ich nie etwas gesp\u00fcrt und es ist auch hirnverbrannter Unsinn gewesen. Die Amerikaner haben ihre Pressefreiheit, die sie im Lande praktiziert haben, auch hier praktiziert. Und die Deutsch-Amerikaner, die uns beaufsichtigt haben, will ich mal sagen, die haben wirklich Verst\u00e4ndnis gehabt f\u00fcr das, was deutsche Belange waren und haben uns diese deutschen Belange beschreiben und vortragen lassen. Und wenn ich daran denke, dass ich animiert wurde vom Chefredakteur und von unserem amerikanischen Direktor w\u00e4hrend der Passierscheinetage 1963, einen Ultrakurzwellen-Sender abgetrennt vom allgemeinen RIAS-Programm zu betreiben und den Leuten zu sagen, dass sie an dieser Aktion der Begegnung im Osten des Landes und Berlins teilnehmen sollten, obwohl wir ja vorher sie gewarnt haben, sich in den Osten zu begeben und in Gefahr zu begeben. Wir haben die Zusagen der DDR f\u00fcr bare M\u00fcnze genommen und als bare M\u00fcnze dargestellt und wir sind damit gut gefahren. Es war ein erster Schritt der Ann\u00e4herung auf dem Wege zur Wiederherstellung einer Einheit Deutschlands. <\/p>\n<p>[00:08:05]<br \/>\n<u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: <strong>Wie haben Sie denn diese Haltung gefunden? Das ist ja dann doch so ein Umkippen des Schalters von, sagen wir mal, offener Konfrontation hinzu &#8230; ja, der Politik, der kleinen Schritte, der Bes\u00e4nftigung, der, wenn man so will, der tats\u00e4chlich Ann\u00e4herung, wie sie <a href=\"https:\/\/www.wwwagner.tv\/?p=22368\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Egon Bahr<\/a>, der ja mal Chefredakteur im RIAS war, dann sp\u00e4ter mit Willy Brandt &#8222;Wandel durch Ann\u00e4herung&#8220; nannte. Das geht doch, wenn man tagt\u00e4glich Radio macht, sicherlich nicht mit einem Ruck?<\/strong> <\/p>\n<p>[00:08:35]<br \/>\n<u>Hanns-Peter Herz<\/u>: Erstens bin ich seit langem befreundet gewesen mit Willy Brandt und ich bin heute noch befreundet mit Egon Bahr und habe auch mitgewirkt an der Ausgestaltung der kleinen Schritte, die in Deutschland gegangen worden sind. Und ich fand, dass das eine M\u00f6glichkeit war, die Konfrontation im Lande zu beenden und langsam in eine Situation zu kommen, dass sich im Bereich der DDR Widerstand entwickelt hat. Geistiger Widerstand, nicht sinnloser Widerstand auf den Stra\u00dfen, aber geistiger Widerstand, der dazu f\u00fchren konnte, ein Element zum Wiederaufbau eines vereinigten Deutschland zu sein. Aber ich gebe ehrlich zu, dass ich nicht daran geglaubt habe, dass das zu meiner Lebenszeit zustande kommen w\u00fcrde. <\/p>\n<p>[00:09:29]<br \/>\n<u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: <strong>Vielleicht k\u00f6nnen Sie das nochmal ganz kurz beschreiben, wie der t\u00e4gliche Radioalltag f\u00fcr Sie aussah. Was haben Sie von den Osten-Medien geh\u00f6rt und wie haben Sie letzten Endes darauf reagiert?