Zur Relevanz von Intermediären für die Meinungsbildung

Dr. Jan-Hinrik Schmidt | Foto: © Jörg Wagner
Dr. Jan-Hinrik Schmidt | Foto: © Jörg Wagner

Wer: Dr. Jan-Hinrik Schmidt, Wissenschaftlicher Referent am Hans-Bredow-Institut für Medienforschung an der Universität Hamburg
Was: Interview zur Frage, welchen Einfluss Intermediäre (Google, Facebook, whatsapp usw.) auf die Meinungsbildung haben. Aufgenommen am Rande der Veranstaltung „Ganz meine Meinung? – Politische Meinungsbildung in sozialen Netzwerken“ der Medienanstalten in Kooperation mit der LfM
Wo: Deutsche Kinemathek, Berlin
Wann: rec.: 08.03.2017, 19:43 Uhr; veröffentlicht in einer gekürzten Fassung im radioeins-Medienmagazin vom 11.03.2017, 18:24 Uhr und im rbb Inforadio vom 12.03.2017, 10:44/15:24 Uhr

Vgl.:
* Diskussion „Vielfalt sichern und Aufsicht neu denken.“
* Interview mit Prof. Dr. Birgit Stark
* Zu den Ergebnissen der Studie vom Hans-Bredow-Institut:

Wir haben nicht die eine, sondern drei wichtige Thesen. Die erste ist, dass Intermediäre also Suchmaschinen, Netzwerkplattformen wie facebook, aber auch whatsapp, also Messaging-Dienste aus der Meinungsbildung nicht mehr wegzudenken sind. Sie sind etablierte feste Bestandteile der Informationsrepertoires auch der deutschen Bevölkerung.

Die zweite wichtige Erkenntnis ist, dass diese Intermediäre nicht, wie sie es manchmal selber gerne darstellen, reine neutrale Plattformen sind, auf den nur irgendwelchen anderen Leute ihre Botschaften verbreiten. Nee, Intermediäre strukturieren Kommunikation in hochgradiger Art und Weise, zum Beispiel, indem sie personalisieren. Das ist eine hochgradige Strukturisierungsleistung, die z. B. Facebook anbringt. Facebook schafft uns ein personalisiertes Informations-Menü.

Und die dritte Kernbotschaft, die wir vermitteln wollten, ist, dass es die Wirkung der Intermediäre auf die Meinungsbildung nicht gibt, sondern wir müssen z. B. verschiedene Stufen von Meinungsbildung unterscheiden auf den Intermediäre unterschiedlich wirken können. Also es gibt zum Beispiel den Erwerb von Wissen und Informationen. Da sind Suchmaschinen wie Google natürlich enorm wichtig. Da ist aber auch wichtig, dass mir Facebook oder Whatsapp einen Eindruck davon vermitteln, was wird gerade in meinem sozialen Umfeld kommuniziert. Es gibt die Stufe der Wahrnehmung eines gesellschaftlichen Meinungsklima, welche Themen sind sozusagen gerade en vogue? Was wird diskutiert? Da ist zum Beispiel auch YouTube wichtig, weil ich dort meinetwegen bei News-YouTubern und in den Kommentaren darunter auch erfahren kann, wie denkt so die breitere Bevölkerung über ein Thema. Und die dritte Phase der Meinungsbildung, nämlich welche Einstellung zu einem Thema formiere ich eigentlich selber und auch welche Handlungsabsichten folgen daraus, da spielen die Intermediäre keine so ganz große Rolle. Da ist die face-to-face-Kommunikation, die persönliche Kommunikation von Angesicht zu Angesicht sehr wichtig, da unterhält man sich mit Freunden, Familienmitgliedern, vielleicht auch mit Kolleginnen und Kollegen darüber, wie die zu bestimmten Themen denken und da spielen die klassisch publizistisch-journalistischen Medien noch eine sehr wichtige Rolle, die eben uns auch Orientierung geben und denen doch die allermeisten Menschen nach wie vor vertrauen.








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