Aktuell - Mittwoch, März 2, 2011 23:17 - 16 Kommentare
Das Augenzwinkern der BILD
Am späten Abend des 24.02.2011 veröffentlicht die Frontfrau der Band Wir sind Helden, Judith Holofernes, eine spontane Reaktion auf die Offerte einer Werbeagentur (Jung von Matt/Alster Werbeagentur GmbH), bei einer BILD-Kampagne mitzuwirken. Sie schreibt unmissverständlich, dass sie dafür NICHT zur Verfügung stehe.
Vier Tage später erscheint in der taz eine Anzeige der BILD. Der Inhalt: der Antwort-Text an die Werbeagentur. Mit Hilfe der taz wird Judith Holofernes doch noch Bestandteil einer BILD-Werbe-Kampagne. Sebastian Heiser von der taz erklärt, 12.555 Euro Anzeigenerlös: “Das sind schon ein paar Monatsgehälter für einen taz-Mitarbeiter.”
Wie sieht es der Vorstandsvorsitzende der Axel Springer AG, Dr. Mathias Döpfner?
Vgl.:
*
Zuletzt aktualisiert: Freitag, 4. März 2011, 15:18 Uhr
16 Kommentare
Name
Markus
Also darf man jetzt frei die BILD kopieren und weiterveröffentlcihen, um Augenzwinkernd auf die Inhalte des täglichen Boulevard hinzuweisen? Interessant!
daMasta
Aha, eine Debatte auslösen wollen und dann sich nicht dran beteiligen, da das ja nur augenzwinkernd gemeint ist.
Dürfte dem BILD-Leser einleuchten.
Complott
Li-La-Lu, wir machen uns die Welt, wie Sie uns gefällt..mehr kann man dazu nicht mehr sagen.
Wobei ich den Moment, in dem der ganze Umfang der Frage Döpfners Neuronen erreicht,(so bei 0:28min) doch ganz amüsant finde.
Ui Frau Böttinger lebt noch…
Ansonsten finde ich es putzig, wie hier aus dem Nichts eine Story entsteht. Bild ist frech. Holofernes regt sich auf. taz macht Interview. Bild schaltet Anzeige. taz veröffentlicht anzeige. Und alle bepissen sich über eine Zeitung, die sie nicht lesen, eine Musikerin, die sie nicht hören, noch eine Zeitung, die sie nicht lesen – und alle beschäftigen sich im Prinzip mit sich selbst. Und dann das Interview in einem Fernsehsender, den ich nicht gucke mit einer Moderatorin, die ich nicht ausstehen kann.
Alles ganz ganz schrecklich. Hat was von Hollywood.
Denkt denn keiner an die Kinder?
Hahaha, der Fernsehkoch. ‘Ne ganz große Leuchte. Der soll mal weiter Zwiebeln schneiden.
Die Antwort Döpfners ist einfach nur widerlich.
c3p
ich sags nicht gern, aber er hat zumindest was leistungsschutzrecht angeht, recht.
Es ist eine einmalige Sache und nicht vergleichbar mit dem was zB google macht, die quasi nur aus fremden nachrichten leben.
Ich weiß das es juristisch anders aussehen kann, aber wegen einer sache würd ich jetzt nciht das fass aufmachen.
Ich glaub, es hackt « .:: Pamstiddn Kings ::.
[...] Rechtlich gesehen befindet sich die Bild auf dünnem Eis, da sie den Brief gegen den Willen von Judith Holofernes als Werbung mißbraucht. Ein interessantes Stellungnahme vom Vorsitzenden der Axel Springer AG gibt’s auf wwwagner.tv : [...]
paul
WIN-WIN-WIN für die taz für Holofernes und für die Gesellschaft.
Doppel-FAIL für die Bild-Zeitung.
Die Bild wurde damit gezwungen, ins Überleben und die Arbeitsplätze der taz Geld zu stecken.
Das Geld, dass die Bild in die taz-Anzeige stecken musste, fehlt der Bild auf der andere Seite
für miese Kampagnen und echte Werbung – die Anzeige in der taz ist nämlich Negativ-Werbung,
da es ein langer und ernster Text ist, der klar die Machenschaften der Bild aufzeigt und eben
keine sonst für die Bild-Werbekampagnen übliche Dumpf-Werbung ist, die nur aus einem
Foto und einem Schlagwort oder kurzem Satz besteht.
Und da taz-Leser sowieso extrem kritische Leute sind, hätte sogar eine echte Positiv-Werbung
für die Bild keine Wirkung auf die Leser gehabt. Oder glaubt hier jemand, wenn die Atomindustrie
20 Seiten Werbung in der taz schaltet, würden ganz plötzlich alle Leser Atomkraft ganz dufte und
harmlos finden?
admin
@paul BILD zeigt, wir werben, mit wem wir wollen und ob diejenigen dazu bereit sind oder nicht. Die taz hilft dabei, den ausdrücklichen Wunsch von Judith Holofernes nicht als Werbefläche zu dienen zu unterlaufen mit den Hinweis, wir brauchen das Geld. Wenn sie es wenigstens für BILD-Opfer spenden würde.
Ti Age
Rechtlich auf dünnen Eis???
Das stimmt in dem medienfreundlichen Rechtsstaat leider so nicht.
Mann konnte jetzt einen 4 bis 5 stelligen Betrag investieren, um vielleicht in einen halben Jahr eine Unterlassung zu erwirken.
Aber erstens ist die Werbekampagne dann schon längst Geschichte, und zweitens hat die Presse in der Zwischenzeit so fiel Geld mit der Werbung verdient, das es auf ein kleinen Betrag als Strafe auch nicht mehr drauf an kommt.
eric
Selber schuld. Werbeanfragen kann man auch mit einem schlichten ‘nein’ beantworten oder einfach in den Müll werfen. Wer das ganze so an die große Glocke hängt und einen simplen Tatbestand (recht hat sie ja) in schwülstigen Worthülsen ausbreitet, ist … (siehe Anfang).
admin
@eric Schuld woran? Dass man ihre Absage für Werbung missbraucht? Dass sich die taz prostituiert? Dass BILD Rechte verletzt?
Nachtrag zum offenen Brief von Holofernes an BILD » Rechtsanwalt Markus Kompa
[...] Mathias Döpfner wird auf den Holofernes-Streich der BILD-Zeitung angesprochen: [...]
alsoechtmal
@Ti Age, @eric
euer Rechtsverständnis macht mich fassungslos.
Ti Age: “rechtlich dünnes Eis” heißt doch wohl nicht, wie lang es möglicherweise dauert, einen Anspruch durchzusetzen, sondern ob ein Rechtsverstoß überhaupt vorliegt.
Und genau darum geht’s. Genau darum laviert Döpfner ja so schön drumrum, ob ein Rechtsverstoß vorliegt. Niemals würde er sich doch trauen zu sagen: “Klar, war das eine Rechtsverletzung. Aber dagegen zu klagen, dauert eh ewig.”
Eric: Genau. selbst schuld. Wenn Leute, die Attacken auf andere sehen und helfen wollen, zusammengeschlagen werden, dann sind es Leute wie Du, die sagen: “Heih, ihr hättet ja einfach weggehen können (und dabei vielleicht noch gemütlich die Polizei anrufen)
Das kotzt mich so an.
“Strikte Trennung zwischen Redaktion und Anzeigen” | tazblog
[...] – Was der Vorstandsvorsitzende der Axel Springer AG zu der Anzeige sagt [...]
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