<\/strong> <\/p>\n<p>[00:09:40]<br \/>\n<u>Hanns-Peter Herz<\/u>: Also wir haben zum Teil sehr komisch darauf reagiert. Ich besonders. Ich hatte eine &#8230; an mir entdeckt, eine F\u00e4higkeit, Live-Sendungen jeder Art zu machen und habe dann im Fr\u00fchprogramm, das ich mit konstruieren durfte f\u00fcr den RIAS, erfunden Sendungen, die sich mit dem Osten auf interessante rundfunktechnische Weise auseinandersetzten. Wir haben uns in das Programm von Radio DDR eingeblendet und ich habe das kommentiert live, was die gerade gesendet haben. Und das hat dazu gef\u00fchrt, dass sie manche Kommentare einfach nicht mehr gebracht haben und dass die Kommentatoren auch nicht mehr live auf den Sender durften im Osten, sondern dass sie ihre Kommentare vorher irgendwem zur Zensur vorlegen mussten, w\u00e4hrend wir immer mehr in Live-Sendungen \u00fcbergegangen sind und die Live-Sendung auch dazu beigetragen haben, die Menschen im Osten sozusagen an unserem Leben etwas mehr teilnehmen zu lassen, als das mit Konserven-Sendungen der Fall war. <\/p>\n<p>[00:10:52]<br \/>\n<u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: <strong>Hatten Sie da eine politische Mission, so etwas wie Destabilisierung der DDR oder Aufweichung der DDR oder einfach nur den Spiegel vorhalten? Was war Ihr innerer Antrieb? Mit welchem Ziel haben Sie Radio gemacht?<\/strong> <\/p>\n<p>[00:11:06]<br \/>\n<u>Hanns-Peter Herz<\/u>: Mit dem Ziel, denen st\u00e4ndig Ihren &#8230; den Spiegel vorzuhalten. Und wo immer es die M\u00f6glichkeit gab, den Menschen klarzumachen, dass dies ein System war, das dem Nationalsozialismus in vielem \u00e4hnlich war, wenn es auch gewisse gewaltige Unterschiede gab. Aber ein System, das nicht auf deutschem Boden entstanden war, sondern in der Sowjetunion und dass es von deutschen Kommunisten, die sich als sowjetische Handlanger bet\u00e4tigt haben, hier durchgesetzt wurde. <\/p>\n<p>[00:11:40]<br \/>\n<u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: <strong>War das Konsens beim RIAS oder gab es da auch unterschiedliche politische Motivationen? Eher, sagen wir mal, auch die gesagt haben: Wir sind einfach nur Journalisten und wollen nur informieren?<\/strong> <\/p>\n<p>[00:11:52]<br \/>\n<u>Hanns-Peter Herz<\/u>: Also alle, die ich kenne, die beim RIAS gearbeitet haben, auch zu meiner Zeit, hatten eine gewisse Mission und haben sich als Missionare im politischen Sinne auch gef\u00fchlt, indem sie das, was sie geglaubt haben, \u00f6ffentlich vortrugen und die Kritik an den Systemen im Osten, aber auch an manchem im Westen \u00e4u\u00dferten, um im Sinne einer Vorbereitung der Wiedervereinigung im Geistigen zu arbeiten. <\/p>\n<p>[00:12:25]<br \/>\n<u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: <strong>Wenn Sie nun zur\u00fcckblicken, sp\u00fcren Sie da Ihren eigenen Anteil, wenn man sieht, dass die Vereinigung ja nun doch zu Ihren Lebzeiten gekommen ist?<\/strong> <\/p>\n<p>[00:12:32]<br \/>\n<u>Hanns-Peter Herz<\/u>: Also ich m\u00f6chte mich nicht \u00fcberh\u00f6hen, sozusagen. Aber ich bin doch in gewissem Sinne ganz stolz, dass ich es machen durfte und dass das doch eine gewisse Wirkung, Mitwirkung hatte und dass daraus dann auch f\u00fcr meine sp\u00e4tere T\u00e4tigkeit als Chef der Senatskanzlei in Berlin und damit Verbindungsmann zu den Alliierten sehr viel Fr\u00fcchte getragen hat diese Haltung, dann muss ich doch sagen, irgendwo ist man stolz auf das, was man geleistet hat. <\/p>\n<p>[00:13:11]<br \/>\n<u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: <strong>Der RIAS hatte nicht nur eine politische Mission oder die Journalisten im RIAS, sondern es gab nat\u00fcrlich auch etwas, was heute als Standard verstanden wird in der Berichterstattung, in der Kultur, in der Unterhaltung. Was war f\u00fcr Sie, wenn Sie zur\u00fcckblicken, die wirkliche Leistung des RIAS?