Medienmagazin vom 25.08.2012

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15 Jahre radioeins +++ Besuch im Deutschen Technikmuseum +++ Bonus: Fortsetzung Rundgang Technikmuseum, Medienmagazin-Fassung im Inforadio


Foto 1: Helmut Lehnert, radioeins-Chefredakteur 1997-2005
Foto 2: Führungscrew 1997: Helmut Lehnert, Bärbel Kicska, Peter Radszuhn, Axel Barckhausen

(Fotos: © Fotoagentur Kuhröber/ORB, 1997)


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7 thoughts on “Medienmagazin vom 25.08.2012

  1. Ist mit der abgeleiteten Frage konkret die abschließende vom 2.9. gemeint? Da wäre meine Antwort: Offenbar ja. Und das finde ich wirklich sehr bemerkenswert, weil es so ziemlich das letzte ist, mit dem zu rechnen war.

    Womit ich mir vermutlich gleich eine Rückfrage nach meinen Erklärungsansätzen einhandeln würde: Die laufen darauf hinaus, daß sich die Kulturprogramme selbst in die Belanglosigkeit reformiert haben. Das verbliebene des RBB breitet tagsüber jetzt einen Teppich klassischer Musik aus, immerhin noch angereichert mit teils recht substantiellen Wortbeiträgen. Das des MDR wendet sich an „Kulturinteressierte“ und sendet für die so definierte Zielgruppe eine Mischung aus Klassikfetzen und einem intern als „gehobene Popmusik“ bezeichneten Chansongedudel, aus der ich durchaus Dünkel heraushöre. Deutschlandradio Kultur wiederum fährt über größere Strecken ein fast nicht rezipierbares Format („Radiofeuilleton“) und erfreut sich einer entsprechend verheerenden Akzeptanz, wobei dort Änderungen im Nebel wabern, von denen man aus der Erfahrung heraus nichts gutes erwartet.

    Was nun die Diskussionen der 90er Jahre betrifft, so waren die auch von ganz massiven Ost-West-Befindlichkeiten geprägt, und da insbesondere auch von Versuchen, aus politischer Korrektheit diskret über diesen Aspekt hinwegzugehen. Radio Brandenburg war ein ausgeprägter Ostsender (wer mal in der Baracke in Babelsberg war, erinnert sich sicher noch an die Fotos der alten Heimat, die dort im Korridor hingen), während Fritz als für mein Empfinden reinrassiges Westberliner Produkt entstand (egal, von welchem Studiostandort es damals sendete; Wollmützen hin und Holzhühner her); deutlich stärker noch, als es bei Radio Eins natürlich auch der Fall war. Es hat aus meiner Sicht gar keinen Zweck, das wegwischen zu wollen.

    Noch eine Ansage: Das Verschwinden jener „bestimmten Art von Radio“ dürfte bei mir nicht unwesentlich zu dem beigetragen haben, das ich mittlerweile als ganz generelle Entfremdung von der Popkultur beschreiben möchte. Ich bin mir dabei auch sicher, daß das nicht – wovon man ja üblicherweise ausgehen würde – vom fortgeschrittenen Lebensalter rührt. Dazu ist der Befund, der sich beim Abhören von DT64-Aufnahmen einstellt, zu eindeutig.

  2. @Kai Ludwig: zweifelsfei, sowohl faktische Darstellung als auch Deine abgeleitete Frage sind berechtigt. Aber welche Antwort erwartest Du? Bzw. würdest Du selber geben?

