Thoma, Helmut

Das Fernsehen hat eine große Zukunft noch vor sich

Helmut Thoma 2009 | Foto: Manfred Werner, CC BY-SA 3.0
Helmut Thoma 2009 | Foto: Manfred Werner, CC BY-SA 3.0


Download (verlinkte Audio-Quelle: rbb, radioeins)

Was: Telefoninterview zu Gottschalk und volks.tv
Wer: Prof. Dr. Helmut Thoma, u. a. Medienmanager und Initiator, Geschäftsführer von volks.tv
Wo: Huerth Rheinl.
Wann: 21.04.2012, 18:21 Uhr im radioeins-Medienmagazin, rbb

Vgl.:
* Danièle Thoma „Hochexplosiv. Mein Leben mit Mr. RTL“
* volks.tv-Trailer


(wörtliches Transkript)

0:00
Jörg Wagner: So, wir wechseln jetzt das Programm. Sie werden es unschwer erkennen, obwohl der eine Protagonist, der kommt Ihnen sicherlich bekannt vor, weil er eben noch bis vor kurzem hier zu hören war.

O-Ton:
Thomas Gottschalk: Herr Thoma, wenn Sie privat fernsehen, was gucken Sie da?
Helmut Thoma: Ja, eigentlich relativ wenig, weil ich spät nachhause komme und den ganzen Tag über schon die wunderbaren Sendungen ja schon anschaue.
Thomas Gottschalk: Aber gerade rechtzeitig zur Late Nigt?
Helmut Thoma: Selbstverständlich, deswegen sehe ich die meistens.
Thomas Gottschalk: Die Sendung für Führungskräfte.
Helmut Thoma: Sie seien mir die teuerste Sendung sozusagen.
Thomas Gottschalk: Die Ihnen teuerste? Und Sie wurden mit Herrn Kirch beim Abendessen beobachtet. Das wird sofort in der Szene … Sie wechseln nicht? Tun Sie mir das nicht an. Sonst muss ich zu Ihnen.
Helmut Thoma: Nein. Ich wechsele auch nicht zum WDR. Also, ich bleibe schon dort.

0:47
Jörg Wagner: Helmut Thoma, Sie wechseln zu volks.tv. Bevor wir dazu kommen, das war eben ein Ausschnitt aus einer Sendung bei RTL damals 1994, da waren Sie zu Gast bei Thomas Gottschalk. Bei wieviel Millionen Quote haben Sie damals den Stecker gezogen?

Helmut Thoma: Ja, irgendwie bei fast zwei und das war eigentlich durchaus schon in der Nähe, so zwei Millionen wollten wir erreichen. Aber es ist dann wirtschaftlich sozusagen nicht so gelaufen, wie wir uns das vorgestellt haben. Aber auch Gottschalk wollte eigentlich aufhören, nachdem ich ihm ja auch die Rückkehr zu “Wetten, dass..?” ermöglicht habe. Das war ihm auch im Grunde genommen höchstwahrscheinlich zu anstrengend jeden Abend da aufzutreten. Also, es war von beiden Seiten dann zu Ende.

1:29
Jörg Wagner: Aber, bei wieviel Millionen hätten Sie gesagt, das kann man durchaus weiterführen das Experiment?

Helmut Thoma: Na ja, man hätte vielleicht …. wenn eine halbe Million noch dazu gekommen wäre und vor allem auch die werbetreibende Wirtschaft das mehr angenommen hätte, dann hätte man das gern weitermachen können, nicht? Vor allem hätte (das) dann auch Gottschalk machen wollen oder müssen, ja.

1:50
Jörg Wagner: Also, Sie können die ARD durchaus verstehen, dass man jetzt bei rund einer Million sagt, so wir führen das Experiment jetzt nicht weiter?

Helmut Thoma: Naja, klar kann ich das verstehen. Wobei ich allerdings sage, das hätte man, wie gesagt, im Vorhinein wissen müssen, dass man in 20 Minuten nicht eine Talkshow entwickeln kann. Das funktioniert ganz einfach schon von der Zeit her nicht. Da waren Werbeeinblendungen und sehr starke Gegenprogramme im eigenen Bereich. Das ist ja im Bereich des sogenannten Werberahmenprogramms. Also, das war mit hoher Wahrscheinlichkeit von vornherein nicht machbar.

2:27
Jörg Wagner: … mit den Erfahrungen von RTL natürlich, weil es war ja so ein ähnliches Format, wenn man so will.

Helmut Thoma: Ja, genau. Aber wie gesagt, es war ja eine Stunde fast. Während hier so 20 Minuten. Und da kann man ja nix machen, ja?

2:36
Jörg Wagner: Nun sind Sie nicht zum Westdeutschen Rundfunk gewechselt, das habe ich gesagt. Sie wollen jetzt volks.tv machen. Nun hat das deutsche Volk schon den Volksempfänger gehabt, Volkswagen, Volkspolizei und Volksbibel. Was ist nun volks.tv?