<\/strong> <\/p>\n<p>[00:13:32]<br \/>\n<u>Hanns-Peter Herz<\/u>: Die wirkliche Leistung des RIAS war die Vielfalt des Programms. In der Vielfalt lag die St\u00e4rke des Senders, angefangen bei den &#8222;Insulanern&#8220; bis hin zu den Kommentaren, die in der Politik gelaufen sind und den Musiksendungen, die also mit moderner Musik bekannt gemacht haben. In einer Zeit, in der im Osten der finsterste &#8230; die finsterste Reaktion, kommunistische Reaktion herrschte und die auch mit Dichtung bekannt gemacht haben, die aus der Reihe fiel, sodass also ein Gesamtprogramm des RIAS f\u00fcr mich doch ein deutsches Radioprogramm par excellence war. <\/p>\n<p>[00:14:18]<br \/>\n<u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: <strong>Der RIAS sendet nicht mehr. Es war damals irgendwie die Logik, der Auftrag des RIAS h\u00e4tte sich erf\u00fcllt. Haben Sie diese Logik nachvollziehen k\u00f6nnen?<\/strong> <\/p>\n<p>[00:14:28]<br \/>\n<u>Hanns-Peter Herz<\/u>: Nein, nie nachvollziehen k\u00f6nnen. Ich h\u00e4tte dem RIAS noch weitere Jahre geg\u00f6nnt. Wenn es nach mir gegangen w\u00e4re, w\u00e4re der \u00dcbergang anders gelaufen. Aber ich glaube, dass die Richtung Rundfunkkr\u00e4fte aus Ost und West zusammenzufassen und im Deutschlandfunk und Deutschlandradio zu b\u00fcndeln, richtig war. Und dass der RIAS eine gute Erinnerung an eine Zeit, die nicht gerade gut war, sein sollte. <\/p>\n<p>[00:14:59]<br \/>\n<u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: <strong>Haben Sie sich mit ehemaligen Kontrahenten auf der Ostseite inzwischen ausgetauscht und auch verstanden, warum Journalisten aus dem Osten so gesendet haben, wie sie gesendet haben?<\/strong> <\/p>\n<p>[00:15:08]<br \/>\n<u>Hanns-Peter Herz<\/u>: Ich hatte mit die Aufgabe nach dem Ende des RIAS, viele Ostberliner Rundfunkjournalisten zu integrieren. Und ich war als Vorsitzender des Journalistenverbandes in Berlin derjenige, der die Einheit der Journalisten in Berlin wieder mit zustande bringen durfte. Und das ist ganz logisch, dass man sich damit Leuten ausgetauscht hat, mit denen man fr\u00fcher sich gegen\u00fcber sa\u00df. Und ich habe mal erlebt bei einem Mann, der im Presseamt der DDR gearbeitet hat und manchen b\u00f6sen Artikel \u00fcber mich geschrieben hatte, ein Gespr\u00e4ch f\u00fchren zu m\u00fcssen zur Vorbereitung einer gemeinsamen Pressekonferenz damals zwischen Ost- und Westberlin. Und der sagte auf gut S\u00e4chsisch: Nu sehnse, so sitzen wir hier zusammen und wir verstehen uns doch. <\/p>\n<p>[00:16:04]<br \/>\n<u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: <strong>Das h\u00e4tten Sie sich wahrscheinlich auch nie tr\u00e4umen lassen, dass das mal so kommen wird. Ist das eher jetzt so etwas wie man es auch aus dem Milit\u00e4r kennt, dass man sich respektiert, obwohl man Gegner war?<\/strong> <\/p>\n<p>[00:16:13]<br \/>\n<u>Hanns-Peter Herz<\/u>: Das kann sein. Aber es hat etwas damit zu tun, dass es viele Journalisten im Osten gegeben hat, die sich versucht haben, um eine Parteilichkeit im Sinne der SED herum zu dr\u00fccken, die Aussagen gemacht haben zum Leben, soweit sie es tun konnten. Und deren innerer Widerstand gegen das kommunistische Regime sollte ja eigentlich gew\u00fcrdigt werden. Dabei habe ich eine Cousine von mir entdeckt, die beim Rundfunk in der DDR war und die mir \u00fcber ihre Sendungen