Nothelle, Claudia

„Zensur weise ich weit von mir!“

Dr. Claudia Nothelle | Foto: © rbb/Steffen Jänicke
Dr. Claudia Nothelle | Foto: © rbb/Steffen Jänicke


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Was: Interview anlässlich des Ausfalls von KenFM am 06.11.2011 auf Fritz/rbb
Wer: Dr. Claudia Nothelle, rbb-Programmdirektorin + Jörg Wagner
Wo: Berlin, Haus des Rundfunks
Wann: 11.11.2011, gesendet 12.11.2011 im radioeins-Medienmagazin, rbb

Vgl.:
* Reaktionen von Henryk M. Broder, Publizist/Journalist und Ken Jebsen, Fritz-Moderator


(wörtliches Transkript)

Jörg Wagner: Um 14.00 Uhr gab es einen Jingle „Fritz Extra“. Dann gab es vier Stunden Musik. Was ist dieser, doch außergewöhnlichen Sendung vorausgegangen?

Dr. Claudia Nothelle: Die Entscheidung ist sehr kurzfristig gefallen, dass wir gesagt haben, etwa um 20 vor 2, wir senden heute KenFM nicht. Wir machen es nicht. Das liegt daran, dass an dem Sonntagvormittag eine Mail veröffentlicht wurde auf der Seite von Henryk M. Broder, in dem sehr, sehr harsche Formulierungen drin waren und aus denen sich auch die Vorwürfe ableiteten, Ken Jebsen sei möglicherweise, so vornehm war es dann nicht formuliert – antisemitisch. Wir konnten auf die Schnelle nicht klären: was ist da dran? Von wem ist die Mail? Ist sie tatsächlich von ihm? Was steckt dahinter? Und das sind so harte Vorwürfe, dass wir gedacht haben, wir müssen uns erst einmal mit Ken Jebsen auseinandersetzen. Wir müssen uns auch mit der Redaktion auseinandersetzen. Und haben deshalb gesagt, wir senden nicht, um den Moderator selbst zu schützen, aber natürlich auch, um unser Programm zu schützen und zu sagen, das müssen wir erst klären, bevor wir zur Tagesordnung übergehen.

Jörg Wagner: Nun gab es leider 24 Stunden überhaupt keine Informationen. Die Verschwörungstheorien schossen nur so aus dem Kraut. Dann war klar, dass das, was Sie gesagt haben natürlich auch nachvollziehbar ist. Aber warum war die Kommunikation mit dem Hörer so schlecht ?

Dr. Claudia Nothelle: Ich glaube, dass wir das unterschätzt haben. Wir haben das unterschätzt, wie groß die Nachfrage und das Drängen danach ist, wie sehr natürlich auch gleich die Diskussion im Netz losgehen wird. Wir waren sehr damit beschäftigt, intern zu reden, intern zu sprechen, nachzuvollziehen, was ist wann, wo gewesen und haben leider zu spät reagiert darauf. Das muss man klar zu sagen. Es ist gleich die Diskussion hochgebrandet: ‚Ist das Zensur?‘, ‚Und jetzt ist die Meinungsfreiheit vorbei‘ und ‚Warum darf Ken Jebsen sich nicht äußern?‘. Zensur würde ja auch immer heißen, dass es deutlich gegen den Willen dessen geht, der nicht senden darf. In dem Fall habe ich keine lauten Proteste von Ken Jebsen gehört und ich hab‘ ja auch die Woche auch sehr, sehr ausführlich mit ihm gesprochen. Da gab es keinen Dissens drüber über diesen Fakt, dass er letzten Sonntag nicht gesendet hat. Von daher: Zensur weise ich weit von mir. Sondern es ging wirklich darum, das Programm zu schützen und auch ihn zu schützen und die Vorwürfe erst einmal zu klären. Die Kommunikation hätte anders sein können und auch müssen.

Jörg Wagner: Nun ist der Moderator nicht abgesetzt, sondern die Sendung geht weiter, aber wahrscheinlich nicht weiter wie bisher, oder?

