Faktenchecking bei Spiegel, Zeit und tagesschau

Daniel Bouhs im radioeins-Sendestudio | Foto: © Jörg Wagner
Daniel Bouhs im radioeins-Sendestudio | Foto: © Jörg Wagner


Medien richten Einheiten gegen fake news ein, um Lügen, Manipulationen, verdeckte Propaganda im Netz zu erkennen. Aber wie stellen sie eigentlich sicher, dass ihre eigenen Berichte sauber sind? Die einen gönnen sich den „Luxus“ sogenannter Fact-Checker. Andere setzen auf „checks and balances“ im Redaktionsalltag. Daniel Bouhs mit drei Beispielen.

Wer:
* Daniel Bouhs, Medienjournalist
O-Töne:
* Bertolt Hunger, Dokumentarist, “Der Spiegel”
* Roman Pletter, stv. Wirtschaftschef „Die Zeit“
* Andreas Hummelmeier, CvD „tagesschau“ 20 Uhr
Was: Studiogespräch über Faktenkontrolle
Wo: Medienstadt Potsdam-Babelsberg, Senderegie radioeins
Wann: veröffentlicht im radioeins-Medienmagazin (rbb) vom 18.02.2017, 18:12 Uhr,
und in einer gekürzten Fassung im rbb-Inforadio am 19.02.2017, 10:44 und 15:24 Uhr


Leider muss im Zusammenhang mit diesem Audio eine Korrektur der Korrektur erfolgen, die erneut eine Entschuldigung zur Folge hat. Es geht um die Zahl der Berlinale-Filme, die von Frauen verantwortet wurden. Das verwirrende war, dass es unter den Berlinale-Filmen auch sechs Filme gab, die nicht im Wettbewerb standen, aber inhaltlich in der Berichterstattung erwähnt wurden. Bei den Frauenfilmen gab es nun Aussagen, die für eine schnelle mathematische Rechnung ungeeignet sind. Es war von vier Regisseurinnen unter den Berlinale-Filmen die Rede. Aber es hieß auch: ein Frauenfilm sei außerhalb der Konkurrenz gelaufen. Die zunächst plausibel wirkende, simple Rechnung 4 – 1 = 3 ist jedoch falsch. Tatsächlich gab es unter den Berlinale-Filmen, den 18 + 6 Filmen, 5 Filme, die von Regisseurinnen gemacht wurden. Von dieser Gesamtzahl muss man 1 subtrahieren. Die kommunizierte Zahl vier bezieht sich zwar auf die Berlinale-Filme, aber nur auf die 18 im Wettbewerb befindlichen, was aber nicht immer mit erwähnt wurde. Der Hinweis ein Berlinale-Film von einer Regisseurin stünde nicht im Wettbewerb muss man jedoch im Kontext der 24 Filme verstehen und nicht der 18. Die Chance für einen Goldenen Bären lag also bei 4 : 18 und nicht 3 : 18 oder 1 : 6, wie ich in der Sendung bedauerlicherweise behauptete. Vielen Dank an Robin Dabars für diesen Hinweis. Bei allem Willen, Fakten exakt zu vermitteln, wird an diesem Beispiel auch sehr schön deutlich, dass selbst bei einer kritischen Hinterfragung des Themas die Wahrscheinlichkeit, dass man bei der Faktenrecherche selbst auch noch Fehler macht, nicht auszuschließen ist. Eigentlich müsste man jetzt um die Zuverlässigkeit der Rechnung zu maximieren noch Namensirrtümer, Fehler bei Geschlechterzuordnungen, Transsexualität oder Mischproduktionen von Regisseur/Regisseurin ausschließen. Eine weitere Aufgabe könnte auch die Rekonstruktion des Fehlers beim Deutschen Kulturrat sein. Jetzt wird auch ziemlich klar, warum sich der Spiegel 70 Leute für ein Heft pro Woche leistet und diese nicht auch noch jeden Text kontrollieren, der im täglichen Spiegel Online publiziert wird, wie von Daniel Bouhs gehört. Auch deshalb kann man nur froh sein, wenn wie hier in diesem Fall durch Hörerinnen und Hörer Hinweise kommen. Bleiben Sie bitte kritisch.


Schöne Wendung trotz Statistik: der Berlinale-Film „Testről és lélekről“ (On Body and Soul) gewann den Goldenen Bären 2017. Regie + Buch von einer Frau: Ildikó Enyedi
Herzlichen Glückwunsch!








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