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KAPITEL
▶︎ [00:00] Der Medienbote: Vor 20 Jahren
▶︎ [00:19] Bernt von zur Mühlen vorgestellt
▶︎ [01:07] Vom China-Journalismus zu RTL 104.6
▶︎ [04:54] Wie das Medientagebuch entstand
▶︎ [06:33] Warum ein Rückblick nach 20 Jahren?
▶︎ [08:16] Technik, Journalismus und Mediengeschichte
▶︎ [10:04] So erscheint die neue Podcast-Reihe
▶︎ [11:33] Abspann
TRANSKRIPT
[0:00:03]
Jingle: Der Medienbote – vor 20 Jahren. Medien-Tagebuch von Bernt von zur Mühlen.
[0:00:19]
Jörg Wagner: Herzlich willkommen zu einer neuen Serie, zu einer neuen Reihe: „Vor 20 Jahren – Der Medienbote“. Ich begrüße in der Leitung den Autor dieser Zeilen, die wir in täglichen Folgen – mit Ausnahme von Samstag, Sonntag, wenn ich das richtig verstanden habe – hier auch täglich veröffentlichen: Bernt von zur Mühlen. Sie muss man eigentlich nicht vorstellen, aber ich will es dennoch irgendwie versuchen. In Berlin waren Sie ja sehr prominent unterwegs, als RTL 104.6 gestartet ist. Sie waren Geschäftsführer. Aber Sie haben noch viel mehr, ich sage mal, Berufe. Vielleicht stellen Sie die wichtigsten vor: Wann sind Sie ins Mediengeschäft eingetreten, und was machen Sie heute?
[0:01:07]
Bernt von zur Mühlen: Na, ins Mediengeschäft bin ich eigentlich durch Zufälle gekommen. Es entstand in Köln, wo ich wohnte, in den 70er-Jahren innerhalb der Deutschen Welle das Fach – so nenne ich es jetzt mal –, eine Asienredaktion und eine Chinaredaktion. Und durch mein immerwährendes Interesse an China – heute übrigens auch noch – habe ich den leitenden Redakteur kennengelernt, Andreas Donath, einer der besten Übersetzer übrigens von chinesischer Literatur, Poesie und so weiter, der früher beim SPIEGEL arbeitete und große Titelgeschichten über Zhou Enlai und Mao Zedong zu verantworten hatte. Und der guckte mich an, und links waren chinesische Schriftzeichen an seiner Wand, und auf dem Schreibtisch lagen Kurven von Investmentfonds aus Amerika – er liebte es, zu investieren in Aktien –, und der sagte, ohne dass ich das lange erklärte: „Ja, machen. Schreiben Sie mir was.“ Und da fing ich an, für die China- und Asienredaktion regelmäßig Dinge zu schreiben. Und da entstand mehr Hunger eigentlich auf Journalismus. Und dann wurde ich ja eingestellt von den Anfängen der Morgenshow von Radio Luxemburg. Das war, als Thomas Gottschalk anfing. Es war seine Anfangszeit, ich glaube, es war das erste Jahr dort. Keiner kannte ihn so richtig im Haus, aber er war ja sofort der Hochbegabte. Und Thomas stellte mich ein für Radio Luxemburg. Und bevor ich dort anfing – das war im Oktober 1983 –, hatte ich noch die Gelegenheit, eine Chinareise zu machen. Da betreute ich interessierte Deutsche, die nach China fahren wollten. Ich betreute sie als Reiseleiter. Wir durften damals nicht als Journalisten einreisen. Und durch Zufall ergab es sich, dass der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Ministerpräsident Rau, auch Vorsitzender der Sozialdemokratischen Partei … Und ein Journalist der Deutschen Presse-Agentur flüsterte mir sozusagen zu, dass es gar nicht um einen normalen Besuch ging, sondern um die Aufnahme der Parteibeziehungen zwischen KP China und der SPD. Und ich nahm die Gelegenheit wahr. Ich war ja ein Null, ein Nichts. Ich konnte zwar schon auftreten für Radio Luxemburg, aber wer traute schon Radio Luxemburg ein politisches Interview zu? Und in einem der größten Hotels Pekings, 1983, interviewte ich Rau und fragte ihn dann überraschend. Er war sehr nett, freundlich wie immer, zitierte Bibelverse, und ich überfiel ihn mit der Frage: „Sind Sie hier, um mit der KP China die Parteibeziehungen aufzunehmen?“ Und er war wütend, aber antwortete mit dem, was ich natürlich hören wollte: „Ja.“ Und das war mein erster Bericht, per Telefon in einer hackenden Leitung durchgegeben nach Luxemburg. Und dann, ab 1983, war ich, wie gesagt, bei Radio Luxemburg. Dann auch am Ende dieser Phase, nach einem kurzen Intermezzo in einem Industrieunternehmen, war ich ja dann auch Chef von Radio Luxemburg. Und aus dieser Rolle heraus … Wir hatten ja gar nichts mehr in Deutschland außer den Frequenzen von Radio Luxemburg, die dann immer – nicht schwächer wurden technisch, aber marketingmäßig immer schwächer gegenüber den Konkurrenten wie dem hr und so weiter. Da war mein Plan, in der größten Stadt Deutschlands einen Sender hochzuziehen mit neuen Implikationen, mit neuer Formatierung. Und so kam es dann zu 104.6, der ab 1991 seinen Sendebetrieb aufnahm. Wir waren sehr früh, und diesen kleinen Vorteil – so nenne ich es mal – konnten wir jahrelang aufrechterhalten.