Dr. Claudia Nothelle: Nein, die Sendung wird nicht ganz so weiter gehen wie bisher, natürlich nicht. Das funktioniert nicht. Wir haben uns, ausgelöst durch diese Vorwürfe, deutlich mit dem beschäftigt, was er in diesen 15 minütigen Rückblicken in seiner Sendung in den letzten Wochen und Monaten gesagt hat. Das sind politische, sehr politische Aussagen, exotische, zum Teil wirre politische Aussagen, die ich, wenn ich ehrlich bin, so in unserem Programm in der Form nicht hören möchte, vor allem nicht so undiskutiert, so unwidersprochen, mit Belegen, die fehlen, mit Beweisen, die fehlen. Es steckt auch ein gewisser missionarischer Eifer in diesen Aussagen und darüber haben wir uns sehr deutlich mit ihm auseinandergesetzt. Da haben wir auch klar verabredet, dass das nicht die Formen sind und die Standards sind, wie bei uns, bei Fritz und auch in den anderen Radioprogrammen unsere Sendungen klingen sollen und sein sollen. Die Verabredung ist nun, dass die Sendung wieder mehr zu dem zurückkehrt, was sie früher war, nämlich eine vierstündige Unterhaltungssendung, wo er mit Aktionselementen, mit Live-Elementen, mit Bands zusammen trifft, Hörer vor Ort sind. Das sind ja auch die Teile, die ihn ja so bekannt gemacht haben und zum guten Moderator machen. All das, was politisch ausgerichtet ist in seiner Sendung und auch welche Gäste er da hat, das wird vorher jetzt deutlich redaktionell eng abgesprochen.








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7 thoughts on “Nothelle, Claudia

  1. @Matthias Horwath „Wo ist mein Kommentar von heute Vormittag hin, frage ich mich….“

    Immer noch da, wo Sie ihn hingeschrieben haben:

    http://www.wwwagner.tv/?p=10819

    Dort finden Sie auch eine Antwort von mir.
    Ihre Frage oben haben Sie hier unter das Interview mit Claudia Nothelle gesetzt.

  2. Ich trete hiermit öffentlich für die dauerhafte Suspendierung von RBB-Programmdirektorin Dr. Claudia Nothelle ein. Die streng gläubige Katholikin scheint mit ihrer Aufgabe nicht nur grundsätzlich überfordert zu sein, nein, sie will den auf “Fritz” über zehn Jahre verbreiteten Antisemitismus noch nicht einmal erkannt haben. Ob das wohl mit dem klerikalen Antisemitismus innerhalb ihrer Glaubensgemeinschaft korrespondiert? Ich jedenfalls möchte nicht länger, dass meine Rundfunkgebühren zur Finanzierung dieser Programmdirektorin und der durch sie vertretenen Inhalte missbraucht werden!

  3. Ken Jebsen ist ein anti-amerikansicher, antisemitischer Hetzer der dümmsten und verdümmendsten Art. Ob er die Volksverhetzungsparagraphen gerade noch vorbeischrammt oder nicht — er hat nichts zu suchen auf einem Sender, der von meinen GEZ-Gebühren finanziert wird.

    Und zwar nicht nur wegen seiner verletzenden Art, sondern auch weil er journalistisch NULL Erkenntnis bringt, sondern nur Verwirrung und Hass stiftet. Die GEZ-Gebühren werden unfreiwillig erhoben mit der Rechtfertigung, die staatliche Medien tragen zur BILDING und KULTUR bei. Ken Jebsen trägt zur Mißbildung und Unkultur bei.

    Wenn man SEINE Medien jemanden nicht hergibt, ist das ABSOLUT keine Zensur. Er kann ja Flugblätter verteilen, an einer Straßenecke schwadronieren oder in die Nationalzeitung veröffentlichen.

    Mögen die juristische Nachspiele über allen kommen, die sich als Komplizen hergeben.

  4. Na wenn du die Parallelrealität von Jebsen in z.B. der geheime Mächte die Twintowers gesprengt haben um uns gegen die Moslems aufzuhetzen und uns alle zu knechte nund auszupressen für die „wirkliche“ Realität hältst, dann viel Spass noch mit der komplizierten unwirklichen Realität da draussen.

    *Kopfschüttel*

  5. Als Fan klingt das jetzt schon irgendwie nach Zensur,
    aber ich kann die Entscheidung von Fritz schon verstehen.
    Besonders wenn man Ken Jebsen nur indifferenziert und
    anhand von Ausschnitten von einzelnen vorproduzierten
    Beiträgen beurteilen sollte.
    Ich wünsche mir sehr, daß mehr Journalisten wie Ken über
    die wirkliche Realität da draussen berichten, oder wenigstens
    Fragen stellen. Ken sollte einen eigenen Radiosender haben.
    Ich hoffe trotz dieser Beschneidung durch die Redaktion bleibt
    Ken in der Lage über YouTube oder andere freie Wege seine Meinung
    und Einschätzung zu formulieren und bekommt hiermit hoffentlich noch ein paar Fans mehr, die Ken Jebsen schätzen lernen und ebenfalls offene Weltbürger sind.

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