Medienmagazin vom 25.08.2018

Gesamt-PodCast:


Download (verlinkte Audio-Quelle bis zum 25.08.2019: rbb, radioeins)

[00:00] INTRO: 26.08.1978 – Kosmodrom Baikonur – Guido Meyer | [09:37] Gerhard Kowalski | [24:15] Guido Meyer | [33:22] Sigmund Jähn (1997) | [36:28] Andreas Schütz – DLR | [44:39] Bonus: Outtakes Gerhard Kowalski | [1:38:51] Bonus: Horst Hoffmann (1999)


Die Medien und der Weltraum – zwischen Geheimniskrämerei und Propaganda

Vor 40 Jahren am 26. August 1978, einen Tag nach dem 66. Geburtstag von Erich Honecker, hob in der kasachischen Steppe eine sowjetische Rakete mit dem Raumschiff Sojus 31 ab, die Sigmund Jähn, den ersten Deutschen für den Flug ins All an Bord hatte, wie die DDR genüsslich kurz darauf bekannt gab. Nur wenige waren in die Vorbereitungen eingeweiht gewesen. Sie liefen nach streng militärischen und nachrichtendienstlichen Regeln ab. Dafür war die anschließende mediale Ausschlachtung um so heftiger. Allerdings staatlich stark kontrolliert. Beim Start wurden Fotografen behindert, Texte erschienen in einer vorempfundenen Fassung, Meldungen wurden zensiert, wie z. B. der Umstand einer harten Landung und dass Sigmund Jähn kurz vor der Mission Großvater wurde. In einer Spezialausgabe des Medienmagazins wird dieses Spannungsverhältnis zwischen Geheimniskrämerei und Propaganda nachgezeichnet, sowie ins Verhältnis gesetzt zur Öffentlichkeitsarbeit der US-Weltraumagentur NASA, der europäischen ESA und zu den heutigen Gepflogenheiten, Weltraumjournalismus zu unterstützen. Abgerundet wird diese Spezialausgabe mit einer Live-Schalte zum Geburtsort von Sigmund Jähn, Morgenröthe-Rautenkranz, wo an diesem Wochenende ein großes Fest mit zahlreichen Kosmonauten/Astronauten stattfindet.

Mit:
* Originalton des Starts von Sojus 31 mit Sigmund Jähn und Waleri Bykowski am 26.08.1978 (Quelle: DDR-Rundfunk, DRA Babelsberg)

* Guido Meyer, freier Weltraumjournalist für den ARD-Hörfunk (live),
hier im Video vor der US-Raumfähre „Discovery“, die auf dem Weg zur Startrampe war, Mission STS-119, Januar 2009

mit O-Tönen seiner Arbeit:
– Landung der Atlantis-Fähre, 20.02.2008, 15:07 MEZ, Kennedy Space Center, Bahn 15 (Ausschnitt)

Guido Meyer auf dem "Mars" in Utah | Foto: © privat
Guido Meyer auf dem „Mars“ in Utah | Foto: © privat

– Reportage von der Mars Desert Research Station in the Utah (Ausschnitt)
– Matthias Maurer, esa-Astronaut über Ausbildung in China
– Rüdiger Seine, Leiter der Trainingsabteilung beim European Astronaut Center (EAC)

* Gerhard Kowalski, damals als einziger schreibender Journalist bei Start und Landung für ADN dabei (Interview vom 21.08.2018)
Vgl.: http://www.gerhardkowalski.com/

* Sigmund Jähn, Kosmonaut und esa-Trainer (Interviewteile vom 06.10.1997)

* Andreas Schütz, Pressesprecher, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) (Skype, live)

PodCast-Bonus:
* Interview-Outtakes mit Gerhard Kowalski
* Horst Hoffmann, Weltraumjournalist (1927-2005), Biograf von Sigmund Jähn (Interviewteile vom Dezember 1999)









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6 thoughts on “Medienmagazin vom 25.08.2018

  1. Sigmund Jähn soll, vorsichtig gesagt, nicht der Favorit der „Führung“ gewesen sein. Die hatte da aber schlicht die Entscheidung der sowjetischen Seite hinzunehmen, die auf der fachlichen Eignung gründete und nicht darauf, ob der Kosmonautenanwärter gängigen Heldenbildern entsprach. Für solchen Firlefanz war da schlicht kein Platz.

