Dr. Susanne Pfab zum „Framing-Manual“

Susanne Pfab | Foto: © Jörg Wagner
Susanne Pfab | Foto: © Jörg Wagner


2017 gab der mdr, als ARD-Vorsitzlandesrundfunkanstalt ein Handbuch über Sprache, Framing, Kommunikation in Auftrag. Fast zwei Jahre später entdecken “Tagesspiegel” und “Welt” dieses interne Papier fast zeitgleich. Und besprechen es, lösen damit eine Empörungs- und Skandalisierungswelle aus und eine Leaking-Aktion von netzpolitik.org, in der das Framing Manual der Linguistin Dr. Elisabeth Wehling entgegen urheberrechtlicher Vorbehalte der ARD online gestellt wurde.

Wer:
* Dr. Susanne Pfab, ARD-Generalsekretärin
* Jörg Wagner, Medienjournalist
Was: Interview über die Hintergründe der Beauftragung und des internen Umgangs mit dem „Framing-Manual“
Wann: rec.: 22.02.2019, 17:00 Uhr, veröffentlicht von wesentlichen Teilen des Interviews im radioeins-Medienmagazin vom 23.02.2019 und im rbb Inforadio am 24.02.2019, 10:44/17:44 Uhr
Wo: Berlin, Haus des Rundfunks, Inforadio

(Auszug, wörtliches Transkript, Hörverständnisfehler vorbehalten)

Jörg Wagner: [00:00:00] Herzlich willkommen Dr. Susanne Pfab, ARD-Generalsekretärin. Eigentlich ist Ihre Hauptaufgabe, medienpolitische Dinge zu koordinieren zwischen ARD und anderen Marktteilnehmern bzw. der Medienpolitik. Nun gibt es seit rund zwei Wochen auch Erklärungsbedarf, was die eigene Arbeit, die interne Arbeit in der ARD betrifft. Stichwort „Framing-Manual“. Vielleicht, damit wir uns so ein bisschen auf einer sachlichen Ebene bewegen, wie hat alles angefangen? Also, Dr. Elisabeth Wehling wurde nach Angaben des mdr im März 2017 damit beauftragt, die ARD zu beraten. Seit wann haben Sie als Generalsekretärin mit dem Handbuch über Framing gearbeitet und in welchem Umfang?

Dr. Susanne Pfab: [00:00:40] Wow, viele Fragen auf einmal. Es geht um die Kommunikation unseres Wertes. Und tatsächlich bin ich im Generalsekretariat auch zuständig für Public Value Kommunikation. Und uns geht es darum, den Wert und die Leistungen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks aktiver und deutlich, auch sprachlich deutlicher zu vermitteln. In dem Kontext 2017 hatten wir uns auch aufgrund des an die Länder abzugeben Berichts, damit befasst, welche Versprechen an die Gesellschaft wollen wir im digitalen Zeitalter geben? Was macht uns aus? Und in dem Kontext haben wir dann auch die Kognitionswissenschaftlerin Dr. Elisabeth Wehling, Sie haben sie gerade erwähnt, beauftragt, uns die Erkenntnisse aus der Hirnforschung und Linguistik zu vermitteln, wie man mit Sprache umgeht und daraus ist dann dieses sogenannte „Framing-Manual“ entstanden, welches aber ein Baustein von vielen ist, um sich damit zu befassen, wie sprechen wir über uns selbst, aber wir sprechen noch Dritte über uns selbst? Und welche Botschaften werden dadurch impliziert?

Jörg Wagner: [00:01:50] War das zeitgleich mit dem Mitteldeutschen Rundfunk, dass Sie als ARD-Generalsekretärin sozusagen auch Workshops angeboten haben?

Dr. Susanne Pfab: [00:01:56] Das hat sich eigentlich dann entwickelt. Es Ist eher so, dass wir über die Zusammenarbeit mit Elisabeth Wehling gemerkt haben, dass es wirklich ein ganz grundlegend wichtiges Thema ist, gerade in Zeiten wie heute, in denen so Begriffe wie „Fake News“ oder „Alternative Facts“ ja in den Sprachgebrauch gekommen sind. Und wir erleben, dass Sprache sehr häufig eingesetzt wird, um … ja politische Botschaften emotional zu verpacken und gleich einen ganzen Bedeutungsrahmen mit zu liefern. Und wir kennen solche Begriffe wie „Asyltourismus“, „Abschiebe-Industrie“. Und insofern ist es sehr wichtig, das wäre auch meines Erachtens fahrlässig als eine Institution, die sich tagtäglich mit Sprache befasst, sich nicht damit auseinanderzusetzen, wie wird Sprache benutzt und wie können wir aber vielleicht auch selber sprachlich deutlicher, besser unseren Wert vermitteln. Und ein simples Beispiel war jetzt auch öfter im Gespräch: „öffentlich rechtlicher Rundfunk“ ist korrekt, juristisch korrekt. Das ist der technisch juristische Begriff, aber transportiert gar nichts. Er sagt nichts aus dazu, weshalb wir da sind wofür wir da sind. Und da ist eben für mich wirklich „freier gemeinsamer Rundfunk“ oder auch „Gemeinwohlmedien“ passen für mich viel besser, weil sie einen Aufschluss geben über unseren Auftrag, über unseren Sinn und Zweck. Und „frei“ hat ganz viele verschiedene Komponenten: Wir sind frei zugänglich. Wir sind für alle da. Wir sind unabhängig dank der Finanzierung über die Bürgerinnen und Bürger. Also, da ist vieles drin, was das besser transportiert als einfach nur die Rechtsform-Bezeichnung „öffentlich-rechtlicher Rundfunk“.

(…)








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