VAUNET zur Reform des Telemedienauftrags

Hans Demmel | Foto: © Jörg Wagner
Hans Demmel | Foto: © Jörg Wagner


Am 14.06.2018 stellten Vertreter der Medienpolitik, der Zeitungsbranche und des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ihre Einigung zur Reform des Telemedienauftrags öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten vor. Der Interessenverband der Privatfunker VAUNET war nicht in den Prozess einbezogen worden.

Wer: Hans Demmel, Geschäftsführer der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH und seit 06.09.2016 Vorstandsvorsitzender des VPRT/VAUNET
Was: Telefoninterview zur Vorstellung einer Reform des Telemedienauftrags öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten
Wann: rec.: 15.06.2018, 12:00 Uhr; veröffentlicht in einer gekürzten Fassung am 16.06.2018, 18:23 Uhr im radioeins-Medienmagazin und in einer Kurz-Fassung im rbb Inforadio am 17.06.2018, 10:44/15:24 Uhr


Vgl.:
* Pressekonferenz zur Reform des Telemedienauftrags der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, 14.06.2018, Berlin

[00:00]
Jörg Wagner: Drei Intendanten, zwei Länderchefs beziehungsweise -chefin, ein Print-Vertreter, aber kein Privatfunker, dafür jetzt am radioeins-Telefon Hans Demmel, Geschäftsführer von n-tv und Vorsitzender des von VPRT in VAUNET umbenannten Interessenverband der kommerziellen audiovisuellen Medienunternehmen in Deutschland. Herr Demmel, hatten Sie keinen Streit mit ARD, ZDF oder Deutschlandradio oder weswegen waren Sie nicht vor Ort?

[00:25]
Hans Demmel: Na gut, wir haben in vielen Punkten natürlich unterschiedliche Auffassungen, als die Kollegen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen und Hörfunk. Da geht’s im Wesentlichen um das Thema Telemedienauftrag. Wir haben in den vergangenen Monaten immer wieder – und ich finde auch verständlich und deutlich und klar in unterschiedlichen Medien, auf unterschiedlichem Wege festgestellt, dass wir das, was da auf uns zukommt für eine große Bedrohung halten. Muss aber auch dazusagen, mein Learning aus der Pressekonferenz und der Einigung mit den Verlegern ist, dass es anscheinend schon so ist, dass, wenn man noch deutlich lauter argumentiert – und wir erinnern uns an Herr Döpfner bei seiner ersten Rede als BDZV-Präsident, der mit den wirklich harschen Formulierungen vom „Staatsfunk“ und der Nähe zu „Nordkorea“ mehr als deutlich wurde. Mein Learning ist daraus, anscheinend wird man dann auch deutlicher gehört. Wir als Verband sind schon verwundert über diese Pressekonferenz, in welcher Form sie stattgefunden hat. Und wir sind auch verwundert, dass man anscheinend von Seiten der Politik das Gespräch mit den Verlegern intensiv gesucht hat. Mit uns aber nicht. Von diesem runden Tisch, auf den sich alle Diskutanten bezogen haben, wussten wir ohnehin nichts. Woher sollen wir das auch wissen, wenn uns das keiner sagt. Und ich muss in der Tat dazu sagen, für uns ist es schwierig, da nicht einbezogen zu werden. Die Lösung, die jetzt gefunden wird, geht schon deutlich über die Interessen der privaten Medien hinweg. Wir haben eine Situation erlebt, in der wir immer und immer wieder einfach letztlich gehört haben, es gäbe so ein duales System. Und dieses duale System wurde dann als öffentlich-rechtlicher Rundfunk und Verleger einfach dargestellt. Zu diesem dualen System gehören letztlich wir auch. Und die Zahl der Menschen, die wir mit unseren Medien erreichen, liegt immerhin bei siebzig, zweiundsiebzig, fünfundsiebzig Millionen pro Tag. Also, so völlig unbedeutend, wie man von dem ein oder anderen Ministerpräsidenten oder von einem Ministerpräsidenten gehört hat, sind wir dann doch nicht.

[02:29]
Jörg Wagner: Aber dennoch, wenn Sie jetzt das Ergebnis bewerten, ist das [etwas], womit Sie leben können, mit der Reform des Telemedienauftrags der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten? Oder haben Sie da noch Kritik anzumelden?

[02:40]
Hans Demmel: Nein, wir sind da … wir sind da sehr, sehr, sehr, sehr weit weg. Wir sehen diese Liberalisierung immer schon sehr, sehr, sehr kritisch. Man hat wirklich weitreichende Auswirkungen auf die Wettbewerbssituation unserer Mitgliedsunternehmen. Wir fragen uns auch, ob es europarechtlich trägt. Aber dazu muss man sicherlich in den nächsten Wochen noch mal sehr genau hinsehen. Ich glaube, wir müssen uns über die Grundsatzfrage einfach letztlich im Klaren werden. Wo liegt – auch in Hinblick auf die Auftragsdiskussion – wo liegt wirklich die Aufgabe der öffentlich-rechtlichen? Und wir werden in einer Entwicklung der nächsten Jahre als Private unsere Programme in Videotheken auszustrahlen, sehr, sehr, sehr viel dringender auch zur Refinanzierung unserer Unternehmen einfach brauchen. Und was wir fürchten, ist, dass sich jetzt, wenn sich möglicherweise – und so ganz aus der Welt ist das ja auch nicht – das lineare Fernsehen eher verkleinert oder eher weniger Reichweiten hat. Wir werden natürlich sehr, sehr, sehr massiv auch in video-on-demand-Bereiche investieren müssen. Das heißt aber, für uns, für die Wirtschaftssituation in den nächsten Jahren – und wir reden nicht von möglicherweise 2019 oder 2020 – wir reden schon von 2025 – sehr, sehr, sehr viel schwieriger werden, wenn wir es eben nicht im video-on-demand-Feld refinanzieren können. Wenn wir eine Situation erleben – und das hat der Telemedienauftrag schon deutlich gemacht – dass mit derselben Power, mit derselben Finanzkraft, mit derselben Breite das öffentlich-rechtliche Fernsehen im Wesentlichen die Videotheken auch dominieren wird, dann werden unsere Refinanzierungsmöglichkeiten sehr, sehr viel schwieriger werden. Auch für die großen Sender, aber vor allem, vor allem für die kleinen Sender und vor allem auch für die Kollegen beispielsweise, die bei uns im Verband ja auch vertreten sind, die im Pay-TV unterwegs sind. Das heißt, es wird die Marktsituation für uns massiv erschweren. Das ist das eine. Es gibt noch einen zweiten Punkt, der mir persönlich wichtig ist und den ich nicht so richtig verstehe, ist die Beauftragung von ARD und ZDF für Social Media. Das heißt, wir machen mit öffentlichen Geldern US-Konkurrenten wie Facebook, wie Google deutlich, deutlich, deutlich stärker. Firmen, für die wir als private Sender im Regelfall nur kurze Zeilen geben, um dann zurück zu verweisen auf unsere eigenen Seiten, werden jetzt mit öffentlich-rechtlichen Inhalt nochmal zusätzlich gestärkt. Für Werbegelder, die in die Vereinigten Staaten gehen und nicht hier im Land bleiben und das Ganze für Konzerne, die im Regelfall hier nicht mal Steuern zahlen.

(wörtliches Transkript)








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