    Ich bspw. konnte / kann zu Radio 3 oder Radio Kultur absolut nichts sagen, weil die Elemente, die ich auf Radio Brandenburg gehört und geschätzt habe, eindeutig zu Radio Eins gewandert sind bzw. hätten wandern sollen. Meine Erwartungshaltung projezierte sich daher 1997 ausschließlich auf Radio Eins, Formalismen hin Formalismen her…
    Zudem: die Radiodiskussionen Mitte der 1990er waren wohl in erster Linie stark emotional geleitet. Hörerinnen/Hörer (vermutlich vornehmlich aus dem Kreis der DT64-Kinder) hatten sich in einer Weise für eine bestimmte Art von Radio sensibilisiert, dass sie jede, bereits noch so geringe, Abweichung davon als „tiefe persönliche Verletzung“ empfunden haben.
    „Dieses Radio“ fesselte, befruchtete, machte glücklich…(wie Olaf Posdzech in seinem Beitrag völlig nachvollziehbar schreibt), und damit war am 27.8.1997 Schluss, nachdem es immer wieder irgendwie weiter zu gehen schien (Radio 100 / DT 64 / Rockradio B / Radio Brandenburg).

    Mit Radio Eins ist dann wieder ein Stück Normalität bzw. Nüchternheit eingekehrt, eine Normalität aber, das gebe ich – der ebenfalls die Einstellung von Radio Brandenburg immer noch zutiefst bedauert – für mich gern zu, die ich heutzutage im Radio streckenweise nicht unbedingt missen möchte.

    PS: Großen Dank an Jörg Wagner für die Sendungen am 25.8. und 1.9.2012.
    Und eine Frage: welche Rolle spielten 1997 Frau Kiscka und Herr Axel Barckhausen (verwandt mit dem späteren Chef???) in der Führungscrew? Mir sind lediglich Helmut Lehnert und Peter Radszuhn in diesem Zusammenhang ein Begriff. Was wurde eigentlich aus Kiscka und A. Barckhausen?

  3. Wie gesagt, ich würde schon nicht völlig in den Hintergrund rücken lassen wollen, wie die damalige Rochade insgesamt aussah: Alt Radio B Zwei (also auf Deutsch SFB 2), SFB 3, Radio Brandenburg -> neu Radio Eins, Radio Kultur, Radio 3.

    Bemerkenswert dabei, wie anscheinend auch die beiden letztgenannten Nachfolgeprogramme nur geringe Akzeptanz unter dem Publikum von Radio Brandenburg fanden. Die Gründe könnten vielleicht auch heute noch etwas zu aktuellen Diskussionen*) beitragen, aber ohne die Programme näher zu kennen, kann man dazu natürlich nichts weiter sagen. Festzuhalten bleibt jedenfalls, wie sechs Jahre später von diesen drei Programmen nur noch zwei übrig blieben und dabei – oder möchte das jemand bestreiten? – Lücken gerissen wurden, ohne neues zu schaffen.

    *) Zu denen hier einiges bedenkenswertes geschrieben wurde:
    http://www.epd.de/fachdienst/fachdienst-medien/schwerpunktartikel/intellektuelle-hochr%C3%BCstung

  4. @Olaf Posdzech Damit wir uns nicht missverstehen, ich bedaure auch zutiefst die Einstellung von Radio Brandenburg. Es war keine Umwandlung.
    Unter den Bedingung einer gewollten Fusion ORB/SFB ist radioeins jedoch ein Radio, das, wenn man es heute ebenso einstellen würde, eine echte Lücke hinterlassen würde. So wie Radio Brandenburg, bloß eine andere. Das kann man von vielen anderen Radios nicht sagen.