berichtet hat. Und da habe ich nat\u00fcrlich gemerkt, dass sie vieles gemacht hat, was genau auf der Grundlinie lag, die wir im RIAS vertreten haben, n\u00e4mlich nicht Deutschland mehr auseinanderzurei\u00dfen, sondern wieder zusammenzubringen. <\/p>\n<p>(Interviewstopp)<\/p>\n<p>[00:17:07]<br \/>\n<u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: <strong>Hanns-Peter Herz, wann haben Sie denn \u00fcberhaupt in Ihrem Leben, wenn Sie zur\u00fcckdenken, das erste Mal Kontakt \u00fcberhaupt mit dem Medium Radio gehabt?<\/strong> <\/p>\n<p>[00:17:14]<br \/>\n<u>Hanns-Peter Herz<\/u>: Also mit dem Sender K\u00f6nigs Wusterhausen, das war schon &#8230; da war ich vier Jahre alt, da hatte mein Vater ein Nora-Radioger\u00e4t besorgt, gekauft und das wurde bei uns zu Hause aufgestellt. Und wir h\u00f6rten dann den Sender K\u00f6nigs Wusterhausen. Und da ich noch nicht richtig das in die deutsche Form bringen konnte, hie\u00df er bei mir der &#8222;Sender K\u00f6nig muss nach hausen&#8220;. Und ich bin dann an einen Schrank gegangen, habe einen Stecker da reingesteckt in ein Schl\u00fcsselloch und hab gesagt: Jetzt ist hier der Rundfunk Berlin und der Rundfunk Berlin sendet. Also ich war am Anfang schon sehr rundfunkorientiert und rundfunkbegeistert. Und dann haben wir im Kriege, meine Eltern und ich, st\u00e4ndig die BBC geh\u00f6rt. Und in der BBC habe ich gelernt, in den Sendungen der BBC habe ich gelernt, wie man und was man im Rundfunk machen kann. <\/p>\n<p>[00:18:20]<br \/>\n<u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: <strong>Das war doch aber sehr lebensgef\u00e4hrlich geradezu.<\/strong> <\/p>\n<p>[00:18:24]<br \/>\n<u>Hanns-Peter Herz<\/u>: Na, da wir sowieso Verfolgte des Nazi-Regimes waren, spielte das keine gro\u00dfe Rolle mehr. Mein Vater war Jude und ich bin Halbjude und wir haben eine ganze Menge durchgemacht. Aber wir haben auch viel Unterst\u00fctzung gefunden von Leuten selbst in SS-Uniformen. Und die haben dazu beigetragen, dass wir nach dem Kriege in Deutschland geblieben sind. <\/p>\n<p>[00:18:49]<br \/>\n<u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: <strong>Wann reifte denn in Ihnen der Wunsch, Journalist zu werden? War das die Auseinandersetzung mit den zwei verschiedenen Rundfunksystemen? Einerseits BBC, andererseits der Deutsche Reichsrundfunk?<\/strong> <\/p>\n<p>[00:19:03]<br \/>\n<u>Hanns-Peter Herz<\/u>: Es war die M\u00f6glichkeit, die sich entwickelte, als in Berlin der Drahtfunk im amerikanischen Sektor seine Sendungen aufnahmen und dann in RIAS umgestellt wurde durch ein Mittelwellensender, der vom deutschen Milit\u00e4r \u00fcbriggeblieben war. Und da gab es ja dann den Berliner Rundfunk. Da haben wir viele Sendungen, haben wir abgeh\u00f6rt im Berliner Rundfunk, weil es keine andere Zeitansage gab. Und mein sp\u00e4terer Schwiegervater hatte die Zeit beim Rundfunk gemacht, und zwar erst beim Berliner Rundfunk die Zeitanlage betreut und dann beim RIAS die Zeitanlage betreut. Und diese Zeitanlagen haben wir nat\u00fcrlich &#8230; Zeitansagen haben wir abgeh\u00f6rt. Und dann, als der RIAS auf ein Mittelwellensender umgestiegen ist, kam bei uns in der &#8211; damals wohnten wir in der Hanne-N\u00fcte-Stra\u00dfe in Britz &#8211; kam der Rundfunk aus dem Ausguss, denn das war ja hier &#8230; der Sender war in Britz, der war nicht richtig abgeschirmt, weil