Buhrow, Tom

Tom Buhrow kurz nach der WDR-Intendantenwahl | Foto: © WDR/Herby Sachs
Tom Buhrow kurz nach der WDR-Intendantenwahl | Foto: © WDR/Herby Sachs

„Wir wollen uns nicht durchsetzen auf Kosten von anderen.“

Wer:
* Tom Buhrow, tagesthemen-Moderator und neuer WDR-Intendant
* Werner Lange, freier Medienjournalist
Was: Interview zur WDR-Intendantenwahl
Wann: rec.: 29.05.2013, ca. 19:00 Uhr; veröffentlicht im radioeins-Medienmagazin vom 01.06.2013, sowie in einer gekürzten Fassung im rbb Inforadio, 02.06.2013
Wo: Köln, WDR-Funkhaus am Wallrafplatz, Kleiner Sendesaal

Vgl.:
* WDR-Pressekonferenz
* Telefoninterview mit Thomas Hinrichs, ARD aktuell

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(Wörtliches Transkript)

0:00
Werner Lange: Herzlichen Glückwunsch, Herr Buhrow …

0:20
Tom Buhrow: Dankeschön.

Werner Lange: … Intendant der größten ARD-Anstalt heißt auch eine Menge Verantwortung und auch eine Menge Arbeit. Es geht wahrscheinlich nicht nur um den Landessender WDR, sondern es geht in Zukunft auch eben um den großen ARD-Sender und um einen großbestimmenden Faktor innerhalb des öffentlich-rechtlichen Systems. Welche Aufgabe erscheint Ihnen am dringlichsten, wenn’s um das Gefüge der ARD geht?

0:23
Tom Buhrow: Ich glaube, dieses Erbsenzählen, wer hat jetzt mehr Gewicht in der ARD, das bringt uns nicht weiter. Ich bin mit Lutz Marmor befreundet und ich werd‘ denn jetzt alles tun, was ich kann, um den jetzt zu unterstützen in seiner Funktion jetzt als Repräsentant der ARD und als Stimme der ARD. Wir haben ähnliche Probleme und wir müssen gucken, dass wir unsere Kräfte bündeln und nicht gegeneinander arbeiten.

0:45
Werner Lange: Es ist aufgefallen, dass Sie vom Hörfunk gesprochen haben und vom Fernsehen gesprochen haben. Normalerweise wird eigentlich nur noch von Trimedialität gesprochen …

0:53
Tom Buhrow: Ja. Also, ich bevorzuge den Begriff Crossmedialität, weil ich glaube, bei Trimedialität da schwingt somit: o.k. es gibt Hörfunk, es gibt Fernsehen und dann gibt es noch eine Säule, eine Programmsäule daneben, eine dritte und die heißt Internet. Es ist aber ganz anders. Das Internet vermischt alles. Und deshalb müssen wir weg von diesem Säulendenken und müssen eigentlich hinkommen dazu, dass wir in Produkten denken. Das heißt, das, was jetzt zum Beispiel gerade mit „Tagesschaum“ entsteht. Es gibt aber noch einige andere Dinge, die im WDR in der Pipeline sind, von denen ich gehört habe und die mich sehr ermutigen, wo versucht wird, die Marken, die in einem Medium schon etabliert sind, wirklich als Produkt, als digitales Gesamtprodukt zu verwerten. Das ist, glaube ich, so eine … da können wir uns jetzt noch gar nicht vorstellen, wohin das führt. Aber wenn Sie Ihre Kinder, ich weiß nicht, ob Sie Kinder haben, wenn Sie Ihre Kinder sehen, meine jedenfalls, die klappen den Laptop auf und die gucken eigentlich nur noch über die verschiedensten Medien und nonlinear. Die wollen sowohl Unterhaltung, als auch Information, als auch irgendwelche Dinge wollen sie dann sehen, wenn sie die … wenn sie die sehen wollen. Anytime, anywhere.

1:50
Werner Lange: Sie haben gesagt, Sie bringen die Liebe mit. Nun ist es aber so, dass besonders in der ARD eben auch oft ein Hauen und Stechen ist. Es geht auch um Interessen. Es geht um Interessen in den Ländern des Senders usw. und gerade in diesen Wochen geht es darum, wie die ARD mit ihren Partnerkanälen, mit ihren digitalen Partnerkanälen umgehen wird. Da hat der Westdeutsche Rundfunk ja auch Interessen. Meinen Sie, man könnte dieses Problem einvernehmlich lösen?

2:16
Tom Buhrow: Ich werd‘ alles dazu tun, damit wir einvernehmliche Lösungen finden. Egal worum es geht. Und ich kann eins sagen, ich möchte … möchte da als Signal geben, auch an den rbb und an die Menschen dort, dass der WDR nicht sein Gewicht in die Waagschale wirft, um irgendwas für sich selbst rauszuholen oder besonderen Einfluss zu haben, um seiner selbst willen, sondern der WDR wird sein Gewicht solidarisch einbringen, damit wir alle besser dastehen. Und das gilt für eigentlich alles, was wir gemeinsam produzieren. Und über das, was wir gemeinsam produzieren hinaus. Wenn man bedenkt, wo wir … wieviel wir leisten, sowohl im Informationsbereich, aber auch im Fictionbereich, wo wir da auch die Last von manchen anderen zum Teil mitschultern.

2:55
Werner Lange: Früher galt der WDR eben auch als der Sender, der international gute Korrespondentenstellen hatte usw. meinen Sie der WDR findet diese Position wieder?

3:03
Tom Buhrow: Ich glaube, er hat sie immer noch. Also ich meine, ich war bis vor sechs Jahren Korrespondent in Washington. Im Augenblick ist Tina Hassel Korrespondentin in Washington, nicht nur Korrespondentin, sondern Studioleiterin. Ich kann mich … (Michael) Strempel hat einen Superjob in Paris gemacht. Wir hatten Ellen Ehni , wir hatten Ellis Fröder, wir hatten Markus Preiß, der in Brüssel war, der geht jetzt zur Verstärkung nach Paris. Wir haben … wir haben wirklich die Leute. Und wir haben auch die starken Studios. Also, ich seh‘ das nicht so, dass wir da eine Position wiedergewinnen wollen. Denn es ist so, seien Sie mal ehrlich, also Sie sagen so: ja Mensch, wollen Sie nicht zu viel für sich rausholen als WDR? Und dann fragen Sie aber in der nächsten Frage: ja haben Sie denn genug Gewicht ins Programm einzubringen? Also, es ist so wie … man kann es Ihnen nicht richtig recht machen. Mein Signal: wir haben eine Stärke im Programm, auch was die Korrespondenten angeht und was die Zulieferung zu Tagesschau, Tagesthemen, Nachtmagazin, Morgenmagazin und alles angeht. Wir haben auch die Korrespondenten dafür. Wir haben die Gesichter dafür. Aber wir wollen nicht uns durchsetzen auf Kosten von anderen. Wir werden auch dem rbb weiter solidarisch zur Seite stehen.

Werner Lange: Vielen Dank.

Tom Buhrow: O.k. Alles klar. Danke.








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