Markt und Medien: „Toast Hawaii“ und „Wer gegen wen“ – 60 Jahre Fernsehen in der ARD


Auf den Tag genau, 60 Jahre nach dem am 27.11.1950 das offizielle Versuchsprogramm des Nordwestdeutschen Fernsehdienstes (NWDF) aus dem Bunker in Hamburg gesendet wurde, räumte der Deutschlandfunk für seine Mediensendung „Markt und Medien“ den kompletten Platz frei, um im akustischen Zeitraffer daran zu erinnern, was aus dem „Versuch“ Fernsehen geworden ist.

Was: Markt und Medien
Wo: Deutschlandfunk, Köln
Wann: 27.11.2010, 17:05 Uhr
Wer: Zeitzeugen: Hansjürgen Rosenbauer, Ernst Elitz, Friedrich Nowottny, Stefan Niggemeier



M+M-Redaktionsleiter Andreas Stopp beauftragte meine Kollegin Eleni Klotsikas und mich für diese Spezialsendung. Innerhalb von drei Wochen „gruben“ wir uns 60 Jahre tief in die ARD.


Die ansich komfortable Nettosendezeit von 23:12 ließ statistisch leider nur ca. 4 Minuten pro Jahrzehnt zu, was die Auswahl an typischen, charakteristischen Beispielen sehr schwer machte. Letztlich war der Prozess der Produktion davon bestimmt, zu verdichten und wegzulassen. Ein schmerzhafter Vorgang, der jedoch typisch ist für die meisten journalistischen Formate. Der „Schmerz“ besteht weniger im Kastrationsvorgang selbst, bei dem man auf lieb gewordenes Material verzichtet, als vielmehr im Selbstzweifel, ob man beim Verlust von wichtigen, elementaren Belegen der Geschichte noch gerecht wird.


Es bleibt die Furcht, ob man mit dem Schnitt die Tatsachen „verstümmelt“ und damit eine stark subjektive Sicht erzeugt. Letztlich kann man sich nur aus der Affäre ziehen, in dem man sich zur Subjektivität bekennt, sei es in der leicht abgehobenen Perspektive einer Zeitreise mit dem ARD-Kultraumschiff Orion oder auch durch die Auswahl der Zeitzeugen, die in diesem Fall keine aktuelle Verantwortung für die ARD tragen. Damit wird deutlich, dass es hier keinen wissenschaftlichen oder vollständigen Anspruch auf Objektivität gibt.

Dennoch gibt es die Erwartung und Hoffnung, dass sich die Komplettierung der Geschichte in den Köpfen der Hörer vollzieht, die sich angeregt durch die Collage mit ihrer jeweiligen Biografie erinnern mögen. Erleichtern soll dies der Verzicht auf die klassische, einordnende Autorenstimme. So bleibt mehr Freiraum für die eigene Erinnerung.








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