es gar keine M\u00f6glichkeiten gab, ihn abzuschirmen. Und da h\u00f6rten wir die Kommentare. Auch meine Kommentare kamen aus dem Ausguss und die meines Vaters. Da haben wir manchmal hei\u00dfes Wasser drauf laufen lassen, weil uns die Kommentare zu stur vorkamen. <\/p>\n<p>[00:20:32]<br \/>\n<u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: <strong>Sie sagten, Ihr Vater war Chefredakteur beim RIAS. Hat er Sie sozusagen f\u00fcr dieses Medium RIAS begeistern m\u00fcssen? Oder war das ein nat\u00fcrlicher Vorgang, dass Sie einfach dahin dr\u00e4ngten?<\/strong> <\/p>\n<p>[00:20:44]<br \/>\n<u>Hanns-Peter Herz<\/u>: Seine Art, mit mir \u00fcber Rundfunk und \u00fcber Journalismus zu reden, hat wesentlich dazu beigetragen, dass ich sagte: den Weg und keinen anderen. Ich hab&#8216; dann zwar den Umweg gew\u00e4hlt, Jura zu studieren, aber nur um ein Fundament zu haben, auf das man sich st\u00fctzen konnte, wenn man in schwierige Situationen ger\u00e4t. <\/p>\n<p>[00:21:08]<br \/>\n<u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: <strong>Wann war denn der erste Tag beim RIAS?<\/strong> <\/p>\n<p>[00:21:12]<br \/>\n<u>Hanns-Peter Herz<\/u>: Der Drahtfunk im amerikanischen Sektor hatte im Februar 1946 angefangen und ich war Ende Februar schon unter den ersten, die eine Sendung machten, n\u00e4mlich &#8222;Der Rundfunk besucht die Tageszeitung&#8220;. Ich konnte noch alles machen, was ich f\u00fcr richtig hielt und was die Abteilungsleitung, die war f\u00fcr Jugend-, Frauen- und Kinderfunk zust\u00e4ndig, was die Frau Mertens hie\u00df sie, was die f\u00fcr richtig fand und f\u00fcr gut fand, hat sie gesagt: Mach! Und dann wurde es gemacht. Und so war das eigentlich im RIAS auch sp\u00e4ter. Ich hab&#8216; auch als Abteilungsleiter junge Leute gehabt, die ich animieren konnte und animieren durfte, ihre Ideen umzusetzen. <\/p>\n<p>[00:22:03]<br \/>\nUnd die hatten zum Teil sehr verr\u00fcckte Ideen. Aber die sind dann ganz gut gelaufen. Wir haben uns mal als Jugendfunk eine Sache geleistet, die ganz komisch war und zwar einen Aprilscherz erster Ordnung. Wir hatten eine Sendung, die hie\u00df &#8222;Die Fr\u00fchst\u00fcckspause&#8220;. Die kam jeden Dienstag fr\u00fch und der 1. April fiel auf den Dienstag. Und da hatten wir &#8230; hatte ein Kollege von mir, sich ausgedacht zu sagen, der B\u00fcrgermeister von Kreuzberg, Kressmann w\u00fcrde Hundefutter spenden und das Hundefutter w\u00fcrde am Rathaus Sch\u00f6neberg ausgegeben werden. Der wu\u00dfte gar nichts von seinem Gl\u00fcck. Aber es versammelten sich etwa 200 Leute mit ihren Hunden vor dem Rathaus Sch\u00f6neberg und dann rief Willy Kressmann bei mir an und sagte: Ich bringe Hundefutter. Ihr habt mich ja ganz sch\u00f6n reingeritten, aber ich bringe es. So war das, was wir auch an Verr\u00fccktheiten produziert haben. <\/p>\n<p>[00:23:06]<br \/>\n<u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: <strong>Waren Sie gleich zu Beginn Redakteur? Gab&#8217;s diese Bezeichnung oder war man da M\u00e4dchen f\u00fcr alles?<\/strong> <\/p>\n<p>[00:23:11]<br \/>\n<u>Hanns-Peter Herz<\/u>: Am 1. April 1947 war ich Redakteur beim RIAS und war angestellt beim Jugendfunk als Redakteur und habe dann diese Stellung als Redakteur beibehalten bis 1966. Und ich bin dann \u00fcber die Leitung der Ost-Redaktion und der Innenpolitik schlie\u00dflich in den Senat von Berlin gewechselt und wurde Chef des Presse- und Informationsamtes und sp\u00e4ter Chef der Senatskanzlei bei Klaus Sch\u00fctz. <\/p>\n<p>[00:23:44]<br \/>\n<u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: <strong>Sie machten in dem Gespr\u00e4ch darauf aufmerksam, dass der RIAS mit dem Passierschein-Abkommen eine andere Strategie verfolgte. Ist das wirklich so die Z\u00e4sur gewesen, dass Sie sagen: Davor war der RIAS mehr jemand, der die Konfrontation suchte, die Destabilisierung der Zone, der DDR und ab da bem\u00fchte man sich um &#8230; ja Ausgeglichenheit, um Balance?<\/strong> <\/p>\n<p>[00:24:11]<br \/>\n<u>Hanns-Peter Herz<\/u>: Diese Passierscheinsituation, die sich 1963 entwickelt hat, die war tats\u00e4chlich ein Bruch mit alten Traditionen. Wir haben also den Abkommen, die geschlossen worden sind, geglaubt. Wir hatten ja vorher immer die Meinung vertreten, dass alles, was die DDR sagt und was sie auch in Abkommen verbrieft hatten, verbriefen wollten, nur dem Zweck diente, eine Anerkennung der DDR herbeizuf\u00fchren und damit langsam die westliche Position aufzul\u00f6sen und auch in Berlin eine neue Situation zu schaffen, die Chruschtschow dann bef\u00f6rdern wollte oder bef\u00f6rdert hat. Das war also ein Abschnitt und der Abschnitt war auch gepr\u00e4gt durch konfrontative Sendungen, w\u00fcrde ich mal sagen. Aber nicht durch Aufhetzen der Bev\u00f6lkerung, sondern dadurch, dass man Gegen\u00fcberstellungen brachte. Viel st\u00e4rker in der Gegen\u00fcberstellung sprach von dem, was bei uns war, ohne das ein Paradies zu nennen und von dem, was dr\u00fcben war, ohne das die H\u00f6lle zu nennen. Aber die Gegen\u00fcberstellung war etwas, was ein wesentliches Element der Rundfunkpolitik des RIAS gewesen ist, aber auch des Nordwestdeutschen Rundfunks in seinem Berliner Sender und dann sp\u00e4ter beim Sender Freies Berlin. <\/p>\n<p>[00:25:47]<br \/>\nDenn die Passierschein-Abkommen haben ja signalisiert, dass man dem, was die DDR unterschrieben hatte und von den Russen genehmigt war, dass man dem Glauben schenkte. Und das mussten wir doch der Bev\u00f6lkerung klarmachen, dass sie, um die inneren Zusammenhalte Deutschlands zu festigen oder wiederherzustellen, dass sie da aus diesem Grunde das anerkennen mussten, was mit den DDR-Beh\u00f6rden vereinbart worden war. Und das war nat\u00fcrlich ein Schwenk. Und das war auch etwas, was mich selber betraf. Ich hatte vorher nicht einmal durchfahren k\u00f6nnen durch die DDR und von da an konnte ich dann pl\u00f6tzlich wieder durchfahren, konnte meine Verwandten besuchen mit Passierschein. Und das habe ich ausgenutzt, regelrecht ausgenutzt. Ich hab&#8216; mal gesagt in dieser Zeit auch in einem Kommentar, vor der Passierschein-Aktion hatten wir brieflichen Kontakt mit drei unserer Verwandten. Nach der Passierschein-Aktion hatten wir menschlichen Kontakt mit 30 Personen aus unserer Verwandtschaft und das hat nat\u00fcrlich gez\u00e4hlt. Das hat einen ganz neuen, ganz neues Element in die Politik gebracht und auch f\u00fcr uns einen neuen Impetus in den Sendungen sich auseinanderzusetzen. Man wusste wovon man sprach, viel mehr als von dem, was man vorher nur erfahren hatte durch andere. <\/p>\n<p>[00:27:27]<br \/>\n<u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: <strong>Aber es hie\u00df da noch ziemlich lange nicht &#8222;DDR&#8220;, sondern &#8222;Mitteldeutschland&#8220; oder &#8222;Zone&#8220; oder &#8222;Ostzone&#8220;. Und dann, als es mit der Anerkennungswelle also richtig losging Anfang der 70er Jahre, gab es dann aber auch immer noch so ein bisschen &#8230; Heinz Petruo, Sie erinnern sich, der die drei Buchstaben sehr gedehnt formulierte: &#8222;D-D-R&#8220;, um auch hier zu zeigen, es ist noch nicht alles im Lot.