    Einen deutlichen Eindruck vermittelt dazu das Buch „Erlebnis Weltraum“, das im Militärverlag der DDR erschien. Sowohl von der schon erwähnten Bescheidenheit als auch von Jähns Sachkenntnis. Zwar war damals nur eine Andeutung über „nicht ganz so weiche“ Landungen möglich (und ich finde es schlicht skandalös, wie ihm das nach der Wende nicht als Arbeitsunfall anerkannt wurde), aber es finden sich eine Anzahl anderer Details, die man 1983 jenseits des eisernen Vorhangs teils noch für geheime Kommandosachen hielt, etwa über „international vereinbarte“ Landeplätze im Ausland, mit denen im Notfall aus jedem Orbit heraus eine Landung möglich war.

    Eine „harte Landung“ war das übrigens nicht. Das war Wladimir Komarow, nach dem zu DDR-Zeiten auch Schulen benannt waren. Wer sucht, findet heute dazu Aufnahmen der noch brennenden, kleinteiligen Trümmer und auch viel Unsinn über Abschiedsworte (auf das Mithören des Funkverkehrs im Ausland ging Jähn in seinem Buch übrigens auch ein, mit der Bemerkung, wie der Sturz des Schahs da ein herber Rückschlag war).

    Und „hier sind alle Sender des Deutschen Demokratischen Rundfunks, wir senden Nachrichten“ war doch der totale Stromausfall in der Nalepastraße und bei der beknackten Ansage sind auch die letzten, die das Notband (mit der Klaus Renft Combo, irgendwie schon länger nicht mehr gebracht gehabt…) noch nicht aufgeschreckt hatte, mit dem Auto umgedreht, weil es ihnen da dann wirklich nicht mehr geheuer war …

    Vom Jähn-Flug gibt es auch die Schilderung eines Beteiligten eines Instituts, der meinte, er hätte die Leute vom Fernsehen bedauert, als ihm einer von denen erzählte, wie sie da zu rotieren hatten. Das Wort „Multispektakelkamera“ ist vielleicht auch bekannt. So war das halt in der größten DDR der Welt …

    Was ich ansonsten noch ganz charakteristisch finde: Den Umgang mit dem Landeapparat, der einer näheren Betrachtung durch Interessierte in der Regel entzogen bleibt.

  2. @Jörg: „Und an Begriffe wie „Kampfgenosse“ ist Guido einfach nicht gewöhnt Also sieh es ihm bitte nach.“ …mache ich 😉

    Mir ist – irgendwann Anfang der 1990er – Siegmund Jähn einmal auf der Berliner „Straße des 17. Juni“ entgegen gekommen, offenbar von der TU Richtung S-Bahnhof Tiergarten. In diesem Moment erst, so wie er da lang schlenderte, ohne Eile, ohne Pathos, ohne Allüren, war er mir richtig sympathisch. Vor Schreck habe ich mich nicht getraut, ihn anzusprechen, sondern nur so ein wenig zögerlich gegrüßt bzw. gelächelt. Irgendwann später sah ich ihn nochmals an der TU, wo er scheinbar mit Studierenden / Angestellten von Institut für Luft- und Raumfahrt im Gespräch war, er – der „erste Deutsche im All“ – mittenmang völlig normal und ohne Protz

    Vielleicht habe ich vorhin deshalb so ausgeholt, denn Jähn muss ein sehr bescheidener, sympathischer Mensch sein. Schade, dachte ich, dass sich Guido Meyer („geboren in Bonn“ hin oder her) derartigen Menschen und Erfahrungen so wenig nähern konnte…

  3. @Berliner01 Danke für das Lob. Ich habe bei Gerhard Kowalski schon mal unverbindlich nachgefragt, ob er mal wieder für ein Interview bereit sei. Seine Antwort, er stünde im Bedarfsfall zur Verfügung. Mal sehen, welche „Schätze“ wir da heben können und wie regelmäßig.