Helmut Thoma: Na ja, auch ein Fernsehsender, der wieder sozusagen aufschließen muss, soll, zudem, was eigentlich die Bevölkerung haben möchte, vor allem etwas jüngere Zuschauer. Das ist ja einmal ein Arbeitstitel. Naja, höchstwahrscheinlich werden wir es volks.tv nennen. Es gibt ja alle möglichen Volks-Produkte. Und Volk ist ja nichts schlechtes einmal. Ich meine, dass es immer mal wieder auch von den Falschen genutzt wird, dagegen kann man sich sicher nicht wehren. Deshalb kann man jetzt nicht den Begriff Volk, der ja sehr positiv eigentlich ist, sozusagen desavouieren.

3:22
Jörg Wagner: Jaja, wir sind das Volk! Wir sind das Volk! Das kennen Sie auch noch aus Leipzig?

Helmut Thoma: Ja, genau. Was man eigentlich machen müsste, ist, oder beziehungsweise was für eine Idee dabei ist, ist, dass man das erste deutsche sozusagen Network, das, was die Amerikaner, wo sie eigentlich das Privatfernsehen entwickelt haben und wo auch unsere öffentlich-rechtlichen ihre gesamten Anregungen hergenommen haben am Beginn ihrer Tätigkeit, nämlich die Networks, das ist nichts anderes als das, was wir als volks.tv machen möchten, aufbauend auf regionalen, lokalen Sendern ein Gesamtprogramm, ein nationales Programm drüber zu geben und das mit dem Lokalen und Regionalen zu vernetzen. Das ist die Idee dabei, die, noch dazu für Deutschland, deshalb besonders adäquat ist, weil ja Fernsehen und Hörfunk beides regional sozusagen rechtlich zuzuordnen ist. Das ist Ländersache. Das ist eindeutig durch das Bundesverfassungsgericht so festgestellt worden.

4:21
Jörg Wagner: Was muss man dafür Geld mitbringen, um so etwas zu machen?

Helmut Thoma: Überschaubar. Ich meine wir müssen, wir können, wir wollen in den ersten anderthalb Jahren mit 30 Millionen – das ist ja praktisch wirklich eine überschaubare Summe im Vergleich zu den allen anderen: Damit kann man nicht einmal einen Fußballklub richtig betreiben, aber Fernsehen geht. Wenn man nämlich ein Fernsehprogramm macht, das sich sehr mit den Social Medias beschäftigt, also mit facebook, auch mit twitter und YouTube und alles mögliche. Natürlich nicht ausschließlich, sondern auch sie einbezieht in das Programm. Und ich glaube, dass hier noch einmal eine Möglichkeit besteht, nachdem die Fernsehsender alle sehr, sehr alt geworden sind. Die Jugend schaut kaum die traditionellen Fernsehprogramme an. Selbst die privaten Sender sind relativ überaltert. SAT.1 liegt bei 50 und RTL bei 46. Also, da ist ja die erste Jugend auch schon vorbei.

5:19
Jörg Wagner: Wie sieht das aus? Sieht man dann wie irgendwelche, lustige Moderatoren YouTube-Videos spielen?

Helmut Thoma: Naja, man kann dort Casting Shows machen, man kann alles mögliche machen. Auch das ist ja auch schon versucht worden. Wie das gelaufen ist, das war etwas zu einfach, glaube ich. Die Integration ist das Wichtige. Das, was halt so wichtig ist, dass ja das Fernsehen so einfach vom Technischen her geworden ist. Man kann halt mit Kameras … im Grunde genommen kann man HD-Videos mit seinem Smartphone drehen und übermitteln. Und man kann mit Skype Leute hineinschalten. Also, was das Fernsehen, das ja eigentlich noch immer eine große Zukunft vor sich hat … diese ganzen Redereien, dass Fernsehen verliert, ist ja alles Unsinn. Wenn man die Zahlen anschaut, wird das Bewegtbild, nennen wir’s halt Bewegtbild, eine immer größere Rolle spielen in der Zukunft. Und die Printmedien werden zurückgehen. Die werden immer weniger bedeutend sein. Aber die Bewegtbildangebote werden größer werden. Und da kann man sich natürlich schon vorstellen, dass der Zuschauer und vor allem der jüngere Zuschauer stärker integriert ist. Dass er hier mit tun kann. Das wollen die meisten. Dieses Interaktive in dem Sinne spielt eine Rolle.

6:34
Jörg Wagner: Ich kann es mir immer noch nicht so genau vorstellen. Also, klar der Zuschauer kann mitmachen, aber dann muss das ja irgendwie strukturiert werden. Es muss inhaltlich sortiert werden. Also sie planen möglicherweise auch Nachrichtensendungen mit user generated content? Oder wie muss man sich das vorstellen?