[0:04:54]
Jörg Wagner: Die Podcast-Reihe, die wir hier jetzt anbieten, geht auf das Jahr 2006 zurück. Die Idee, täglich ein Tagebuch mit Medienthemen zu schreiben, geht auf welches Ereignis, auf welchen Impuls zurück?
[0:05:09]
Bernt von zur Mühlen: Ja, es war ein gutes Verhältnis, ein freundschaftliches Verhältnis, das ich zu dem Journalisten Dr. Jörn Krieger hatte, der damals quasi aus dem Nichts diesen Medienboten – ist ja ein wunderbarer Name – geschaffen hat. Und wir trafen uns irgendwann mal oder wir telefonierten, und da sagte ich ihm: „Also, passen Sie auf: Wenn das täglich bei Ihnen kommt, dieser Medienbote mit sehr klugen Detailanalysen, dann kann man ja eigentlich auch ein Tagebuch da einpflegen.“ Und er war einverstanden mit dieser Idee. Und seit diesem Zeitpunkt habe ich eben, wie gesagt, drei Jahre lang täglich, im Prinzip bis auf Samstag, Sonntag, mir diesen kurzen Abschnitt herausgeschwitzt. Unter sehr schwierigen Bedingungen habe ich das auch geschrieben, weil ich damals auch ein Restaurant und Café in Luxemburg leitete. Quasi in Nachtschichten, sehr viel lesend natürlich auch, um so dieses tägliche Medientagebuch zu schreiben innerhalb des Medienboten. Also, es war eine rein verschriftlichte Geschichte. Bei gezielten Abonnenten hat er das abgesetzt. Und das, was wir jetzt hier machen – 2006 bis 2009 zu vertonen –, ist eigentlich eine übliche Geschichte: Man sollte einem guten schriftlichen Dokument einen Audiocharakter beifügen.
[0:06:33]
Jörg Wagner: Das sowieso. Aber die Frage stellt sich: Warum alte Kamellen hier noch mal aufführen? Das hat seinen Charme. Ich gehe mal zurück zu Guido Knopp. Der hatte früher immer Wochenschauen vor 40 Jahren sonntags angeboten im Zweiten Deutschen Fernsehen. Und ich fand das unheimlich spannend, weil sich das genau auch auf die Woche bezog – genau, exakt 40 Jahre zuvor. Und man sah, dass bestimmte Entwicklungen entweder abgebrochen sind oder dass man das eins zu eins heute senden könnte. Also, ich sage mal, wenn es um Libanonkonflikt, Palästinenser-Israel-Konflikt geht: Das sind ja immer noch Schlagzeilen, die uns heute in den Nachrichtensendungen zum Beispiel beschäftigen, wo man sich sagt: Hat sich da überhaupt nichts bewegt? Die schlagen sich immer noch die Köpfe ein. Runtergebrochen auf die Medien fand ich sehr spannend, als ich Ihre Notizen, Ihre Tagebucheinträge las, dass manches überhaupt nicht mehr existiert. Obwohl – ich glaube, es kommt wieder – MySpace, habe ich wieder gehört, wird wiederbelebt. Aber so Dinge, die vor 20 Jahren passiert sind: Da war Facebook am Start, da war YouTube in den Kinderschuhen und gehörte noch nicht Google. Und der Katzencontent breitete sich da aus. Und was ist heute daraus für eine mächtige Video-on-Demand-Plattform geworden? Und es ist spannend, einerseits Sie in diesen Aufzeichnungen auch schon vorausdenkend zu lesen – und zu hören in dem Fall jetzt – und das abzugleichen mit der Entwicklung, die um uns herum passiert. Also, das ist meine Faszination. Wenn Sie Ihre eigenen Texte hören oder nachlesen: Was geht Ihnen da durch den Kopf?
[0:08:16]
Bernt von zur Mühlen: Ja, Ähnliches. Also, ich habe ja dieses Medientagebuch schriftlich sozusagen in jeder Nacht dann dem Herausgeber Dr. Jörn Krieger angeboten, der auch unter Schweiß und Tränen – ich glaube, er hat damals in Frankreich gewohnt – den Medienboten dann zusammengestellt hat. Das war dann auf der letzten Seite. Und aus heutiger Sicht … Sie werden das senden unter dem Leitgedanken „Heute vor 20 Jahren“. Das ist ja keine ungewohnte Geschichte. Sie haben es eben mit Guido Knopp erwähnt. Es gibt ja immer noch, glaube ich, auf einem der ARD-Kanäle die „Tagesschau vor 20 Jahren“. Also dieser Rückgriff auf einen Stichtag. Und da gibt es natürlich auch die WDR-Reihe „ZeitZeichen“, die sozusagen frei zurückdreht, die so die historischen Kapitel aufbaut. Das war interessant. Und wenn ich heute diese schriftlichen Reihen von mir angucke: Ich habe über Steve Jobs geschrieben, der ein schwieriger Mensch war. Ich habe über die ersten Parteienpodcasts von CDU und FDP geschrieben, die gar keine Ahnung hatten, was sie da machen. Ich habe über den WDR-Geburtstag geschrieben, wo es große Streitereien gab im Jahre 2006. Ich hatte über Brian Epstein, den Manager der Beatles, geschrieben. Also, was mich immer inspiriert hat, ist, Technik, Journalismus, Medienereignisse, Persönlichkeiten so zu mischen und so zu beobachten, dass sie – wie gesagt, vor 20 Jahren, damals wurde das ja geschrieben – eine spannende Lektüre werden können für, ich würde sagen, Leute, die gerne sehr komprimiert etwas lesen.
[0:10:04]
Jörg Wagner: Und das sind – damit überfordern wir niemanden – jetzt keine stundenlangen Kapitel, sondern das sind kurze Abschnitte, zwei, drei Minuten im Originalton. Jeden Tag, immer zur selben Zeit veröffentlicht, sodass man auch auf dem Weg zur Arbeit oder beim Frühstück sich das anhören kann. Bleiben Sie also oder werden Sie Abonnent dieser speziellen Medienboten-Ausgaben „Vor 20 Jahren“. Wir starten am 31. August 2006 mit dem Medienboten Nummer 500. Wir wollten jetzt nicht durcheinandergeraten, indem wir noch tiefer zurückgehen, sondern dass es exakt 20 Jahre immer ist, wenn diese Folge von Ihnen vorgetragen, vorgelesen, hier veröffentlicht wird. Sind wir also gespannt, Bernt von zur Mühlen, auf den 31. August 2006. So viel können wir schon verraten: Es geht um die Internationale Funkausstellung, als sie noch Internationale Funkausstellung hieß. Sie heißt ja inzwischen „IFA – Innovation for All“. Also, man hat sich von dem eigentlichen Namen inzwischen getrennt. Das Logo ist seltsamerweise immer noch dasselbe, mit diesem Pfeil in Ohr und Auge und diesem Kasten drumherum. Der erinnert an einen Bildschirm. Vielen Dank, Bernt von zur Mühlen, dass wir diese Texte hier der Öffentlichkeit zugänglich machen können.
[0:11:31]
Bernt von zur Mühlen: Bitte, sehr gerne.
[0:11:33]
Jörg Wagner: Schalten Sie wieder ein, wenn es heißt …
[0:11:36]
Jingle: Der Medienbote – vor 20 Jahren. Medien-Tagebuch von Bernt von zur Mühlen. Die Medienhölle! Die Medienhölle!