  5. Dem traurigen Abgesang muss ich mich leider anschließen. Als ich im Jahre 1994 nach Berlin zog, war für mich tatsächlich ein wichtiger Faktor, dem Sendegebiet des damals schon unsäglichen MDR zu entgehen und dort hinzuziehen, wo die meisten Moderatoren zu hören waren, von denen ich hochqualitative, fesselnde und berührende Sendungen gewohnt war. Lutz Bertram, Holger Luckas, Marion Brasch und viele andere mit einem Radioprogramm, dass mich von früh bis spät fesseln konnte. Das Rezept war einfach: Eben keine Berieselung mit immer mehr derselben seichten Sachen, kein Dumquatsch, keine über die eigenen Kalauer lachenden Moderatoren, sondern INHALTE. Was glauben sie denn, ist Kultur?
    Beim hören wurde ich eigentlich in fast jeder Sendung durch Dinge bereichert, auf die ich allein nicht gestoßen wäre. Das waren am Morgen die bohrenden beißenden Interviews, bei denen Lutz Bertram so manchen Prominenten Fragen unterzog, die sich auch im öffentlich Rechtlichen heute keiner mehr zu stellen wagt. (Es wäre so viele Jahre nach seiner unentschuldbaren Unaufrichtigkeit hinsichtlich seiner eigenen Biographie mal darüber nachzudenken, ihm wieder eine Chance zu geben). Sogar die frühen Kindersendungen haben mich begeistert mit ihren leicht abgedrehten Fantasiegeschichten und dem liebevollen Drumrum an Geräuschen und Figuren. Vormittags gab es eine Weltmusiksendung, die mich wie fast alle anderen Musiksendungen auf Radio Brandenburg mit Musiken bereicherte, auf die ich allein nie gestoßen wäre. Holger Luckas zu akzeptabler Sendezeit muss hier natürlich auch erwähnt werden. Dazwischen anspruchsvolle Nachrichten, Wissenschaftssendungen, Sendungen zu Psychologie und alternativer Heilkunde (lange bevor dies dann auf Astrologie reduziert wurde, die dann auch noch verschwand). Kurz, ich wurde bereichert. Ich wurde innerlich reicher durch das Radiohören.
    Das ist etwas, das leider heute in fast allen Radiosendern völlig verloren gegangen ist. (Journalistische Arbeit finde ich nur noch im Deutschlandfunk.) Dieses Radio Brandenburg genoss ich in ganzen Zügen. Es befruchtete mich. Radio hören machte mich glücklich, weil es mich reicher machte.
    Was mit der Umwandlung zu Radio-Eins daraus wurde, war für mich absolut bitter. Die Inhalte waren recht schnell nicht mehr zu ertragen (weil sie sich unendlich wiederholen) oder sie wurden auf unpraktikable Nachtzeiten verlegt, und dazu kam ein Soundprocessing mit heftigen Verzerrungen, das einfach nur noch nervtötend ist und für mich nur wenige Minuten ertragbar war.
    Schließlich verließ ich Berlin. Der Abschied fiel mir leicht. Heute höre ich fast nur noch Internet-Radio.

  6. Ich weiß nicht, ob in diesem Zusammenhang auch ein anderer Aspekt zur Sprache kam, da die Riesendatei mit ihren angezeigten 72 MB einfach zuviel ist.

    Nämlich der 15. Jahrestag des Sendestarts von Radio Kultur und Radio 3 sowie – jetzt kommt’s – der auch schon wieder bevorstehende 9. Jahrestag von deren Abschaltung und Zusammenlegung. Ich hatte damals von alldem nicht viel mitbekommen, allein schon durch den technischen Umstand, daß ein UKW-Empfang von Radio Kultur in weiten Teilen Südbrandenburgs nicht möglich war.

    Aber eine flüchtige Kenntnis der einstigen Programmschemata reicht aus, um zu erahnen, was da 2003 alles den Bach runtergegangen ist. Wenn man dann noch liest, wie sich die MABB bzw. ihre damaligen Medienräte als Lobbyisten den Kommerzfunks betätigten und „Hoffnung“ auf die Zusammenlegung von Radio Kultur und Radio 3 äußerten, mutet das schon sehr befremdlich an.

    Bezeichnend (wenn man das übliche Echo auf derartige Personalien bedenkt) ist dabei auch, welche Reaktionen es so zum Abschied von Wilhelm Matejka gab. Wenn man mal kurz googelt: Keine. Ein paar Wiedergaben der Pressemitteilung an den üblichen Stellen, das war’s.

    Sind die DT64-Kinder inzwischen die einzigen, die das alles überhaupt noch interessiert?