Helmut Thoma: Naja, das muss nicht sein. Das kann man natürlich auch machen. Man kann z. B. sehr gut in verschiedene Redaktionen hinein schalten, mit einem Studio, dass beim ZDF 36 Millionen gekostet hat, ist mit fast – also nicht ganz – sagen wir mal zu 90 % – mit 70.000 hinzustellen. Das kann man irgendwo direkt zum Geschehen hin bringen. Also, das heißt, da ist viel andere Möglichkeiten vorhanden. Also, dieses Fernsehen, wie wir es jetzt kennen, die schöne alte Tante Fernsehen, die also Studios brauchen, das ist nicht mehr notwendig und da muss man konsequent in diese Richtung übergehen. Auf das kommt’s an.

7:29
Jörg Wagner: Wann können wir das Programm sehen? Also, es hieß immer im April 2012?

Helmut Thoma: Ich wollte eigentlich im April starten, aber das hatte sich etwas verzögert, weil natürlich auch verschiedene Formalien … ich meine in Deutschland ist eine der höchsten Konzentrationen festzustellen im Privatfernsehen, die man sich überhaupt vorstellen kann. Praktisch gibt’s ja nunmehr zwei Gruppen. Dann ist aber trotzdem eine sehr hoher Formalismus vorhanden. 14 Landesmedienanstalten, die müssen alle zustimmen. Also, obwohl das rein formal ist, weil ja da nichts, also sozusagen, keiner dabei ist, der in Deutschland Fernsehen betreibt. Aber trotzdem, es wird höchstwahrscheinlich noch a bissel länger dauern, wie ich mir das vorgestellt habe. Aber im Laufe, sagen wir mal, des Frühjahrs … also wenn es nicht April ist, dann ist es halt Mai. Es ist ja alles relativ flott, dann zu starten.

8:18
Jörg Wagner: Ich hatte Sie, als wir uns für dieses Interview verabredeten, in der Türkei erwischt. Haben Sie da Geld eingesammelt?

Helmut Thoma: Nein, da habe ich kein Geld eingesammelt. Ich bin da im Verwaltungsrat der größten türkischen Fernsehunternehmen, der Dogan. Ich fahre alle paar Monate dorthin. Ich schau mir an, wie toll das eigentlich in der Türkei läuft, die wirklich ein sehr integriertes Fernsehen haben. Dort ist mit weitem Abstand das Dogan TV Kanal D voran und nur Private, die öffentlich-rechtlichen spielen kaum eine Rolle mehr.

8:52
Jörg Wagner: Dann verraten Sie noch, wer mit Ihnen im Boot sitzt!

Helmut Thoma: Wie, mit mir im Boot sitzt?

Jörg Wagner: Finanziell.

Helmut Thoma: Im … bei volks.tv?

Jörg Wagner: volks.tv, ja.

Helmut Thoma: Naja, das will ich jetzt noch nicht sagen, weil das muss man dann bei einer Pressekonferenz zum Start einmal bekannt geben. Aber das ist immer ein bisschen kompliziert. Das kann ich Ihnen leider derzeit noch nicht sagen.

9:14
Jörg Wagner: Aber die werberelevante Zielgruppe von 14-49 wird sicherlich bei Ihnen eine Rolle spielen?

Helmut Thoma: Ah, die wird eine Rolle spielen: Die ist ja sozusagen, wie ich die in den deutschen Markt gebracht habe, ist sie ja bis heute noch genauso lebendig. Ich staune ja darüber, auch nach 20 Jahren, als Grundauswahl … natürlich geht’s dann weiter in Verfeinerungen, aber als Prinzip hat es sich durchgesetzt. Und ich meine, man muss ja sehen, unsere lieben öffentlich-rechtlichen Kollegen, das meine ich durchaus … ich komme ja auch vom öffentlich-rechtlichen, ich war dort sieben Jahre in einer leitenden Positionen, sie sind halt aus dieser Gruppe völlig heraus. Ich meine, wenn man bedenkt, dass der Durchschnittszuschauer des ZDF inzwischen 62 ist und die ARD ist kaum jünger, also was weiß ich, knapp 61, dann sieht man, dass 14-49 für die Kollegen ja kein Thema mehr ist. Also, das ganze spielt sich dann nur im Privatbereich ab.

10:08
Jörg Wagner: Aber das sind auch Menschen, Herr Thoma. Und ist doch gut, wenn man da eine gewisse Aufgabenteilung hat. Ich bedanke mich jedenfalls erst einmal bis hierhin. Ich hoffe, es haben auch jüngere zugehört, sowie auch ältere. Sie sind informiert worden über das volks.tv. Und maßgeblicher Initiator ist Helmut Thoma und Sie haben ihn eben gehört im radioeins-Medienmagazin. Vielen Dank.

Helmut Thoma: Danke schön auch. Wiederhören.








Print Friendly, PDF & Email

One thought on “Thoma, Helmut

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden .