Telekom-Chef Höttges: Nicht alles schlecht reden!

Timotheus Höttges | Foto: © Jörg Wagner
Timotheus Höttges | Foto: © Jörg Wagner


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Wer: Timotheus Höttges, Vorstandsvorsitzender, Deutsche Telekom
Was: Impuls-Vortrag beim VDZ-Publishers‘ Summit: Digitalisierung | 5G verändert die Welt – globale Standortbestimmung
Wo: Berlin, BCC
Wann: rec.: 05.11.2018, 11:16 Uhr

(wörtliches Transkript, Hörverständnisfehler vorbehalten)

(…)

[6:48] Der wesentliche Unterschied zwischen denen und uns ist aber nicht der zwischen Verbrennungsmotor und Elektroantrieb. Es ist nicht Technik, meine Damen und Herren, sondern es ist eine Kulturfrage.

[7:04] Der Unterschied liegt zwischen einer teilweisen aggressiven Nostalgie hier in Europa, hier in Deutschland. Früher war ja alles besser und alles hat besser funktioniert und die Rahmenbedingungen waren günstiger und den Asiaten mit einem enormen Zukunftsoptimismus, nämlich: morgen wird alles besser. Das ist eine grundsätzliche Haltungsfrage, die ich zwischen europäischen, deutschen Unternehmern und den asiatischen werte. Lassen Sie uns also über die Zukunft sprechen. Die kanadische Literaturnobelpreisträgerin Margaret Atwood hat dazu gesagt: „All stories about the future are actually about the now.“ – „Alle Geschichten über die Zukunft handeln eigentlich vom Heute.“ Wer die Zukunft schwarz malt, wer Zukunftsängste schürt, hat also offenbar schon heute Angst und ist schon heute mit dem Status Quo kontinuierlich unzufrieden. Oder kurz: er wird wütend. Das meine ich mit aggressiver Nostalgie.

(…)

[16:56] Gesellschaften sind komplexe Gebilde. Märkte auch. Wenn ich in Deutschland eine Antenne baue, eine Antenne, habe ich erstens eine Bürgerinitiative, zweitens den Denkmal- und Landschaftsschutz auf dem Hals und drittens brauche ich für jede Antenne die Genehmigung der Bundesnetzagentur, die zuvor die Antenne einmisst und überprüft, ob wir Feldstärke, Winkel genauso angetragen haben, wie das entsprechend vorgesehen ist. Bei zehn Antennen, die wir bauen, haben wir drei Bürgerinitiativen, die mindestens zwei Jahre den Bau blockieren.

[17:34] Der durchschnittliche Bau einer Mobilfunkantenne in Deutschland ist heute über 2 Jahre. Selbst wenn wir wollten, wenn wir 5G flächendeckend bräuchten, meine Damen und Herren, nur, um mal Ihnen Fakten zu nennen hier, bräuchten wir 300.000 neue Antennen in Deutschland. Die Telekom betreibt heute 27.000 Antennen in Deutschland. Wir müssten auf 100.000 Antennen hoch, um ein flächendeckendes 5G-Netz zu bauen. Wie das gehen soll vor dem Hintergrund der aktuellen Situation, eine schwierige Frage. In China fällt bürgerlicher Protest gegen Mobilfunkmasten geringer aus als bei uns. Die werden einfach gebaut. Da gibt es keine Diskussion. Ich war gerade bei China Telekom, um mich darüber mal zu informieren, wie sie ihre Masten aufbauen. Interessanterweise bauen sie gar keine zusätzlichen Masten aus, sondern hängen das 5G in die existierende Infrastruktur. Und ja, alle haben dort Empfang, aber sie empfangen eben nicht alles.

(…)








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