Wille, Karola

„Juristen sind ja Multitalente!“

Foto: mdr-Intendantin Prof. Dr. Karola Wille mit einem Geschenk-T-Shirt der mdr-Azubis.


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Jörg Wagner: Frau Dr. Wille, Sie haben in Ihrer Antrittspressekonferenz gesagt, dass es eine Herausforderung sei, die Glaubhaftigkeit wieder zurückzugewinnen, bei den Zuschauern wieder Vertrauen zu gewinnen oder den Zuhörern und aber auch bei den Mitarbeitern. Nun gab es eine neue Meldung, dass der Herstellungsleiter unter dem Unterhaltungschef Udo Foht suspendiert wurde oder beurlaubt wurde. Was hat es damit auf sich, mit dieser Meldung?

Karola Wille: Wir haben in dieser Woche von der Staatsanwaltschaft in Leipzig die Mitteilung bekommen, dass es ein Ermittlungsverfahren gegen Norbert May gibt und dass ein offensichtlicher Anfangsverdacht besteht und wir werden jetzt unverzüglich Akteneinsicht beantragen, damit wir dann in den nächsten Tagen mehr wissen, welche Vorwürfe konkret Herrn May gemacht werden.

Jörg Wagner: Man hat den Eindruck, als Außenstehender, dass jetzt immer mehr Fakten sich zu einem Puzzle zusammen setzen, wo man dann doch vielleicht zu der Überzeugung kommen muss, dass es vielleicht doch so etwas wie ein System gab. Auch geschuldet der Tatsache, dass die Unternehmenskultur dies zugelassen hat. Ist dieser Eindruck richtig oder kann man das vielleicht so pauschal doch nicht sagen?

Karola Wille: Also, den Systembegriff hier anzuwenden, halte ich für schwierig. Deswegen, wir müssen in der Tat jetzt erst einmal schauen, was gehört alles zu diesem Vorgang Foth? Gibt es tatsächlich weitere Leute, die sich strafbar gemacht haben? Bisher sind es ja alles Verdachtsmomente, auch gegen Herrn May. Also, das heißt ja noch lange nicht, dass er sich tatsächlich schuldig gemacht hat. Das heißt, wir müssen den Vorgang aufklären und wir müssen gucken, wo die Schwachstellen lagen. Aber das andere, was ich sehe ist und das meine ich, das gehört in der Tat dazu, wir müssen die Nachhaltigkeit auch in den Köpfen erreichen. Und es geht nicht nur um Regularien, um Prüfsysteme und Strukturen, sondern es geht auch um Veränderungen in den Köpfen. Das heißt, es geht um Aufmerksamkeit, Hinschauen, vielleicht die Dinge auch mal melden. Diese Kulturfrage, die habe ich diskutiert und die habe ich mit den Leuten auch in meinem Konzept erörtert. Und ich denke, dass das ein ganz wichtiger Teil ist, der mit dazugehört, damit man nachhaltig eben solche Dinge im Haus dann nicht mehr findet.

(…) (Auszug)

(Fotos: © Jörg Wagner)


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