<\/strong> <\/p>\n<p>[00:27:52]<br \/>\n<u>Hanns-Peter Herz<\/u>: Es gab keine Linie, nicht mehr &#8222;DDR&#8220; zu sagen oder nicht &#8222;DDR&#8220; zu sagen und &#8222;Sowjetzone&#8220; beizubehalten, sondern das konnte jeder aus seiner inneren Einstellung machen. Matthias Walden war ja lange Chef-Kommentator beim RIAS und der hat die Passierscheine-Politik mit Gift und Galle verfolgt. Und trotzdem haben die Berliner zumindest 1,5 Millionen von den Passierscheinen Gebrauch gemacht. Sie haben uns geglaubt. Sie haben geglaubt, nachdem wir ihnen gesagt haben, wir haben erst es so anders gesehen und jetzt sehen wir es so, weil wir Zusagen von sowjetischer und deutsch-russischer Seite haben, in denen gesagt wird, wer daran teilnimmt. Wer den Passierschein bekommt, der kommt auch wieder nach Hause. <\/p>\n<p>[00:28:43]<br \/>\n<u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: <strong>Und die Amerikaner haben das so begleitet?<\/strong> <\/p>\n<p>[00:28:47]<br \/>\n<u>Hanns-Peter Herz<\/u>: Die haben das begleitet und haben uns aber deutlich gemacht, dass sie eine Politik der Ann\u00e4herung zwischen beiden Teilen Deutschlands als positiv bewerten w\u00fcrden. <\/p>\n<p>[00:28:59]<br \/>\n<u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: <strong>Jetzt nochmal Schritt zur\u00fcck. 1963 sagten Sie: Passierscheinabkommen. Chruschtschow. Da gab&#8217;s dann so eine &#8211; das nannte sich Tauwetter-Periode in der DDR. Da entstand auch der erst einmal 99-Stunden-Sender DT 64, der dann sp\u00e4ter vom Berliner Rundfunk entstand. Wie haben Sie diesen neuen Sender, sage ich mal, diesen Jugendfunk beobachtet und eingesch\u00e4tzt?<\/strong> <\/p>\n<p>[00:29:22]<br \/>\n<u>Hanns-Peter Herz<\/u>: Wir haben ihn eingesch\u00e4tzt insofern, als wir uns mit mancher Sendung, die dort gelaufen ist, ernsthafter auseinandergesetzt haben, als vielleicht das fr\u00fcher der Fall war. Wir haben es nicht einfach als Propaganda abgetan, sondern haben unsere Meinung dazu gesagt, sodass sich auch eine ungewollte Diskussion zwischen Ost und West daraus ergeben hat. <\/p>\n<p>[00:29:48]<br \/>\n<u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: <strong>K\u00f6nnen Sie das n\u00e4her beschreiben? Was hei\u00dft Diskussion?<\/strong> <\/p>\n<p>[00:29:50]<br \/>\n<u>Hanns-Peter Herz<\/u>: Diskussion hei\u00dft, dass wir auf Sendungen geantwortet haben und dass die wieder auf diese Sendung geantwortet haben, sodass ein Gespr\u00e4ch zwischen den Rundfunksendern stattgefunden hat, was dann auch seinen Ausdruck fand im &#8222;Studio am Stacheldraht&#8220; und \u00e4hnlichen Geschichten. Das waren ja auch Diskussionen \u00fcber die Mauer hinweg, die nachher, die zun\u00e4chst sehr einseitig waren, dann aber sich auch entwickelt haben. Und ich w\u00fcrde sagen, diese kleinen Ans\u00e4tze sind ja alle zu einem gro\u00dfen Ganzen zusammengelaufen, irgendwann. <\/p>\n<p>[00:30:34]<br \/>\n<u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: <strong>Also es gab da so etwas wie ein Kr\u00e4ftemessen &#8230;<\/strong><\/p>\n<p>[00:30:37]<br \/>\nJa. <\/p>\n<p>[00:30:37]<br \/>\n<u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: <strong>&#8230; zwischen den einzelnen Stationen. F\u00fchlten sich da tats\u00e4chlich so unserem Art Wettbewerb?