  4. @Thomas K. Vielen Dank für das Feedback. Freut mich, dass dieses Thema nicht allzu unpassend war im Kontext von Dresden und Chemnitz. – Und bei Guido Meyer ist es kein wirkliches Desinteresse. Im tiefsten Bonn ohne DDR-Medien aufgewachsen mit einem sehr starken Lebensmittelpunkt in den USA, kann es schon mal passieren, dass man nur sehr wenig vom DDR-Pathos mitbekommen hat. Selbst für mich, der das damals live miterlebte, gehört diese Durchmischung von SED-Politsprech und Startschilderung nicht wirklich zu den Sternstunden der Rundfunkgeschichte. Die ganze Sondersendung ist allerdings noch etwas schärfer, die eingeleitet wurde mit: „Hier ist der Rundfunk der Deutschen Demokratischen Republik, mit allen seinen Sendern: Radio DDR mit dem ersten und zweiten Programm, der Berliner Rundfunk, der Sender Stimme der DDR und Radio Berlin International!“ Man glaubt wirklich Radio Moskau zu hören. Vom Gestus. Wie seinerzeit bei Gagarin. Leider. Und an Begriffe wie „Kampfgenosse“ ist Guido einfach nicht gewöhnt 😉 Also sieh es ihm bitte nach.

  5. Lieber Jörg, vielen Dank für diese Sendung und die m.E. sehr gelungene mediale Spiegelung von „40 Jahre Kosmosflug von Siegmund Jähn“. Besonders interessant die sehr lebendigen und pointierten Schilderungen von Gerhard Kowalski. Danke auch für den Originalton vom DDR-Rundfunk, der sicherlich einen aus heutiger Sicht sehr eigenartigen Pathos hat. „Mit Schrecken gehört“, wie es Guido Meyer allerdings formuliert, kann ich allerdings in dieser Drastigkeit nicht bestätigen. Ein „überhöhter Pathos“ als journalistisches Stilmittel war doch gängig in Zeiten des „Kalten Krieges“ bei scheinbar historisch einmaligen oder denkwürdigen Ereignissen, und zwar durchaus auf beiden Seiten (siehe „Bern 1954“, „Mondlandung der USA“ usw.). Da Guido Meyer so in etwa mein Jahrgang (um 1970 geboren) zu sein scheint, hat mich wiederum das – zumindest von mir so wahrgenommene – Desinteresse und Unaufmerksame an der durchaus beachtlichen Geschichte der Raumfahrt im Ostblock erschrocken. Es ist schade, dass der Reflex „Osten = SED = Propaganda“ (im Westen) immer noch so derart gängig zu sein scheint, und somit tieferes Wissen oder Verständnis von vornherein ausschließt. Der Bogen ist jetzt weit, aber „Cottbus, Chemnitz oder Dresden“ haben m.E. durchaus auch etwas mit diesem überheblichen Desinteresse zu tun, gleichwohl mich bspw. dieses „häßliche Bild“, das von dort ausstrahlt, ebenfalls anwidert.

  6. Moin Herr Wagner,

    wie immer, Super radioeins Podcast. Herr Kowalski scheint ja ein Füllhorn an Hintergrundinformationen zu sein. Man wünscht sich mehr davon. Sehen Sie da eine Möglichkeit, vielleicht sogar ein eigner Podcast Kanal mit ihm?

    Mfg, Carsten Heisler

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