  7. 15 Jahre Radio Eins… die Zeit vergeht wie im Fluge. Ist es wirklich schon wieder 15 Jahre her, seitdem Radio Brandenburg verstummte, das Radio für ernsthafte Erwachsene? Das Radio ohne Belanglosigkeit, ohne Showeffekt und ohne offen zur Schau gestellte Arroganz? Die Stimme derer, die heute von den „offiziellen“ Medien komplett unberücksichtigt bleiben, weil sie sich die relevanten Fragen stellen und sich nicht mit Lifestyle abspeisen lassen? Weil sie damit nicht einfangbar sind für die Werbeindustrie?

    Immerhin bot mir Radio Eins dann zwar kein für mich annehmbares Tagesprogramm (da ist man ja sowieso auf Arbeit…), aber der Abend hatte und hat wenigstens musikalisch einiges zu bieten, was es so anderswo schon länger nicht mehr gibt (hr) bzw. nie gab (MDR).

    Leider „feiern“ wir in diesen Tagen aber auch neben dem 15-jährigen von Radio Eins das 1-jährige der Beendigung der Ausstrahlung in annehmbarer Qualität. Bis August 2011 lief Radio Eins wie alle RBB-Wellen über die digitalen Wege (DVB-S, DVB-C, einst auch DVB-T) ohne UKW-Soundprocessing und damit nahezu in CD-Qualität. So habe ich in Sichtweite des Berliner Fernsehturms Radio Eins immer über Satellit gehört und nie über den wummernd-dröhnenden, verzerrten UKW-Weg.

    Das ist nun seit einem Jahr Geschichte, alle Wege klingen gleich. Auf DVB mumpft und zerrt es wie auf UKW, auch auf DAB ist der gleiche Soundbrei aufgeschaltet, womit sich das System komplett erübrigt, da nun zum UKW-Trümmersound auch noch die DAB-Artefakte dazukommen.

    Nach anfänglicher Frustration habe ich es tatsächlich komplett aufgegeben, mir überhaupt noch RBB-Hörfunk anzutun. Die RBB-Wellen sind allesamt aus der Favoritenliste geflogen. Ich ertrage Jürgen König als Alien nunmal genausowenig wie völlig entstellte Titel, bei denen leise Gitarren bis über die Übersteuerungsgrenze aufgeregelt werden und alles nur noch wie rotziger, plärriger Brei klingt. Ich muß auch nicht dauernd vorgeführt bekommen, wie verbrummte Mikrofonwege klingen und wie sich klebriger Speichelfluß anhört.

    Erstaunlich, wie „einfach“ es doch war, mir als jemandem, der Radio einst sehr mochte, das Zuhören komplett abzugewöhnen. Ich dachte, der Prozeß wäre schmerzhafter. Ab und an höre ich noch ausgewählte Sendungen auf Bayern 2 oder NDR Info, beide mit deutlich moderaterem Soundprocessing und keinesfalls mit separatem Digital-Weg. Es ist in beiden Fällen das gleiche Audioprocessing wie auf UKW – man muß also auch dort nicht so abartig übersteuert und verzerrt klingen wie der RBB, bei dem man offenbar das Soundprocessing im letzten Jahr generell nochmals verschärft hat.

    Schönen Dank an die Verantwortlichen des RBB, die die Programme warum auch immer geopfert haben. Und Danke auch an die, die sich kümmern wollten und dann nichts mehr von sich hören ließen. Ich frage mich nur, warum ich als Einwohner des Sendegebiets für diese absolut minderwertige Leistung auch noch Gebühren zahlen muß. Dafür müßte man Geld bekommen, Schmerzensgeld.

    Vielleicht wird irgendwann ja jemand mal verständlich beantworten können, warum man die RBB-Programme so ohne Not gegen die Wand gefahren hat und wie sich für so etwas in der Anstalt eine Entscheidermehrheit finden konnte. Letztlich ist es aber auch inzwischen völlig wurscht.

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