<\/strong> <\/p>\n<p>[00:30:42]<br \/>\n<u>Hanns-Peter Herz<\/u>: Das w\u00fcrde ich schon sehen. Aber wir haben nat\u00fcrlich immer wieder die Grenzen gesp\u00fcrt, die den Leuten bei DT64 gezogen waren. Und die Grenzen wurden wieder immer enger, je freier sich dieser Sender gef\u00fchlt hatte. <\/p>\n<p>[00:31:00]<br \/>\n<u>J\u00f6rg Wagner<\/u>: <strong>Es war ja lange Zeit so, dass der RIAS durch die aktuellere, frischere und dann auch westliche Musik einen Vorteil hatte. Haben Sie das bewusst, sagen wir mal forciert, dass Sie versucht haben, auch Quellen in den USA anzuzapfen, damit Sie immer sogar vielleicht noch besser sind als der AFN?<\/strong> <\/p>\n<p>[00:31:17]<br \/>\n<u>Hanns-Peter Herz<\/u>: Das war richtig, denn die Musik war ein wesentliches Vehikel f\u00fcr Rundfunkempfang in dieser Zeit. Und je moderner sie war, je mehr sie den W\u00fcnschen junger Menschen entgegenkam, desto mehr wurde von dem Programm auch zur Kenntnis genommen. <\/p>\n<\/blockquote>\n<p><\/div><\/div>\n<div style=\"height: 10px;\"><\/div>\n<div style=\"height: 30px;\"><\/div>\n<hr \/>\n<div style=\"height: 5px;\"><\/div>\n<p><html><br \/>\n     <head><\/p>\n<style type=\"text\/css\">\n       body {\n                     background: #DADADA;\n       }\n      <\/style>\n<p>     <\/head><br \/>\n     <body><br \/>\n<\/body><br \/>\n    <\/html><br \/>\n<script src=\"https:\/\/apis.google.com\/js\/plusone.js\" type=\"text\/javascript\">\/\/ < ![CDATA[ {lang: 'de'} \/\/ ]]><\/script><br \/>\n<script src=\"http:\/\/twittercounter.com\/embed\/?username=medienmagazin&amp;style=avatar\" type=\"text\/javascript\"><\/script><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>No audio playback capabilities, please download the audio belowDownload Audio: Closed Format: MP3 Wer: * Hanns-Peter Herz (21.06.1927-01.09.2012), RIAS-Journalist von 1946-1966 * J\u00f6rg Wagner, Freier Medienjournalist Was: Interview zu den Anf\u00e4ngen des RIAS Wo: 12359 Berlin, in der Privatwohnung von Hanns-Peter Herz Wann: 04.02.2006 im Vorfeld des 60. Jahrestags der RIAS-Gr\u00fcndung (07.02.1946) Dieses Gespr\u00e4ch entstand [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"footnotes":""},"categories":[114,127],"tags":[1140,648,471,384],"class_list":["post-49098","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-a-z","category-h","tag-berliner-rundfunk","tag-ddr","tag-dt64","tag-rias"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/49098","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=49098"}],"version-history":[{"count":18,"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/49098\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":54995,"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/49098\/revisions\/54995"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=49098"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=49098"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.wwwagner.tv\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=49098"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}